# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 03 02_S93 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) fanden wir ein elendes, von einem Rationaliſten gemeinſter Claſſe, mit frömmelnden und hie und da Glauben heuchelnden Phraſen und Reimereien ausſtaffirtes und daneben den baarſten, gottes⸗ läſterlichſten Unglauben zur Schau tragendes Machwerk. Es ekelt uns, die Belege dafür hier⸗ her ſchreiben zu ſollen. Wir halten es jedoch für heilige Pflicht, zu thun, ſo viel wir nur in unſe⸗ rem engen Kreiſe vermögen, um zu verhüten, daß dieſes unter einer im Reiche Gottes ſo hoch reſpee⸗ tirten Flagge ſegelnde und darum überaus gefähr⸗ liche Buch nicht auch da Eingang finde, wo man den Kindern frühzeitig die lautere Milch der gött⸗ lichen Offenbarungen und nicht Gift einflößen will. Das ganze Buch iſt in einem Styl geſchrieben, dem es ein von Herzen an Gottes Wort Gläu⸗ biger ſogleich anmerkt, daß der Schreiber kein gläubiger Chriſt, ſondern ein glaubloſer Moraliſt war. Wir wollen hier nur einiges Grobe aus⸗ ziehen, in welchem jeder, der nur einige Buchſta⸗ ben der chriſtlichen Lehre gefaßt hat, die Sprache des Unglaubens vernehmen wird. Am Schluſſe der Geſchichte vom Sündenfall heißt es im alten wirklichen Hübner: „Zur Schlangen aber ſagte Gott: Des Weibes Same ſoll dir den Kopf zertreten. Es wird aber durch den verſprochenen Weibesſamen niemand anders verſtanden, als JIEſus Chriſtus, der in der Fülle der Zeit von einem Weibe ſollte geboren werden.“ Und in dem Reimvers hierzu heißt es unter an⸗ derem: „Vom Hochmuth will ich mich zu wahrer Demuth lenken, und ſtets an Adams Fall bei meinen Kleidern denken.“ In dem neuen Weyl'ſchen Hübner heißt es: „Darauf trieb Gott die Menſchen aus dem Paradieſe. Doch machte er ihnen Hoffnung, daß einer ihrer Nach⸗ kommen Retter von dem Uebel ſein werde.“ Als Reimvers hierzu folgt: O wie ſanft iſt, HErr, dein Joch! O wie leicht dein Vaterwille! Fühlten alle Seelen doch Jenen Frieden, jene Stille, Die in reinen Herzen wohnt Und den Fleiß der Tugend lohnt! Ferner heißt es im neuen Hübner: „Süße Be⸗ lohnung war es dem Abraham, daß Melchiſedek anerkannte, wie viel er gethan hatte.“ Dazu der Reimvers: Beweiſ' ich meine Güte, So ſei mir im Gemüthe Nicht Stolz und Prahlerei ꝛc. Ferner heißt es am Schluß der Geſchichte Jo⸗ ſephs im Weyl'ſchen Hübner: „Sanftmuth, Gottesfurcht und Tugend Lohnt mit ewig froher Jugend, Lohnt mit Himmelsſeligkeit.“ (Vergl. Epheſ. 2, 8. 9.) Von den Opfern und anderen Gebräuchen des Alten Bundes heißl es: „Israel ſollte dadurch von ſeinen groben Sünden, von ſeiner Unwiſſen⸗ heit abgezogen werden, damit einſt IEſus reineres Licht und Verehrung Gottes im Geiſte einführen könnte.“ (Vergl. Ebr. 8, 3—5. Col. 2, 16. 17.) Von Davids Sündenfall heißt es: „Wenn der Böſe fällt, ſo bleibt er liegen; der Fromme aber erhebt ſich wieder.“ (That alſo David Buße, 93 weil er ein frommer Mann war? Oder war ſeine Sünde eine Schwachheitsſünde?) Bei Gelegenheit der Geſchichte von dem zwölf— jährigen IEſusknaben finden wir den Reimvers: „Wol dem, der in der Jugend Nie dieſen Pfad verfehlt, Und Weisheit, Wahrheit, Tugend Zum Ziel, wie JEſus, wählt.“ (Tugend war alſo auch IEſu Ziel? Vergleiche Joh. 6, 38. 39.) Von der Johannistaufe heißt es: „Die Taufe des Johannes ſollte die Menſchen an die Rei⸗ nigung des Herzens erinnern. Waſſer reiniget die Menſchen von Flecken und erweicht das Harte. So ſoll ſich der Menſch reinigen von den Flecken der Seele, und Gefühl für Wahrheit und Tugend bekommen.“ (Vergl. Luc. 3, 3.) Nach Erzählung der Verſuchung Chriſti heißt es: „Beſiege dich ſelbſt im Stillen, dann erſt kannſt du Gutes wirken auf Erden. IEſus hätte öffent⸗ lich nicht ſo viel Gutes wirken können, wenn er nicht in der Stille die Gefahren der Tugend hätte kennen gelernt. Er hatte Mangel, Spott, unzei⸗ tigen Gebrauch ſeiner hohen Kräfte, falſches Ver⸗ trauen auf Gott, kennen und verachten gelernt. Nun konnte er furchtlos jeder Gefahr von innen und außen entgegen gehen. . . Er ertrug den Hunger, denn auch das mußte er in ſeinem Be⸗ rufe lernen. Er hätte leicht ein mächtiger Mann werden können, wenn er der Welt geſchmeichelt hätte. Aber er wollte den Willen ſeines Vaters, der ihm Leiden auflegte, erfüllen.“ (Sind das nicht lauter Gottesläſterungen?) Zur Geſchichte von der Samariterin am Brun⸗ nen macht der Weyl'ſche Hübner die Bemerkung: „Sprich nicht überall von Religion. Wenn du aber wahrhaft fromme Menſchen antriffſt, ſo benutze die Stunden“ ꝛc. (Vergleiche: Matth. 10, 32. 1 Petr. 3, 15.) Von dem Gichtbrüchigen heißt es: „IEſus ſah es dem Kranken gewiß an, daß Sün⸗ den ihn drückten .. Deßwegen rief er ihm Ver⸗ gebung zu.“ (Vergl. Joh. 2, 25.) Von den Läſterern Chriſti heißt es (S. 182.): „Schlechte Menſchen haben kein Recht über den edelſten der Menſchen zu urtheilen.“) Zur Geſchichte vom barmherzigen Samariter iſt der Reim gegeben: „Einen Schöpfer haben wir, Einen Vater alle.“ (Vergl. Joh. 8, 42—44. 1 Joh. 3, 10. Epheſ. 2, 3. Joh. 1, 12.) Zur Geſchichte vom Waſſerſüchtigen wird die Bemerkung gemacht: „JEſus entzog ſich nicht den Freuden des Lebens.“ (Vergl. Ebr. 12, 2.) Zum Gleichniß vom großen Abendmahl: „Willſt *) Allerdings wird Chriſtus in dem Buch auch hie und da Sohn Gottes und göttlicher Erlöſer genannt, aber das darf man ſich nicht täuſchen laſſen. Der Weyl'ſche Hübner hält darum doch, wie man aus Obigem ſieht, Chriſtum für einen bloßen Menſchen. Wie das möglich iſt, dies ſagt u. a. Dr. Krehl (ein Rationaliſt) in ſeinem „Handwörter⸗ buch“: „Göltlich wird Jeſum kein wahrer Rationaliſt in einem andern Sinne nennen können, als in welchem die philoſophiſche Begeiſterung von dem göttlichen Plato (einem heidniſchen Weltweiſen) redet; Selbſttäuſchung iſt es, wenn man wähnt, dieſes Beiwort bezeichne etwas Anderes, als menſchliche Vortrefflichkeit, oder in Beziehung auf Jeſum religiöſe Genialität.“ (Vorrede, S. IX.) du zum himmliſchen Mahle eingehen, ſo erkenne zuerſt deine Sünde, lerne ſie verabſcheuen, wirf Liſt und Betrug von dir, verſöhne dich und trockne die Thränen, die du auspreßteſt. Der König wollte ſelbſt das hochzeitliche Kleid geben. Gott will dir zum Guten beiſtehen, wenn du es auf⸗ richtig ſucheſt.“ (Hiermit vergleiche das ſchöne Kinderverschen: Chriſti Blut und Gerechtigkeit, das iſt mein Schmuck ꝛc.) Vom verlornen Sohne heißt es: „Bei dem harten Herrn hatte er das nicht verdient, was er beim Vater hätte verdienen können.“ (Vergl. Nöm. 11, 6.) Bei der Geſchichte vom Phariſäer und Zöllner: „Welche Menſchen erlangen Barmherzigkeit bei Gott? Die ſich als Sünder erkennen und nicht kraftlos verzweifeln, ſondern zu Gottes Liebe ihre Zuflucht nehmen, und ſich ernſtlich beſſern.“ (Der Glaube an Chriſtum iſt alſo nicht nöthig?) Zu der Erzählung von der Bekehrung des Cor⸗ nelius: „Keine Religionspartei iſt die allein ſelig⸗ machende; aber die eine macht es uns ſchwerer als die andere, zum hellen Licht und zum reinen Frieden zu gelangen. Cornelius war ein Heide, und ſein Gebet wurde ebenſo wohl von Gott er⸗ hört, als die Gebete der Juden“ ꝛc. (Wurde alſo Cornelius als ein Heide ſelig? Vergl. Matth. 7, 13. 14. Joh. 14, 6. Apoſt. 4, 12. 2 Joh. 9.) — Dies ſei genug. So ſei denn jedermann hier⸗ mit vor dieſem gottloſen Buche gewarnt, wer ſich warnen laſſen will. Wir wiederholen es: wir hoffen, Herr Weyl hat dies Buch nicht aus Bos⸗ heit, ſondern aus purer Unwiſſenheit als Hübners Werk veröffentlicht. Aber wir fragen: welche grenzenloſe Unwiſſenheit in Betreff der chriſtlichen Lehre gehört dazu, ein ſolches Buch für gut luthe⸗ riſch und chriſtlich auszugeben? Gott erbarme ſich über alle Zuhörer, die ſolche Lehrer haben! Denn „mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weiſen? Werden ſie nicht alle Beide in die Grube fallen?“ Briefe des „Beſuchers“ (einheimiſchen Miſſio⸗ nars) der deutſchen evang.⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten an den Redarteur. Dubuque, Jowa, 16. Nov. 1848. Theurer W.! Endlich iſt es mir möglich, ein Lebenszeichen von mir zu geben und Dir ein paar Zeilen zuzu⸗ ſenden, die unſerer Verabredung nach längſt ſchon in Deinen Händen ſein ſollten. Du ſiehſt, ich bin in den Norden von Jowa gerathen. Dies iſt freilich das äußerſte Ziel mei⸗ ner Reiſe und wenn mich auch nicht die Kürze der Zeit und die mir von der Conferenz auferlegte Pflicht, die Städte Quincy, Burlington und Bloomington inſonderheit zu beſuchen, nöthigte, von da an mich wieder ſüdwärts zu wenden, ſo würde es ſchon die Witterung thun. Allenthal⸗ ben Schnee und Eis und die Wege ſo ungangbar, daß an ein weiteres Vordringen in den Norden gar nicht zu denken iſt. Manchem unſerer