# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 19_S201 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) theilen, als einen Erzſchwärmer bezeichnen, der allerdings lichte Augenblicke gehabt habe, wo er Richtiges und Treffliches ſagte. Es iſt unver⸗ fenubar, daß IEſus auftritt nicht nur als ein göttlicher Geſandter, ſondern als Gottes einge⸗ borner Sohn, als der Inhaber göttlicher Würde, Macht und Herrlichkeit, wenn er ſich gleich der⸗ 4 ſelben für die Zeit ſeines Erdenlebens theilweiſe entäußert hatte zu unſerm Heil. Ich will von den vielen hierhergehörigen Ausſprüchen JEſu nur noch einige wenige, aber ganz überzeugende, anführen. „Ich und der Vater ſind eins“ (Joh. 10, 30.), — „Alles, was der Vater hat, das iſt mein“ (Joh. 16, 15.), — „Es ſollen alle den Sohn ehren, wie ſie den Vater ehren“ (Joh. 5, 23.) — nicht wahr? ſo darf kein bloßes Geſchöpf, auch das erhabenſte nicht, reden! Joh. 17, 5. ſpricht IEſus von einer Klarheit, die er beim Vater hatte, ehe die Welt war. Er ſpricht da ganz offenbar von einem Daſein vor der Welt; vor der Welt aber war nichts außer Gott, alſo muß er ſelber Gott ſein. (Joh. 1.2 Aber die Lichtfreunde halten IEſum gänzlich für ein Geſchöpf, für einen bloßen Men⸗ ſchen; darum müſſen ſie annehmen, daß er ſolche Reden in einem hohen, ja im höchſten Grade der Schwärmerei geführt habe, wenn ſie nicht wollen noch etwas Schlimmeres von ihm halten. Da ſie ſelber nun aber nichts weniger als Schwärmer, vielmehr recht kühlvernünftige Leute ſein wollen, ſo ziemt es ſich nicht wohl, daß ſie ihren Namen von Dem tragen, den ſie für einen Erzſchwärmer erklären müſſen. (Schluß folgt.) Religiöſe Ausſichten in Preußen. (Für den „Lutheraner“ überſetzt aus No. 773 der Lu- theran Observer“. Auszug eines Briefes des Herrn Prof. Tholuck in Halle.) Halle, den 8. April 1848. Werther Herr! Die Winter⸗Sitzung war eine ſehr geſegnete; nie iſt die Zahl ernſter Studenten größer geweſen; es waren ungefähr 150, die ich einmal als treue Arbeiter im Weinberge des HErrn zu ſehen hoffe. Aber wie ſchrecklich hat ſich dieſe glückliche Zeit Da Sie jedoch wünſchen, daß ich Ihnen über den Fortſchritt der Kirche unter den gegenwärtigen Umſtänden ſchreiben möge, ſo werde ich blos von den wahrſcheinlichen Folgen dieſes Umſturzes unſerer Monarchie mit Beziehung auf unſere Kirche ſprechen. — Ob unſere conſtitutio⸗ nelle Monarchie länger als ein oder zwei Jahre dauern werde, iſt gar ſehr zweifelhaft. Sollte ſie wirklich Beſtand haben, ſo werden wir wahrſchein⸗ lich nächſtens Synoden verſammelt ſehen, denen die Regierung der Kirche übertragen werden wird E an ſich ſelbſt heilſame Anſtalten —, durch die es aber unter den gegenwärtigen Umſtänden, wo Rationalismus (Vernunftglaube) und Pan⸗ theismus*) unter dem Volke überhand genommen haben, um jedes chriſtliche Glaubensbekenntniß geſchehen ſein wird; die gläubigen Paſtoren und ) Der Glaube, daß die Welt, oder das Weltall ſelbſt, . Goit ſei. 197 Profeſſoren werden genöthiget ſein, ihre Stellen niederzulegen, und da wenige von den Laien den Glauben behalten haben, werden ſie ſich ohne Heerde befinden. Nächſtens wird die Trennung zwiſchen Staat und Kirche erfolgen. Ich bin weit entfernt, die Folgen einer ſolchen Trennung für die Kirche zu fürchten; denn unter der Herr⸗ ſchaft einer ungläubigen kirchlichen Behörde kann dieſelbe nicht gedeihen; aber dennoch fürchte ich die Folgen eines Staates und einer Geſetzgebung, die alles chriſtlichen Einfluſſes entbehrt. Laſſen Sie mich eine Thatſache erwähnen. Wir ſind eben im Begriff, ein neues Strafgeſetz einzufüh⸗ ren, in dem weder Ehebruch noch Blutſchande verboten ſind; ja einige der am Ruder Stehen⸗ den haben ſchon erklärt: man laſſe die Ehe doch vollig eine Privatſache werden. — Um noch mehr und völlig zu fühlen, was wir bald verlieren werden, müſſen Sie wiſſen, in wel⸗ chem geſegneten Zuſtande unſere Conſiſtorien bis⸗ her geweſen ſind; die meiſten ihrer Glieder waren lebendige Chriſten; die Stellen wurden wahrhaft evangeliſchen Candidaten gegeben; die Zahl der Miſſions⸗ und Bibel⸗Geſellſchaften vermehrte ſich überall. Es war die Hoffnung vorhanden, daß, wenn dieſer Zuſtand zehn Jahre länger gedauert hätte, auch das Volk ſeinen wohlthätigen Einfluß gefühlt haben würde. Wird aber unter den ge⸗ genwärtigen Umſtänden der Staat von der Kirche getrennt, ſo wird die große Mehrheit des Volks, die ſich bis daher um die Religion gar nicht be⸗ kümmert hat, nun ohne alle Religion dahin leben, während die Jugend ohne religiöſen Einfluß erzogen werden wird. Erlauben Sie mir nun noch einige Worte über meine eigene Lage hinzuzufügen. Bis zu dem gegenwärtigen Augenblicke waren ungefähr 200 junge Gottesgelehrte unter meinem Einfluſſe. Die meiſten von ihnen waren von Eltern, welche gegen die Religion gleichgültig waren, auf die Univerſität geſandt, jedoch nach und nach durch den Einfluß der theologiſchen Erziehung zum chriſtlichen Glauben geleitet worden. Laſſen Sie aber den Staat und die Kirche getrennt werden, ſo müſſen die theologiſchen Facultäten aufhören; die erweckten Chriſten in der Provinz Sachſen werden ſich in eine religiöſe Körperſchaft vereini⸗ gen, aber gleich bei ihrem Hervortreten ſich ſofort in drei Parteien ſpalten: Lutheraner, Reformirte und Unirte evangeliſche Chriſten. Ich würde geneigt ſein, den letztern beizutreten. Ich kann mich in meinen Berechnungen irren, aber nach meiner Meinung wird die Zahl der Laien, die in dieſe Körperſchaft in unſerer Provinz ſich vereini⸗ gen werden, 8000 vielleicht nicht überſteigen. Werden ſie wohl die Mittel haben, eine theologiſche Facultät zu erhalten? Es ſcheint, daß der Tag kommen werde, an dem die Bekenner Chriſti unter den Profeſſoren der Theologie genöthigt ſein wer⸗ den, ihre Zuflucht in fremde Länder zu nehmen, und wer weiß, ob Sie nicht in dieſem Falle mich eines Tages als einen Exulanten (Vertriebenen) an Ihre Thüre klopfen hören. Ich ſpreche hier von den unmittelbaren Fol⸗ gen; daß aber als letztes Ergebniß aus allen dieſen Verwirrungen eine neue lebendige Kirche hervorgehen werde, glaube ich, und bin daher noch weit entfernt, die Hoffnung ſinken zu laſſen. Im Gegentheil fühle ich eine Art von jugendlicher Kraft in mir, in dieſem neuen Stande der Dinge, der ſich eben vorbereitet, thätig zu ſein. Ich blicke mit banger Angſt vorwärs auf die großen Dinge, die der HErr thun wird, denn es iſt unleugbar, obgleich die Laſter und die ſchändlichen Abſichten der Menſchen die Werkzeuge in alle dem geweſen ſind, was ſtattgefunden hat, ſo ſind doch die Fä⸗ den von der Hand der Vorſehung zuſammen ge⸗ knüpft worden, ſo daß ſie zu einem neuen Zu⸗ ſtande der Dinge in kirchlichen und bürgerlichen Angelegenheiten führen werden, und der Rath⸗ ſchluß der Vorſehung ohne Zweifel zum Beſten dienen muß. Geheime Geſellſchaften. Aus einem im „Lutheran Observer“ mit⸗ getheilten Auszuge aus dem Protokolle der zwei⸗ ten Sitzung der Wittenberg-Synode der ev.⸗ lutheriſchen Kirche von Ohio erfahren wir, daß dieſe Synode folgenden guten Beſchluß gefaßt habe: „Beſchloſſen, daß wir als ein kirchlicher Körper glauben, es ſei für den Frieden und das Gedeihen unſeres Zions höchſt nachtheilig, wenn ſich Prediger oder Laien, die in Verbindung mit der Wittenberg⸗Synode ſtehen, mit ſolchen gehei⸗ men Geſellſchaften vereinigen, wie die der Frei⸗ maurer und der Orden der ſonderbaren Brüder (Odd Fellows) iſt.“ * Hübners bibliſche Hiſtorien. ö Herr Weyel in Baltimore macht in ſeinem „Kirchenboten“ (Jahrg. 7, Nr. 14.) bekannt, daß er das obengenannte Buch „in ſeiner alten un⸗ veränderten Form und Weſen“ wieder abdrucken laſſe, daß dasſelbe in einigen Wochen die Preſſe verlaſſen und bei ihm um den billigen Preis von 25 Cts. zu haben ſein werde. Hält Hr. W. ſein Wort und liefert er wirklich den alten Hübner, ſo verdient er ſich damit den herzlichſten Dank der deutſchen amerikaniſchen lutheriſchen Kirche. So⸗ bald das Buch ſeine Erſcheinung gemacht haben wird, werden wir nicht verfehlen, unſeren lieben Leſern, wie wir hoffen, erfreulichen Bericht zu er⸗ ſtatten. Evangelical Reviev“ vierteljährlich erſcheinenden Zeitſchrift. Proſpectus einer unter dem Titel „The Endesunterzeichneter iſt häufig von verſchiede⸗ nen Seiten aufgefordert worden, die Redaction einer Zeitſchrift für die Intereſſen der theologi⸗ ſchen Literatur in der Lutheriſchen Kirche zu unter⸗ nehmen, und da er die Ueberzeugung hegt, daß der Zeitpunkt nunmehr erſchienen iſt, wo ſich nicht nur für ein ſolches Unternehmen ein günſtiger Erfolg hoffen läßt, ſondern auch die Verhältniſſe der Kirche hier zu Lande eine Zeitſchrift wie die beabſichtigte aufs Entſchiedenſte fordern, ſo hat er