Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 18 › Seite 138
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-05-02, Seite 138
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Gefühl 8
Dieſe Bitten wurden nun auch mündlich durch
den Abfaſſer des Geſuches mehrfach erörtert und
in das nöthige Licht geſtellt; gleichwohl war alles
vergebens, auch nur eine vorurtheilsfreie willige
Aufnahme ihnen zu verſchaffen, und einer der
anweſenden, ſogenannten „Väter“ der Synode
äußerte hierbei ziemlich ungeduldig: „laßt uns
zu Geſchäften übergehen!“ Er meinte nämlich
damit die Unterſuchung der Kaſſenverhältniſſe
des Lutheran Standard, wogegen ihm, wie
billig, die nähere Erwägung jener Bitten als
eine unnütze Zeitvergeudung und als eine bloße Lumperei erſchien.
Nichts wurde alſo erlangt, als daß die Erledi⸗
gung von Numero 1 ins Miniſterium, das iſt,
in die Sitzung der ordinirten Prediger verſchoben
und daſelbſt beſchloſſen wurde, die Beſchlußnahme
über dieſe Bitte — auf drei Jahre, nämlich auf
die nächſte allgemeine Synodal-Verſammlung, zu
verſchieben.
Dazu kam noch, daß auf dieſer Synode zu
Lancaſter in Hinſicht auf das „deutſche luthe⸗
riſche Seminar“ zu Columbus durch Stimmen⸗
mehrheit der Engliſch-Geſinnten die Beſchlüſſe
von Zanesville von 1844 wieder aufgehoben
wurden, welche letztere den deutſchen Grund—
charakter des Seminars, der durch conſtitutions⸗
widrige Praris abhanden gekommen war, nach
dem einfachen Wortverſtande der Conſtitution wie⸗
der herſtellten.
Woher war es denn alſo, wie Herr H. meint,
„ungerecht“, uns von dieſer Synode zu tren⸗
nen, die durch ſolche Handlungsweiſe nur allzu⸗
klar an den Tag gab, daß ſie nicht allein nur
äußerlich ſich zu dem lutheriſchen Bekenntniſſe
hielt, mit Herz und That aber es in ſo wichtigen
Stücken verleugnete und dafür der Kirchenmen—
gerei unſerer Zeit diente, ſondern die auch, nach
genauer Berichtigung, in ſolcher unioniſtiſchen
Geſinnung verharrte?
Oder iſt der Unionismus unſerer Tage nicht
eine zwar feine, aber doch ſehr mächtige Verfol—
gung der lutheriſchen Kirche, wo es für deren
Kinder gerade gilt, nicht blos das Bekenntniß
an ſich um ſo entſchiedener und kräftiger hervor⸗
zuheben und die Verfolgung damit abzuwehren,
ſondern auch das Bekenninißmäßige in
den einzelnen Richtungen kirchlicher Praxis, im
Lehren und Wehren, in den gottes dienſtlichen
Bräuchen, in der Privat-Seelſorge, in der Kir—
chenzucht und im Kirchenregiment gleichfalls auf
das Nachdrücklichſte zu betonen? Denn ſollen
mit Recht alle dieſe Lebensthätigkeiten und Hand⸗
lungen der Kirche von dem einen und reinen
Bekenntniß derſelben überhaupt getragen und
durchdrungen ſein — um wiediel mehr gilt dieſes,
wo ſie zugleich init Herz, Mund und That wider
falſche, ſchriftwidrige Union Zeugniß zu erheben
hat?
Oder käme ſie nicht mit Recht und durch eigene
Schuld in Verdacht der Kirchenmengerei, wenn
ſie z. B. eigenthümlich reformirte oder unioniſti⸗
ſche Ceremonien annähme oder beibehielte, ihre
Schulkinder und Confirmanden nach Belieben
bald aus dem kleinen lutheriſchen, bald aus dem
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Heidelberger Katechismus unterwieſe, unioniſti⸗
ſcher Agenden ſich bediente, Taufzeugen bei Kin⸗
dern von Reformirten oder Unirten abgäbe, den
Beſuch von unioniſtiſchen oder ſchwärmeriſchen
Gottesdienſten billigte oder aus Menſchenfurcht
nur dazu ſchwiege, unioniſtiſche Kirchenbehörden
als ihre rechtmäßigen Obern und Aufſeher anerkennte und dergleichen mehr?
Aber Herr H. hat behauptet, wir hätten nicht
blos „ungerecht“, ſondern auch „unweis—
lich“ gehandelt, und zwar deshalb, „weil wir
vorſätzlich (deliberately) das Salz des deut⸗
ſchen und lutheriſchen Elements aus der Kirche“
— natürlich kann er aber darunter nur die Sy⸗
node von Obio meinen — „herausgezogen hät⸗
ten, ſo daß ſie“ — nämlich natürlich nicht die
Kirche, ſondern die Synode — „nun mit be⸗
ſchleunigter Eile den engliſchen Einflüſſen unver—
meidlich zur Beute fallen müſſe“.
Hierauf iſt nun kürzlich dies zu erwiedern:
Von einer beſondern Vorſätzlichkeit iſt hierbei
unter uns durchaus nicht die Rede geweſen und
faſt ſind wir verſucht, dem Herrn H. den Vor⸗
wurf des „unweislichen“ zurückzugeben, da
es wenigſtens ſehr übereilt iſt, vom bloßen Hören—
ſagen gewiſſer Handlungen alsbald auf die Ge—
ſinnung der Thäter alſo zurückzuſchließen, daß
man ihnen die ſchlimmeren Beweggründe unter⸗
ſchiebt. Sodann aber ſind wir auch durch Got—
tes Gnade nicht in der Einbildung geſtanden,
uns für ein beſonderes „Salz“ zu halten, we⸗
der in kirchlicher noch ſprachlicher Beziehung.
Wir haben eben in Summa nur ganz ſchlicht und
einfältig gethan, was uns Gewiſſensſache wurde,
ohne dabei, fleiſchlicher Weiſe, rechts oder links,
rück⸗ oder vorwärts, oder auf uns ſelbſt zu ſehen,
nämlich unter obgemeldeten Umſtänden, uns von
der Synode zu trennen, die unſere Bitten in
Hinſicht auf das Gemeinwohl der Kirche theils
ſo feindlich von ſich ſtieß, theils ſo gleichgiltig
aufnahm.
Nach unſerm beſten Wiſſen und Gewiſſen hät⸗
ten wir ſehr unweislich gehandelt, länger in
dieſem Synodalverbande zu bleiben; denn ſelbſt
angenommen, daß ein guter Theil der Synode,
und zumal die im hergebrachten Schlendrian und
todten Geſchäftsmechanismus alt gewordenen
Synodalen die Weſentlichkeit und Wichtigkeit un⸗
ſerer Bitten noch nicht eingeſehen hätten, ſo war
doch leider auch keine Willigkeit vorhanden, zu
ſolcher Einſicht zu gelangen. Die Einflußreichern
aber unter den jüngern Mitgliedern, denen es
nicht an dieſer Einſicht, auch nicht an Ernſt,
Strebſamkeit und Eifer fehlte, ſchienen uns doch
nur mit Spannung und Mißtrauen zu betrach⸗
ten, als wollten wir, fleiſchlicher Weiſe, irgendwie
ein Regiment an uns reißen. Schweigen bei der
Fortdauer jener oben bemerkten Uebelſtände durf⸗
ten und konnten wir nicht; unſer fortgeſetztes
Zeugniß dawider hätte aber nichts gebolfen; ſo
war denn für beide Theile nichts beſſer als die
Tren nung.
Und daß dieſe nicht „unweislich“ war, das
hat auf zwiefache Weiſe der Erfolg gelehrt. Zum
Erſten nämlich hat gerade nach unſerem Aus⸗
ſcheiden hoffentlich auch unſer Zeugniß einigen
jener ernſter geſinnten und der kirchlichen Entſchie⸗
denheit zugeneigten Synodalglieder einen neuen
Antrieb gegeben, wie dies z.B. auch der Lutheran
Standard in neuer Zeit beweiſet. Zum Andem
aber iſt es uns Separirten dadurch möglich ge⸗
worden, im Jahre 1847 mit den ſächſiſchen Lu⸗
theranern,“) den theuren Brüdern in Miſſouri
und andern Brüdern in Michigan, Ohio, In⸗1
diana und Illinois u. ſ. w., zu einer Synode zu⸗
ſammenzutreten, wobei Herr H. ſpöttiſch bemerkt
— „um endlich die wahre lutheriſche Kirche Ame-
rika's zu bilden und zu ſammeln, natürlich gann!
in dem engherzigen Geiſte der altlutheriſchen Se—
paratiſten“.
Was nun dieſer durch die unioniſtiſche Brille
ſehende preußiſche Domcandidat „engherzigen
Geiſt“ nennt, haben wir ſchon oben erſehen; er
meint nämlich unſer Feſthalten an unſern ſämm⸗
lichen kirchlichen Symbolen und inſonderheit an
der Concordien-Formel. Wir aber wollen um
unſerer Bekenntnißtreue willen von den weither⸗
zigen Unioniſten gern ſolche und ähnliche Titel,
als Altlutheraner und Separatiſten, leiden, wenn
wir dadurch freilich auch unkundigen Leuten ge⸗
häſſig und widerwärtig gemacht werden, und
wenn es ſich gleich der Wahrheit nach umgekehrt
verhält. Denn ſind das wirklich Dissenters
und Separatiſten, die bei den auch rechtskräftig
anerkannten und in feierlichen Friedensſchlüſſen
verbürgten Bekenntnißſchriften der lutheriſchen
Kirche treu und feſt verbleiben und durch keine
weltliche Obrigkeit ſich etwas aufdringen laſſen,
was näher oder ferner dieſe Treue und ihr chriſt
lich-kirchliches Gewiſſen verletzt? Oder ſind das
nicht vielmehr Separatiſten, die von dieſem kirch—
lichen Bekenntniſſe mittel- oder unmittelbar ab⸗
weichen und, wie die Meiſten unter ihnen, den
Menſchen mehr gehorchen als Gott und dem Kai⸗
ſer geben, was Gottes iſt?
Uebrigens aber ſchämen und ſcheuen wir uns
gar nicht, frei und öffentlich zu bekennen, daß
wir, wie auch unſere Synodal-Conſtitution dem
kundigen Leſer zu erkennen giebt, allerdings nur
in dem Abſehen zuſammen getreten ſind, um,
nach dem Maaße der Gnade und Gabe, die wir
dafür empfangen, alle Zwecke der Kirche für ihre
geſunde Geſtaltung, Befeſtigung und Ausbei⸗
tung nur auf Grundlage unſeres theuern wer⸗
then Bekeuntniſſes auszurichten.
Es ſoll alſo dasſelbe durch Gottes Gnade bei
uns kein todter bloß äußerlicher Paragraph un⸗
ſerer Synodal-Verfaſſung, kein formelles Aus⸗
hängeſchild ſein, hinter dem wir doch, wie andere
ſogenannte lutheriſche Synoden, kirchenmenge—
riſches Unweſen treiben, was freilich keinen Un⸗
glimpf bei den Leuten und Geld in den Beutel bringt; auch ſoll es nicht etwa blos das Knochen⸗
*) Es iſt ſeltiſam genug, daß Herr H. dieſe Brüder, da
er unſerer vorbereitenden Zuſammenkunft mit ihnen in
Fort Wayne im Juli 1846 gedenkt, wieder „Nachfolger
von Stephan“ nennt, nachdem er doch oben, der Wahr⸗
heit gemäß, bezeugt hatte, daß ſie ihre frühere Täuſchung
bitterlich bereut und aufrichtig bekannt haben, wie es denn
am Tage iſt, daß ſie mit dieſem unſeligen Manne ſeit 1839
nichts mehr zu ſchaffen haben.
English translation AI translation
These requests were then also discussed repeatedly by word of mouth by the author of the petition and set forth in the necessary light; nevertheless it was all in vain to obtain for them even an unprejudiced, willing reception, and one of those present, one of the so-called "fathers" of the synod, remarked rather impatiently: "Let us proceed to business!" By this he meant the examination of the financial affairs of the Lutheran Standard, compared to which, as was only fitting for him, closer consideration of those requests appeared to be a useless waste of time and a mere trifle.
Nothing was thus achieved, except that the disposition of Number 1 was referred to the ministerium — that is, to the assembly of ordained preachers — and it was resolved there to postpone the decision on this request for three years, namely to the next general synodical assembly.
In addition, at this synod at Lancaster, with regard to the "German Lutheran Seminary" at Columbus, the resolutions of Zanesville from 1844 were revoked by a majority vote of those inclined toward English — resolutions which had restored, according to the plain wording of the constitution, the German fundamental character of the seminary, which had been lost through unconstitutional practice.
How then was it, as Mr. H. thinks, "unjust" for us to separate from this synod, which by such conduct showed only too clearly that it held to the Lutheran confession merely outwardly, while in heart and deed denying it in such important points and thereby serving the church-mixing of our time — a synod which, moreover, even after being accurately corrected, persisted in such a unionistic disposition?
Or is the unionism of our day not indeed a subtle, yet very powerful, persecution of the Lutheran Church, in the face of which it is precisely incumbent upon her children not only to bring out the confession itself all the more decisively and forcefully, and thereby ward off the persecution, but also to emphasize just as emphatically what is confessionally proper in the individual areas of ecclesiastical practice — in teaching and defending, in the customs of divine worship, in private pastoral care, in church discipline, and in church government? For if, rightly, all these vital activities and actions of the church are in general to be borne and permeated by her one, pure confession — how much more does this hold true where she must at the same time, with heart, mouth, and deed, raise testimony against a false union contrary to Scripture?
Or would she not rightly, and through her own fault, come under suspicion of church-mixing, if, for example, she adopted or retained ceremonies peculiar to the Reformed or unionistic churches; instructed her school-children and confirmands, according to whim, now out of the small Lutheran Catechism, now out of the Heidelberg Catechism; made use of unionistic agendas; served as baptismal sponsors for children of Reformed or United church members; approved attendance at unionistic or enthusiast worship services, or merely kept silent about it out of fear of man; acknowledged unionistic church authorities as her rightful superiors and overseers; and the like?
But Mr. H. has asserted that we had acted not only "unjustly" but also "unwisely," and indeed because "we had deliberately drawn the salt of the German and Lutheran element out of the church" — though of course by this he can only mean the Synod of Ohio — "so that it" — namely, of course, not the church but the synod — "must now, with accelerated speed, inevitably fall prey to English influences."
To this the following brief reply may now be given:
There has been among us absolutely no talk of any particular deliberateness in this matter, and we are almost tempted to return to Mr. H. the reproach of "unwise," since it is at the very least quite hasty to conclude at once, from the mere hearsay of certain actions, as to the disposition of the doers, in such a way as to impute to them the worse motives. Furthermore, by God's grace, we have never stood under the delusion of considering ourselves to be some special "salt," either in an ecclesiastical or a linguistic sense. In sum, we have simply and plainly done what became a matter of conscience for us, without, in a carnal manner, looking to the right or the left, backward or forward, or upon ourselves — namely, under the aforementioned circumstances, separating ourselves from the synod, which partly rejected our requests concerning the common good of the church so hostilely, and partly received them with such indifference.
To the best of our knowledge and conscience, we would have acted very unwisely to remain any longer in this synodical association; for even granting that a good part of the synod, and especially those synodical members grown old in the accustomed routine and dead mechanism of business, had not yet recognized the essential nature and importance of our requests, there was unfortunately also no willingness present to arrive at such insight. The more influential among the younger members, however, who lacked neither this insight nor earnestness, diligence, and zeal, nevertheless seemed to regard us only with tension and mistrust, as though we wished, in a carnal manner, somehow to seize control for ourselves. We neither might nor could remain silent while those grievances noted above continued; yet our continued testimony against them would have accomplished nothing; so for both parties nothing was better than separation.
And that this was not "unwise" has been shown by the outcome in two ways. In the first place, precisely since our withdrawal, our testimony has hopefully also given a new impetus to some of those more seriously minded synodical members inclined toward ecclesiastical decisiveness, as the Lutheran Standard, for example, has of late itself demonstrated. In the second place, it has thereby become possible for us who separated to unite, in the year 1847, into one synod with the Saxon Lutherans, the dear brothers in Missouri, and other brothers in Michigan, Ohio, Indiana, and Illinois, etc. — regarding which Mr. H. remarks scornfully — "in order at last to form and gather the true Lutheran Church of America, naturally quite in the narrow-minded spirit of the Old Lutheran separatists."
What this Prussian cathedral-candidate, viewing things through unionistic spectacles, calls a "narrow-minded spirit" we have already seen above; he means, namely, our steadfast adherence to all our church symbols, and especially to the Formula of Concord. But for the sake of our confessional faithfulness, we are glad to bear from the broad-minded unionists such titles and similar ones as Old Lutherans and separatists, even though we are thereby of course made hateful and repugnant to uninformed people — and even though, according to the truth, the reverse is actually the case. For are those really dissenters and separatists who remain true and firm to the confessional writings of the Lutheran Church — writings which are also legally recognized and guaranteed in solemn treaties of peace — and who allow no worldly authority to impose upon them anything that violates, more or less, this faithfulness and their Christian ecclesiastical conscience? Or are those not rather the separatists who deviate, mediately or immediately, from this ecclesiastical confession and, like most among them, obey men more than God, and render to Caesar what is God's?
For the rest, however, we are not at all ashamed or afraid to confess freely and publicly that, as our synodical constitution also makes known to the informed reader, we have indeed come together solely with the intent, according to the measure of grace and gift received for it, to direct all the purposes of the church — for her sound formation, establishment, and expansion — solely on the foundation of our dear, precious confession.
It should therefore, by God's grace, be among us no dead, merely outward paragraph of our synodical constitution, no formal signboard behind which we, like other so-called Lutheran synods, practice the church-mixing mischief of our time — which indeed brings no reproach among the people and puts money in the purse; nor shall it be merely the bony frame-
*) It is strange enough that Mr. H., in mentioning our preparatory meeting with these brothers at Fort Wayne in July 1846, again calls them "followers of Stephan," after he himself had testified above, in accordance with the truth, that they had bitterly repented and sincerely confessed their earlier delusion — it being a matter of common knowledge that they have had nothing more to do with this unfortunate man since 1839.