Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 5 › Seite 36

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-29, Seite 36

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 3 · Konferenz 3 · Vereinigung 1 · Obrigkeit 24 · Paſtor 9

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beſondere Pflicht, über ſolche Anſtöße mit den betref⸗
fenden Perſonen aus Gottes Wort zu ſprechen, und
wir würden, wenn wir zumal auch mehr mit Pauli
Thränen reden könnten, vielleicht bei ſolchen Sün⸗
dern oft mehr Eingang zu dem Herzen finden,
als bei den ſelbſtgerechten und ehrbaren Leuten.
Aber auch dieſe, wenn ſie auch vielleicht unſre
Zuſprache und unſern Hausbeſuch ganz ent⸗
behren zu können glauben, und ſich hüten, uns
irgendwo zu nahe zu kommen, ja wohl lieber uns
aus dem Wege gehen, — auch dieſe können alle
Augenblicke in Krankheit, Gewiſſensnoth und
Todesgefahr lommen, daß ſie vielleicht noch froh
ſind, wenn ſie durch Gottes erbarmende Gnade
einen treuen Seelſorger erreichen und aus ſeinem
Munde die Stimme Chriſti veinehmen können.
Und da wollen wir gern und mit Freuden hinzu⸗
eilen, ja ganz beſonders an den Kranken⸗
und Sterbebetten noch alle Treue beweiſen,
um vie heilsbegierigen Seelen auf ihrem letzten
Wege als treue Gehülfen ihrer ewigen Freude er⸗
munternd und tröſtend zu begleiten. Daß aber
alle die uns anvertrauten Seelen alſo heilsbegie⸗
rig werden und nicht zu ſpät, ſondern noch zu
rechter Zeit ihre Ohren aufſchließen mögen, darum
wollen wir fleißig wie Epaphras für unſre
Gemeinden Gott anrufen und mit Sa⸗
muel ſagen: „Es ſei ferne von mir, mich alſo an
dem HErrn zu verſündigen, daß ich ſollte ablaſſen,
für euch zu bitten und euch zu lehren den guten
und richtigen Weg.“ (Coloſſ. 4, 12.) (1 Sam.
12, 29.)

Was nun einzelne beſondere Fälle und Ge⸗
wiſſensfragen betrifft, welche einem treuen Seel⸗
ſorger ſo häufig vorkommen, da er ſich keinen rech⸗
ten Rath weiß, oder wenigſtens gewiß werden
möchte, ob er ſo oder ſo in ſeinem Amte recht ge⸗
than habe und noch thue, da laßt uns die Zeit
treulich auskaufen, wenn wir zu unſern Con⸗
ferenzen zuſammen kommen, und laßt uns auch
in den gegenwärtigen Tagen unſres Beiſammen⸗
ſeins uns gegenſeitig unſre Amtserfahrungen ein⸗
ander mittheilen, uns berathen und unſre Hände
in Gott ſtärken. Laßt uns auch daheim fleißig
anmerken und durch ſchriftliche Verbindung ein⸗
ander vorlegen, was etwa dem Einen oder dem
Andern in ſeiner Amtsführung zu ſchwer ſein
möchte! Vor Allem aber laßt uns immermehr
aus der allertreueſten Amtsführung unſers hoch⸗
gelobten Erzhirten IEſu Chriſti und an dem
Vorbilde ſeiner Propheten und Apoſtel, auch aus
den Schriften andrer treuen und bewährten Seel⸗
ſorger, und darunter inſonderheit aus dem reichen
Nachlaß unſers hocherleuchteten und erfahrenen
Luthers forſchen und lernen, wie wir der Hut des
HErrn warten, unſer Werk recht treiben, unſere
Heerden weiden und ſelig machen können uns
und die uns hören!

4.

Doch ich kann dieſen Vortrag nicht ſchließen,
ohne nur noch zuletzt mit Wenigem einen Troſt
auszuſprechen, den gewiß alle Seelſorger mehr
oder weniger bedürfen, die ihr Amt mit Ernſt
führen und doch bei der noch ernſteren Rechen⸗
ſchaft, die ſie einſt von jeglicher Seele geben ſollen,

—3—

wegen ihrer Untreue, Schwachheit und Untüchtig⸗
keit erſchrecken und verzagen möchten. Ja, ich
geſtehe es euch gern; wie ich mir das bisher Ge⸗
ſagte ſelbſt gepredigt habe, ſo rufe ich auch über
meine Seelſorge, die ich nun drei und zwanzig
Jahre durch Gottes Gnade geführt habe: „HErr,
gehe nicht in das Gericht mit Deinem
Knecht!“ Und ich weiß, auch ihr werdet in
euren Herzen in dieſem Spruche fortfahren und
ſeufzen: „Vor Dir, HErr, iſt kein Leben—
diger gerecht!“

Allerdings wollen wir Gott von Herzen dan⸗
ken für alle ſeine Gnade und Hülfe, womit er
bisher in ſo manchem Kampfe und ſo mancher
Angſt uns beigeſtanden, unſre Arbeit in dem
HErrn geſegnet und nicht zugegeben hat, daß wir
gar vergeblich gearbeitet und unſre Kraft um⸗
ſonſt und unnütz zugebracht hätten. Er ſei ge⸗
lobt für jede Seele, die er in dieſen letzten greu⸗
lichen Zeiten durch unſern ſchwachen Dienſt am
Wort zum Lodne ſeiner Schmerzen zu ſich gezogen
und uns ſelbſt zum Troſt geſchenkt hat. Wir
wollen uns auch das zum Troſte ſagen, daß,
wenn auch oft unſre Arbeit an manchen Seelen
lange vergeblich ſcheint, doch gar bald, oder noch
nach unſerm Tode, inanches ausgeſtreute Saa⸗
menkorn aufgehen und Mancher vielleicht ſagen
wird, wie ſchon oft geſchehen iſt: „Das hat mir
mein Paſtor vielmals geſagt, und ich habe es
früher nicht erkaunt; jetzt aber danke ich's ihm
noch in ſeinem Grabe.

Doch allerdings in allen unſern Werken, auch
in den Werken unſers Amtes, iſt für unſer Ge⸗
wiſſen weder Raſt noch Ruh; und wenn der
HErr dereinſt uns fragen und nach unſern Sün⸗
den mit uns rechten wollte, wir könnten ihm auf
tauſend nicht Eins antworten. Darum laßt es
auch hier unſern Haupttroſt ſein und bleiben:
„Im HeErrn habe ich Gerechtigkeit und
Stärke“; Gerechtigkeit, daß er Allen, die
an ihn von Herzen glauben, alſo auch den Die—
nern ſeines Worts, ihre Sünden vergeben; und
Stärke, daß er durch ſolchen Glauben auch in
ihrer Schwachheit mächtig ſein und ihnen auf ihr
Gebet und Flehen immer wieder freudiges Auf⸗
thun ihres Mundes verleihen will, daß ſie den—
noch hingehen und viel Frucht ſchaffen, zwar hier
mit Thränen ſäen, aber dort mit Freuden ernten
ſollen. —

Wäre die Zeit nicht zu kurz, ſo hätte ich hier
noch ein Wort der Ermahnung an chriſtliche Zu⸗
hörer und Gemeindeglieder zu richten, daß ſie doch
ja das Werk treuer Seelſorger, die an ihnen
arbeiten, dankbar erkennen und nicht erſchweren,
ſondern vielmehr erleichtern und ſich hüten möch—
ten, daß diejenigen, die über ihre Seelen
wachen und dermaleinſt Rechenſchaft da—
für geben ſollen, nicht über ſie ſeufzen
müſſen. Ebr. 13, 17. Doch wir eilen zum
Schluß, und machen denſelben mit den letzten
Worten unſeres Textes, worin Paulus ſelbſt auf
die rechte Quelle alles Troſtes und aller Hoffnung
verweiſ't, indem er ſagt: „Und nun, lieben
Brüder, ich befehle euch Gott und dem
Wort ſeiner Gnade, der da mächtig iſt,

Euch zu erbauen und zu geben das
Erbe unter allen, die geheiligt wer⸗
den.“ Dies koſtbare Troſtwort laßt uns im
feſten Glauben ergreifen und uns zueignen, als
wenn er ſelbſt, der Apoſtel, unter uns ſtünde und
zum Valet uns einſegnete. Ja, wenn er ſelbſt
jetzt in unſrer Mitte wäre, was würde er anders
uns zu unſerm Abſchied zurufen, wenn wir in
dieſen Tagen nun wieder auseinander gehen, als,

daß wir in brüderlicher Liebe treu zuſam⸗

men ſtehen, an dem lautern Wort der Gnade
Gottes unverbrüchlich feſthalten und den gro⸗
ßen Hirten der Schafe brünſtig anrufen ſollten,
daß er uns die Barmherzigkeit verleihen wolle, in
unſerm Hirienamte treu zu ſein, alſo daß er ſelbſt
uns tüchtig mache zu allem guten Werke und in
uns mächtig ſei, uns und die Unſern jemehr
und mehr im rechten Glauben zu erbauen
und in aller Mühe und Trübſal dieſes Lebens
uns freudig und geduldig hoffen laſſe auf die
Ruhe, die noch vorhanden iſt dem Volke Gottes,
wo alle, die im Glauben geheiligt und
vollendet ſind, das verheißene ewige Erbe
empfangen und „die Lehrer, die da Viele zur
Gerechtigkeit gewieſen haben, leuchten ſollen in
des Himmels Glanz, wie die Sterne immer und
ewiglich“. (Dan. 12, 3.)

Ach, das verleihe doch uns Allen und unſern
Gemeinden und den vielen Seelen, die jetzt im
Kampf und Noth um Gnade und Troſt zu ihm
ſeufzen, Gott unier Vater durch unſern HErrn
IEſum Chriſtum in der troſtreichen Gemeinſchaft
des Heiligen Geiſtes! Amen!

—

Der „Lutheran Standard“ und die ſoge⸗
nannte Generalſynode der amerikaniſch⸗
lutheriſchen Kirche.

—

Der „Lutheran Standard“ iſt, wie die mei⸗
ſten unſrer Leſer wiſſen werden, eine in engliſcher
Sprache geſchriebene religiöſe Zeitſchrift. Die⸗
ſelbe wird von dem Directorium des lutheriſchen
theologiſchen Seminars zu Columbus in Ohio
unter Schutz und Beaufſichtigung der allgemeinen
evangeliſch-lutheriſchen Synode von Ohio heraus⸗
gegeben und (vormals allein von Herrn P. C.
Spielmann) gegenwärtig von einer dazu beſonders
ernannten Committee redigirt, welche aus Profeſſor
Lehmann und den PP. C. Spielmann und E.
Grünwald beſteht. Die Leſer werden ſich erinnei,
daß wir dieſes Blattes bisher immer in Ehren
gedacht haben. Mit großer Freude haben wir
mehrmals verkündigt, daß dasſelbe gegen den in
der hieſigen ſogenannten amerikaniſch-lutheriſchen
Kirche geſchehenen, Abfall von der reinen Lehre
und daher auch gegen die längſt abgefallene
Generalſynode wacker Zeugniß ablege und ſeine
Stimme für die reine Lehre unſrer Kirche und da⸗
her auch namentlich für die Verpflichtung unſier
Prediger auf ſämmtliche öffentliche Bekenntniſſe
derſelben erhebe. Diesmal müſſen wir jedoch un⸗
ſern Leſern die Mittheilung machen, daß mit dem
„Iutheran Standard“ neuerdings eine weſent⸗
liche Veränderung vorgegangen iſt, und wir kön⸗
nen verſichern, daß wir wohl noch nie etwas mit

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