Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 17 › Seite 129

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-04-18, Seite 129

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Beichte · Freiheit. —— 2 · Mitteldinge 3 · Mitteldinge 6

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.

Redigirt von C. F. W. Walther.

Jahrgang 4.

St. Louis, Mo., den 18. April 1848.

No. 17.

vorauszubezahlen und das Poſtgeld
Nur die Briefe, welche

Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben
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Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

(Eingeſandt.)
Die chriſtliche Freiheit, in Bezug auf Privat⸗
und Allgemeine Beichte und Abſolution.

Da in mehreren ausführlichen Aufſätzen der
vielfache Nutzen der Privatbeichte im Lutheraner
dargeſtellt und beſprochen worden, demohngeachtet
aber kaum zu erwarten iſt, daß dieſe an und für
ſich wohlgemeinte und heilſame Kirchen⸗
Ordnung in den Amerikaniſch-Lutheriſchen Ge⸗
meinen überall Eingang finden werde, ſo iſt, um
einer, zu gefährlichen Gewiſſensſcrupeln führenden
einſeitigen Auffaſſung jener Aufſätze vorzubeugen,
es gewiß nicht unnütz, die fraglichen Kirchen⸗
Orenungen auch einmal vom Standpunkte der
chriſtlichen Freiheit aus zu betrachten, und
kürzlich nachzuwerſen, daß ein Chriſt nicht nur mit
gutem Gewiſſen ſich der einen oder der andern
dergleichen Ordnungen bedienen könne, ſondern
ſeine Freiheit hierin ſogar gebrauchen müſſe, ſo⸗
bald ihm entweder von andern dieſelben als eine
das Gewiſſen bindende nöthige Sache auferlegt,
oder von ihm ſelbſt in guter Meinung dazu ge⸗
macht werden ſollten.
Ich beweiſe dieſes 1. aus Gottes Wort;

2. aus der Lehre der lutheriſchen Kirche in den
Symboliſchen Büchern;

3. aus den Schriften des ſel. Dr. Luthers, und
4. aus der Praxis der lutheriſchen Kirche.
1. Spezielle Zeugniſſe aus Gottes Wort ſtehen:

heit, damit uns Chriſtus befreiet hat, und laſſet euch nicht wiederum in das knechtiſche Joch
fangen.“

Unter dem knechtiſchen Joche war das göttliche
Gebot des Alten Bundes, die Beſchneidung, zu
verſtehen, welche im Neuen Teſtamente aufgeho⸗
dben war, um der Liebe willen aber und um den
Schwachen keinen Anſtoß zu geben, aus chriſtlicher Freiheit noch manchmal ſelbſt vom Apoſtel Paulus geübt wurde, indem er z. B. den Timotheus be⸗
ſchnitt; ſobald aber eine Nothwendigkeit, ja gar
eine Nothwendigkeit zur Seligkeit daraus gemacht
wurde und alſo das Gewiſſen gefangen war, ſo rief der Apoſtel ſeinen Galatern zu: „So beſtehet

Gal. 5, Vers 1.: „So beſtehet nun in der Frei⸗

nun in der Freiheit, damit uns Chriſtus befreiet
hat“, u. ſ. w. Denn die Gewiſſen können ja eben
ſo wohl durch unnöthiges Zweifeln und Scrupu⸗
liren, ob man dies oder jenes thun dürfe, ver⸗
wirret werden, als durch frechen, die Schwachen
ärgernden Gebrauch der Freiheit.

Eine andre hierher gehörige Stelle ſteht Col.
2, 16.: „So laſſet nun niemand euch Gewiſſen
machen über Speiſe, oder über Trank, oder über
beſtimmte Feiertage oder Neumonden oder Sab⸗
bather.“

Auch hier ſind es Gebote des göttlichen Cere⸗
monial⸗Geſetzes, die, was namentlich den Sab⸗
bath betrifft, noch von den meiſten Judenchriſten
beobachtet wurden, über welche ſich die Chriſten
zu Coloſſen kein Gewiſſen machen laſſen ſollten,
ſobald man ſie ihnen als Gebote auf das Gewiſ⸗
ſen legen wollte, oder ſie in Gefahr waren, ſich
ſelbſt ſo daran zu binden, daß die Freiheit ihrer
Gewiſſen litte und eine nöthige Gewohnheit daraus
würde. — Es wird kaum nöthig ſein, noch mehr
Zeugniſſe des Neuen Teſtaments anzuführen, um
zu beweiſen, daß das Recht eines jeden Chriſten,
ſich der oder jener Kirchen-Ordnung ohne Anſtoß
ſeines Gewiſſens frei zu bedienen, vollen Grund
im Evangelio hat. Wenn nur Alles ehrlich und
ordentlich zugeht und die Freiheit nicht zu einem
Deckel der Bosheit von uns gemacht wird, ſo ge⸗
ſchieht allen Menſchen-Ordnungen vollkommen
Genüge.

2. Die Lehre der lutheriſchen Kirche über Mit⸗
teldinge, Kirchen-Ordnungen und Ceremonien iſt
in vielen Stellen der Symboliſchen Bücher ent⸗
halten, nach welchen daher auch Artikel 11
und 25 der Augsb. Confeſſion, und andere, welche
von Beibehaltung der Privatbeichte handeln, zu
verſtehen und die bei verſuchter Wiedereinführung
derſelben zu berückſichtigen ſind. Sehr belehrend
und warnend iſt hierbei der allgemeine Rath, den
die ſeligen Bekenner in der Apologie der Augsb.
Confeſſion Art. 8. geben, wo es heißt: „daß ohne
ſondere und bewegende Urſache an den
Kirchengebräuchen nichts geändert ſoll werden,
ſondern, um Friedens und Einigkeit willen, ſoll
man diejenigen Gewohnheiten halten, ſo man

ohne Sünde und ohne Beſchwerung des
Gewiſſens halten kann, indem gemeine Einigkeit
und Friede, ſo viel derſelbigen ohne Beſchwerung
der Gewiſſen zu erhalten wäre, billig allen andern
geringen Sachen würde fürgezogen.“ Mit großer
Beſtimmtheit ſpricht ſich die Concordien⸗Formel Artikel 10. über Abſchaffung der Mitteldinge aus:
„Wir verwerfen und verdammen auch, wenn ſolche
Mitteldinge dergeſtalt abgeſchafft werden, als ſollte

es der Gemeine Gottes nicht frei ſtehen, jeder Zeit
und Ort, derſelbigen Gelegenheit nach, wie es der
Kirchen am nützlichſten, ſich eines oder mehr in chriſtlicher Freiheit zu gebrauchen.“ Daß alſo
auch dem größern oder kleinern Theile einer Ge⸗
meine, wenn er ſich eine lang beſtandene Kirchen⸗
Ordnung, wie z. B. die Allgemeine Beichte iſt,
nicht nehmen laſſen will, ſeine Freiheit nicht ge⸗
ſchmälert werden darf, iſt aus dieſer Stelle klar,
und dies gilt namentlich dann, wenn dagegen der
andere Theil in ſeiner Freiheit, eine ebenfalls vor⸗
handene, ihm beliebige Ordnung zu gebrauchen,
nicht beeinträchtiget wird.

Concordienformel⸗Erklärung, Artikel 10. heißt
es: „Demnach glauben, lehren und bekennen wir:
daß die Gemeine jedes Orts und jeder Zeit, der⸗
ſelbigen Gelegenheit nach, guten Fug, Gewalt
und Macht hab, dieſelbigen ohne Leichtfertigkeit
und Aergerniß ordentlicher und gebührlicher Weiſe
zu ändern, zu mindern, und zu mehren, wie es
jeder Zeit zu guter Ordnung, chriſtlicher Disciplin
und Zucht, Evangeliichem Wohlſtand und zur
Erbauung der Kirchen am Nützlichſten, Förder⸗
lchſten und Beſten angeſehen wird. Röm. 14.
weichet Paulus, und gibt den Schwachen nach in
Speiſe und Zeit oder Tagen. Aber den falichen
Apoſteln, die ſolches als nöthig Ding aufs Ge⸗
wiſſen legen wollten, will er auch in ſolchen an
ihm ſelbſt freien Mitteldingen nicht weichen.
Col. 2.: „„Laſſet euch niemand Gewiſſen machen
über Speiſe, Trank oder beſtimmte Feiertage““ ꝛc.
Und da Petrus und Barnabas in ſolchem Fall
etwas nachgaben, ſtrafet ſie Paulus öffentlich, als
die in dem nicht richtig nach der Wahrheit des
Evangelii wandelten. Gal. 2, 14. Denn es iſt
zu thun um den Artikel der chriſtlichen Freiheit,

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall pass away neither now nor ever."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 4.

St. Louis, Mo., April 18, 1848.

No. 17.

to be prepaid, along with the postage.
Only the letters which

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the annual subscription price of one dollar for the out-of-town subscribers, who must bear the same. — In St. Louis, each single number is sold for 5 cents.

contain communications for the paper are to be sent to the Editor; all others, however, which contain business matters, orders, cancellations, money, etc.,
are to be sent under this address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Submitted.)
Christian Liberty, with Regard to Private
and General Confession and Absolution.

Since the manifold usefulness of private confession has been set forth and discussed in several detailed articles in the Lutheraner, but since it can hardly be expected that this church order — well-intentioned and salutary in itself — will find acceptance everywhere among the American Lutheran congregations, it is, in order to forestall a one-sided understanding of those articles that could lead to dangerous scruples of conscience, certainly not without use to consider the church orders in question also from the standpoint of Christian liberty, and to show briefly that a Christian may not only, with a good conscience, make use of the one or the other of such orders, but must even make use of his liberty in this matter, as soon as they are either imposed upon him by others as a necessary thing binding the conscience, or are made into such a thing by himself with good intentions.
I prove this: 1. from God's Word;

2. from the doctrine of the Lutheran Church in the Symbolical Books;

3. from the writings of the late Dr. Luther, and
4. from the practice of the Lutheran Church.
1. Specific testimonies from God's Word are as follows:

-dom, wherewith Christ has made us free, and be not entangled again in the yoke of bondage.

By the yoke of bondage was to be understood the divine commandment of the Old Covenant, circumcision, which had been abolished in the New Testament, but which, for love's sake and so as not to give offense to the weak, was still occasionally practiced out of Christian liberty even by the Apostle Paul himself, in that he, for instance, circumcised Timothy; but as soon as a necessity — indeed, a necessity unto salvation — was made of it, and the conscience was thereby held captive, the Apostle called out to his Galatians: "Stand fast

Gal. 5, verse 1: "Stand fast therefore in the liberty wherewith Christ has made us free," etc. For consciences can just as easily be thrown into confusion by unnecessary doubting and scrupling over whether one may do this or that, as by a bold use of liberty that offends the weak.

Another passage belonging here is found at Col. 2, 16: "Let no man therefore judge you in meat, or in drink, or in respect of a feast day, or of the new moon, or of the sabbath days."

Here too these are commandments of the divine ceremonial law which, especially as concerns the sabbath, were still observed by most Jewish Christians, and concerning which the Christians at Colossae were not to let their consciences be burdened, whether these were pressed upon them as commandments binding the conscience, or whether they themselves were in danger of so binding themselves to them that the liberty of their conscience suffered and a necessary habit resulted from it. — It will hardly be necessary to cite further testimonies of the New Testament to prove that the right of every Christian freely to make use of this or that church order without offense to his conscience has full grounding in the Gospel. If only everything proceeds honestly and in order, and liberty is not made by us into a cloak for wickedness, then full justice is done to all human ordinances.

2. The doctrine of the Lutheran Church concerning things indifferent, church orders, and ceremonies is contained in many passages of the Symbolical Books, according to which, therefore, Articles 11 and 25 of the Augsburg Confession, and others which treat of the retention of private confession, are to be understood, and which are to be taken into account in any attempted reintroduction of the same. Very instructive and warning in this regard is the general counsel which the blessed confessors give in the Apology of the Augsburg Confession, Art. 8, where it says: "that without a special and compelling cause, nothing should be changed in the church usages, but rather, for the sake of peace and unity, one should keep those customs which

can be kept without sin and without burdening the conscience, since general unity and peace, so far as they can be maintained without burdening the conscience, would rightly be preferred to all other lesser matters." With great definiteness the Formula of Concord, Article 10, expresses itself concerning the abolition of things indifferent: "We also reject and condemn it when such things indifferent are abolished in such a way as though

it were not free to the congregation of God, at any time and place, according to its circumstances, as may be most useful to the churches, to make use of one or more of them in Christian liberty." That therefore even a larger or smaller part of a congregation, if it does not wish to have taken from it a long-standing church order, such as, for instance, general confession is, may not have its liberty curtailed, is clear from this passage — and this holds especially true when, in return, the other part is not hindered in its liberty to make use of another order likewise present and agreeable to it.

In the Formula of Concord, Solid Declaration, Article 10, it says: "Accordingly we believe, teach, and confess that the congregation of every place and every time has good right, power, and authority to change, to diminish, and to increase such things, without frivolity and offense, in an orderly and becoming way, as may at any time be regarded as most useful, most conducive, and best for good order, Christian discipline and training, evangelical decorum, and the edification of the Church. Rom. 14. Paul yields, and bears with the weak in meat and in time or days. But to the false apostles, who wanted to press such matters as necessary things upon the conscience, he would not yield even in such things indifferent, free in themselves. Col. 2: 'Let no man make you judge concerning meat, drink, or particular feast days,' etc. And when Peter and Barnabas in such a case yielded somewhat, Paul rebuked them publicly, as those who walked not rightly according to the truth of the Gospel. Gal. 2, 14. For it is a matter of the article of Christian liberty,