Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 5 › Seite 39

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-29, Seite 39

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Feinde 3 · Glaube 27 · Gott 2 · Kirche und Staat 3 · Tod 3 · Union 2 · Luther 5

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Tage dieſer ſeiner letzten Schlacht gab er zum Lo⸗
ſungswort: „Gott mit uns!“ Kurz vor An⸗
fang des Treffens ritt er noch einmal vor ſeiner
in Schlachtordnung aufgeſtellten Armee hin, und
Eref den Soldaten laut zu: „Nun wollen wir
daran, das walte der liebe Gott! IEſu, IEſu, hilf
Du mir heute ſtreiten, zu Deines heiligen Na⸗
nens Ehre!“ So ging er in die Schlacht, in
Per er die Todeswunde empfing. Er fiel ſterbend
hom Pferde mit dem Seufzer: „Mein Gott!
Mein Gott!“ —

*

ö Welhe Verfolgung iſt am meiſten zu fürchten?

Nicht allein die offenbare Verfolgung und An⸗
Fſechtung mit Verſtoßung und Verjagung der
Knechte Gottes iſt zu fürchten; man kann ſich
leichter vorſehen, wenn das, was man zu fürchten
hat, offenbar iſt; und wenn der Feind es gerade
herausſagt, daß er unſer Feind iſt, ſo wird das
berz ſchon vorher zum Kampfe vorbereitet. Mehr
iſt der Feind dann zu fürchten und mehr hat man
ſich vor ihm zu hüten, wenn er heimlich geſchli⸗
chen kommt, wenn er mit Frieden gleißt und ſich
damit verborgene Angriffe erſchleicht. .. Was
hann aber liſtiger, was feiner angelegt ſein, als
daß der durch Chriſti Erſcheinung entdeckte und
gestürzte Feind, da er die Götzen verlaſſen und
ſeine Wohnſitze und Tempel wegen der großen
Menge der Gläubiggewordenen verödet ſieht, ſich
den neuen Betrug ausgeſonnen hat, die Unvor⸗
ſichtigen unter dem Titel des chriſtlichen Namens
Izu täuſchen? Er hat Secten und Spaltungen
erfunden, um dadurch den Glauben umzuſtoßen,
die Wahrheit zu verfälſchen, die Einigkeit zu zer⸗
reißen. Diejenigen, welche er in Blindheit ihres
Falten Weges nicht erhalten kann, überliſtet und
betrügt er durch einen falſchen neuen Weg.
Er reißt die Menſchen aus der Kirche heraus und
indem ſie wähnen, ſich nun dem Lichte genaht zu
haben und der Nacht dieſer Welt entflohen zu
ſein, ſo bringt er in ſie, ohne daß ſie es wiſſen,
eine andere Finſterniß, daß ſie, ohne bei dem
Evangelio Chriſti und bei dem Geſetze zu bleiben,
ſich Chriſten nennen und in Finſterniß wandeln,
das Licht zu haben vermeinen, indem ſie deſſen
Eder böſe Feind ſchmeichleriſch überredet, der ſich
nach dem Ausſpruch des Apoſtels in einen Engel
des Lichts verſtellt und ſeine Diener zu Predigern
der Gerechtigkeit herausſchmückt, die die Nacht
für Tag und das Verderben für Heil ausgeben.
(Cypriani Tract. de simplic. prael.)
(Eingeſandt.)
Das Sterbebette eines Indianers.

Pushmataha, ein Häuptling der Choctaw⸗In⸗
dianer, ſtarb in Washington. Als ſeine Gefähr⸗
ten ſich um ſein Sterbebette verſammelt hatten,
ſagte er: „Ich werde ſterben, aber ihr werdet zu⸗
rückkehren zu euren Brüdern. Wenn ihr eures
Weges dahin zieht, werdet ihr die Blumen ſehen,
und die Vögel ſingen hören; doch Pushmataha
wird ſie nicht mehr ſehen und nicht mehr hören.
Wenn ihr nach Hauſe kommt, wird man euch
fragen: wo iſt Pushmataha? und ihr werdet zu

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ihnen ſagen: er iſt nicht mehr! Sie werden die
Kunde hören, wie den Fall einer mächtigen Eiche
in der Tiefe des Waldes!“ (Aus Thomas L.
MeKenney on the origin etc. of the Indians,
pag. 88.)

Welche ſchreckliche Troſtloſigkeit in dieſen Wor⸗
ten! Sein ganzes Leben verzehrt der arme heid⸗
niſche Indianer in Jagd und Krieg, bis er hoff⸗
nungslos von den Blumen und Singvögeln ſei⸗
nes Vaterlandes Abſchied nimmt.

Wie ganz anders das Sterbebette eines Chri⸗
ſten! Seinem gläubigen Blicke erglänzen die ſeli⸗
gen Auen des ewigen Lebens, getroſt befiehlt er
ſeine Seele in die Hände ſeines IEſus, und ent⸗
ſchlummert ſanft in ihm; denn der Tod iſt für
ihn ein Schlaf worden.

Leſer! JEſus iſt aller Heiden Troſt, auch der
armen heidniſchen Indianer. Bete für ſie, daß
auch ſie ſich ſeiner bald getröſten mögen. Fick.

Königliche Toleranz.

So unduldſam und verfolgungsſüchtig einſt
Kaiſer Ferdinand II. im 30jährigen Kriege ſich
gegen die Lutheraner bewies, ſo weit war König
Guſtav Adolph von Schweden, der den Luthera⸗
nern zu Hülfe geeilt war, davon entfernt. Merk⸗
würdig iſt Ein großes Wort, welches dieſer wahr⸗
haft große Mann einſt nach Eiunahme einer
katholiſchen Stadt ausſprach, als man ihn auf⸗
forderte, nun zur Bekehrung der Katholiſchen
Gewalt zu brauchen. Er ſprach: „Im Staate
iſt jeder rechtgläubig, der den Geſetzen gemäß lebt:
die Menſchen vor der Hölle zu bewahren, iſt Sache
der Prediger, und nicht der Könige!“ — Welch'
eine herrliche Erkenntniß von dem Unterſchied des
geiſtlichen und weltlichen Regiments offenbart zu⸗
gleich dieſes Wort wahrhaft chriſtlicher Duldung!

Anion.

Als Joſeph's II. Toleranzedict erſchienen war
und Toleranz (Duldung Andersgläubiger) das
dritte Wort des Wieners war, ließ ein Gaſtwirth
auf ſein Aushängeſchild durch den Anzug kenntlich
einen katholiſchen, einen lutheriſchen und einen
reformirten Geiſtlichen, die Hände ſich reichend,
malen mit der Unterſchrift: „Gaſthof zum
Toleranzel.“

Die heilſame Verführung.

Einſt fragte ein gelehrter Mann Luthern: wie
er's doch am jüngſten Tage verantworten wolle,
daß er ſo vieler gelehrter Leute Meinung verwerfe
ſonderlich unter den Sacramentirern, und ſich ſo⸗
mit allein für klug halte? Hierauf gab Luther
folgende Antwort mit lachendem Munde: „So
will ich's verantworten: Lieber HErr Chriſte, will
ich ſagen, daß ſie alle gelehrt waren, wußte ich
wohl, ich that aber ſo thörlich, weil ich das Ver⸗
trauen hatte zu dir, du, Chriſte, wärſt gelehrter
und weiſer, denn ſie und alle Welt; haſt du mich
denn verführt, ſo will ich gern verführt ſein.“

Schwacher Glaube.

Einſt klagte ein Weib Dr. Luthern, ſie könne
gar nicht mehr glauben. Der Doctor fragt ſie:
Könnt ihr auch euren Kinderglauben? Ja, ſagt
das Weib. Und wie ſie nun die drei Artikel des
Glaubens andächtig herſagt, fragt ſie Luther wei⸗
ter: haltet ihr dies auch für wahr? Die Frau ſpricht:
ja freilich! Wahrlich, verſetzt hierauf Luther,

liebe Frau, haltet ihr im Glauben dieſe Worte für

wahr, wie ſie denn nichts als die Wahrheit ſind,
ſo gläubet ihr ſtärker, denn ich; denn ich muß alle

—

Tage um Mehrung des Glaubens auch bitten.
Auf dieſe Worte danket die Frau Gott und geht
mit Fried und Freude hinweg.

Die weltliche Macht des Pabſtes und der
Biſchöfe.

Als einſt ein Fürſt-Biſchof in großer Pracht
und Herrlichkeit mit einem großen Gefolge von
Soldaten an einem Bauernhofe vorüber ritt, trat
der Bauer in die Thür und, den fürſtlichen Zug
erblickend, kreuzigte er ſich mit ſichtlichen Zeichen
des Entſetzens. Der Biſchof hält an und fragt
den Bauer, was ihm iſt. Der Bauer antwortet,
er ſei erſchrocken über den weltlichen Glanz Sr.
Gnaden; denn ſo viel er wiſſe, ſeien die alten
frommen Biſchöfe gar einfältig und niedrig ein⸗
hergegangen. Als nun hierauf der Biſchof erwie⸗
dert, daß er jetzt nicht als Biſchof, ſondern als
Fürſt einher ziehe und daß er zu Hauſe als Biſchof
ohne alle weltliche Hoheit in groher Andacht und
Demuth in ſeiner Kirche ſich halte; da bittet der
Bauer den Biſchof, er wolle ihm doch eine Frage
gnädig zu gut halten, und ſetzt hinzu: „Aber ſagt
mir doch, gnädigſter Herr, wenn nun Ihr als
Fürſt um eurer Pracht und Wolluſt willen zum
Teufel fahret, wo wird denn dann wohl der Bi⸗
ſchof bleiben?“ —

Der beſchämte Kaiſer.

Der römiſche Kaiſer Trajan ſagte einſt zu Rabbi
Joſua: Ihr lehrt, daß euer Gott überall ſei, und
rühmt euch, daß er unter eurem Volke wohne. Ich
möchte ihn doch einmal ſehen. „Gott iſt ganz
gewiß überall gegenwärtig“, erwiederte Joſua,
„aber er kann nicht geſehen werden; kein ſterbliches
Auge kann ſeine Herrlichkeit ſchauen.“ Der Kaiſer
beſtand jedoch auf ſeiner Forderung. „Gut“,
ſagte Joſua, „wollen wir aber zuerſt einmal ver⸗
ſuchen, einen ſeiner Geſandten anzuſchauen.“ Der
Kaiſer willigte ein. Nun führte ihn der Rabbi
um die Mittagszeit in's Freie, und hieß ihn die
Sonne in ihrem mittägigen Glanze anſchauen.
Ich kann nicht, ſagte Trajan, das Licht blendet
mich. „Du biſt nicht im Stande“, entgegnete
hierauf Joſua, „das Licht eines ſeiner Geſchöpfe
zu ertragen, wie kannſt du erwarten, daß du die
ſtrahlende Herrlichkeit des Schöpfers anſchauen
mögeſt? Würde dich nicht ein ſolches Licht ver⸗
nichten?“ —

Luthers Größe nach dem Zeugniß eines
Reformirten.

Wenn man von Luthers Größe redet, müßte
man nicht nur die großen Eigenſchaften in Er⸗
wägung ziehen, die er beſaß, ſondern auch die
Fehler, die er ſo leicht hätte haben können, und
von denen er frei blieb. Manche von Denjenigen,
die vor ihm auf eine Reformation der Kirche hin⸗
arbeiteten, ließen ſich durch ihre Ungeduld verlei⸗
ten, über die Verhältniſſe hinauszugehen, und
Dinge zu anticipiren, die noch nicht reif waren.
Und wie leicht hätte nicht auch Luther, bei ſeiner
feurigen Gemüthsart, in eine ſolche Uebereilung
verfallen können? Aber wir ſehen, daß nur dann
erſt, wenn die Vorſehung ihm ſchon die Verhält⸗
niſſe gebildet, und gleichſam das Haus gebaut, er
in die Verhältniſſe eintritt, um ſie mit ſeiner Thä⸗
tigkeit auszufüllen, und von dem Hauſe Beſitz
nimmt. Beſonders verehrenswürdig iſt es, daß bei
der außerordentlichen Höhe, worauf er geſtellt, bei
der ungeheuren Bewegung, die durch ihn veran⸗
laßt ward, ſein Herz von Eitelkeit und Hochmuth,
die unter ſolchen Umſtänden die menſchliche
Schwäche leicht hätten beſchleichen können, frei
geblieben iſt. Mit dieſen Eigenſchaften hängt es
denn auch zuſammen, daß ihm ein milderes Loos
zu Theil geworden iſt, als es gewöhnlich Denen

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