# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 02_S110 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ten hätten. Es wäre kein Geld iv den Kaſſen, und was man auch heute verſpräch', könnte man oft morgen mit dem beſten Willen nicht halten.— Da gilt es denn allerdings, daß ihr Lutheraner hier zu Land ein Bischen mehr Fleiß thut, als bisher, das angefangene und von Gott ſo über Bitten und Verſtehen geſegnete Werk eurerſeits doch auch durch Liebesgaben, ſo viel an euch liegt, zu fördern. Und weil ich nun einmal von meh⸗ reren Seiten her aufgefordert worden bin, zu Miſſionsſtunden Rath zu geben, und durch flei⸗ ßige Mittheilungen über unſere Miſſion Stoff dazu zu liefern, ſo will ich denn auch meine Ge— danken frei und offen heraus ſagen. — Daß man in unſeren letzten betrübten Tagen die heilige Sache der Miſſion durch ſogenannte Miſſionsſtunden, wenn nicht am Ende gar durch beſondere Vereine, betreiben muß, und daß es dabei dann meiſt nur darauf angelegt wird, durch eine greuliche Schilderung oft mehr der leiblichen, als der geiſtlichen Noth der Heiden ein wimmern⸗ des Gefühl des Mitleids zu erregen und auf dieſe Weiſe Gaben zu erpreſſen — das mag ge⸗ fallen, wem es will — kirchlich iſt es nicht, viel⸗ mehr ein kläglicher Mißſtand. Die jubelnde Schaar der Erlöſeten in den erſten ſeligen Jahr⸗ hunderten der Chriſtenheit und hernachmals um die gnadenreiche Zeit der Reformation bedurfte derlei nicht. Sie war mit dem Reiche Gottes ſo innig verwachſen, trug ſein Wohl und Wehe ſo lebendig auf der Seele, daß ſie dergleichen künſt⸗ liche Reizmittel zu eifrigem Dienſt der Kirche und zu reichlicher Erweiſung der Liebe wohl geradezu verſchmäht haben würde. Nun denn, laßt die gute alte Zeit wieder unter uns jung werden; laßt uns mit dem ewig jungen, kräftigen Wort der Wahrheit unſern Hörern ihre tiefe Sün den⸗ noth ſo lebendig vor die Seele malen, daß ſie darob gründlich erſchrecken, — laßt uns ihnen dann aber auch Chriſtum den Gekreuzigten ſo. lieblich vor Augen bilden, daß auch ihre Herzen ſich freuen und ſie Seinen heiligen Namen prei⸗ ſen, und als Seine Erlöſeten nun auch fleißig werden zu guten Werken, ſo werden ſie einmal an der eignen Sündennoth die der blinden Heiden leicht ermeſſen können, andererſeits aber bei jewei⸗ ligen Collecten für Heidenmiſſion die Willigkeit mitbringen, die allein die Gabe in Gottes Augen angenehm macht, daß ER ſie nicht bloß am Em⸗ pfänger, ſondern vorzüglich auch am Geber ſelber ſegnet. — Sollens aber ja Miſſionsſtunden ſein, nun ſo leſe man, dächt't ich, etwa die heilige Apoſtelgeſchichte, dieſes rechte Buch der Kirche und der Miſſion, darinnen uns der Heilige Geiſt lehrt, wie die Kirche gepflanzt worden iſt, nem⸗ lich durch das gnadenreiche Evangelium, durch die Predigt vom Glauben, die den Geiſt gibt, und zeige, wie ſo ohne alle unſer Verdienſt und Wür⸗ digkeit das Reich aller Gnaden durch Wort und Sacrament auch zu uns kommen iſt, und wir von Gott nicht nur Beruf, ſondern auch die heilige Pflicht der Liebe haben, das Wort vom Kreuz wieder weiter zu tragen zu denen, die noch draußen ſitzen in Finſterniß und Schatten des Todes. Dabei kann man dann, ohne jenen ſüßlichen 11⁰ Redeſchmuck der meiſten Miſſionsberichte, in der einfältigen Weiſe, die die Apoſtelgeſchichte lehrt, allerdings erzählen, wie und wo ſich der ſtarke Gott auch heute noch durch Sein Wort an den Seelen der Heiden kräftig erweiſet. — Sollte jedoch in einer Gemeinde noch gar kein kirchlicher Sinn erwacht ſein, ſo warte man lieber zu und mache keine Werkerei aus der Miſſion, damit ſie ſich nicht am Ende einbilden, Wunder was zu ſein, weil ſie ſo und ſo viel zur Miſſion gegeben haben, ſtatt daß ſie, wie ſich's gebührt, Gott dan⸗ keten, daß auch ſie etwas zur Ausbreitung Seines Reiches thun konnten und durften. Der HERR aber, der die Herzen lenket, wie Waſſerbäche, gebe uns Allen rechten Glauben, brennende Liebe und viel Frucht. A. C. Was ſoll den Heiden gepredigt werden? „Brüder“, ſo ſprach einer der erſten gläubig gewordenen Indianer, Namens Tſchup, in einer Verſammlung, „Brüder, ich bin ein Heide gewe⸗ ſen und bin unter den Heiden alt geworden, weiß daher wohl, wie es mit den Heiden iſt. Es kam einmal ein Prediger zu uns, der wollte uns leh⸗ ren und fing an, uns zu beweiſen, daß ein Gott ſei. Da ſagten wir: Ei, meinſt Du denn, daß wir das nicht wiſſen? Gehe nur wieder hin, wo⸗ her Du gekommen biſt. Ein ander Mal kam ein Prediger und wollte uns lehren; ihr müßt nicht ſtehlen, ſprach er, nicht ſaufen, nicht lügen u. ſ. w. Wir antworteten ihm: Du Narr! Denkeſt Du denn, daß wir das nicht wiſſen? Lerne das erſt ſelbſt, und lehre die Leute, zu denen Du gehörſt, daß ſie das nicht thun. Denn wer ſäuff, ſtiehlt, lügt mehr, als Deine eigenen Leute? So ſchick— ten wir ihn fort. Nach einiger Zeit kam Chri— ſtian Heinrich (Miſſionar der Brüdergemeinde in der erſten Hälfte des vorigen Jahrhunderts) zu mir in meine Hütte und ſetzte ſich neben mich. Der Inhalt ſeiner Rede war ungefähr dieſer: Ich komme zu Dir im Namen des HErrn Himmels und der Erde; der läßt Dich wiſſen, daß er Dich gern ſelig machen und aus dem Elende reißen will, in dem Du liegſt. Er iſt zu dem Ende Menſch geworden, hat ſein Leben für die Men⸗ ſchen dahin gegeben und ſein Blut für ſie ver⸗ goſſen u. ſ. w. Er legte ſich darauf in meiner Hütte auf ein Brett nieder und ſchlief ein; denn er war müde von der Neiſe. Da dachte ich: Ei, was iſt das für ein Mann! Er liegt da und ſchläft ſo ſanft. Ich könnte ihn ja gleich todt⸗ ſchlagen und in den Wald werfen — wer würde; darnach fragen? Aber er iſt ohne Sorgen. — Ich konnte ſeine Worte nicht wieder los werden. Sie ſielen mir immer wieder ein, und wenn ich meiſter bis zum Schuhflicker herab, auf eme Da dachte ich: das einſchlief, ſo träumte ich von dem Blute, das Chriſtus für uns vergoſſen. iſt etwas Anderes, und verdolmetſchte den andern Indianern die Worte, die Chriſtian Heinrich noch ferner mit uns redete. So iſt die Erweckung unter uns durch Gottes Gnade angegangen. Da⸗ her ſage ich euch: Brüder! predigt den Heiden Chriſtum und ſeinen Tod, wenn ihr unter ihnen wollt Segen ſchaffen.“ (Ev.⸗luih. Miſſionsblatt von Karl Graul.) Das Vogelgeſchrei. Der reiche Kaufſmann Sondersleben in Frankfurt a. M. hielt die Zeugniſſe und Gebott des HErrn, ſeines Gottes, wie Einer, dem ſie nicht blos in die ſtaubige Bibel auf dem Buchen⸗ brette, ſondern tief ins Herz geſchrieben ſind, und das Schwerſte im Geſetz ließ er nicht dahinten. An Sonn⸗ und Feiertagen z. E. wurde in ſeinem Comptoir — ſo heißt bei den Handelsherren die! Schreibſtube — nicht einmal ein Brief geöffnet. Hätte auch nichts geholfen. Denn die eiſen⸗ beſchlagenen Läden blieben geſchloſſen, und dit Mäuſe, welche da den Oblaten-Krümlein aur Siegelſtock, oder den Broſamen aus der Taſche des Lehrjungen nachgingen, hatten nicht mehr Licht als der Maulwurf bei ſeiner unterirdiſchen Jagd, oder Simſon im Gefängniß der Philiſter zu Gaſa, wenn er ſein Brod aß. Nur das Gebot: „Ihr ſollt nicht auf Vogel- geſchrei achten“ hielt er nicht, und man konnte von ihm, wie weiland von dem Könige Manaſſe 5 in Jeruſalem, ſagen: „Er achtete auf Vogel⸗ geſchrei.“ Nicht, daß er ſeine Goldbörſe ſchüttelte, wenn er den Kuckuk im Frühjahr zum erſten Mal rufen hörte, oder daß er es für ein ſchlimmes Zeichen hielt, wenn ihm eine ſchreiende Elſter über den Weg flog, oder daß er an ſein letztes Stündlein dachte, wenn ſich der Todtenvogel in der Nach⸗ barſchaft hören ließ, oder daß er ſich den Tag über beſonders in Acht nahm, wenn am Morgen vor ſeinem Haus eine Henne gekräht hatte. Den Kuckuk, die Elſter und das Käuzlein ließ er ſchreien, ſo lange ſie wollten. Er achtete nicht mehr darauf, als auf eine ſummende Fliege an ſeinem Fenſter. Aber wenn im Spätherbſte die erſten Schnee⸗ gänſe hoch über das Mainthal hinflogen und den Winter anſagten, achtete der reiche Kaufmann auf 4 ihr Geſchrei, wie der Kriegsknecht im Feldlager auf den Ruf des Trommeters, und machte ſich auf, allerhand zu thun, daran er im Frühling und im Sommer nicht dachte. Er hatte nämlich verſchiedene Waarenlager, eins immer größer, denn das andere. In dem einen Speicher lagerten Sandelholz und Indigo und Purpur ſo viel, daß man damin den ganzen Strom hätte blau oder roth färben können; alſo daß es aus dem Main in den Rhein gefleſſen wäre, wie aus dem Farbhaus eines Schönfärbers auf die Gaſſe. Der andere Speicher lag vol Zuckerhüte und Kiſten von unten bis oben an, und der Kaufherr wäre nicht in Verlegenheit ge⸗ rathen, wenn ſich alle Frankfurter, vom Bürger⸗ Schale Kaffee angeſagt hätten. Und in dem 1 dritten unter der Erde lagen viele Stückfäſſer u⸗ alten Weins hintereinander, und waren ſo groß, daß man dabei wohl denken mochte an das ge⸗ waltige Faß des Propheten Jeremias, von wel⸗ chem geſchrieben ſteht: „Moab iſt von ſeiner Jugend auf ſicher geweſen, und auf ſeinen Hefen ſtille gelegen, und iſt nie aus einen Faß in das 4 andeie gegoſſen, und nie ins Gefängniß gezogen;