Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 25 › Seite 197
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-07-19, Seite 197
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge 6
. vorauszubezahlen und das
Herausgegeben von der deutſchen ev
Der Cutheraner.
„Gottes Mort und Xuthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Redigirt von C. F. W. Walther.
angeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſauri, Ohio und anderen Staaten.
Jahrgang 4.
St. Louis, Mo., den 8. August 1848.
No. 25.
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Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer
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alle anderen aber, welche Geſchäftliches,
Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
Ueber die Lichtfreunde, von Wilhelm
Redenbacher.
(Dresden, bei J. Naumann. 1846.)
Es wird keiner meiner werthen Leſer ſein, der
nicht von den ſogenannten Lichtfreunden
wüßte. Die Erſcheinung derſelben inmitten unſerer evangeliſchen Kirche iſt aber nichts Erfreuliches,
ſondern etwas ſehr Betrübendes, etwas ſehr Be⸗
denkliches. Darum hab' ich es unternommen —
ob Gott Gnade dazu gäbe! — mein liebes evan⸗
geliſches Volk mit den Meinungen und Behaup⸗
tungen dieſer Leute und mit dem, was daraus
folgt, aufs Schlichteſte genauer bekannt zu machen,
und treulich zu warnen vor dem Verderblichen.
Denn viele wiſſen doch nicht, wie es ſich mit dem
Lichtfreundthum eigentlich verhält, und auch
beſſere Seelen ſind nicht ſicher vor Verführung.
Die Lichtfreunde, oder, wie ſie ſich auch heißen,
die proteſtantiſchen Freunde, hielten ſeit
1842 ihre Hauptverſammlungen in Köthen,
einem Städtchen im Herzen Deutſchlands. Hier
derſammelten ſie ſich jährlich zweimal in bedeu⸗
tender Anzahl. Sie hielten auch an andern Orten
Zuſammenkünfte. In dieſen ſprachen ſie ſich denn
ziemlich ungeſcheut aus; ſie ließen auch hin und
wieder etwas drucken; ich kann euch darum von
ihrer Weisheit zuverläſſigen Bericht erſtatten.
Nun, was glauben denn die Lichtfreunde?
Doch, geliebte Leſer, wir thun beſſer, wenn wir
die Frage anders ſtellen; denn ſie reden nicht ſo⸗
wohl von dem, was ſie glauben, als vielmehr von
dem, was ſie nicht glauben. Nun alſo, was
glauben ſie denn nicht? Sie glauben nicht an
die heilige, göttliche Dreieinigkeit, daß
in dem Einen Weſen der Gottheit drei Perſonen,
Vater, Sohn und Heiliger Geiſt, ſeien; ſie glauben
darum auch nicht, daß der ewige Gottes—
ſohn Menſch geworden und daß unſer
5Err Chriſtus wahrer Gott und Menſch
in Einer Perſon ſei; ſie glauben nicht, daß
die menſchliche Natur ſeit Adams Fall
verderbt und voll böſer Lüſte ſei; ſie
glauben nicht, daß Chriſtus ſein Blut
vergoſſen habe zur Verſöhnung unſrer
Sünden; welche Lehre ihrer etliche geradezu für
eine Gottesläſterung erklären; ſie glauben nicht,
daß der Menſch vor Gott gerecht werde
ohne des Geſetzes Werk, allein durch
den Glauben an den gekreuzigten Hei—
land; ſie glauben nicht, daß der Menſch
untüchtig ſei ohne Hilfe von Oben,
ohne den Beiſtand des göttlichen Gei—
ſtes, irgend etwas wahrhaft Gutes zu
denken oder zu thun. So könnte ich noch
eine Zeitlang fortfahren zu melden, was ſie nicht
glauben; es iſt aber genug; hier haben wir gerade
die Hauptlehren des Chriſtenthums angeführt, die
ſie verwerfen.
Das aber müſſen wir beifügen: Sie ſagen ſich
von der Augsburgiſchen Confeſſion los,
die da von der Reformation an bis auf den heu⸗
tigen Tag als Hauptbekenntnißſchrift unſerer
Kirche galt, darin wir vor Jedermann Zeugniß
geben von unſerem heiligen Glauben, wie wir
ihn aus der Schrift geſchöpft haben. Sie wen⸗
den ſich dann auch von dem Apoſtoliſchen
Symbolum (den drei Glaubensartikeln im
Katechismus), das von der Apoſtel Zeit an bis
jetzt den gemeinſamen Glauben aller chriſtlichen
Kirchen ausſpricht. Endlich nehmen ſie auch die
heilige Schrift, welche wir von je für die all⸗
einige, lautere Quelle der göttlichen Wahrheit'
hielten, nicht mehr als wahrhaftiges und untrüg⸗
liches Gotteswort an; wiewohl manches Wahre,
Schöne und Gute darin enthalten ſei, ſo ſei ſie
aber doch voll abergläubiſcher, babyloniſcher Vor⸗
ſtellungen, voller Fabeln und Mährchen.
Es iſt eigentlich nur ihre eigene Ver⸗
nunft, welcher die Lichtfreunde in Sachen der
Religion Stimmrecht zuerkennen. Dieſe ſitzt bei
ihnen auf einem hohen Stuhl; was ſie ſagt, das
muß recht ſein, wenigſtens heute, und was ſie
leugnet, das muß falſch ſein; wehe dem, der wi⸗
derſpricht! Er muß ſich mindeſtens gefallen laſſen,
ein Finſterling geſcholten zu werden. Wohl reden
ſie ſehr viel von Geiſt, den ſie ſogar mitunter
den heiligen Geiſt nennen; wer aber dabei an
den denken wollte, welcher vom Vater und Sohn
ausgeht, der würde ſich groß irren; dieſer ihr
heiliger Geiſt iſt nichts anderes als die Gedanken,
die Einbildungen, die Blähungen ihres eignen
Kopfes und — eitlen Herzens. Sie ſagen: „Wir
ſind viel weiter gekommen, als man vor 300 Jah⸗
ren war; der alte Glaube war für unſere düſtern
Vorfahren gut, für uns Aufgeklärte taugt er nicht
mehr; weg mit den veralteten Irrthümern!“ Es
iſt erſtaunlich, wie viel die Herren (und Frauen)
vom Fortſchritt reden, den ſie ſchon gemacht
haben und in dem ſie unaufhaltſam begriffen
ſind, daß man meinen ſollte, ſie müßten es weit
gebracht und bald die Sonnenhöhe aller Weisheit
und Erkenntniß erreicht haben.
Nun liegt es mir vor allem an, mit dir, mein
werthes evangeliſches Volk, einige Worte von der
Vernunft zu reden, damit du dir keine falſche
Vorſtellung bildeſt, als ob ich oder die Kirchenlehre
die liebe Vernunft verachtete. Dieſe iſt traun
eine edle Gottesgabe, ohne welche wir etwa Fiſche
oder Rinder oder Affen geworden wären. Ja, es
würde unſer Aller Augen zieren, wenn wir ein⸗
mal ſo mit jenem Schäfer eine Kröte betrachteten
und Thränen des Dankes weinten, daß uns Gott
zu vernünftigen Menſchen und nicht zu
Kröten geſchaffen hat. Die Vernunft erhebt uns
über alle andere Geſchöpfe der Erde und macht es
uns möglich, Gott zu erkennen, und macht uns
fähig zur Unſterblichkeit. Die Vernunft iſt das
Licht dieſes zeitlichen Lebens; da kann ſie walten,
ordnen, Neues ſchaffen, und Alles meiſterlich!
machen. Und wenn ſie aus Gottes Wort
gelehrtund weiſe geworden iſt, dann darf ſie
auch auf dem Gebiete der Religion urtheilen.
nach Gottes Wort. Aber die Vernunft iſt
nach Adams Fall für ſich ſelbſt oder von
Natur, was die göttlichen Dinge betrifft, blind,
voll Irrthum, Wahn und Trug, wie wir an:
den Heiden deutlich ſehen, die auch eine Vernunft
haben, ſo gut als wir, und oft eine ſehr begabte,
wie z. E. die Neuſeeländer, und die doch, weil ſie
bisher noch ihre eignen Wege gingen, elende Götzen
anbeten. Und wenn nun die Vernunft nicht mehr
eine demüthige Schülerin des götilichen Worts
ſein will, wie bei unſern frommen evangeliſchen
Vätern, ſondern erhebt ſich als Richterin über dieſe
English translation AI translation
The Lutheran.
"God's Word and Luther's teaching will never now and nevermore pass away."
Edited by C. F. W. Walther.
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.
Volume 4.
St. Louis, Mo., August 8, 1848.
No. 25.
Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at an annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must bear the postage themselves. In St. Louis, each single issue is sold for 5 cents. Only letters containing contributions for the paper are to be sent to the editor; all others, containing business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
On the Friends of Light, by Wilhelm Redenbacher. (Dresden, published by J. Naumann, 1846.)
There will not be one of my esteemed readers who does not know of the so-called Friends of Light. Yet the appearance of this movement in the midst of our evangelical Church is nothing gladdening, but something very grievous, something very troubling. Therefore I have undertaken — may God grant grace for it! — to make my dear evangelical people more precisely and plainly acquainted, in the simplest way, with the opinions and assertions of these people and with what follows from them, and faithfully to warn against what is pernicious. For many do not actually know how matters stand with the Friends-of-Light movement, and even better souls are not safe from being led astray.
The Friends of Light, or, as they also call themselves, the Protestant Friends, have since 1842 held their main assemblies in Köthen, a small town in the heart of Germany. Here they gathered twice yearly in considerable numbers. They also held meetings in other places. In these they spoke out rather unabashedly; they also occasionally had things printed; I can therefore give you a reliable report of their wisdom.
Now, what then do the Friends of Light believe? But, beloved readers, we do better to put the question differently; for they speak not so much of what they believe as rather of what they do not believe. Well then, what do they not believe? They do not believe in the holy, divine Trinity, that in the one being of the Godhead there are three persons, Father, Son, and Holy Spirit; therefore they also do not believe that the eternal Son of God became man and that our Lord Christ is true God and man in one person; they do not believe that human nature has been corrupt and full of evil lusts since Adam's fall; they do not believe that Christ shed his blood for the atonement of our sins — a doctrine which some of them flatly declare to be blasphemy; they do not believe that man is justified before God without the works of the Law, by faith alone in the crucified Savior; they do not believe that man is incapable, without help from above, without the assistance of the divine Spirit, of thinking or doing anything truly good. I could go on for a while longer reporting what they do not believe; but it is enough; here we have named precisely the chief doctrines of Christianity which they reject.
But this we must add: they renounce the Augsburg Confession, which from the Reformation down to this present day has held good as the chief confessional writing of our Church, in which we bear witness before everyone of our holy faith as we have drawn it from Scripture. They also turn away from the Apostles' Creed (the three articles of faith in the Catechism), which from the time of the apostles until now expresses the common faith of all Christian churches. Finally, they also no longer accept Holy Scripture, which we have always held to be the sole, pure source of divine truth, as the true and infallible Word of God; although, they say, much that is true, beautiful, and good is contained in it, yet it is nevertheless full of superstitious, Babylonian notions, full of fables and tales.
It is really only their own reason to which the Friends of Light grant the right to vote in matters of religion. This sits enthroned among them on a high chair; whatever it says must be right, at least for today, and whatever it denies must be false; woe to him who contradicts it! He must at the very least put up with being called an obscurantist. To be sure, they talk a great deal about spirit, which they even sometimes call the Holy Spirit; but whoever thinks thereby of the Spirit who proceeds from the Father and the Son would be greatly mistaken; this "holy spirit" of theirs is nothing other than the thoughts, the fancies, the vapors of their own head and — vain heart. They say: "We have come much further than people were 300 years ago; the old faith was good for our gloomy forefathers, but for us enlightened ones it no longer serves; away with the outdated errors!" It is astonishing how much these gentlemen (and ladies) talk about the progress they have already made and are unceasingly making, so that one might think they must have gotten very far and would soon reach the very zenith of all wisdom and knowledge.
Now it is above all my concern to say a few words to you, my esteemed evangelical people, about reason, so that you form no false notion as though I, or the doctrine of the Church, despised dear reason. This is indeed a noble gift of God, without which we would have become, say, fish, or cattle, or apes. Indeed, it would become all our eyes if we were, like that shepherd, to look upon a toad and weep tears of gratitude that God made us into rational human beings and not into toads. Reason raises us above all other creatures of the earth and makes it possible for us to know God, and makes us capable of immortality. Reason is the light of this temporal life; in it, reason can govern, order, create new things, and master everything. And when it has been taught and made wise from God's Word, then it may also judge in the realm of religion — according to God's Word. But reason, after Adam's fall, is by itself, or by nature, as far as divine things are concerned, blind, full of error, delusion, and deceit, as we clearly see among the heathen, who also have reason just as good as ours, and often a very gifted one, as for example the New Zealanders, and who nevertheless, because they have hitherto gone their own ways, worship wretched idols. And when reason no longer wishes to be a humble pupil of the divine Word, as with our devout evangelical forefathers, but instead rises up as judge over this