Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 5 › Seite 40
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-29, Seite 40
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zu fallen pflegt, deren Gott ſich bedient, um große
Dinge in ſeiner Kirche auszurichten; daß er bei
ſeinem apoſtoliſchen Berufe doch die Leiden und
Freuden eines kleinſtädtiſchen deutſchen Familien⸗
vaters geſchmeckt und noch vor dem Ausbruch des
durch ihn erweckten Kriegsgetöſes ſein Leben
durch einen ruhigen Tod beſchloſſen hat.
Theremin.
Wie ein Jeſuitenſchülerlein ſich zu helfen
ſucht.
Wir hatten, wie der Leſer weiß, Jahrg. 4, No.
25 unſeres Blattes, ſicben goldene Jeſuiten⸗
regelchen bekannt gemacht, die allein ſchon hin⸗
reichend wären, den Jeſuitenorden in ſeiner gan⸗
zen Verwoifenheit ans Licht zu ziehen. Herrn
Oertel, der längere Zeit bei den Jeſuiten in die
Schule gegangen iſt, denſelben daher kindliche
Verehrung zollt, iſt das nicht entgangen. Wie
ſucht ſich nun das Jeſuitenſchülerlein zu helfen?
Erſtlich ſchreibt er: „Wären auch — um den
ſchlimmſten Fall anzunehmen — von einzelnen
Jeſuiten jemals Sätze aufgeſtellt worden, die we⸗
der nach Form noch Inhalt gebilligt werden könn⸗
ten, ſo müßte erſt bewieſen werden, daß die Kirche
ſelbſt dergleichen lehre.“ Zweitens ſetzt Herr
Oertel jenen ſieben Regelchen ſieben parodox (ſon⸗
derbar) klingende Ausſprüche Luthers entgegen.
Was nun erſtlich den Zweifel betrifft, den Herr
Oertel gegen die Echtheit der mitgerheilten Je⸗
ſuitenſprüche ſich merken läßt, ſo nehmen wir ihm
denſelben keinesweges übel, da er es ja auch
ſonſt beurkundet hat, daß er in der römiſchen
Lehre nicht eben takifeſt iſt und davon einſt gar
manches wider Wiſſen mit in den Kauf genom⸗
men hat. Daß aber Herr Oertel ſagt, es „müſſe
eiſt bewieſen werden, daß die Kirche ſelbſt derglei⸗
chen lehre“, das ſind offenbar faule Fiſche, mit
welchen er die Leſer von der Sache ablenken und
entſchlüpfen will, denn es iſt hier ja nicht von der
„Kirche“, ſondern von den Jeſuiten die Rede
(von denen übrigens bekannt iſt, daß keiner der⸗
ſelben ohne Erlaubniß ſeiner Obern, alſo des
Ordens, ein Buch ediren darf). Was endlich
die Paradoxa betrifft, welche Herr Oertel aus
Luther den von uns zum Beſten gegebenen Je⸗
ſuitenlehren entgegen ſetzt, ſo möge der Leſer an
einem Beiſpiele ſehen, daß die „heiligen Väter“
an dem theuren Sohne nicht vergeblich gearbeitet
haben. Um nemlich zu zeigen, was für ein gott⸗
loſer Ketzer Luther ſei, ſo führt Herr Oeriel aus
Luthers Tiſchreden auf die Frage: „Was die
heilige Schrift ſei?“ folgende Antwort an: „Man
thue die zehn Gebote Gottes hinweg“, ſagte einſt
Dr. M. Luther über Tiſch, „ſo hören alle Ketze⸗
reien auf; denn die zehn Gebote ſind ein Brunn⸗
quell, daraus alle Ketzerei entſpringt und fleußt,
denn die heilige Schrift iſt ein Buch aller Ketzer.“
Herr Oertel macht es hier wieder, wie vor meh⸗
reren Jahren, da er auch Luthers Beſchreibung
eines Predigers, wie er nach dem Urtheil
der Welt ſein müſſe, als Luthers eigene
Meinung hinſtellte. Luther redet nemlich in den
angeführten Worten ironiſch, das heißt, er ſtellt
ſich, als wäre es damit ſein wahrer Ernſt, um
damit der Feinde des Wortes Gottes zu ſpotten,
daß aus dem Bibelleſen nichts als Ketzerei komme.
Er will ſagen: „Es iſt wahr, liebe Papiſten, gäbe
es kein Wort Gottes mehr, ſo gäbe es freilich
auch keine Ketzereien, keine Verfälſchungen des
Wortes Gottes mehr! Es iſt alſo wahr, würde
man Gottes Woit und Gebote abthun, wie ihr
Papiſten gerne möchtet, ſo wäre dem Uebel der
Ketzereien, daruber ihr ſo klaget, mit einem Mal
abgeholfen für immer.“ Um hierzu zum Ueber⸗
fluß nur Eine Beweisſtelle aus Luthers Schrif⸗
ten anzuführen, ſo ſchreibt derſelbe u. A. folgen⸗
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dermaßen: „Hier werden freilich die Papiſten
getroſt ſchreien: Siehe, du bekenneſt und flageſt
ſelbſt, daß viel Rotten und Aufruhr entſteben;
wer hat aber anders Urſach dazu gegeben, denn
eben du (Luther) mit deiner Lehre, daraus ſolcher
Unrath iſt kommen? — Das iſt jetzt ihre Kunſt,
damit ſie des Luthers Lehre, wie ſie ſich dünken
laſſen, zu Grunde umſtoßen. Es gemahnet mich
aber ihrer Kunſt, als wenn einer, derſelben nach,
wollte klügeln und ſagen: wo Gott nicht gute
Engel geichaffen hätte, ſo wäre auch kein Teufel
worden, denn aus den guten Engeln ſind die
Teufel kommen ꝛc. Alſo gings der Biblia
unter dem Pabſt auch, die man öffent⸗
lich ein Ketzerbuch hieß, und ihr Schuld
gab, die Ketzer behülfen ſich aus der Biblia; wie
ſie auch noch thun und ſchreien: Kirche! Kirche!
wider und über die Biblia. Und Emſer, der weiſe
Mann, wollte nicht wiſſen, obs zu rathen wäre,
daß man die Biblia verdeutſchete, vielleicht auch
nicht, ob ſie ebräiſch, griechiſch oder lateiniſch zu
ſchreiben geweſt ſei, weil ſie und die Kirche ſo gar
uneins ſind. Weil denn ſolches die Biblia, welche
des Heiligen Geiſtes eigen ſonderlich Buch, Schrift
und Wort iſt, von ihnen muß leiden und aller
Ketzerei Mutter und Schützerin geſchändet wird;
warun ſollten wir's nicht vielmehr leiden, daß
ſie uns aller Ketzerei und Aufruhr Schuld auf⸗
legen? Eine Spinne ſauget Gift aus der lieben
Roſen, darinnen ein Bieniein eitel Honig findet;
was kann ſie dazu, daß ihr ſüßes Honig der Spin⸗
nen zu Gift wird?“ (Luth. Werke. Hall. A.“
XIV, 480. ff.)
Der liebe Leſer ſieht, daß unſer Jeſuitendisci⸗
pul nur damit ſich aus der Affare (Klemme) zu
ziehen weiß, daß er, was Luther in heiligem Spott
aus dem Herzen der Feinde redet, ihm ſelbſt zu⸗
ſchreibt; wie wenn jemand aus jenem Spott des
Elias (1 Könige 18, 27.) die Folgerung ziehen
wollte, daß dieſer Prophet geglaubt habe, es gäbe
einen Gott Baal, der zuweilen über Feld ginge
und ſchliefe, daher man ihn durch lautes Schreien
zum Aufwachen bringen müßte.
Die Wetterhähne.
Als Kaiſer Conſtantin der Große ein Chriſt
wurde und dies öffentlich bekannte, da gab es viele
unter den Kaiſerlichen Beamten, welche nun auch
mit ihm das Heidenthum verließen und das
Chriſtenthum annahmen nicht aus Ueberzeugung,
ſondern aus Furcht, die Gunſt des Kaiſers und
damit ihre einträglichen Ehrenſtellen zu verlieren.
Dem Kaiſer, welchem ſein Chriſtenthum ein Ernſt
war, entging dies jedoch nicht; er veſchloß daher,
ſeine Räthe und Dienerſchaft auf die Probe zu
ſtellen. Und was thut er? Eines Tages ruft er
ſein ganzes Hofgeſinde vor ſich und erklärt, er habe
leider einſehen müſſen, daß das Chriſtenthum die
rechte Religion nicht ſei, und er ſei daher ent⸗
ſchloſſen, zum Heidenthum zurückzukehren, und die
öffentliche Verehrung der alten römiſchen Götter
wieder einzuführen; er wolle nun zwar nie⸗
manden zwingen, ſeinem Beiſpiele zu folgen, doch
verſtehe ſich von ſelbſt, daß diejenigen unter ſeinen
Dienern, welche Chriſten bleiben wollten, hiermit
ihres Dienſtes entlaſſen ſeien. Sogleich wurde
nun ein Altar mit einem Götzenbild aufgerichtet
und denjenigen, welche demſelben opfern würden,
des Kaiſers beſondere Gnade und Beförderung
zu den höchſten Ehrenſtellen verheißen. Was ge⸗
ſchah? Ungeſcheut verleugneten jetzt nicht wenige
der Hofleute den Chriſtus, den ſie noch kurz vor⸗
her, da noch ein anderer Hofwind wehte, laut be⸗
kannt hatten, und opferten dem Götzen; nur einige
blieben ſtandhaft, und erklärten dem Kaiſer, ſie
wollten lieber mit Chriſto arm und verachtet, als
P. Röbbelen (11 Ex.), Peter Rückert, Joh. Schmidt.
ohne Chriſtum reich und geehrt ſein, und verließen,
zwar unter dem Spott der Abtrünnigen, aber
fröhlich und getroſt ihre Aemter und Güter.
Kaum iſt dies jedoch geſchehen, ſo verſammelt der
Kaiſer die Abgefallenen um ſich, eröffnet ihnen,
daß dies alles nur eine Maßtegel geweſen ſei,
ihre Treue auf die Probe zu ſtellen, und gibt
ihnen nun den Beſcheid: „Ihr Elenden, wie ſol⸗
let ihr mir treu ſein, die ihr eurem Gort und En⸗
löſer untreu ſeid? Hebt euch von dannen und
kommt mir nie wieder unter die Augen.“ Eilends
aber werden hierauf die Treugebliebenen wieder
an den Hof gerufen und von nun an vom Kaiſer
des höchſten Vertrauens gewürdiget.
Die Union.
Eine beträchtliche Anzahl von Geiſtlichen aus
der Provinz Sachſen und Pommern haben das
Cultusminiſterium um Auflöſung der Union er⸗
ſucht, worauf ihnen der Beſcheid wurde, daß der
lutheriſchen Kirche kein Hinderniß mehr entgegen⸗
ſtehe, ſich frei und ſelbſtſtändig zu organiſiren.
Nach einem Aufruf in der „Evang. Kzig.“ ſollte
am 28ſten Juni eine Zuſammenkunft lutheriſcher
Geiſtlichen zu Wittenberg Statt finden.
(Der deutſche Kirchenfreund.)
E ii p E ngen
für den Bau einer Kirche der „Erſten deut⸗
ſchen Ev.-Lutheriſchen St. Paulus⸗Gemeinde“
in Chicago, Ill.
Durch Hrn. P. Hoffman von der Ev.-Lutheriſchen St. Pe⸗
trus-Gemeinde zu Schaumburg, Ill. P9.00
P. Johannes, von der St. Johannis⸗
Gemeinde zu Sulphur Spring, Mo. 3.00
1.00
7.
ferner erhalten:
Von Hrn. Winkler in Detroit..
Durch Hrn. P. Streckfuß von der Ev.-Lutheriſchen
Zions-Gemeinde, Van Wert Co., O. 32.00
Durch Prn. P. Stredfuß von Hrn. Bienz. 1.00
3.00
Durch Hrn. F. W. Barthel, in St. Louis:
von Hrn. G. H. Brockſchmidt..... 52.00
„ Conr. Kalbfleiſch.. 1.00
Georg Vetter...... 0.75
„ K. E. Schuricht.. 0.95
„ Vater Schuricht... 0.25
7. F. W. Schuricht ..H—9 5.00
Siegm. Koch..... 1.00
7 Römer CSSCGCCe‚‚ 1.00
von einem Ungenannien.. 1.00
von einem Ungenannten..... 2.00
von Hrn. Conrad Eckart. 2.00
von einem Ungenannten..... 2.00
von Hrn. Sauer.. 1.00
von einem Ungenannten.... 1.05
von Hrn. N. in Alteuburg.... 0.25
von Hrn. L. in Altenburg ... 0.25
durch Hrn. P. Muller in Central
Townſh., St. Louis Co., geſammelt 1.70
923.20
Gottes reicher Segen den iheuren Gebern.
A. Selle, Paſtor.
Erhalten
für die lutheriſche Miſſion am Fluſſe Cass in
Michigan:
52.25 von der Gemeinde des Hrn. P. Schieferdecker bei
Waterloo, Ill. 352.40 von deſſen Gemeinde in Col umbia,
Monroe Co., Iu. S3.00 von Hrn. Traug. Volz. 5I.00
von der luth. Gemeinde in Gallion, Crawford Co., Chio.
50 Cis. durch Hrn. P. Lochner.
für die Synodal-Miſſions⸗Caſſe:
52.50 von Gemeindegliedern in Altenburg. 50 Cis. von
Ungenannten.
Bezahlt.
Den 4. Jahrg. Die HH. P. Beſt (5 Ex.), Drenkhahn,
Joh. Friedrich, Friedr. Klepper.
Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. Hofſtädter.
Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Drenkhahn, Hof-3
ſtädter, Louis Hemme.
Den 5. Jahrg. Die HH. Ameis, Baum, P. Beſt, Broch⸗
ichmidt sen., I. Becker, Duhardt, Hermann, Hintelmann,
P. Lehmann, Markworth, Nönnig, Poppitz, P. Richmann,
Gottlob Schmidt, Joh. Schmidt, Steinbrück, P. Straſen, P.
Streckfuß, Hur. Thöle, P. Wolff, Schuppan, Gf. Schmidt.
Den 6. Jahrg. Hr. Baum.
Gedruckt bei Arthur Olshaufen,
Herausgeber des Anzeiger des Weßenz.
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