# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 06 21_S187 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtedelung aufs freundlichſte behilflich. Sie finden nur täglich mehr Urſache, ſich dieſer Veränderung zu freuen und dem treuen Indianer dankbar zu ſein. Zuletzt ſchlug dieſer ſogar auch ſelber bei ihnen ſeine Hütte auf. Leſer, du Vater, Mutter insbeſondere am Ster⸗ bebette, am Grabe des Kindes mit der blutigen Frage im Herzen: „HErr, warum haſt du das gethan?“ ſiehe eine ſchöne Antwort als im Gleichniſſe dir auf ſolche Frage in dieſer Ge⸗ ſchichte gegeben. Wie jener Fremdling in der Hütte des ſchottiſchen Anſiedlers iſt etwa dein Gott auch bei dir eingekehrt und hat dir zu ver⸗ ſtehen gegeben, hat dir gewinkt, gelockt, daß du ihm folgen — dich mehr an Ihn anſchließen, an Ihn halten, Herz und Sinn und Lauf dahin richten ſolleſt, wo Er iſt; aber du haſt Seine Meinung nicht verſtehen, Seinem Winken nicht folgen wollen. Er iſt gegangen und wiedergekom⸗ men, hat einmal und abermal und noch einmal Seine Heimſuchungen, Seine Verſuche, dein Herz herumzuholen, wiederholt; aber immer vergeblich, dein Herz blieb ſo unbeweglich als das jener bei⸗ den gegen den Indianer. Siehe, da nahm Er dir auch das Kind aus der Wiege oder ſonſt den Liebling deines Herzens aus deinen Armen, und eilte damit davon. Warum? In keiner andern Abſicht, als daß du Ihm nacheileſt — dem Her⸗ zen nach — wie die beiden Eltern dem Indianer. Es iſt nicht auf dein Kind nur, es iſt auf dich eigentlich abgeſehen. Hat Er erſt dich, wo Er dich haben will, will Er wohl auch dein Kind dir in deine Arme zurückgeben und will ſich freuen, höher noch als jener Indianer, daß Ihm Seine Abſicht gelungen und Er dich ſammt deinem Lieb⸗ linge an einem ſo guten, ſchönen Orte, im himm⸗ liſchen Paradieſe, untergebracht hat, und du wirſt —dich auch freuen mit unausſprechlicher ewiger Freude und ewig wie deine Freude wird dein Dank ſein und wirſt nicht mehr fragen: „HErr, war⸗ um haſt du das gethan?“ „An demſelbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen.“ (Joh. 16,23.) (Nördl. Sonntagsblatt.) Das aufrichtige Verlangen nach dem Glauben, ein Kennzeichen, daß der Glaube ſchon vor⸗ handen ſei. Sich um den Glauben bekümmern, Gott um denſelben bitten, denſelben herzlich wünſchen, und darinnen zu wachſen und bis an ſein Ende zu beharren eifrigſt begehren, zeuget vom Glauben. Die Rechtgläubigen dünket immer, ſie glauben nicht, oder ihr Glaube ſei allzuſchwach, er habe noch gar zu viel Mängel. Sie wünſchen und be⸗ gehren immer völliger zu werden und ihrem JEſu näher zu konnnen; ſie denken, wenn ſie hören vom Glauben reden und anderer Leute Glauben prei⸗ ſen: Ach wenn du doch auch ſolchen Glauben haben möchteſt! O wenn du es erſt ſo weit ge⸗ bracht hätteſt! Ihr Glaube iſt in ihren Augen wie ein glimmendes geringes Fünklein, der Glaube anderer Leute wie eine brennende Fackel. Sie ſeufzen immer und ſagen: Ach JEſu, wann tröſteſt du mich? wann werde ich dich doch recht hboch und theuer lernen achten? wann wird doch 183 mein Herz alles andere vergeſſen und an dir allein hangen? Ach wenn ich dich doch, mein Erlöſer, mit einem ſtarken, lebendigen, freudigen Glauben umfangen, faſſen und halten möchte! Wenn wird doch aller Zweifel verſchwinden und mein Glaube als ein lauteres, helles Flämmlein brennen? Wann werde ich doch aus den völligen Früchten, die du in mir wirkeſt, erkennen, daß ich im wah⸗ ren Glauben an dir hange? u. ſ. w. Bedenke dich wohl, mein Chriſt, indem du dieſes lieſeſt, ob ich die Gedanken deines Herzens treffe und alſo ſchreibe, wie dir öfters zu Muthe iſt? — Ob du manchmal deines Glaubens hal⸗ ber hoch bekümmert biſt, darum herzlich beteſt und mit ſtetigem Seufzen und Verlangen nach der Ge⸗ meinſchaft mit Chriſto dich ſehneſt? — Oder ob du ſolche Dinge nicht weißt oder achteſt? Dieß Letzte iſt eine Anzeige nicht des Glaubens, ſondern der Sicherheit; jenes aber zeiget, daß der Heilige Geiſt dein Herz durchs Wort berühret, daß Chriſtus durch den Glauben in demſelben wohnet und daß dein Glaube ſchon im Werk und in der Uebung begriffen iſt, denn ohne Gottes Geiſt und ohne Chriſtum nach Chriſto ſeufzen iſt unmög⸗ lich, und der heilige Auguſtinus hat recht geſagt: „Ein Verlangen nach der Gnade haben, iſt ein Anfang der Gnade.“ (S. Scrivers Seelenſchatz, 1. Theil, 5. Predigt, S. 226.) Erholung. Einſt begegnete ein Jäger dem Apoſtel Jo⸗ hannes, der ein zahmes Rebhuhn in ſeinen Händen hielt, und es ſtreichelnd liebkoſ'te. Der Jäger verwunderte ſich, daß ein ſo großer, hei⸗ liger Mann daran Wohlgefallen haben könne. „Was trägſt du da in deiner Hand?“ fragte Jo⸗ hannes. „Einen Bogen.“ — „Aber warum iſt er nicht geſpannt?“ „Weil die Sehne erſchlaffen würde, wenn ich ihn immer geſpannt hätte.“ — „Nun, ſo laß es dich nicht befremden“, ſprach der Apoſtel, „wenn auch ich meinen Geiſt ein wenig ruhen laſſe, um ihn zu neuer Arbeit zu ſtärken.“ —7 Märtyrertod eines ſiebenjährigen Knaben. Aus dem Munde der jungen Kinder und Säug⸗ linge haſt du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen. Pſ. 8, 3. Als der Märtyrer Romanus vom Landpfle⸗ ger Asclipiades verhört wurde, ſo berief ſich erſterer auf die jungen Kinder, von denen man vernehmen ſolle, ob es beſſer ſei, Einen Gott oder vielen Götzen zu dienen. Der Landpfleger ließ einen ſiebenjährigen Knaben holen und Romanus fragte ihn. „Was meinſt du, liebes Kind“, ſagte er zu ihm, „iſts recht, daß man Chriſtum ehren müſſe und in Chriſto den Vater, oder muß man tauſend Götter anbeten?“ Lachend erwiederte der Knabe: „Nothwendig muß der, den die Men⸗ ſchen für einen Gott halten, nur ein einiger Gott ſein; denn daß vielerlei Götter ſeien, glauben nicht einmal die kleinen Kinder.“ Der Tyrann fragte, von wem das Kind dieß gelernt hätte. „Ich habe es“, ſagte der Knabe, „von meiner Mutter, und dieſe hat es von Gott gelernt; denn ſie hat es von dem Heiligen Geiſt gelernt, was ſie mich gelehret hat, und den Glauben an Chri⸗ ſtum habe ich mit ihrer Milch eingeſogen.“ Der Tyrann ließ die Mutter holen und den Knaben in ihrer Gegenwart ſehr hart mit Ruthen peit⸗ ſchen, ſo daß auch die Peiniger ſelbſt darüber weinen mußten. Nur die Mutter ſtand da ohne Thränen, frohlockend und voller Freuden. Unter der Marter verlangte der Knabe nach Waſſer, es dürſte ihn ſehr, ſagte er. Da ſtrafte ihn ſeine Mutter, denn ſie meinte er, fürchte ſich vor der Marter, und ſagte zu ihm, er ſolle ſich nicht fürch⸗ ten, Chriſtus der lebendige Brunnen ſei bei ihm gegenwärtig, er werde ihn auch bald ſehen und ewig ohne Durſt getränkt werden; unterdeſſen müſſe er den Kelch trinken, welchen etliche tauſend Kinder in Bethlehem auch getrunken. Jetzt wurde dem Knaben durch die Hand des Henkers die Kopfhaut ſammt den Haaren vom Haupte ab⸗ gezogen; die Mutter aber rief ihm zu, er ſolle nur geduldig leiden, bald würde ſein Haupt herr⸗ lich gekrönt werden. Durch die Zuſprache der Mutter ward der Knabe ganz fröhlich und ver⸗ achtete und verlachte alle Pein, auch als er zum Schwert verdammt wurde. Jetzt nahm ihn die Mutter auf ihre Arme, trug ihn ſelber zum Richt⸗ platz, gab ihm, als der Henker ihn abforderte, ohne Weinen einen Kuß zum Lebewohl und ſprach: „Gehabe dich wohl, mein theures Kind, und gedenke an mich, deine Mutter, wenn du ins Reich Chriſti kommſt.“ Sie fing das Haupt und das Blut ihres Kindes auf, drückte es an ihre Bruſt, und ſang ein Danklied nach dem 116. Pſalm: „Der Tod ſeiner Heiligen iſt werth gehalten vor dem HErrn. Siehe, hier iſt dein Knecht, deiner Magd Sohn.“ S. Prudentius im 10. Liede von den Kronen. Der Zehrpfennig. Fürchte Dich nicht, denn Du ſollſt nicht zu Schanden werden. (Jeſ. 54, 4.) Johann Friedrich der Großmüthige befand ſich in ſeiner Gefangenſchaft im Jahre 1550 zu Augsburg, und hier erfuhr er, daß die da⸗ ſigen evangeliſch⸗lutheriſchen Prediger gewaltſam ihres Amtes entſetzt, und ihnen anbefohlen wor⸗ den war, das Land zu meiden. Der fromme Fürſt ließ hierauf Einen jener Prediger zu ſich kommen, und als er vernahm, daß ihnen der Kaiſer das ganze römiſche Reich verboten habe, ſtand er in heftiger Bewegung auf, trat an ein Fenſter, und vergoß Thränen des Mitleids. Doch bald wandte er ſich wieder um, und ſagte: „Hat Euch denn der Kaiſer auch den Himmel verboten?“ — „Nein!“ — „Ei, ſo hat's keine Noth! Seid getroſt, der Himmel muß uns doch bleiben. Gott wird wohl noch ein Land finden, wo Ihr Sein Wort predigen dürft.“ Darauf griff er nach ſeiner Satteltaſche und ſagte: „Hierin iſt Alles, was ich jetzt auf Erden habe, ich will Euch daraus einen Zehrpfennig verehren, den theilet mit Euren Kreuzbrüdern! Ich bin zwar auch ein Gefangener, aber mein Gott wird mir wohl wieder Etwas beſcheren!“ Das iſt derſelbe fromme Fürſt, der ſich vor kei⸗ nem Menſchen, aber deſto tiefer vor Gott beugte, und darum ſo feſt vertraute. Als der Kaiſer durch die heftigſten Drohungen von ihm Einwil⸗ ligungen erzwingen wollte in Religionsſachen, die wider ſein Gewiſſen waren, erfolgte auf einmal bei heiterem Himmel ein heftiger Donnerſchlag. Da brach Johann Friedrich in die Worte aus: „Ach ja, Du alter, ſtarker Gott, Du läſſeſt Dich hören, daß Du noch lebſt, Du wirſt es wohl machen!“ Karl mußte dieſe ſtandhafte, fromme Seele bewundern, und gab die Hoffnung auf, ſie zu beſiegen. Freiwilliger Zehent. Ein Beiſpiel zur Nachahmung. Der ſelige Prälat Hochſtätter zu Beben⸗ hauſen im Würtemberger Lande legte den zehn⸗ ten Theil von allen Zinſen und Beſoldungen zu wohlthätigen Zwecken zurück, nach den Worten Auguſtins: „So die Phariſäer und Schrift⸗ gelehrten den Zehnten geben, ſollen wir uns nicht ſchämen, wenn wir Nichts geben?“ Dazu fügte