Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 14 › Seite 93

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-03-02, Seite 93

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fanden wir ein elendes, von einem Rationaliſten

gemeinſter Claſſe, mit frömmelnden und hie und
da Glauben heuchelnden Phraſen und Reimereien
ausſtaffirtes und daneben den baarſten, gottes⸗
läſterlichſten Unglauben zur Schau tragendes
Machwerk. Es ekelt uns, die Belege dafür hier⸗
her ſchreiben zu ſollen. Wir halten es jedoch für
heilige Pflicht, zu thun, ſo viel wir nur in unſe⸗
rem engen Kreiſe vermögen, um zu verhüten, daß
dieſes unter einer im Reiche Gottes ſo hoch reſpee⸗
tirten Flagge ſegelnde und darum überaus gefähr⸗
liche Buch nicht auch da Eingang finde, wo man
den Kindern frühzeitig die lautere Milch der gött⸗
lichen Offenbarungen und nicht Gift einflößen will.
Das ganze Buch iſt in einem Styl geſchrieben,
dem es ein von Herzen an Gottes Wort Gläu⸗
biger ſogleich anmerkt, daß der Schreiber kein
gläubiger Chriſt, ſondern ein glaubloſer Moraliſt
war. Wir wollen hier nur einiges Grobe aus⸗
ziehen, in welchem jeder, der nur einige Buchſta⸗
ben der chriſtlichen Lehre gefaßt hat, die Sprache
des Unglaubens vernehmen wird.

Am Schluſſe der Geſchichte vom Sündenfall
heißt es im alten wirklichen Hübner: „Zur
Schlangen aber ſagte Gott: Des Weibes Same
ſoll dir den Kopf zertreten. Es wird aber durch
den verſprochenen Weibesſamen niemand anders
verſtanden, als JIEſus Chriſtus, der in der Fülle
der Zeit von einem Weibe ſollte geboren werden.“
Und in dem Reimvers hierzu heißt es unter an⸗
derem: „Vom Hochmuth will ich mich zu wahrer
Demuth lenken, und ſtets an Adams Fall bei
meinen Kleidern denken.“ In dem neuen
Weyl'ſchen Hübner heißt es: „Darauf trieb
Gott die Menſchen aus dem Paradieſe. Doch
machte er ihnen Hoffnung, daß einer ihrer Nach⸗
kommen Retter von dem Uebel ſein werde.“ Als
Reimvers hierzu folgt:

O wie ſanft iſt, HErr, dein Joch!

O wie leicht dein Vaterwille!

Fühlten alle Seelen doch

Jenen Frieden, jene Stille,

Die in reinen Herzen wohnt

Und den Fleiß der Tugend lohnt!

Ferner heißt es im neuen Hübner: „Süße Be⸗
lohnung war es dem Abraham, daß Melchiſedek
anerkannte, wie viel er gethan hatte.“ Dazu der
Reimvers:

Beweiſ' ich meine Güte,
So ſei mir im Gemüthe
Nicht Stolz und Prahlerei ꝛc.
Ferner heißt es am Schluß der Geſchichte Jo⸗
ſephs im Weyl'ſchen Hübner:
„Sanftmuth, Gottesfurcht und Tugend
Lohnt mit ewig froher Jugend,
Lohnt mit Himmelsſeligkeit.“
(Vergl. Epheſ. 2, 8. 9.)

Von den Opfern und anderen Gebräuchen des
Alten Bundes heißl es: „Israel ſollte dadurch
von ſeinen groben Sünden, von ſeiner Unwiſſen⸗
heit abgezogen werden, damit einſt IEſus reineres
Licht und Verehrung Gottes im Geiſte einführen
könnte.“ (Vergl. Ebr. 8, 3—5. Col. 2, 16. 17.)

Von Davids Sündenfall heißt es: „Wenn der
Böſe fällt, ſo bleibt er liegen; der Fromme aber
erhebt ſich wieder.“ (That alſo David Buße,

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weil er ein frommer Mann war? Oder war ſeine
Sünde eine Schwachheitsſünde?)
Bei Gelegenheit der Geſchichte von dem zwölf—
jährigen IEſusknaben finden wir den Reimvers:
„Wol dem, der in der Jugend
Nie dieſen Pfad verfehlt,
Und Weisheit, Wahrheit, Tugend
Zum Ziel, wie JEſus, wählt.“
(Tugend war alſo auch IEſu Ziel? Vergleiche
Joh. 6, 38. 39.)

Von der Johannistaufe heißt es: „Die Taufe
des Johannes ſollte die Menſchen an die Rei⸗
nigung des Herzens erinnern. Waſſer
reiniget die Menſchen von Flecken und erweicht
das Harte. So ſoll ſich der Menſch reinigen von
den Flecken der Seele, und Gefühl für Wahrheit
und Tugend bekommen.“ (Vergl. Luc. 3, 3.)

Nach Erzählung der Verſuchung Chriſti heißt es:
„Beſiege dich ſelbſt im Stillen, dann erſt kannſt
du Gutes wirken auf Erden. IEſus hätte öffent⸗
lich nicht ſo viel Gutes wirken können, wenn er
nicht in der Stille die Gefahren der Tugend hätte
kennen gelernt. Er hatte Mangel, Spott, unzei⸗
tigen Gebrauch ſeiner hohen Kräfte, falſches Ver⸗
trauen auf Gott, kennen und verachten gelernt.
Nun konnte er furchtlos jeder Gefahr von innen
und außen entgegen gehen. . . Er ertrug den
Hunger, denn auch das mußte er in ſeinem Be⸗
rufe lernen. Er hätte leicht ein mächtiger Mann
werden können, wenn er der Welt geſchmeichelt
hätte. Aber er wollte den Willen ſeines Vaters,
der ihm Leiden auflegte, erfüllen.“ (Sind das
nicht lauter Gottesläſterungen?)

Zur Geſchichte von der Samariterin am Brun⸗
nen macht der Weyl'ſche Hübner die Bemerkung:
„Sprich nicht überall von Religion. Wenn du
aber wahrhaft fromme Menſchen antriffſt, ſo
benutze die Stunden“ ꝛc. (Vergleiche: Matth.
10, 32. 1 Petr. 3, 15.)

Von dem Gichtbrüchigen heißt es: „IEſus
ſah es dem Kranken gewiß an, daß Sün⸗
den ihn drückten .. Deßwegen rief er ihm Ver⸗
gebung zu.“ (Vergl. Joh. 2, 25.)

Von den Läſterern Chriſti heißt es (S. 182.):
„Schlechte Menſchen haben kein Recht über den
edelſten der Menſchen zu urtheilen.“)

Zur Geſchichte vom barmherzigen Samariter
iſt der Reim gegeben: „Einen Schöpfer haben
wir, Einen Vater alle.“ (Vergl. Joh. 8,
42—44. 1 Joh. 3, 10. Epheſ. 2, 3. Joh. 1, 12.)

Zur Geſchichte vom Waſſerſüchtigen wird die
Bemerkung gemacht: „JEſus entzog ſich nicht
den Freuden des Lebens.“ (Vergl. Ebr. 12, 2.)

Zum Gleichniß vom großen Abendmahl: „Willſt

*) Allerdings wird Chriſtus in dem Buch auch hie und
da Sohn Gottes und göttlicher Erlöſer genannt, aber das
darf man ſich nicht täuſchen laſſen. Der Weyl'ſche Hübner
hält darum doch, wie man aus Obigem ſieht, Chriſtum für
einen bloßen Menſchen. Wie das möglich iſt, dies ſagt
u. a. Dr. Krehl (ein Rationaliſt) in ſeinem „Handwörter⸗
buch“: „Göltlich wird Jeſum kein wahrer Rationaliſt
in einem andern Sinne nennen können, als in welchem die
philoſophiſche Begeiſterung von dem göttlichen Plato (einem
heidniſchen Weltweiſen) redet; Selbſttäuſchung iſt es, wenn
man wähnt, dieſes Beiwort bezeichne etwas Anderes, als
menſchliche Vortrefflichkeit, oder in Beziehung auf Jeſum
religiöſe Genialität.“ (Vorrede, S. IX.)

du zum himmliſchen Mahle eingehen, ſo erkenne
zuerſt deine Sünde, lerne ſie verabſcheuen, wirf
Liſt und Betrug von dir, verſöhne dich und trockne
die Thränen, die du auspreßteſt. Der König
wollte ſelbſt das hochzeitliche Kleid geben. Gott
will dir zum Guten beiſtehen, wenn du es auf⸗
richtig ſucheſt.“ (Hiermit vergleiche das ſchöne
Kinderverschen: Chriſti Blut und Gerechtigkeit,
das iſt mein Schmuck ꝛc.)

Vom verlornen Sohne heißt es: „Bei dem
harten Herrn hatte er das nicht verdient, was er
beim Vater hätte verdienen können.“ (Vergl.
Nöm. 11, 6.)

Bei der Geſchichte vom Phariſäer und Zöllner:
„Welche Menſchen erlangen Barmherzigkeit bei
Gott? Die ſich als Sünder erkennen und nicht
kraftlos verzweifeln, ſondern zu Gottes Liebe ihre
Zuflucht nehmen, und ſich ernſtlich beſſern.“ (Der
Glaube an Chriſtum iſt alſo nicht nöthig?)

Zu der Erzählung von der Bekehrung des Cor⸗
nelius: „Keine Religionspartei iſt die allein ſelig⸗
machende; aber die eine macht es uns ſchwerer
als die andere, zum hellen Licht und zum reinen
Frieden zu gelangen. Cornelius war ein Heide,
und ſein Gebet wurde ebenſo wohl von Gott er⸗
hört, als die Gebete der Juden“ ꝛc. (Wurde
alſo Cornelius als ein Heide ſelig? Vergl.
Matth. 7, 13. 14. Joh. 14, 6. Apoſt. 4, 12.
2 Joh. 9.) —

Dies ſei genug. So ſei denn jedermann hier⸗
mit vor dieſem gottloſen Buche gewarnt, wer ſich
warnen laſſen will. Wir wiederholen es: wir
hoffen, Herr Weyl hat dies Buch nicht aus Bos⸗
heit, ſondern aus purer Unwiſſenheit als Hübners
Werk veröffentlicht. Aber wir fragen: welche
grenzenloſe Unwiſſenheit in Betreff der chriſtlichen
Lehre gehört dazu, ein ſolches Buch für gut luthe⸗
riſch und chriſtlich auszugeben? Gott erbarme ſich
über alle Zuhörer, die ſolche Lehrer haben! Denn
„mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg
weiſen? Werden ſie nicht alle Beide in die Grube
fallen?“

Briefe des „Beſuchers“ (einheimiſchen Miſſio⸗

nars) der deutſchen evang.⸗lutheriſchen Synode

von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten an
den Redarteur.

Dubuque, Jowa, 16. Nov. 1848.
Theurer W.!

Endlich iſt es mir möglich, ein Lebenszeichen
von mir zu geben und Dir ein paar Zeilen zuzu⸗
ſenden, die unſerer Verabredung nach längſt ſchon
in Deinen Händen ſein ſollten.

Du ſiehſt, ich bin in den Norden von Jowa
gerathen. Dies iſt freilich das äußerſte Ziel mei⸗
ner Reiſe und wenn mich auch nicht die Kürze der
Zeit und die mir von der Conferenz auferlegte
Pflicht, die Städte Quincy, Burlington und
Bloomington inſonderheit zu beſuchen, nöthigte,
von da an mich wieder ſüdwärts zu wenden, ſo
würde es ſchon die Witterung thun. Allenthal⸗
ben Schnee und Eis und die Wege ſo ungangbar,
daß an ein weiteres Vordringen in den Norden
gar nicht zu denken iſt. Manchem unſerer

English translation

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