# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 29_S39 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Tage dieſer ſeiner letzten Schlacht gab er zum Lo⸗ ſungswort: „Gott mit uns!“ Kurz vor An⸗ fang des Treffens ritt er noch einmal vor ſeiner in Schlachtordnung aufgeſtellten Armee hin, und Eref den Soldaten laut zu: „Nun wollen wir daran, das walte der liebe Gott! IEſu, IEſu, hilf Du mir heute ſtreiten, zu Deines heiligen Na⸗ nens Ehre!“ So ging er in die Schlacht, in Per er die Todeswunde empfing. Er fiel ſterbend hom Pferde mit dem Seufzer: „Mein Gott! Mein Gott!“ — * ö Welhe Verfolgung iſt am meiſten zu fürchten? Nicht allein die offenbare Verfolgung und An⸗ Fſechtung mit Verſtoßung und Verjagung der Knechte Gottes iſt zu fürchten; man kann ſich leichter vorſehen, wenn das, was man zu fürchten hat, offenbar iſt; und wenn der Feind es gerade herausſagt, daß er unſer Feind iſt, ſo wird das berz ſchon vorher zum Kampfe vorbereitet. Mehr iſt der Feind dann zu fürchten und mehr hat man ſich vor ihm zu hüten, wenn er heimlich geſchli⸗ chen kommt, wenn er mit Frieden gleißt und ſich damit verborgene Angriffe erſchleicht. .. Was hann aber liſtiger, was feiner angelegt ſein, als daß der durch Chriſti Erſcheinung entdeckte und gestürzte Feind, da er die Götzen verlaſſen und ſeine Wohnſitze und Tempel wegen der großen Menge der Gläubiggewordenen verödet ſieht, ſich den neuen Betrug ausgeſonnen hat, die Unvor⸗ ſichtigen unter dem Titel des chriſtlichen Namens Izu täuſchen? Er hat Secten und Spaltungen erfunden, um dadurch den Glauben umzuſtoßen, die Wahrheit zu verfälſchen, die Einigkeit zu zer⸗ reißen. Diejenigen, welche er in Blindheit ihres Falten Weges nicht erhalten kann, überliſtet und betrügt er durch einen falſchen neuen Weg. Er reißt die Menſchen aus der Kirche heraus und indem ſie wähnen, ſich nun dem Lichte genaht zu haben und der Nacht dieſer Welt entflohen zu ſein, ſo bringt er in ſie, ohne daß ſie es wiſſen, eine andere Finſterniß, daß ſie, ohne bei dem Evangelio Chriſti und bei dem Geſetze zu bleiben, ſich Chriſten nennen und in Finſterniß wandeln, das Licht zu haben vermeinen, indem ſie deſſen Eder böſe Feind ſchmeichleriſch überredet, der ſich nach dem Ausſpruch des Apoſtels in einen Engel des Lichts verſtellt und ſeine Diener zu Predigern der Gerechtigkeit herausſchmückt, die die Nacht für Tag und das Verderben für Heil ausgeben. (Cypriani Tract. de simplic. prael.) (Eingeſandt.) Das Sterbebette eines Indianers. Pushmataha, ein Häuptling der Choctaw⸗In⸗ dianer, ſtarb in Washington. Als ſeine Gefähr⸗ ten ſich um ſein Sterbebette verſammelt hatten, ſagte er: „Ich werde ſterben, aber ihr werdet zu⸗ rückkehren zu euren Brüdern. Wenn ihr eures Weges dahin zieht, werdet ihr die Blumen ſehen, und die Vögel ſingen hören; doch Pushmataha wird ſie nicht mehr ſehen und nicht mehr hören. Wenn ihr nach Hauſe kommt, wird man euch fragen: wo iſt Pushmataha? und ihr werdet zu 39 ihnen ſagen: er iſt nicht mehr! Sie werden die Kunde hören, wie den Fall einer mächtigen Eiche in der Tiefe des Waldes!“ (Aus Thomas L. MeKenney on the origin etc. of the Indians, pag. 88.) Welche ſchreckliche Troſtloſigkeit in dieſen Wor⸗ ten! Sein ganzes Leben verzehrt der arme heid⸗ niſche Indianer in Jagd und Krieg, bis er hoff⸗ nungslos von den Blumen und Singvögeln ſei⸗ nes Vaterlandes Abſchied nimmt. Wie ganz anders das Sterbebette eines Chri⸗ ſten! Seinem gläubigen Blicke erglänzen die ſeli⸗ gen Auen des ewigen Lebens, getroſt befiehlt er ſeine Seele in die Hände ſeines IEſus, und ent⸗ ſchlummert ſanft in ihm; denn der Tod iſt für ihn ein Schlaf worden. Leſer! JEſus iſt aller Heiden Troſt, auch der armen heidniſchen Indianer. Bete für ſie, daß auch ſie ſich ſeiner bald getröſten mögen. Fick. Königliche Toleranz. So unduldſam und verfolgungsſüchtig einſt Kaiſer Ferdinand II. im 30jährigen Kriege ſich gegen die Lutheraner bewies, ſo weit war König Guſtav Adolph von Schweden, der den Luthera⸗ nern zu Hülfe geeilt war, davon entfernt. Merk⸗ würdig iſt Ein großes Wort, welches dieſer wahr⸗ haft große Mann einſt nach Eiunahme einer katholiſchen Stadt ausſprach, als man ihn auf⸗ forderte, nun zur Bekehrung der Katholiſchen Gewalt zu brauchen. Er ſprach: „Im Staate iſt jeder rechtgläubig, der den Geſetzen gemäß lebt: die Menſchen vor der Hölle zu bewahren, iſt Sache der Prediger, und nicht der Könige!“ — Welch' eine herrliche Erkenntniß von dem Unterſchied des geiſtlichen und weltlichen Regiments offenbart zu⸗ gleich dieſes Wort wahrhaft chriſtlicher Duldung! Anion. Als Joſeph's II. Toleranzedict erſchienen war und Toleranz (Duldung Andersgläubiger) das dritte Wort des Wieners war, ließ ein Gaſtwirth auf ſein Aushängeſchild durch den Anzug kenntlich einen katholiſchen, einen lutheriſchen und einen reformirten Geiſtlichen, die Hände ſich reichend, malen mit der Unterſchrift: „Gaſthof zum Toleranzel.“ Die heilſame Verführung. Einſt fragte ein gelehrter Mann Luthern: wie er's doch am jüngſten Tage verantworten wolle, daß er ſo vieler gelehrter Leute Meinung verwerfe ſonderlich unter den Sacramentirern, und ſich ſo⸗ mit allein für klug halte? Hierauf gab Luther folgende Antwort mit lachendem Munde: „So will ich's verantworten: Lieber HErr Chriſte, will ich ſagen, daß ſie alle gelehrt waren, wußte ich wohl, ich that aber ſo thörlich, weil ich das Ver⸗ trauen hatte zu dir, du, Chriſte, wärſt gelehrter und weiſer, denn ſie und alle Welt; haſt du mich denn verführt, ſo will ich gern verführt ſein.“ Schwacher Glaube. Einſt klagte ein Weib Dr. Luthern, ſie könne gar nicht mehr glauben. Der Doctor fragt ſie: Könnt ihr auch euren Kinderglauben? Ja, ſagt das Weib. Und wie ſie nun die drei Artikel des Glaubens andächtig herſagt, fragt ſie Luther wei⸗ ter: haltet ihr dies auch für wahr? Die Frau ſpricht: ja freilich! Wahrlich, verſetzt hierauf Luther, liebe Frau, haltet ihr im Glauben dieſe Worte für wahr, wie ſie denn nichts als die Wahrheit ſind, ſo gläubet ihr ſtärker, denn ich; denn ich muß alle — Tage um Mehrung des Glaubens auch bitten. Auf dieſe Worte danket die Frau Gott und geht mit Fried und Freude hinweg. Die weltliche Macht des Pabſtes und der Biſchöfe. Als einſt ein Fürſt-Biſchof in großer Pracht und Herrlichkeit mit einem großen Gefolge von Soldaten an einem Bauernhofe vorüber ritt, trat der Bauer in die Thür und, den fürſtlichen Zug erblickend, kreuzigte er ſich mit ſichtlichen Zeichen des Entſetzens. Der Biſchof hält an und fragt den Bauer, was ihm iſt. Der Bauer antwortet, er ſei erſchrocken über den weltlichen Glanz Sr. Gnaden; denn ſo viel er wiſſe, ſeien die alten frommen Biſchöfe gar einfältig und niedrig ein⸗ hergegangen. Als nun hierauf der Biſchof erwie⸗ dert, daß er jetzt nicht als Biſchof, ſondern als Fürſt einher ziehe und daß er zu Hauſe als Biſchof ohne alle weltliche Hoheit in groher Andacht und Demuth in ſeiner Kirche ſich halte; da bittet der Bauer den Biſchof, er wolle ihm doch eine Frage gnädig zu gut halten, und ſetzt hinzu: „Aber ſagt mir doch, gnädigſter Herr, wenn nun Ihr als Fürſt um eurer Pracht und Wolluſt willen zum Teufel fahret, wo wird denn dann wohl der Bi⸗ ſchof bleiben?“ — Der beſchämte Kaiſer. Der römiſche Kaiſer Trajan ſagte einſt zu Rabbi Joſua: Ihr lehrt, daß euer Gott überall ſei, und rühmt euch, daß er unter eurem Volke wohne. Ich möchte ihn doch einmal ſehen. „Gott iſt ganz gewiß überall gegenwärtig“, erwiederte Joſua, „aber er kann nicht geſehen werden; kein ſterbliches Auge kann ſeine Herrlichkeit ſchauen.“ Der Kaiſer beſtand jedoch auf ſeiner Forderung. „Gut“, ſagte Joſua, „wollen wir aber zuerſt einmal ver⸗ ſuchen, einen ſeiner Geſandten anzuſchauen.“ Der Kaiſer willigte ein. Nun führte ihn der Rabbi um die Mittagszeit in's Freie, und hieß ihn die Sonne in ihrem mittägigen Glanze anſchauen. Ich kann nicht, ſagte Trajan, das Licht blendet mich. „Du biſt nicht im Stande“, entgegnete hierauf Joſua, „das Licht eines ſeiner Geſchöpfe zu ertragen, wie kannſt du erwarten, daß du die ſtrahlende Herrlichkeit des Schöpfers anſchauen mögeſt? Würde dich nicht ein ſolches Licht ver⸗ nichten?“ — Luthers Größe nach dem Zeugniß eines Reformirten. Wenn man von Luthers Größe redet, müßte man nicht nur die großen Eigenſchaften in Er⸗ wägung ziehen, die er beſaß, ſondern auch die Fehler, die er ſo leicht hätte haben können, und von denen er frei blieb. Manche von Denjenigen, die vor ihm auf eine Reformation der Kirche hin⸗ arbeiteten, ließen ſich durch ihre Ungeduld verlei⸗ ten, über die Verhältniſſe hinauszugehen, und Dinge zu anticipiren, die noch nicht reif waren. Und wie leicht hätte nicht auch Luther, bei ſeiner feurigen Gemüthsart, in eine ſolche Uebereilung verfallen können? Aber wir ſehen, daß nur dann erſt, wenn die Vorſehung ihm ſchon die Verhält⸗ niſſe gebildet, und gleichſam das Haus gebaut, er in die Verhältniſſe eintritt, um ſie mit ſeiner Thä⸗ tigkeit auszufüllen, und von dem Hauſe Beſitz nimmt. Beſonders verehrenswürdig iſt es, daß bei der außerordentlichen Höhe, worauf er geſtellt, bei der ungeheuren Bewegung, die durch ihn veran⸗ laßt ward, ſein Herz von Eitelkeit und Hochmuth, die unter ſolchen Umſtänden die menſchliche Schwäche leicht hätten beſchleichen können, frei geblieben iſt. Mit dieſen Eigenſchaften hängt es denn auch zuſammen, daß ihm ein milderes Loos zu Theil geworden iſt, als es gewöhnlich Denen