# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 29_S36 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) beſondere Pflicht, über ſolche Anſtöße mit den betref⸗ fenden Perſonen aus Gottes Wort zu ſprechen, und wir würden, wenn wir zumal auch mehr mit Pauli Thränen reden könnten, vielleicht bei ſolchen Sün⸗ dern oft mehr Eingang zu dem Herzen finden, als bei den ſelbſtgerechten und ehrbaren Leuten. Aber auch dieſe, wenn ſie auch vielleicht unſre Zuſprache und unſern Hausbeſuch ganz ent⸗ behren zu können glauben, und ſich hüten, uns irgendwo zu nahe zu kommen, ja wohl lieber uns aus dem Wege gehen, — auch dieſe können alle Augenblicke in Krankheit, Gewiſſensnoth und Todesgefahr lommen, daß ſie vielleicht noch froh ſind, wenn ſie durch Gottes erbarmende Gnade einen treuen Seelſorger erreichen und aus ſeinem Munde die Stimme Chriſti veinehmen können. Und da wollen wir gern und mit Freuden hinzu⸗ eilen, ja ganz beſonders an den Kranken⸗ und Sterbebetten noch alle Treue beweiſen, um vie heilsbegierigen Seelen auf ihrem letzten Wege als treue Gehülfen ihrer ewigen Freude er⸗ munternd und tröſtend zu begleiten. Daß aber alle die uns anvertrauten Seelen alſo heilsbegie⸗ rig werden und nicht zu ſpät, ſondern noch zu rechter Zeit ihre Ohren aufſchließen mögen, darum wollen wir fleißig wie Epaphras für unſre Gemeinden Gott anrufen und mit Sa⸗ muel ſagen: „Es ſei ferne von mir, mich alſo an dem HErrn zu verſündigen, daß ich ſollte ablaſſen, für euch zu bitten und euch zu lehren den guten und richtigen Weg.“ (Coloſſ. 4, 12.) (1 Sam. 12, 29.) Was nun einzelne beſondere Fälle und Ge⸗ wiſſensfragen betrifft, welche einem treuen Seel⸗ ſorger ſo häufig vorkommen, da er ſich keinen rech⸗ ten Rath weiß, oder wenigſtens gewiß werden möchte, ob er ſo oder ſo in ſeinem Amte recht ge⸗ than habe und noch thue, da laßt uns die Zeit treulich auskaufen, wenn wir zu unſern Con⸗ ferenzen zuſammen kommen, und laßt uns auch in den gegenwärtigen Tagen unſres Beiſammen⸗ ſeins uns gegenſeitig unſre Amtserfahrungen ein⸗ ander mittheilen, uns berathen und unſre Hände in Gott ſtärken. Laßt uns auch daheim fleißig anmerken und durch ſchriftliche Verbindung ein⸗ ander vorlegen, was etwa dem Einen oder dem Andern in ſeiner Amtsführung zu ſchwer ſein möchte! Vor Allem aber laßt uns immermehr aus der allertreueſten Amtsführung unſers hoch⸗ gelobten Erzhirten IEſu Chriſti und an dem Vorbilde ſeiner Propheten und Apoſtel, auch aus den Schriften andrer treuen und bewährten Seel⸗ ſorger, und darunter inſonderheit aus dem reichen Nachlaß unſers hocherleuchteten und erfahrenen Luthers forſchen und lernen, wie wir der Hut des HErrn warten, unſer Werk recht treiben, unſere Heerden weiden und ſelig machen können uns und die uns hören! 4. Doch ich kann dieſen Vortrag nicht ſchließen, ohne nur noch zuletzt mit Wenigem einen Troſt auszuſprechen, den gewiß alle Seelſorger mehr oder weniger bedürfen, die ihr Amt mit Ernſt führen und doch bei der noch ernſteren Rechen⸗ ſchaft, die ſie einſt von jeglicher Seele geben ſollen, —3— wegen ihrer Untreue, Schwachheit und Untüchtig⸗ keit erſchrecken und verzagen möchten. Ja, ich geſtehe es euch gern; wie ich mir das bisher Ge⸗ ſagte ſelbſt gepredigt habe, ſo rufe ich auch über meine Seelſorge, die ich nun drei und zwanzig Jahre durch Gottes Gnade geführt habe: „HErr, gehe nicht in das Gericht mit Deinem Knecht!“ Und ich weiß, auch ihr werdet in euren Herzen in dieſem Spruche fortfahren und ſeufzen: „Vor Dir, HErr, iſt kein Leben— diger gerecht!“ Allerdings wollen wir Gott von Herzen dan⸗ ken für alle ſeine Gnade und Hülfe, womit er bisher in ſo manchem Kampfe und ſo mancher Angſt uns beigeſtanden, unſre Arbeit in dem HErrn geſegnet und nicht zugegeben hat, daß wir gar vergeblich gearbeitet und unſre Kraft um⸗ ſonſt und unnütz zugebracht hätten. Er ſei ge⸗ lobt für jede Seele, die er in dieſen letzten greu⸗ lichen Zeiten durch unſern ſchwachen Dienſt am Wort zum Lodne ſeiner Schmerzen zu ſich gezogen und uns ſelbſt zum Troſt geſchenkt hat. Wir wollen uns auch das zum Troſte ſagen, daß, wenn auch oft unſre Arbeit an manchen Seelen lange vergeblich ſcheint, doch gar bald, oder noch nach unſerm Tode, inanches ausgeſtreute Saa⸗ menkorn aufgehen und Mancher vielleicht ſagen wird, wie ſchon oft geſchehen iſt: „Das hat mir mein Paſtor vielmals geſagt, und ich habe es früher nicht erkaunt; jetzt aber danke ich's ihm noch in ſeinem Grabe. Doch allerdings in allen unſern Werken, auch in den Werken unſers Amtes, iſt für unſer Ge⸗ wiſſen weder Raſt noch Ruh; und wenn der HErr dereinſt uns fragen und nach unſern Sün⸗ den mit uns rechten wollte, wir könnten ihm auf tauſend nicht Eins antworten. Darum laßt es auch hier unſern Haupttroſt ſein und bleiben: „Im HeErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke“; Gerechtigkeit, daß er Allen, die an ihn von Herzen glauben, alſo auch den Die— nern ſeines Worts, ihre Sünden vergeben; und Stärke, daß er durch ſolchen Glauben auch in ihrer Schwachheit mächtig ſein und ihnen auf ihr Gebet und Flehen immer wieder freudiges Auf⸗ thun ihres Mundes verleihen will, daß ſie den— noch hingehen und viel Frucht ſchaffen, zwar hier mit Thränen ſäen, aber dort mit Freuden ernten ſollen. — Wäre die Zeit nicht zu kurz, ſo hätte ich hier noch ein Wort der Ermahnung an chriſtliche Zu⸗ hörer und Gemeindeglieder zu richten, daß ſie doch ja das Werk treuer Seelſorger, die an ihnen arbeiten, dankbar erkennen und nicht erſchweren, ſondern vielmehr erleichtern und ſich hüten möch— ten, daß diejenigen, die über ihre Seelen wachen und dermaleinſt Rechenſchaft da— für geben ſollen, nicht über ſie ſeufzen müſſen. Ebr. 13, 17. Doch wir eilen zum Schluß, und machen denſelben mit den letzten Worten unſeres Textes, worin Paulus ſelbſt auf die rechte Quelle alles Troſtes und aller Hoffnung verweiſ't, indem er ſagt: „Und nun, lieben Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort ſeiner Gnade, der da mächtig iſt, Euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt wer⸗ den.“ Dies koſtbare Troſtwort laßt uns im feſten Glauben ergreifen und uns zueignen, als wenn er ſelbſt, der Apoſtel, unter uns ſtünde und zum Valet uns einſegnete. Ja, wenn er ſelbſt jetzt in unſrer Mitte wäre, was würde er anders uns zu unſerm Abſchied zurufen, wenn wir in dieſen Tagen nun wieder auseinander gehen, als, daß wir in brüderlicher Liebe treu zuſam⸗ men ſtehen, an dem lautern Wort der Gnade Gottes unverbrüchlich feſthalten und den gro⸗ ßen Hirten der Schafe brünſtig anrufen ſollten, daß er uns die Barmherzigkeit verleihen wolle, in unſerm Hirienamte treu zu ſein, alſo daß er ſelbſt uns tüchtig mache zu allem guten Werke und in uns mächtig ſei, uns und die Unſern jemehr und mehr im rechten Glauben zu erbauen und in aller Mühe und Trübſal dieſes Lebens uns freudig und geduldig hoffen laſſe auf die Ruhe, die noch vorhanden iſt dem Volke Gottes, wo alle, die im Glauben geheiligt und vollendet ſind, das verheißene ewige Erbe empfangen und „die Lehrer, die da Viele zur Gerechtigkeit gewieſen haben, leuchten ſollen in des Himmels Glanz, wie die Sterne immer und ewiglich“. (Dan. 12, 3.) Ach, das verleihe doch uns Allen und unſern Gemeinden und den vielen Seelen, die jetzt im Kampf und Noth um Gnade und Troſt zu ihm ſeufzen, Gott unier Vater durch unſern HErrn IEſum Chriſtum in der troſtreichen Gemeinſchaft des Heiligen Geiſtes! Amen! — Der „Lutheran Standard“ und die ſoge⸗ nannte Generalſynode der amerikaniſch⸗ lutheriſchen Kirche. — Der „Lutheran Standard“ iſt, wie die mei⸗ ſten unſrer Leſer wiſſen werden, eine in engliſcher Sprache geſchriebene religiöſe Zeitſchrift. Die⸗ ſelbe wird von dem Directorium des lutheriſchen theologiſchen Seminars zu Columbus in Ohio unter Schutz und Beaufſichtigung der allgemeinen evangeliſch-lutheriſchen Synode von Ohio heraus⸗ gegeben und (vormals allein von Herrn P. C. Spielmann) gegenwärtig von einer dazu beſonders ernannten Committee redigirt, welche aus Profeſſor Lehmann und den PP. C. Spielmann und E. Grünwald beſteht. Die Leſer werden ſich erinnei, daß wir dieſes Blattes bisher immer in Ehren gedacht haben. Mit großer Freude haben wir mehrmals verkündigt, daß dasſelbe gegen den in der hieſigen ſogenannten amerikaniſch-lutheriſchen Kirche geſchehenen, Abfall von der reinen Lehre und daher auch gegen die längſt abgefallene Generalſynode wacker Zeugniß ablege und ſeine Stimme für die reine Lehre unſrer Kirche und da⸗ her auch namentlich für die Verpflichtung unſier Prediger auf ſämmtliche öffentliche Bekenntniſſe derſelben erhebe. Diesmal müſſen wir jedoch un⸗ ſern Leſern die Mittheilung machen, daß mit dem „Iutheran Standard“ neuerdings eine weſent⸗ liche Veränderung vorgegangen iſt, und wir kön⸗ nen verſichern, daß wir wohl noch nie etwas mit