Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 14 › Seite 110

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-02, Seite 110

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Predigt 7 · Gemeindegeſang 2

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ten hätten. Es wäre kein Geld iv den Kaſſen,
und was man auch heute verſpräch', könnte man
oft morgen mit dem beſten Willen nicht halten.—
Da gilt es denn allerdings, daß ihr Lutheraner
hier zu Land ein Bischen mehr Fleiß thut, als
bisher, das angefangene und von Gott ſo über
Bitten und Verſtehen geſegnete Werk eurerſeits
doch auch durch Liebesgaben, ſo viel an euch liegt,
zu fördern. Und weil ich nun einmal von meh⸗
reren Seiten her aufgefordert worden bin, zu
Miſſionsſtunden Rath zu geben, und durch flei⸗
ßige Mittheilungen über unſere Miſſion Stoff
dazu zu liefern, ſo will ich denn auch meine Ge—
danken frei und offen heraus ſagen. —

Daß man in unſeren letzten betrübten Tagen
die heilige Sache der Miſſion durch ſogenannte
Miſſionsſtunden, wenn nicht am Ende gar durch
beſondere Vereine, betreiben muß, und daß es
dabei dann meiſt nur darauf angelegt wird, durch
eine greuliche Schilderung oft mehr der leiblichen,
als der geiſtlichen Noth der Heiden ein wimmern⸗
des Gefühl des Mitleids zu erregen und auf
dieſe Weiſe Gaben zu erpreſſen — das mag ge⸗
fallen, wem es will — kirchlich iſt es nicht, viel⸗
mehr ein kläglicher Mißſtand. Die jubelnde
Schaar der Erlöſeten in den erſten ſeligen Jahr⸗
hunderten der Chriſtenheit und hernachmals um
die gnadenreiche Zeit der Reformation bedurfte
derlei nicht. Sie war mit dem Reiche Gottes ſo
innig verwachſen, trug ſein Wohl und Wehe ſo
lebendig auf der Seele, daß ſie dergleichen künſt⸗
liche Reizmittel zu eifrigem Dienſt der Kirche und
zu reichlicher Erweiſung der Liebe wohl geradezu
verſchmäht haben würde. Nun denn, laßt die
gute alte Zeit wieder unter uns jung werden;
laßt uns mit dem ewig jungen, kräftigen Wort
der Wahrheit unſern Hörern ihre tiefe Sün den⸗
noth ſo lebendig vor die Seele malen, daß ſie
darob gründlich erſchrecken, — laßt uns ihnen

dann aber auch Chriſtum den Gekreuzigten ſo.

lieblich vor Augen bilden, daß auch ihre Herzen
ſich freuen und ſie Seinen heiligen Namen prei⸗
ſen, und als Seine Erlöſeten nun auch fleißig
werden zu guten Werken, ſo werden ſie einmal an
der eignen Sündennoth die der blinden Heiden
leicht ermeſſen können, andererſeits aber bei jewei⸗
ligen Collecten für Heidenmiſſion die Willigkeit
mitbringen, die allein die Gabe in Gottes Augen
angenehm macht, daß ER ſie nicht bloß am Em⸗
pfänger, ſondern vorzüglich auch am Geber ſelber
ſegnet. — Sollens aber ja Miſſionsſtunden ſein,
nun ſo leſe man, dächt't ich, etwa die heilige
Apoſtelgeſchichte, dieſes rechte Buch der Kirche
und der Miſſion, darinnen uns der Heilige Geiſt
lehrt, wie die Kirche gepflanzt worden iſt, nem⸗
lich durch das gnadenreiche Evangelium, durch
die Predigt vom Glauben, die den Geiſt gibt, und
zeige, wie ſo ohne alle unſer Verdienſt und Wür⸗
digkeit das Reich aller Gnaden durch Wort und
Sacrament auch zu uns kommen iſt, und wir von
Gott nicht nur Beruf, ſondern auch die heilige
Pflicht der Liebe haben, das Wort vom Kreuz
wieder weiter zu tragen zu denen, die noch draußen
ſitzen in Finſterniß und Schatten des Todes.
Dabei kann man dann, ohne jenen ſüßlichen

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Redeſchmuck der meiſten Miſſionsberichte, in der
einfältigen Weiſe, die die Apoſtelgeſchichte lehrt,
allerdings erzählen, wie und wo ſich der ſtarke
Gott auch heute noch durch Sein Wort an den
Seelen der Heiden kräftig erweiſet. — Sollte
jedoch in einer Gemeinde noch gar kein kirchlicher
Sinn erwacht ſein, ſo warte man lieber zu und
mache keine Werkerei aus der Miſſion, damit ſie
ſich nicht am Ende einbilden, Wunder was zu
ſein, weil ſie ſo und ſo viel zur Miſſion gegeben
haben, ſtatt daß ſie, wie ſich's gebührt, Gott dan⸗
keten, daß auch ſie etwas zur Ausbreitung Seines
Reiches thun konnten und durften.

Der HERR aber, der die Herzen lenket, wie
Waſſerbäche, gebe uns Allen rechten Glauben,
brennende Liebe und viel Frucht. A. C.

Was ſoll den Heiden gepredigt werden?

„Brüder“, ſo ſprach einer der erſten gläubig
gewordenen Indianer, Namens Tſchup, in einer
Verſammlung, „Brüder, ich bin ein Heide gewe⸗
ſen und bin unter den Heiden alt geworden, weiß
daher wohl, wie es mit den Heiden iſt. Es kam
einmal ein Prediger zu uns, der wollte uns leh⸗
ren und fing an, uns zu beweiſen, daß ein Gott
ſei. Da ſagten wir: Ei, meinſt Du denn, daß
wir das nicht wiſſen? Gehe nur wieder hin, wo⸗
her Du gekommen biſt. Ein ander Mal kam ein
Prediger und wollte uns lehren; ihr müßt nicht
ſtehlen, ſprach er, nicht ſaufen, nicht lügen u. ſ. w.
Wir antworteten ihm: Du Narr! Denkeſt Du
denn, daß wir das nicht wiſſen? Lerne das erſt
ſelbſt, und lehre die Leute, zu denen Du gehörſt,
daß ſie das nicht thun. Denn wer ſäuff, ſtiehlt,
lügt mehr, als Deine eigenen Leute? So ſchick—
ten wir ihn fort. Nach einiger Zeit kam Chri—
ſtian Heinrich (Miſſionar der Brüdergemeinde
in der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts)
zu mir in meine Hütte und ſetzte ſich neben mich.
Der Inhalt ſeiner Rede war ungefähr dieſer: Ich
komme zu Dir im Namen des HErrn Himmels
und der Erde; der läßt Dich wiſſen, daß er Dich
gern ſelig machen und aus dem Elende reißen
will, in dem Du liegſt. Er iſt zu dem Ende
Menſch geworden, hat ſein Leben für die Men⸗
ſchen dahin gegeben und ſein Blut für ſie ver⸗
goſſen u. ſ. w. Er legte ſich darauf in meiner
Hütte auf ein Brett nieder und ſchlief ein; denn
er war müde von der Neiſe. Da dachte ich: Ei,
was iſt das für ein Mann! Er liegt da und
ſchläft ſo ſanft. Ich könnte ihn ja gleich todt⸗

ſchlagen und in den Wald werfen — wer würde;

darnach fragen? Aber er iſt ohne Sorgen. —
Ich konnte ſeine Worte nicht wieder los werden.

Sie ſielen mir immer wieder ein, und wenn ich
meiſter bis zum Schuhflicker herab, auf eme
Da dachte ich: das

einſchlief, ſo träumte ich von dem Blute, das
Chriſtus für uns vergoſſen.
iſt etwas Anderes, und verdolmetſchte den andern
Indianern die Worte, die Chriſtian Heinrich noch
ferner mit uns redete. So iſt die Erweckung
unter uns durch Gottes Gnade angegangen. Da⸗
her ſage ich euch: Brüder! predigt den Heiden
Chriſtum und ſeinen Tod, wenn ihr unter
ihnen wollt Segen ſchaffen.“

(Ev.⸗luih. Miſſionsblatt von Karl Graul.)

Das Vogelgeſchrei.

Der reiche Kaufſmann Sondersleben in
Frankfurt a. M. hielt die Zeugniſſe und Gebott

des HErrn, ſeines Gottes, wie Einer, dem ſie

nicht blos in die ſtaubige Bibel auf dem Buchen⸗
brette, ſondern tief ins Herz geſchrieben ſind, und
das Schwerſte im Geſetz ließ er nicht dahinten.
An Sonn⸗ und Feiertagen z. E. wurde in ſeinem
Comptoir — ſo heißt bei den Handelsherren die!
Schreibſtube — nicht einmal ein Brief geöffnet.
Hätte auch nichts geholfen. Denn die eiſen⸗
beſchlagenen Läden blieben geſchloſſen, und dit
Mäuſe, welche da den Oblaten-Krümlein aur

Siegelſtock, oder den Broſamen aus der Taſche
des Lehrjungen nachgingen, hatten nicht mehr

Licht als der Maulwurf bei ſeiner unterirdiſchen

Jagd, oder Simſon im Gefängniß der Philiſter
zu Gaſa, wenn er ſein Brod aß.

Nur das Gebot: „Ihr ſollt nicht auf Vogel-

geſchrei achten“ hielt er nicht, und man konnte
von ihm, wie weiland von dem Könige Manaſſe 5
in Jeruſalem, ſagen: „Er achtete auf Vogel⸗
geſchrei.“

Nicht, daß er ſeine Goldbörſe ſchüttelte, wenn

er den Kuckuk im Frühjahr zum erſten Mal rufen

hörte, oder daß er es für ein ſchlimmes Zeichen
hielt, wenn ihm eine ſchreiende Elſter über den
Weg flog, oder daß er an ſein letztes Stündlein
dachte, wenn ſich der Todtenvogel in der Nach⸗
barſchaft hören ließ, oder daß er ſich den Tag
über beſonders in Acht nahm, wenn am Morgen
vor ſeinem Haus eine Henne gekräht hatte. Den
Kuckuk, die Elſter und das Käuzlein ließ er
ſchreien, ſo lange ſie wollten. Er achtete nicht
mehr darauf, als auf eine ſummende Fliege an
ſeinem Fenſter.
Aber wenn im Spätherbſte die erſten Schnee⸗
gänſe hoch über das Mainthal hinflogen und den

Winter anſagten, achtete der reiche Kaufmann auf 4

ihr Geſchrei, wie der Kriegsknecht im Feldlager
auf den Ruf des Trommeters, und machte ſich
auf, allerhand zu thun, daran er im Frühling
und im Sommer nicht dachte.
Er hatte nämlich verſchiedene Waarenlager,
eins immer größer, denn das andere. In dem
einen Speicher lagerten Sandelholz und Indigo
und Purpur ſo viel, daß man damin den ganzen
Strom hätte blau oder roth färben können; alſo
daß es aus dem Main in den Rhein gefleſſen
wäre, wie aus dem Farbhaus eines Schönfärbers
auf die Gaſſe. Der andere Speicher lag vol
Zuckerhüte und Kiſten von unten bis oben an,
und der Kaufherr wäre nicht in Verlegenheit ge⸗
rathen, wenn ſich alle Frankfurter, vom Bürger⸗

Schale Kaffee angeſagt hätten. Und in dem 1
dritten unter der Erde lagen viele Stückfäſſer u⸗
alten Weins hintereinander, und waren ſo groß,
daß man dabei wohl denken mochte an das ge⸗
waltige Faß des Propheten Jeremias, von wel⸗
chem geſchrieben ſteht: „Moab iſt von ſeiner
Jugend auf ſicher geweſen, und auf ſeinen Hefen
ſtille gelegen, und iſt nie aus einen Faß in das 4
andeie gegoſſen, und nie ins Gefängniß gezogen;

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