Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 25 › Seite 201
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-07-19, Seite 201
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Juden
theilen, als einen Erzſchwärmer bezeichnen,
der allerdings lichte Augenblicke gehabt habe, wo
er Richtiges und Treffliches ſagte. Es iſt unver⸗
fenubar, daß IEſus auftritt nicht nur als ein
göttlicher Geſandter, ſondern als Gottes einge⸗
borner Sohn, als der Inhaber göttlicher Würde,
Macht und Herrlichkeit, wenn er ſich gleich der⸗
4 ſelben für die Zeit ſeines Erdenlebens theilweiſe
entäußert hatte zu unſerm Heil. Ich will von
den vielen hierhergehörigen Ausſprüchen JEſu
nur noch einige wenige, aber ganz überzeugende,
anführen. „Ich und der Vater ſind eins“ (Joh.
10, 30.), — „Alles, was der Vater hat, das iſt mein“ (Joh. 16, 15.), — „Es ſollen alle den Sohn ehren, wie ſie den Vater ehren“ (Joh. 5,
23.) — nicht wahr? ſo darf kein bloßes Geſchöpf,
auch das erhabenſte nicht, reden! Joh. 17, 5.
ſpricht IEſus von einer Klarheit, die er
beim Vater hatte, ehe die Welt war.
Er ſpricht da ganz offenbar von einem Daſein
vor der Welt; vor der Welt aber war nichts
außer Gott, alſo muß er ſelber Gott ſein. (Joh.
1.2 Aber die Lichtfreunde halten IEſum
gänzlich für ein Geſchöpf, für einen bloßen Men⸗
ſchen; darum müſſen ſie annehmen, daß er ſolche
Reden in einem hohen, ja im höchſten Grade der
Schwärmerei geführt habe, wenn ſie nicht wollen
noch etwas Schlimmeres von ihm halten. Da
ſie ſelber nun aber nichts weniger als Schwärmer,
vielmehr recht kühlvernünftige Leute ſein wollen,
ſo ziemt es ſich nicht wohl, daß ſie ihren Namen
von Dem tragen, den ſie für einen Erzſchwärmer
erklären müſſen.
(Schluß folgt.)
Religiöſe Ausſichten in Preußen.
(Für den „Lutheraner“ überſetzt aus No. 773 der Lu-
theran Observer“. Auszug eines Briefes des
Herrn Prof. Tholuck in Halle.)
Halle, den 8. April 1848.
Werther Herr!
Die Winter⸗Sitzung war eine ſehr geſegnete;
nie iſt die Zahl ernſter Studenten größer geweſen;
es waren ungefähr 150, die ich einmal als treue Arbeiter im Weinberge des HErrn zu ſehen hoffe.
Aber wie ſchrecklich hat ſich dieſe glückliche Zeit
Da Sie jedoch wünſchen, daß ich
Ihnen über den Fortſchritt der Kirche unter den
gegenwärtigen Umſtänden ſchreiben möge, ſo werde
ich blos von den wahrſcheinlichen Folgen dieſes
Umſturzes unſerer Monarchie mit Beziehung auf
unſere Kirche ſprechen. — Ob unſere conſtitutio⸗
nelle Monarchie länger als ein oder zwei Jahre
dauern werde, iſt gar ſehr zweifelhaft. Sollte ſie
wirklich Beſtand haben, ſo werden wir wahrſchein⸗
lich nächſtens Synoden verſammelt ſehen, denen
die Regierung der Kirche übertragen werden wird
E an ſich ſelbſt heilſame Anſtalten —, durch die
es aber unter den gegenwärtigen Umſtänden, wo
Rationalismus (Vernunftglaube) und Pan⸗
theismus*) unter dem Volke überhand genommen
haben, um jedes chriſtliche Glaubensbekenntniß
geſchehen ſein wird; die gläubigen Paſtoren und
) Der Glaube, daß die Welt, oder das Weltall ſelbſt,
. Goit ſei.
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Profeſſoren werden genöthiget ſein, ihre Stellen
niederzulegen, und da wenige von den Laien den
Glauben behalten haben, werden ſie ſich ohne
Heerde befinden. Nächſtens wird die Trennung
zwiſchen Staat und Kirche erfolgen. Ich bin
weit entfernt, die Folgen einer ſolchen Trennung
für die Kirche zu fürchten; denn unter der Herr⸗
ſchaft einer ungläubigen kirchlichen Behörde kann
dieſelbe nicht gedeihen; aber dennoch fürchte ich
die Folgen eines Staates und einer Geſetzgebung,
die alles chriſtlichen Einfluſſes entbehrt. Laſſen
Sie mich eine Thatſache erwähnen. Wir ſind
eben im Begriff, ein neues Strafgeſetz einzufüh⸗
ren, in dem weder Ehebruch noch Blutſchande
verboten ſind; ja einige der am Ruder Stehen⸗
den haben ſchon erklärt: man laſſe die Ehe doch
vollig eine Privatſache werden. —
Um noch mehr und völlig zu fühlen, was wir
bald verlieren werden, müſſen Sie wiſſen, in wel⸗
chem geſegneten Zuſtande unſere Conſiſtorien bis⸗
her geweſen ſind; die meiſten ihrer Glieder waren
lebendige Chriſten; die Stellen wurden wahrhaft
evangeliſchen Candidaten gegeben; die Zahl der
Miſſions⸗ und Bibel⸗Geſellſchaften vermehrte ſich
überall. Es war die Hoffnung vorhanden, daß,
wenn dieſer Zuſtand zehn Jahre länger gedauert
hätte, auch das Volk ſeinen wohlthätigen Einfluß
gefühlt haben würde. Wird aber unter den ge⸗
genwärtigen Umſtänden der Staat von der Kirche
getrennt, ſo wird die große Mehrheit des Volks,
die ſich bis daher um die Religion gar nicht be⸗
kümmert hat, nun ohne alle Religion dahin leben,
während die Jugend ohne religiöſen Einfluß
erzogen werden wird.
Erlauben Sie mir nun noch einige Worte über
meine eigene Lage hinzuzufügen. Bis zu dem
gegenwärtigen Augenblicke waren ungefähr 200
junge Gottesgelehrte unter meinem Einfluſſe.
Die meiſten von ihnen waren von Eltern, welche
gegen die Religion gleichgültig waren, auf die
Univerſität geſandt, jedoch nach und nach durch
den Einfluß der theologiſchen Erziehung zum
chriſtlichen Glauben geleitet worden. Laſſen Sie
aber den Staat und die Kirche getrennt werden,
ſo müſſen die theologiſchen Facultäten aufhören;
die erweckten Chriſten in der Provinz Sachſen
werden ſich in eine religiöſe Körperſchaft vereini⸗
gen, aber gleich bei ihrem Hervortreten ſich ſofort
in drei Parteien ſpalten: Lutheraner, Reformirte
und Unirte evangeliſche Chriſten. Ich würde
geneigt ſein, den letztern beizutreten. Ich kann
mich in meinen Berechnungen irren, aber nach
meiner Meinung wird die Zahl der Laien, die in
dieſe Körperſchaft in unſerer Provinz ſich vereini⸗
gen werden, 8000 vielleicht nicht überſteigen.
Werden ſie wohl die Mittel haben, eine theologiſche
Facultät zu erhalten? Es ſcheint, daß der Tag
kommen werde, an dem die Bekenner Chriſti unter
den Profeſſoren der Theologie genöthigt ſein wer⸗
den, ihre Zuflucht in fremde Länder zu nehmen,
und wer weiß, ob Sie nicht in dieſem Falle mich
eines Tages als einen Exulanten (Vertriebenen)
an Ihre Thüre klopfen hören.
Ich ſpreche hier von den unmittelbaren Fol⸗
gen; daß aber als letztes Ergebniß aus allen
dieſen Verwirrungen eine neue lebendige Kirche
hervorgehen werde, glaube ich, und bin daher noch
weit entfernt, die Hoffnung ſinken zu laſſen. Im
Gegentheil fühle ich eine Art von jugendlicher
Kraft in mir, in dieſem neuen Stande der Dinge,
der ſich eben vorbereitet, thätig zu ſein. Ich blicke
mit banger Angſt vorwärs auf die großen Dinge,
die der HErr thun wird, denn es iſt unleugbar,
obgleich die Laſter und die ſchändlichen Abſichten
der Menſchen die Werkzeuge in alle dem geweſen
ſind, was ſtattgefunden hat, ſo ſind doch die Fä⸗
den von der Hand der Vorſehung zuſammen ge⸗
knüpft worden, ſo daß ſie zu einem neuen Zu⸗
ſtande der Dinge in kirchlichen und bürgerlichen
Angelegenheiten führen werden, und der Rath⸗
ſchluß der Vorſehung ohne Zweifel zum Beſten
dienen muß.
Geheime Geſellſchaften.
Aus einem im „Lutheran Observer“ mit⸗
getheilten Auszuge aus dem Protokolle der zwei⸗
ten Sitzung der Wittenberg-Synode der ev.⸗
lutheriſchen Kirche von Ohio erfahren wir, daß
dieſe Synode folgenden guten Beſchluß gefaßt
habe:
„Beſchloſſen, daß wir als ein kirchlicher
Körper glauben, es ſei für den Frieden und das
Gedeihen unſeres Zions höchſt nachtheilig, wenn
ſich Prediger oder Laien, die in Verbindung mit
der Wittenberg⸗Synode ſtehen, mit ſolchen gehei⸗
men Geſellſchaften vereinigen, wie die der Frei⸗
maurer und der Orden der ſonderbaren Brüder
(Odd Fellows) iſt.“
*
Hübners bibliſche Hiſtorien.
ö
Herr Weyel in Baltimore macht in ſeinem
„Kirchenboten“ (Jahrg. 7, Nr. 14.) bekannt, daß
er das obengenannte Buch „in ſeiner alten un⸗
veränderten Form und Weſen“ wieder abdrucken
laſſe, daß dasſelbe in einigen Wochen die Preſſe
verlaſſen und bei ihm um den billigen Preis von
25 Cts. zu haben ſein werde. Hält Hr. W. ſein
Wort und liefert er wirklich den alten Hübner, ſo
verdient er ſich damit den herzlichſten Dank der
deutſchen amerikaniſchen lutheriſchen Kirche. So⸗
bald das Buch ſeine Erſcheinung gemacht haben
wird, werden wir nicht verfehlen, unſeren lieben
Leſern, wie wir hoffen, erfreulichen Bericht zu er⸗
ſtatten.
Evangelical Reviev“ vierteljährlich
erſcheinenden Zeitſchrift.
Proſpectus einer unter dem Titel „The
Endesunterzeichneter iſt häufig von verſchiede⸗
nen Seiten aufgefordert worden, die Redaction
einer Zeitſchrift für die Intereſſen der theologi⸗
ſchen Literatur in der Lutheriſchen Kirche zu unter⸗
nehmen, und da er die Ueberzeugung hegt, daß
der Zeitpunkt nunmehr erſchienen iſt, wo ſich
nicht nur für ein ſolches Unternehmen ein günſtiger
Erfolg hoffen läßt, ſondern auch die Verhältniſſe
der Kirche hier zu Lande eine Zeitſchrift wie die
beabſichtigte aufs Entſchiedenſte fordern, ſo hat er
English translation AI translation
...classify him as an arch-fanatic who, it is true, had lucid moments in which he said things that were right and excellent. It is undeniable that Jesus appears not merely as a divine envoy, but as God's only-begotten Son, as the possessor of divine dignity, power, and glory, even though he emptied himself of the same in part, for the time of his earthly life, for our salvation. Of the many sayings of Jesus belonging here I will cite only a few, but wholly convincing ones.
"I and the Father are one" (John 10:30), — "All that the Father has is mine" (John 16:15), — "All should honor the Son as they honor the Father" (John 5:23) — is that not so? No mere creature, however exalted, may speak thus! In John 17:5 Jesus speaks of a glory that he had with the Father before the world was. He speaks there quite plainly of an existence before the world; but before the world there was nothing except God, therefore he himself must be God. (John 1:2.) But the Friends of Light hold Jesus to be entirely a creature, a mere man; therefore they must assume that he carried on such speech in a high, indeed the highest, degree of fanaticism, if they do not wish to think something even worse of him. Since they themselves, however, wish to be anything but fanatics, but rather quite cool-headed, rational people, it ill befits them to bear the name of the one whom they must declare to be an arch-fanatic.
(Conclusion follows.)
Religious Prospects in Prussia.
(Translated for the "Lutheraner" from No. 773 of the "Lutheran Observer." Excerpt of a letter from Prof. Tholuck in Halle.)
Halle, April 8, 1848.
Worthy Sir!
The winter term was a greatly blessed one; never has the number of serious students been greater; there were about 150 whom I hope one day to see as faithful laborers in the vineyard of the Lord. But how dreadfully this happy season has ... Since, however, you wish that I write to you concerning the progress of the church under present circumstances, I will speak only of the probable consequences of this overthrow of our monarchy with regard to our church. — Whether our constitutional monarchy will last longer than a year or two is very doubtful indeed. Should it truly endure, we will probably soon see synods assembled to which the government of the church will be transferred — an institution salutary in itself — but through which, under present circumstances, where rationalism (faith in reason) and pantheism*) have gained the upper hand among the people, the sacrifice of every Christian confession of faith will take place; believing pastors and
*) The belief that the world, or the universe itself, is God.
professors will be compelled to lay down their positions, and since few among the laity have retained their faith, they will find themselves without a flock. Soon the separation between state and church will follow. I am far from fearing the consequences of such a separation for the church; for under the rule of an unbelieving ecclesiastical authority it cannot flourish; but I do fear the consequences of a state and a legislation that lacks all Christian influence. Let me mention one fact. We are just now about to introduce a new penal code in which neither adultery nor incest is forbidden; indeed some of those now at the helm have already declared that marriage should be made entirely a private matter. —
To feel even more fully what we shall soon lose, you must know in what blessed state our consistories have been until now; most of their members were living Christians; the positions were given to truly evangelical candidates; the number of mission and Bible societies increased everywhere. There was hope that, if this state of things had lasted ten years longer, the people too would have felt its beneficial influence. But if, under present circumstances, the state is separated from the church, then the great majority of the people, who until now have not concerned themselves with religion at all, will now live entirely without religion, while the youth will be raised without religious influence.
Allow me now to add a few words about my own situation. Up to the present moment about 200 young theologians were under my influence. Most of them were sent to the university by parents who were indifferent to religion, but were gradually led to the Christian faith through the influence of their theological education. But let the state and the church be separated, and the theological faculties must cease to exist; the awakened Christians in the Province of Saxony will unite into a religious body, but immediately upon their emergence will split at once into three parties: Lutherans, Reformed, and United evangelical Christians. I would be inclined to join the latter. I may be mistaken in my calculations, but in my opinion the number of laity who will unite into this body in our province will perhaps not exceed 8,000. Will they have the means to maintain a theological faculty? It seems that the day will come when the confessors of Christ among the professors of theology will be compelled to take refuge in foreign lands, and who knows whether you may not one day hear me knocking at your door as an exile.
I speak here of the immediate consequences; but that as the final outcome of all this confusion a new, living church will emerge, I believe, and I am therefore still far from letting hope sink. On the contrary, I feel within me a kind of youthful vigor to be active in this new state of affairs now taking shape. I look forward with anxious dread to the great things the Lord will do, for it is undeniable that, although the vices and shameful intentions of men have been the instruments in all that has taken place, the threads have nevertheless been woven together by the hand of Providence, so that they will lead to a new state of affairs in ecclesiastical and civil matters, and the counsel of Providence must without doubt serve for the best.
Secret Societies.
From an excerpt communicated in the "Lutheran Observer" from the minutes of the second session of the Wittenberg Synod of the Evangelical Lutheran Church of Ohio, we learn that this synod passed the following good resolution:
"Resolved, that we as an ecclesiastical body believe it to be highly detrimental to the peace and prosperity of our Zion when preachers or laymen connected with the Wittenberg Synod unite with such secret societies as those of the Freemasons and the Order of the Odd Fellows."
*
Hübner's Biblical Histories.
Mr. Weyel in Baltimore announces in his "Kirchenbote" (Vol. 7, No. 14) that he is having the above-named book reprinted "in its old, unaltered form and character," that it will leave the press in a few weeks and will be obtainable from him at the reasonable price of 25 cents. If Mr. W. keeps his word and truly delivers the old Hübner, he will thereby earn the heartfelt thanks of the German American Lutheran Church. As soon as the book has appeared, we will not fail to give our dear readers, as we hope, a pleasing report.
Prospectus of a quarterly journal to appear under the title "The Evangelical Review."
The undersigned has frequently been urged from various quarters to undertake the editing of a journal for the interests of theological literature in the Lutheran Church, and since he holds the conviction that the time has now come when not only can a favorable outcome be hoped for such an undertaking, but the circumstances of the church in this country also most decidedly call for a journal such as is intended, he has