Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 14 › Seite 109
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-02, Seite 109
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erziehung 2 · Miſſion 29 · Staatsſchule
faſſung nicht allein für das Gedeihen des Staates,
ſondern noch viel mehr für das Gedeihen der Kirche.
Einen zweiten Fehler begeht der „Lutheriſche
Botſchafter“ damit, daß er meint, man ſtoße damit
die Menſchenfreunde vor den Kopf, wenn man ſich
wider die Revolution ſetze. Aber können das
wirklich Menſchenfreunde ſein, die die Revolution
in Schutz nehmen, die ja nichts iſt, als eine wilde
Furie, welche die roheſten Leidenſchaften entfeſſelt
und ſich im Blut der Bürger badet? Daß ein
Volk nach vorhergegangenen Revolutionen ſich
auch wieder glücklicherer Tage erfreut, das iſt nur
in ſofern eine Folge der Revolution, als ſie in
der Hand Gottes eine heilſame Züchtigung der
Volker geweſen iſt. Die nächſte und naturgemäße
Folge aller Revolutionen iſt offenbar nur Ver⸗
wirrung, Noth, Elend, Raub, Mord und Blutver⸗
gießen; wie auch die Erfahrung des letzten Jah⸗
us in unſerem unglücklichen Vaterlande gelehrt
hat. Möge es nach dieſer ſchweren Züchtigung
aus Gottes Barmherzigkeit wieder beſſere Tage
ſehen!
Die demnach wahre Menſchenliebe im Herzen
tragen, können unmöglich deshalb gegen die chriſt⸗
liche Religion eingenommen werden, weil ſie Auf⸗
ruhr und Empörung verdammt. Selbſt die Heiden
haben die chriſtliche Sittenlehre darum bewundert,
daß ſie gebietet, auch den Feind zu lieben, auch
Haß, Feindſchaft und Unrecht mit Großmuth zu
ertragen und ſich nicht zu rächen. Iſt nun dieſes
nicht wider die Menſchenliebe, ſondern eben die
höchſte Menſchenliebe: warum ſoll es denn wider
die Menſchenliebe ſein, wenn das Chriſtenthum
auch folgerecht gebietet, von der Obrigkeit Gewalt
und Unrecht zu leiden, und nicht Gewalt mit
Gewalt zu vertreiben? Was ſoll endlich daraus
werden, wenn Niemand mehr von dem Andern
etwas leiden will?
Ueberdem iſt es ja eine offenbare Verleugnung
der Wahrheit, wenn ein Chriſt oder eine chriſtliche
Zeitſchrift dem Götzen der Revolution, den Got⸗
tis Wort abſolut verdammt, der großen Menge
zu gefallen, Weihrauch ſtreut. Lieber wird ſich
ein Chriſt ädern und rädern laſſen, ehe er ſollte
in eine ſolche Sünde willigen. Daß man gern
beides vermitteln, einerſeits das göttliche Gebot
vom Gehorſam gegen die Obrigkeit anerkennen,
Eundererſeits der Revolution nicht ganz ihr gutes
Recht abſprechen möchte, beruht auf einer bloßen
Selbſttäuſchung. Man ſagt nemlich, daß das
göttliche Gebot die Unterthanen dann nicht mehr
verbinden könne, wenn die Obrigkeit ihres Amtes
uno ihrer Gewalt zur Unterdrückung der Völker
mißbraucht, wenn es Schurken und meineidige
Buben ſind, die auf dem Thron ſitzen. Aber
man ſieht nicht, daß man auf dieſe Weiſe von
dem göttlichen Gebot nach eignem Gutdünken
dispenſiret, eine Praris, die man vielleicht von
dem vermeintlichen Nachfolger Petri gelernt hat.
Wenn es erlaubt wäre, ſich ſolcher gekrönter
Schurken (wie ſie zu ſagen pflegen) zu entledigen,
ſo müßte man auch ein Zeugniß aus der heiligen
Schrift aufweiſen können, daß Gott ſelbſt in die⸗
ſem Falle von ſeinem Gebot dispenſiret. Warum
dürfen denn Zuhörer und Beichtkinder ihren gott⸗
109
loſen Pfarrer fortjagen? Sie haben dazu Befehl
und Macht in Gottes Wort: „Hütet euch vor
dem Sauerteig der Phariſäer und Schriftgelehr⸗
ten“; und Matth. 7, 15: „Sehet euch vor vor
den falſchen Propheten“ ꝛc. Stehet aber auch ein
ſolcher Befehl in der Schrift, ſich vorzuſehen vor
gottloſer Obrigkeit, ſie zu entfernen und ſich von
ihr loszuſagen? Nirgends, ſondern im Gegentheil
die Gebote, welche den Gehorſam gegen die Obrig⸗
keit verlangen, ſind ganz unbedingt dagegen. Dar⸗
um helfen alle Einwendungen nichts, wie fein
und künſtlich ſie auch erſonnen ſind. Und hier
zeigt ſich's wieder einmal, wer ſich dem Worte
Gottes unbedingt unterwirft, auch dann, wenn
es wider ſeinen eigenen Vernunftdünkel ſtreitet;
die Revolutionsfrage iſt in unſerer Zeit eine Frage,
welche die Herzen probirt, ob ſie unerſchütterlich
feſthalten am Wort und Gebote Gottes. Es iſt
ein gutes Zeugniß für die Glaubenstreue unſerer
lutheriſchen Kirche, daß ſie faſt ganz allein dem
Strom entgegen arbeitet, von welchem ſich faſt
alle religiöſen Secten und ihre öffentlichen Organe
haben fortreißen laſſen, und wodurch ſie thatſäch⸗
lich in eine Union mit der Welt eingegangen ſind.
Hier wäre wohl jener Ausruf des „Lutheriſchen
Botſchafters“C: „O, die Verblendung!“ beſſer
am Platze, als daß er die der Verblendung ſchul⸗
digt, deren Blick durch Gottes Wort erleuchtet iſt.
Möchten doch lieber alle chriſtlichen Blätter
ihre Aufgabe erkennen, welche nicht die iſt, die
Gemüther in einer aufgeregten Zeit noch mehr
aufzureizen und ſie in der Sünde zu beſtärken,
deren ſich jetzt Tauſende und aber Tauſende ſchul⸗
dig machen; ſondern ſie lieber zu ermuntern und
zu ermahnen, wie St. Paulus thut: „So ermahne
ich nun, daß man vor allen Dingen zuerſt thue
Bitte, Gebet, Fürbitte und Dankſagung für alle
Menſchen, für die Könige und für alle
Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und ſtilles
Leben führen mögen in aller Gottſeligkeit und
Ehrbarkeit; denn ſolches iſt gut, dazu auch an⸗
genehm vor Gott, unſerem Heilande.“ 1 Tim. 2,
1—3. Dadurch würde auch hier bei uns des
Landes Wohlfahrt unendlich mehr gefördert, als
mit Ausſäung eines ſolchen giftigen und ſchäd—
lichen Samens, der ſeiner Zeit auch hier die trau⸗
rigſten Früchte der Zwietracht und Empörung
bringen könnte. A. Sch.
(Eingeſandti.)
Miſſionsnachrichten aus Frankenmuth.
Wir haben auch heuer wieder, und zwar gleich
in No. 1 des Lutheraner, den Freunden einiges
von unſerer kleinen Miſſion hier im Norden
Michigans erzählt. Nun, der barmherzige Gott
hat gnädiglich geholfen, daß wir abermals Er⸗
freuliches davon berichten können, wofür wir Ihm
vor allen Dingen von Grund unſerer Herzen dan⸗
ken wollen. Die Leſer erinnern ſich vielleicht noch,
daß dort von einer Indianerſchule die Rede war,
die wir eben im Dorfe des Häuptlings Pämaſikeh
am Fluſſe Pine errichtet hätten. Dieſe junge
Pflanzſchule hat bereits mit der Hülfe Gottes
ſchon Pflänzlein des Heils getragen. Als wir
jüngſt oben waren, dem Herrn Miſſionar Baier⸗
lein, der dort arbeitet, ein kleines Töchterlein zu
taufen, hat der Häuptling nicht nur mit Rührung
anerkannt, daß wir von ſo fernen Landen gekom⸗
men ſeien, ſie zu lehren und ihre Kinder zu unter⸗
richten und aufzuziehen, ſondern hat auch im An⸗
geſicht ſeines hohen Alters und ſeiner gebrechlichen
Geſundheit der Miſſion ſeine fünf kleinen Kin⸗
der (drei davon beſuchen die Schule, zwei ſind
noch unmündig) und zwei kleine Enkelchen über⸗
geben und ſelber begehrt, daß ſie getauft würden.
Da nun überdies noch drei Katechumenen, drei
hoffnungsvolle Knaben, da waren, die die Taufe
begehrten, ſo hatten wir zehn Heidenkinder auf
einmal zu taufen. Ja, die beiden erwachſenen
Kinder des Häuptlings, ein verheiratheter Sohn
und eine Tochter, wollten auch ohne Weiteres ge⸗
tauft ſein. waren aber noch nicht gehörig im Ka⸗
techismus unterrichtet, welchem nöthigen Unter⸗
richte ſie nun ſich regelmäßiger zu unterziehen ver⸗
ſprachen. Der Häuptling aber, der bereits eine
ziemliche Kenntniß der heilſamen Wahrheit be⸗
ſitzt und ſchon einige Male, auch dießmal wieder,
erklärt hat, er wolle ſich nächſtes Frühjahr taufen
laſſen, war durch die eindringlichſten Vorſtellun⸗
gen der Gefahr des Aufſchubs dennoch nicht zu
überzeugen, daß der Teufel ihn mit ſolchen be⸗
ſtimmten Zeiten narre, und nur wolle, daß er die
angenehme Zeit, die jetzt ſei, verſäumen möchte.
Nachdem er einmal erklärt hatte, er wolle ſich erſt
nächſtes Frühjahr taufen laſſen, blieb er, ohne
auch nur einen einzigen Grund dafür angeben
zu können oder zu wollen, mit jener plötzlichen
Gleichgültigkeit, die ſo oft die Indianer anwan⸗
delt und an gänzlichen Stumpffinn zu grenzen
ſcheint, bei dieſem Ausſpruch ſtehen, als wäre es
die unbeugſame Willenserklärung eines Groß⸗
moguls. Gott wolle ſich ſeiner in Gnaden er⸗
barmen, ihn aus dieſen Feſſeln der Finſtern iß, die
ihn noch gefangen halten, erlöſen und in Sein
liebes Reich verſetzen, das ER durch Sein Wort
und Sacrament auch zu dieſen Kindern des To⸗
des hat kommen und unter ihnen hat Wurzel
ſchlagen laſſen. Und wie ER tüchtig gemacht hat
zu pflanzen, ſo wolle ER auch tüchtig machen zu
begießen, und wolle Sein gnädiges Gedeihen nicht
verſagen! —
Auch die hieſige Indianerſchule hat ER wieder
um vier Kinder vermehrt, hat auch hier, und
zwar ſchon im September v. J. abermals zwei
hoffnungsvolle Knaben durch die heilige Taufe
zu Seiner lieben Kirche hinzugethan und hat un⸗
ſeren gereifteren Schülern nicht geringe Freude
darüber erweckt, daß ſie nun im Leſen und Buch⸗
ſtabiren ſo weit gekommen ſind, daß ſie das liebe
Gotteswort in ihrer Mutterſprache zu leſen be⸗
ginnen, welches freilich bei den oft rieſengroßen
Wörtern hin und wieder keine kleine Aufgabe iſt.
Während nun der wunderbare Gott ſo auf der
einen Seite reichen Segen gibt, prüft ER auf
der andern unſern Glauben und eure Liebe, indem
ER unſerer Miſſion die bisher von Deutſchland
ſo reichlich gefloſſene Unterſtützung entzeucht. Die
neueſten Nachrichten erklären beſtimmt, daß wir
fürs Erſte von Deutſchland nichts mehr zu erwar⸗
English translation
Not yet translated.