Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 23 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-21, Seite 187
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gefühl 8 · Kirchengemeinſchaften 3
ſtedelung aufs freundlichſte behilflich. Sie finden
nur täglich mehr Urſache, ſich dieſer Veränderung
zu freuen und dem treuen Indianer dankbar zu
ſein. Zuletzt ſchlug dieſer ſogar auch ſelber bei
ihnen ſeine Hütte auf.
Leſer, du Vater, Mutter insbeſondere am Ster⸗
bebette, am Grabe des Kindes mit der blutigen
Frage im Herzen: „HErr, warum haſt du
das gethan?“ ſiehe eine ſchöne Antwort als
im Gleichniſſe dir auf ſolche Frage in dieſer Ge⸗
ſchichte gegeben. Wie jener Fremdling in der
Hütte des ſchottiſchen Anſiedlers iſt etwa dein
Gott auch bei dir eingekehrt und hat dir zu ver⸗
ſtehen gegeben, hat dir gewinkt, gelockt, daß du
ihm folgen — dich mehr an Ihn anſchließen, an
Ihn halten, Herz und Sinn und Lauf dahin
richten ſolleſt, wo Er iſt; aber du haſt Seine
Meinung nicht verſtehen, Seinem Winken nicht
folgen wollen. Er iſt gegangen und wiedergekom⸗
men, hat einmal und abermal und noch einmal
Seine Heimſuchungen, Seine Verſuche, dein Herz
herumzuholen, wiederholt; aber immer vergeblich,
dein Herz blieb ſo unbeweglich als das jener bei⸗
den gegen den Indianer. Siehe, da nahm Er
dir auch das Kind aus der Wiege oder ſonſt den
Liebling deines Herzens aus deinen Armen, und
eilte damit davon. Warum? In keiner andern
Abſicht, als daß du Ihm nacheileſt — dem Her⸗
zen nach — wie die beiden Eltern dem Indianer.
Es iſt nicht auf dein Kind nur, es iſt auf dich
eigentlich abgeſehen. Hat Er erſt dich, wo Er
dich haben will, will Er wohl auch dein Kind dir
in deine Arme zurückgeben und will ſich freuen,
höher noch als jener Indianer, daß Ihm Seine
Abſicht gelungen und Er dich ſammt deinem Lieb⸗
linge an einem ſo guten, ſchönen Orte, im himm⸗
liſchen Paradieſe, untergebracht hat, und du wirſt
—dich auch freuen mit unausſprechlicher ewiger
Freude und ewig wie deine Freude wird dein Dank
ſein und wirſt nicht mehr fragen: „HErr, war⸗
um haſt du das gethan?“
„An demſelbigen Tage werdet ihr
mich nichts fragen.“ (Joh. 16,23.)
(Nördl. Sonntagsblatt.)
Das aufrichtige Verlangen nach dem Glauben,
ein Kennzeichen, daß der Glaube ſchon vor⸗
handen ſei.
Sich um den Glauben bekümmern, Gott um
denſelben bitten, denſelben herzlich wünſchen, und
darinnen zu wachſen und bis an ſein Ende zu
beharren eifrigſt begehren, zeuget vom Glauben.
Die Rechtgläubigen dünket immer, ſie glauben
nicht, oder ihr Glaube ſei allzuſchwach, er habe
noch gar zu viel Mängel. Sie wünſchen und be⸗
gehren immer völliger zu werden und ihrem JEſu
näher zu konnnen; ſie denken, wenn ſie hören vom
Glauben reden und anderer Leute Glauben prei⸗
ſen: Ach wenn du doch auch ſolchen Glauben
haben möchteſt! O wenn du es erſt ſo weit ge⸗
bracht hätteſt! Ihr Glaube iſt in ihren Augen
wie ein glimmendes geringes Fünklein, der
Glaube anderer Leute wie eine brennende Fackel.
Sie ſeufzen immer und ſagen: Ach JEſu, wann
tröſteſt du mich? wann werde ich dich doch recht
hboch und theuer lernen achten? wann wird doch
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mein Herz alles andere vergeſſen und an dir allein
hangen? Ach wenn ich dich doch, mein Erlöſer,
mit einem ſtarken, lebendigen, freudigen Glauben
umfangen, faſſen und halten möchte! Wenn wird
doch aller Zweifel verſchwinden und mein Glaube
als ein lauteres, helles Flämmlein brennen?
Wann werde ich doch aus den völligen Früchten,
die du in mir wirkeſt, erkennen, daß ich im wah⸗
ren Glauben an dir hange? u. ſ. w.
Bedenke dich wohl, mein Chriſt, indem du
dieſes lieſeſt, ob ich die Gedanken deines Herzens
treffe und alſo ſchreibe, wie dir öfters zu Muthe
iſt? — Ob du manchmal deines Glaubens hal⸗
ber hoch bekümmert biſt, darum herzlich beteſt und
mit ſtetigem Seufzen und Verlangen nach der Ge⸗
meinſchaft mit Chriſto dich ſehneſt? — Oder ob
du ſolche Dinge nicht weißt oder achteſt?
Dieß Letzte iſt eine Anzeige nicht des Glaubens,
ſondern der Sicherheit; jenes aber zeiget, daß der
Heilige Geiſt dein Herz durchs Wort berühret, daß
Chriſtus durch den Glauben in demſelben wohnet
und daß dein Glaube ſchon im Werk und in
der Uebung begriffen iſt, denn ohne Gottes Geiſt
und ohne Chriſtum nach Chriſto ſeufzen iſt unmög⸗
lich, und der heilige Auguſtinus hat recht geſagt:
„Ein Verlangen nach der Gnade haben, iſt ein
Anfang der Gnade.“
(S. Scrivers Seelenſchatz, 1. Theil, 5. Predigt, S. 226.)
Erholung.
Einſt begegnete ein Jäger dem Apoſtel Jo⸗
hannes, der ein zahmes Rebhuhn in ſeinen
Händen hielt, und es ſtreichelnd liebkoſ'te. Der
Jäger verwunderte ſich, daß ein ſo großer, hei⸗
liger Mann daran Wohlgefallen haben könne.
„Was trägſt du da in deiner Hand?“ fragte Jo⸗
hannes. „Einen Bogen.“ — „Aber warum iſt
er nicht geſpannt?“ „Weil die Sehne erſchlaffen
würde, wenn ich ihn immer geſpannt hätte.“ —
„Nun, ſo laß es dich nicht befremden“, ſprach der
Apoſtel, „wenn auch ich meinen Geiſt ein wenig
ruhen laſſe, um ihn zu neuer Arbeit zu
ſtärken.“
—7
Märtyrertod eines ſiebenjährigen Knaben.
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säug⸗
linge haſt du eine Macht zugerichtet um deiner
Feinde willen. Pſ. 8, 3.
Als der Märtyrer Romanus vom Landpfle⸗
ger Asclipiades verhört wurde, ſo berief ſich
erſterer auf die jungen Kinder, von denen man
vernehmen ſolle, ob es beſſer ſei, Einen Gott oder
vielen Götzen zu dienen. Der Landpfleger ließ
einen ſiebenjährigen Knaben holen und Romanus
fragte ihn. „Was meinſt du, liebes Kind“, ſagte
er zu ihm, „iſts recht, daß man Chriſtum ehren
müſſe und in Chriſto den Vater, oder muß man
tauſend Götter anbeten?“ Lachend erwiederte der
Knabe: „Nothwendig muß der, den die Men⸗
ſchen für einen Gott halten, nur ein einiger Gott
ſein; denn daß vielerlei Götter ſeien, glauben
nicht einmal die kleinen Kinder.“ Der Tyrann
fragte, von wem das Kind dieß gelernt hätte.
„Ich habe es“, ſagte der Knabe, „von meiner
Mutter, und dieſe hat es von Gott gelernt; denn
ſie hat es von dem Heiligen Geiſt gelernt, was
ſie mich gelehret hat, und den Glauben an Chri⸗
ſtum habe ich mit ihrer Milch eingeſogen.“ Der
Tyrann ließ die Mutter holen und den Knaben
in ihrer Gegenwart ſehr hart mit Ruthen peit⸗
ſchen, ſo daß auch die Peiniger ſelbſt darüber
weinen mußten. Nur die Mutter ſtand da ohne
Thränen, frohlockend und voller Freuden. Unter
der Marter verlangte der Knabe nach Waſſer, es
dürſte ihn ſehr, ſagte er. Da ſtrafte ihn ſeine
Mutter, denn ſie meinte er, fürchte ſich vor der
Marter, und ſagte zu ihm, er ſolle ſich nicht fürch⸗
ten, Chriſtus der lebendige Brunnen ſei bei ihm
gegenwärtig, er werde ihn auch bald ſehen und
ewig ohne Durſt getränkt werden; unterdeſſen
müſſe er den Kelch trinken, welchen etliche tauſend
Kinder in Bethlehem auch getrunken. Jetzt wurde
dem Knaben durch die Hand des Henkers die
Kopfhaut ſammt den Haaren vom Haupte ab⸗
gezogen; die Mutter aber rief ihm zu, er ſolle
nur geduldig leiden, bald würde ſein Haupt herr⸗
lich gekrönt werden. Durch die Zuſprache der
Mutter ward der Knabe ganz fröhlich und ver⸗
achtete und verlachte alle Pein, auch als er zum
Schwert verdammt wurde. Jetzt nahm ihn die
Mutter auf ihre Arme, trug ihn ſelber zum Richt⸗
platz, gab ihm, als der Henker ihn abforderte,
ohne Weinen einen Kuß zum Lebewohl und
ſprach: „Gehabe dich wohl, mein theures Kind,
und gedenke an mich, deine Mutter, wenn du
ins Reich Chriſti kommſt.“ Sie fing das Haupt
und das Blut ihres Kindes auf, drückte es an
ihre Bruſt, und ſang ein Danklied nach dem
116. Pſalm: „Der Tod ſeiner Heiligen iſt werth
gehalten vor dem HErrn. Siehe, hier iſt dein
Knecht, deiner Magd Sohn.“ S. Prudentius
im 10. Liede von den Kronen.
Der Zehrpfennig.
Fürchte Dich nicht, denn Du ſollſt nicht zu
Schanden werden. (Jeſ. 54, 4.)
Johann Friedrich der Großmüthige
befand ſich in ſeiner Gefangenſchaft im Jahre 1550
zu Augsburg, und hier erfuhr er, daß die da⸗
ſigen evangeliſch⸗lutheriſchen Prediger gewaltſam
ihres Amtes entſetzt, und ihnen anbefohlen wor⸗
den war, das Land zu meiden. Der fromme
Fürſt ließ hierauf Einen jener Prediger zu ſich
kommen, und als er vernahm, daß ihnen der
Kaiſer das ganze römiſche Reich verboten habe,
ſtand er in heftiger Bewegung auf, trat an ein
Fenſter, und vergoß Thränen des Mitleids. Doch
bald wandte er ſich wieder um, und ſagte: „Hat
Euch denn der Kaiſer auch den Himmel
verboten?“ — „Nein!“ — „Ei, ſo hat's keine
Noth! Seid getroſt, der Himmel muß uns doch
bleiben. Gott wird wohl noch ein Land finden,
wo Ihr Sein Wort predigen dürft.“ Darauf
griff er nach ſeiner Satteltaſche und ſagte:
„Hierin iſt Alles, was ich jetzt auf Erden habe,
ich will Euch daraus einen Zehrpfennig verehren,
den theilet mit Euren Kreuzbrüdern! Ich bin
zwar auch ein Gefangener, aber mein Gott wird
mir wohl wieder Etwas beſcheren!“
Das iſt derſelbe fromme Fürſt, der ſich vor kei⸗
nem Menſchen, aber deſto tiefer vor Gott beugte,
und darum ſo feſt vertraute. Als der Kaiſer
durch die heftigſten Drohungen von ihm Einwil⸗
ligungen erzwingen wollte in Religionsſachen, die
wider ſein Gewiſſen waren, erfolgte auf einmal
bei heiterem Himmel ein heftiger Donnerſchlag.
Da brach Johann Friedrich in die Worte
aus: „Ach ja, Du alter, ſtarker Gott, Du läſſeſt
Dich hören, daß Du noch lebſt, Du wirſt es
wohl machen!“ Karl mußte dieſe ſtandhafte,
fromme Seele bewundern, und gab die Hoffnung
auf, ſie zu beſiegen.
Freiwilliger Zehent.
Ein Beiſpiel zur Nachahmung.
Der ſelige Prälat Hochſtätter zu Beben⸗
hauſen im Würtemberger Lande legte den zehn⸗
ten Theil von allen Zinſen und Beſoldungen zu
wohlthätigen Zwecken zurück, nach den Worten
Auguſtins: „So die Phariſäer und Schrift⸗
gelehrten den Zehnten geben, ſollen wir uns nicht
ſchämen, wenn wir Nichts geben?“ Dazu fügte
English translation AI translation
Son of God; through it, and in it alone, does water baptism have its inward cleansing power, whether penitent and believing persons be baptized or not — just as, likewise, mere water also has its outward cleansing power through God's creation and ordinance, whether soiled persons, or persons at least receptive to cleansing, be present or not. —
This, however, is a common mark of the unchurchly, fanatical spirit, in all its forms and degrees: that through its pride it confuses and disturbs the churchly order of salvation — that is, that it places the penitent faith of man, which is after all only the receiving-means of the divine means of grace, of the Gospel and of the holy Sacraments, not under, but rather beside, or even above these — that is, above God's Word, work, and ordinance. Wherever this unclear, confused spirit appears as a teacher, it represents human faith, over against the divine means of salvation, as though it helped to make and form the essence of the latter. But this is just as untrue as if I were to say: my tongue helps to give the food its good taste, and my stomach, to give it its nourishing power. Both of these, however, it has through God's goodness and ordinance without my tongue and stomach; and these latter are nothing but the means and instruments by which to perceive the good taste of the food and to make its nourishment my own. Just so it is, then, in spiritual matters: faith is only the subordinate means of appropriating the salvation in Christ which the Spirit, through the means of grace — the preaching of the Gospel and the holy Sacraments — extends to man, and as it were to his hand of faith.
There is no doctrine so foolish or shameful that it does not also find hearers and disciples.
Luther.
(Submitted.)
Why Hast Thou Done This?
How often does the dismayed heart of man ask this, when in its own portion it must experience what the Lord speaks through the mouth of the prophet: "My thoughts are not your thoughts, and your ways are not my ways." How many a deeply wounded father's or mother's heart, for example, has already asked this when the Lord tore away their darling through death — yes, has even quarreled in such a question with its God, whose doing seemed incomprehensible, whose way seemed cruel to it. To such a father's or mother's heart let the following story be told as an instructive parable:
A certain MacDougal from Scotland had emigrated to Upper Canada in North America, and had there, on the edge of the great primeval forests, bought and cultivated a piece of land. There he lived in peace, after the hardships of the first settlement had been overcome, with his wife. A lovely infant was the delight and highest happiness of both parents. One day, however, one of the wild Indians appeared — one who a few days before had, in a very kindly manner, brought back to him the wife of our settler after she had gone astray in the forest — appeared on the plantation, and gave to understand, by all manner of signs, that he wished Mr. MacDougal and his wife to follow him into the forest. The two of them, however, unable to guess the purpose of this unexpected demand, steadfastly refused to comply with it. At length, after he had in vain employed all the eloquence of sign language at his command, he indeed withdrew, but after some time returned again and renewed his attempts, though with equally poor success. The two white people simply would not understand his signs, nor show themselves willing to comply with his request. What does the Indian do now, seeing that all his efforts are in vain? Behold, there stands the cradle with the slumbering infant — suddenly he reaches in, takes the child, and runs off with the swiftness of the wind toward the nearby forest. The terrified parents both run after him, calling, begging, pleading as loudly as they can; but the Indian is as unyielding toward them as they had just been toward him. He did gradually moderate his pace somewhat, so that they could follow him more easily, and so as to make more certain that they would follow, yet without letting himself be quite overtaken by them. MacDougal begged his wife to turn back and let him continue the pursuit alone; but to this the mother's heart had only the answer of faithful Ruth to Naomi's urging that she should turn back (Ruth 1:16 ff.); she pressed on unstoppably after her darling, and would have gone not only into the dark primeval forests of America, but into the very darkness of the "lower places" themselves. Meanwhile the strange robber went ever more gently in his steps; now he looked kindly upon the plunder in his arms, which he sought at the same time, with visible care, to protect against every little breeze; now again he cast a quick glance back at the pursuing parents. Like one who is perfectly certain of his way and his goal, he pressed onward. All at once, however, he stood still — and that upon a wide, beautiful spot, thickly overgrown with luxuriant grass, bright with flowers, splendidly shaded by God's trees — comparable to a paradise in the midst of the forest. The anguished parents reach him after a couple of minutes, and the very moment they stand before him, they also have their child again in their arms, which the one so unyielding until now now hands back to them at once with the friendliest and most joyful gestures. They soon also guess the actual intention of the good Indian, namely, that it was none other than that they should henceforth dwell at this splendid spot, instead of at the far less beautiful and fruitful place of their first settlement. Now his thoughts are soon their thoughts too. They joyfully choose the beautiful spot for their future dwelling-place; he himself is most kindly helpful to them in the removal.