Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 23 › Seite 186
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-06-21, Seite 186
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gefühl 8 · Kirchengemeinſchaften 3
Welt, Fleiſch und Teufel im Glauben überwindet,
nach 1 Joh. 3, 2. erſt jenſeits beſcheeret, wenn
im Durchgang des Todes die Erbſünde zum
völligen Erſterben und die Taufgnade zum vollen
Leben gekommen iſt.
Hätte nun der Methodiſten-Aelteſte, Herr P.
S., einige wenige Verſtandesbildung auf einer ge⸗
lehrten Schule genoſſen, ſo hätte er ſchwerlich, ſo⸗
fern jener vertrackte Schluß bloß eine Sünde des
Verſtandes und nicht des Willens war, dieſen
falſchen Schluß gemacht.
Ferner aber, wie will z. B. ein Prediger ohne
Kenntniß der lateiniſchen, griechiſchen und he⸗
bräiſchen Sprache zu einer ſelbſtſtändigen, ge⸗
naueren Schrift⸗Erkenntniß und Schrift-Aus⸗
legung gelangen und etwa dieſen oder jenen Theil
der heiligen Schrift eifrigen und gebildeten Bibel⸗
leſern ſeiner Gemeinde im Zuſammen hange er⸗
klären, wenn dieſe ihn darum bitten? Und wo
kann er anders jene weſentlichen und nothwendi⸗
gen Sprachkenntniſſe erlangen als auf Schulen
und Anſtalten, wo ſie gelehrt werden?
Nicht minder wichtig und weſentlich aber iſt
auch für den geiſtlichen Lehrer die genaue Kennt⸗
niß der verſchiedenen Bekenntniſſe und Lehren der
verſchiedenen Kirchen, und zumal hier zu Lande
auch der bedeutendſten Secten und geiſtlichen Frei⸗
beuter; denn ohne dieſe Kenntniß und die der
Kirchengeſchichte möchte ſchwerlich der Diener der
Kirche ſich und die Seinen recht begründen und
verwahren und ſeine Zeit in kirchlicher Beziehung
richtig beurtheilen können. Zur Erlangung dieſer
Kenntniſſe aber und der Anleitung, ſie immer
gründlicher und vollſtändiger zu gewinnen, ge⸗
hören höhere Lehr-Anſtalten. Ein Prediger alſo,
der dieſe verachtet und ſich viel mehr einem ge⸗
ſchäftigen Müßiggange ergibt, als durch eifriges
Privatſtudium den Mangel an theologiſcher Bil⸗
dung möglichſt zu erſetzen ſucht, möchte ſchwerlich
ein ſolches Maaß des Heiligen Geiſtes beſitzen,
als er ſich einbildet; denn dieſer iſt allewege ein
Geiſt der Demuth.
Bei den Methodiſten aber kommt nun noch das
Uebel hinzu, daß ſie gegen 1 Tim. 3, 6. auch
Neulingen das geiſtliche Amt anvertrauen, falls
etwa andere Neulinge bezeugen, daß Jene wahr⸗
haft gläubige Leute ſeien und zu ihrer Bekehrung
dieß und das beigetragen hätten. Und als ein
ſolcher Neuling hat ſich denn auch neulich Herr
Joh. Geier zu Marietta gedruckt kund gegeben;
denn in ſeinem jüngſten Aufſatze im Apologeten:
„die Waſſertaufe keine Wiedergeburt“, iſt der lan⸗
gen Rede kurzer Sinn dieſer: das Weſen der
Taufe hängt ab (und wird eigentlich gemacht)
von der Buße und dem Glauben des Täuflings.
Dieß iſt aber etwa ſo, wie wenn ich bei einer bloß
äußerlichen Waſchung ſagen wollte: das Weſen
des Waſſers d. i. ſeine reinigende Kraft hängt
ab (und wird eigentlich gemacht) von der Haut
und den Händen des Menſchen. Herr J. G.
hätte Recht, wenn er meinte: die geſegnete
Wirkung der Taufe hängt theilweiſe ab von
der Buße und dem Glauben des Täuflings, denn
das Weſen der Taufe ruhet und gründet ſich all⸗
ein in dem Einſetzungsworte des allmächtigen
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Sohnes Gottes; durch ſie und in ihnen allein
hat die Waſſertaufe ihre innerlich reinigende Kraft,
es mögen nun bußfertige und gläubige Täuflinge
da ſein oder nicht; ähnlich wie denn auch bloßes
Waſſer ſeine äußerlich reinigende Kraft durch
Gottes Schöpfung und Ordnung hat, es mögen
beſchmutzte oder doch für Reinigung empfängliche
Menſchen da ſein oder nicht. —
Das iſt aber ein gemeinſames Merkmal des
unkirchlichen ſchwärmeriſchen Geiſtes, in allen
Geſtalten und Graden, daß er durch ſeinen Hoch⸗
muth die kirchliche Heilsordnung verwirrt und
verſtört, d. i. daß er den bußfertigen Glauben des
Menſchen, der doch nur das Empfangsmittel der
göttlichen Gnadenmittel, des Evangeliums und
der heiligen Sacramente, iſt, nicht unter, ſon⸗
dern eigentlich neben oder gar über dieſe, alſo
über Gottes Wort, Werk und Ordnung ſtellt.
Ueberall, wo dieſer unklare verworrene Geiſt leh⸗
rend auftritt, ſtellt er den menſchlichen Glauben,
gegenüber den göttlichen Heilsmitteln, alſo dar,
als helfe er das Weſen dieſer letzteren machen und
bilden. Es iſt dieß aber eben ſo unwahr, als
wenn ich ſagte: meine Zunge hilft dazu, der Speiſe
den Wohlgeſchmack, und mein Magen, ihr die
nährende Kraft zu geben. Beides aber hat ſie
durch Gottes Güte und Ordnung ohne meine
Zunge und Magen; und dieſe letzteren ſind nichts
als die Mittel und Werkzeuge, um den Wohl⸗
geſchmack der Speiſe zu empfinden und ihr Näh⸗
rendes mir anzueignen. Ganz eben ſo nun iſt es
im Geiſtlichen, der Glaube nur das untergeordnete
Aneignungsmittel des Heils in Chriſto, welches
der Geiſt durch die Heilsmittel der Predigt des
Evangeliums und der heiligen Sacramente dem
Menſchen und gleichſam ſeiner Glaubenshand
darreicht.
Es iſt keine Lehre ſo närriſch oder ſchändlich,
die nicht auch Zuhorer und Schüler finde.
Luther.
(Eingeſandt.)
Warum haſt du das gethan?
Wie oft fragt ſo das beſtürzte Menſchenherz,
wenn es nun an ſeinem Theil erfahren muß, was
der HErr ſpricht durch des Propheten Mund:
„Meine Gedanken ſind nicht eure Gedanken und
eure Wege ſind nicht meine Wege.“ Wie man⸗
ches tiefverwundete Vater- und Mutterherz z. B.
hat ſchon, wenn der HErr durch den Tod ihm
ſeinen Liebling entriß, ſo gefragt, ja in ſolcher
Frage mit ſeinem Gott, deſſen Thun ihm unbe⸗
greiflich, deſſen Verfahren ihm grauſam dünken
wollte, gehadert. Einem ſolchen Vater⸗ und
Mutterherzen ſei folgende Geſchichte als ein lehr⸗
reiches Gleichniß erzählt:
Ein gewiſſer Mac Dougal aus Schottland
war nach Ober-Canada in Nowamerika ausge⸗
wandert, und hatte ſich daſelbſt, an der Grenze
der großen Urwälder, ein Stück Landes gekauft
und angebaut. In Frieden lebte er da, nachdem
die Beſchwerden der erſten Anſiedelung überſtan⸗
den waren, mit ſeiner Gattin. Ein holder Säug⸗
ling war beider Eltern Luſt und höchſtes Glück.
Eines Tages aber erſchien einer der wilden In⸗
dianer, der einige Tage zuvor die im Walde ver⸗
irrte Frau unſres Anſiedlers ihm ſehr menſchen⸗
freundlich wieder zugeführt hatte, auf der Pflan⸗
zung, und gab durch allerlei Zeichen zu verſtehen,
daß er wolle, daß Herr Dougal und ſeine Frau
ihm in den Wald folge. Die beiden aber, außer
Stande, die Abſicht dieſer unerwarteten Zumu⸗
thung zu errathen, weigerten ſich ſtandhaft, ihm
zu willfahren. Endlich, nachdem er alle ihm zu
Gebote ſtehende Beredſamkeit der Zeichenſprache
vergeblich aufgeboten hatte, entfernte er ſich zwar,
kehrte aber nach einiger Zeit wieder zurück und
erneuerte ſeine Verſuche, jedoch mit gleich ſchleh-
tem Erfolg. Die beiden weißen Leute wollen ſeine
Winke durchaus nicht verſtehen, noch ſeinem Be⸗
gehren ſich willfährig erzeigen. Was thut nun,
da er ſieht, daß alle ſeine Bemühungen vergeblich
ſind, der Indianer? Siehe, da ſtehet die Wiege
mit dem ſchlummernden Säuglinge — plötzlich
greift er hinein, nimmt das Kind und läuft da⸗
von mit Windeseile, dem nahen Walde zu. Die
erſchrockenen Eltern laufen ihm beide nach, rufen,
bitten, flehen, ſo laut ſie können; aber der In⸗
dianer iſt ſo unerbittlich gegen ſie, als ſie es eben
gegen ihn geweſen. Er mäßigte zwar allmählich
ſeine Schritte etwas, daß ſie ihm leichter folgen
konnten, und um ſo gewiſſer folgten, doch ohne
ſich von ihnen ganz einholen zu laſſen. Mae
Dougal bat ſeine Gattin, umzukehren und ihn
die Verfolgung allein fortſetzen zu laſſen; allein
darauf hatte das Mutterherz nur die Antwort der
treuen Ruth auf Naemi's Zureden, daß ſie ſollte
umkehren (Ruth 1, 16. ff.); ſie zog's unaufhalt⸗
ſam vorwärts, ihrem Lieblinge nach und ginge es
nicht nur in die dunkeln Urwälder Amierika's, ſon⸗
dern in die Finſterniſſe der „untern Oerter“ ſelber
hinein. Inzwiſchen that der ſeltſame Räuber im⸗
mermehr gemach mit ſeinen Schritten; freundlich
blickte er bald auf den Raub in ſeinen Amen,
den er zugleich mit ſichtbarer Sorgfalt gegen jedes
Lüftchen zu ſchützen ſuchte, bald warf er wieder
einen ſchnellen Blick auf die nacheilenden Eltern
zurück. Wie einer, der ſeines Weges und ſeines
Zieles vollkommen gewiß iſt, drang er vorwärts.
Auf einmal aber ſtand er ſtille, und zwar auf
einem weiten, ſchönen Platze, mit üppigem Graſe
dicht bewachſen; von Blumen bunt, von Bäu⸗
men Gottes herrlich beſchattet — einem Paradieſe
mitten im Walde zu vergleichen. Die geängſteten
Eltern kommen ihm nach ein paar Minuten da⸗
hin nach und des Augenblicks, da ſie vor ihn
treten, haben ſie auch ihr Kind wieder auf ihren
Armen, das ihnen der bisher ſo Unerbittliche mit
den freundlichſten und freudigſten Gebärden ſo⸗
fort nun wieder zuſtellte. Sie errathen nun auch
bald die eigentliche Abſicht des guten Indianerd,
nämlich, daß es keine andere ſei, als daß ſie an
dieſem herrlichen Platze fortan, ſtatt an dem viel
minder ſchönen und fruchtbaten ihrer erſten Nieder⸗
laſſung, wohnen ſollten. Nun ſind ſeine Ge—
danken auch bald ihre Gedanken. Sie erwählen
mit Freuden den ſchönen Platz zu ihrem künf⸗
tigen Wohnplatze, er ſelbſt iſt ihnen zu der Ueber⸗
English translation AI translation
world, flesh, and devil in faith and perseveres, only in the life to come, according to 1 John 3:2, when in the passage through death original sin has come to full extinction and baptismal grace to full life.
Had the Methodist elder, Mr. P. S., enjoyed even a little training of the understanding at a learned school, he would hardly have drawn this false conclusion — insofar as that absurd inference was merely a sin of the understanding and not of the will.
Furthermore, how is a preacher, without knowledge of the Latin, Greek, and Hebrew languages, to arrive at an independent and more exact knowledge and interpretation of Scripture, and to explain, say, this or that part of Holy Scripture in its context to the zealous and educated Bible-readers of his congregation, when they ask him to do so? And where else can he gain those essential and necessary language skills than at the schools and institutions where they are taught?
No less important and essential for the spiritual teacher, however, is also the exact knowledge of the various confessions and doctrines of the various churches, and especially, here in this country, of the most significant sects and spiritual freebooters; for without this knowledge, and that of church history, the servant of the church could hardly rightly ground and safeguard himself and his own, and rightly judge his own time in ecclesiastical matters. But to acquire this knowledge, and the guidance needed to gain it ever more thoroughly and completely, higher institutions of learning are needed. A preacher, then, who despises these, and gives himself over much more to a busy idleness than he seeks, through diligent private study, to make good as far as possible his lack of theological training, could hardly possess such a measure of the Holy Spirit as he imagines himself to have; for the Spirit is always a Spirit of humility.
Among the Methodists, however, there is yet added the further evil that, contrary to 1 Timothy 3:6, they also entrust the spiritual office to novices, provided only that other novices testify that these are truly believing people, and that this or that contributed to their conversion. And as just such a novice, Mr. Joh. Geier of Marietta has recently made himself known in print; for in his most recent article in the Apologete, "Water Baptism Is No Rebirth," the short sense of the long speech is this: the essence of baptism depends upon — and is actually made by — the repentance and the faith of the person baptized. This, however, is much as if, in the case of a merely outward washing, I wished to say: the essence of the water, that is, its cleansing power, depends upon — and is actually made by — the skin and the hands of the person. Mr. J. G. would be right if he meant: the blessed effect of baptism depends in part upon the repentance and the faith of the one baptized; for the essence of baptism rests and is grounded solely in the institution-word of the almighty