Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 5 › Seite 37
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-29, Seite 37
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Heilige · Union 1 · Vereinigung 1
niedergeſchlagenerem Herzen durch den „Luthe⸗
raner“ zur öffentlichen Kunde gebracht haben,
als dies.
3 Der Aufſatz, auf welchen wir uns hierbei be⸗
rithen, iſt in der Nummer des Lutheran Stand-
ard“ vom 11. d. M. unter dem Departement
New Philadelphia (Grünwald?) enthalten und
lautet unter der Aufſchrift „die Generalſynode“,
wie folgt:
„Wir wünſchen unſere Leſer mit dem Stand
der Kirche und mit den Vorgängen in den ver⸗
ſchitdenen Abtheilungen derſelben in Bekanntſchaft
zu erhalten. Obgleich einige Verſchiedenheit ſo⸗
vohl in Lehren als in Maßregeln ſtatt findet, ſo
ſind wir doch Eine Kirche (e), und unſere Glie⸗
Peer von allen Partheien haben ein Inteieſſe, mit
den Verhandlungen unſerer kirchlichen Körper be⸗
kannt zu werden, mögen ſie dieſelben nun bis auf
alle Einzelnheiten billigen, oder nicht. Aus die⸗
ſer Urſache haben wir in der gegenwärtigen Num⸗
mner eine Anzahl Auszüge aus den Verhandlungen
der Generalſynode geliefert. Es wird von allen
zugeſtanden, mögen ſie nun Gönner oder Wider⸗
ſacher der Generalſynode ſein, daß dieſer Körper
einen ſehr wichtigen Einfluß auf den Charakier
der lutheriſchen Kirche in den Vereinigten Staaten
Wausübe, und daher müſſen alle ein Intereſſe füh⸗
len, die Verhandlungen derſelben zu kennen.
Möge es uns hier geſtattet ſein, darzulegen, was
vielleicht ſchon allen unſern Leſern wohl bekannt
iſt, daß wir für unſre Perſon immer zu einer Union
(Vereinigung) aller unſerer Synoden mit der
Generalſynode geneigt geweſen ſind. Ohne ir⸗
gend Jemanden unſre Anſichten aufdringen zu
wollen, wollen wir es wagen, unſere Gründe,
warum wir zu einer ſolchen Verbindung geneigt
ſind, vorzulegen, und unſere Leſer mögen dieſelben
annehmen oder verwerfen, wie es ihnen beliebt.
„I. Eine Verbindung mit der Generalſynode
erfordert nicht, daß man irgend eine lutheriſche
Lehre oder Maßregel, welche den altlutheriſchen
Synoden theuer iſt, verleugne.
„. Eine Union mit der Generalſynode erfor⸗
dert oder ſchließt nicht eine Billigung oder Recht⸗
ſprechung irgend einer beſondern Lehre oder Maß⸗
regel in ſich ein, welche die einzelnen Glieder die⸗
ſer Synode vertreten.
3. Wären ſolche Synoden, wie die von Penn⸗
ſolvanien und von Ohio, in der Generalſynode
tepräſentirt, ſo würden die Lehren und Maßregeln,
welche jene Synoden vertreten, beſſer bekannt
werden und einen weitern Kreis von Freunden
E gewinnen.
„A. Der Einfluß, welchen dieſe Synoden auf
den Charakter der Kirche in den Vereinigten
4Staaten auszuüben im Stande ſein würden,
wüdde bei weitem wichtiger und wohlthätiger ſein,
als er jetzt iſt.
„5. Jene Synoden würden auch ſelbſt aus
einer ſolchen Verbindung einen weſentlichen Vor⸗
theil ziehen in mehrern Rückſichten, inſon derheit
indem ſie etwas von dem löblichen Eifer für die
lirchlichen Anſtalten in ſich aufnehmen würden,
wie er ſich bei jenen Synoden zeigt, welche jetzt
nit der Generalſynode in Verbindung ſtehen.
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„6. Eine ſolche Union aller unſerer Synoden
würde zum Zweck haben, Vorurtheile zu mindern,
unſere Prediger einander bekannt zu machen und
unſere Kirche auf eine höhere Stufe der Einigkeit
in der Geſinnung und einmüthigen Handelns zu
bringen.
„7. Eine Synode kann in Verbindung mit der
Generalſynode treten, und doch ihre gegenwärtige
Verfaſſung behalten, wie mit der New York
Synode der Fall war.
„S. Kein Beſchluß (act) der Generalſynode iſt
für die einzelnen Synoden bindend, wenn er nicht
durch die letzteren beſtätigt iſt; daher kann eine
ſolche Union der Unabhängigkeit der einzelnen
Synoden nicht im mindeſten einen Eintrag thun.
„9. Es wird nicht verlangt, daß von unſern
Gemeinden Beiträge zur Kaſſe der Generalſynode
aufgebracht werden. ö
„10. Die Koſten der Reiſe der Delegaten zi
ihren Verſammlungen werden von der General⸗
ſynode aus dem Fond bezahlt, welcher aus dem
Verkauf der Geſangbücher eutſteht.
„Dieſe Gründe, zugleich mit andern, welche
vorgelegt werden könnten, haben uns immer mit
überwincender Kraft zu Gunſten einer Verbin⸗
dung mit der Generalſynode geſtimmt. Dem ſei
nun, wie ihm wolle, unſere Leſer ſind nun im
Stand über die Stärke jener Gründe zu urtheilen,
wie wir; und mit ihnen verlaſſen wir ſie.“
So weit der „Lutheran Standard“. Für
diesmal theilen wir unſern Leſern dieſen überaus
bedauerlichen, Gottes Wort durchaus widerſpre⸗
chenden Aufſatz zur Erwägung und Warnung
nur mit, und behalten uns vor, denſelben in
nächſter Nummer mit dem Lichte des Wortes
Gottes zu beleuchten.
Bileams Eſel.
5 Moſ. 22, 28.
Unter allen Wundern der Schrift muß keins
mehr herhalten, als Bileams redender Eſel.
Dieß arme Thier iſt mit den Pfeilen des Spottes
ſchon ſo hageldick beſchoſſen worden, daß es freilich
kein Wunder wäre, es könnte ſchon längſt nicht
mehr wie ein Eſel ſchreien, geſchweige menſchlich
ſprechen.
„Ein Eſel mit menſchlicher Sprache!!“ Die
Sache ſcheint unſern lichtklaren Denkern ſo völlig
ungereimt, ſo ganz undenkbar, daß ſie ohne alle
Widerrede das tollſte Mährlein ſein muß. Und
da pflegen ſie natürlich den Schluß zu machen:
welchen Werth kann man einem Buche beilegen,
das ſolche Sachen für baare Münze gibt?
Aber was noch ärger iſt, ſelbſt gläubigere Leute,
die gerne das göttliche Anſehen der Schrift auf⸗
recht gehalten wüßten, die andere Wunder in der
Bibel ohne Bedenken annehmen, werden von
Bileams Eſel in Verlegenheit geſetzt, und ihr
Herz ordentlich, wie Bileams Fuß, an die Wand
geklennnt.
Ich möchte aber doch in aller Welt wiſſen, was
uns denn hindert, dieſes offenbar als Thaiſache
erzählte und im Neuen Teſtamente (2 Pet. 2, 16.)
beſtätigte Wunder gelten zu laſſen?
Sollte es denn dem lieben Gott pur unmöglich
geweſen ſein, aus einer Eſels⸗-Kehle menſchliche
Worte hervorgehen zu laſſen? Es iſt bekannt,
daß das Thierorgan nicht durchaus unfähig zu
unſern Sprachen iſt. Jenes Baders Staar
konnte ſein: „Ich bin des Baders Staar!“ „Du
Tolpatſch!“ ꝛc. ſehr deutlich ausſprechen. Ein
Cardinal in Rom hatte einen Papageien, wel⸗
cher die drei Glaubensartikel wie der beſte Kate⸗
chismusſchüler aufſagte. Und nun ein Eſel, der
läßt ja ſchon von Natur zwei unſrer Selbſtlauter
(IJ A) in ziemlicher Reinheit vernehmen. Was
könnte der am Ende, wenn's auf ſein Organ
ankäme! Warum ſollte denn der liebe Gott, von
dem man noch dazu behaupten darf, daß er all⸗
mächtig iſt, nicht einmal ausnahmsweiſe in eines
ſolchen Thieres Kehle die Worte habe legen kön⸗
nen: „Was habe ich gethan, o mein Herr Bi⸗
leam, daß du mich geſchlagen haſt?“ Ach, ich
glaube gar, daß Gott auch nöthigenfalls die
Steine könnte reden laſſen (Luc. 19, 40.), die
doch noch keine zwei Vokale von Natur loshaben.
Daß aber bei unſerm Wunder der liebe Gott und
nicht der Eſel das Meiſte gethan, ſteht ausdrück⸗
lich dabei, denn es heißt: „Der HErr that der
Eſelin den Mund auf.“
Ein Wunder bleibts freilich immer; es ſoll
aber auch eins ſein. Aber ich bitte — nicht
die Lichtfreunde, ſondern die Schwachgläubigen
mit dem geklemmten Herzen, ich bitte ſie recht an⸗
gelegentlich, daß ſie ſich's doch einmal genau über⸗
legen möchten, ob denn dieſes Wunder mit der
redenden Eſelin ein größeres und — ſo zu ſagen
— unmöglicheres Wunder ſei, als wenn der
SErr 5000 Mann mit 5 Broden ſpeiſ't und noch
12 Körbe voll Brocken übrig bleiben.
„Glaubt ihr das letztere, ſo könnet ihr auch das
erſtere glauben von ganzem Herzen. Ich glaub's,
in vollkommenſtem Ernſte. Wenn ich's aber
nicht glaubte, ſo glaubte ich auch an Jericho's
ſtürzende Mauern, an Eliä barmherzige Raben
und viel anderes nicht; ich glaubte dann auch
an die fünf wunderbaren Brode nicht.
W. Redenbacher.
Luthers Urtheil über die Heiligen.
Ich ſage nicht, daß ich ſie durchaus nicht für
Heilige oder für die Kirche Gottes halte, die du
anführſt, ſondern daß es nicht bewieſen werden
könne, daß ſie wirklich Heilige ſeien, wenn es
jemand leugnet, ſondern daß es ganz ungewiß
bleibe. Der Beweis, den man von ihrer Heilig⸗
keit hernimmt, iſt daher keinesweges zur Beſtäti⸗
gung eines Glaubensartikels zuverläſſig. Ich
nenne ſie Heilige und halte ſie dafür, ich gebe
ihnen den Namen der Kirche und achte ſie ſo, nach
der Regel der Liebe, aber nicht nach der Regel
des Glaubens; das heißt, die Liebe, welche.
von jedermann das Beſte denkt und nicht arg⸗
wöhniſch iſt und von dem Nächſten alles Gute
glaubt und vorausſetzt, nennt jeden Getauften
einen Heiligen, und es iſt keine Gefahr, wenn ſie
irret, denn der Liebe Loos iſt betrogen werden, da
ſie, als eine allgemeine Dienerin, der Guten und
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