Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 13 › Seite 99
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-02-22, Seite 99
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German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl
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Kirche, das heißt, er gehört nicht zur Kirche, er
iſt kein lebendiger Stein dieſes geiſtlichen Baues,
kein lebendiges Glied dieſes geiſtlichen Leibes.
Ein ſolcher Scheinchriſt war Judas. Er that
alles, was die anderen Jünger thaten, aber in
ſeinem Herzen war kein Glaube; darin herrſchte
der Geiz. Ein ſolcher Scheinchriſt war auch
Simon, der vormalige Zauberer; er bekannte den
Glauben an Chriſtum wohl mit dem Munde,
und ließ ſich taufen; aber in ſeinem Herzen
herrſchte der Stolz und die Hoffart. Ein ſolcher
Scheinchriſt war endlich auch der Biſchof von
Sardes; er zeigte ſich lebendig in vielen chriſtli⸗
chen Werken; aber er hatte, wie Chriſtus ſagt,
mit vielen Gliedern ſeiner Gemeinde „ſeine Klei⸗
der beſudelt“, d. h. er hatte durch Sünden
wider das Gewiſſen den lebendigen Glauben aus
dem Herzen verloren und ſomit das weiße Kleid
der Gerechtigkeit und Unſchuld Chriſti eingebüßt;
daher läßt ihm Chriſtus ſagen: „Du haſt den
Namen, daß du lebeſt, und biſt todt.“
Wie viele auch unter uns Scheinchriſten ſind,
die zwar die äußerliche Geſtalt der Chriſten haben,
aber ohne den lebendigen Glauben, ohne den
Geiſt, ohne das innere Leben der Chriſten ſind,
das iſt Gott allein bekannt; denn die offenbar
Gottloſen können wir Menſchen wohl von den
Frommen unterſcheiden, aber nicht die Schein⸗
chriſten von den wahren Chriſten. Sie ſind das
Unkraut auf dem Acker der Kirche, das wir nicht
ausjäten, ſondern wachſen laſſen ſollen bis auf
den Tag der Ernte. Sie ſind die Hochzeitsgäſte,
welche mit den Chriſten hier zu Tiſche ſitzen, bis
endlich der König, der die Hochzeit bereitet hat,
ſelbſt kommen wird. Was dann geſchehen wird,
das laßt mich euch nun zweitens zeigen, laßt mich
euch nemlich nun zu eurer Warnung auch das
Schickſal des Scheinchriſten in jener Welt vor
Augern ſtellen.
2.
Wir folgen hierbei den Worten Chriſti in un⸗
ſerem Evangelio. Darin heißt es aber weiter
alſo: „Da ging der König hinein, die
Gäſte zu beſehen.“ Hiernach gibt es alſo
einen Tag, an welchem Gott, der das Hochzeits⸗
feſt ſeiner Gnade auf Erden geſtiftet hat, eine
Beſichtigung aller Gäſte vornehmen wird. Es
wird alſo nicht immer ſo bleiben, wie es jetzt iſt.
Jetzt hält Gott noch keine Muſterung, er läßt es
geſchehen, daß in ſeiner Kirche Tauſende ſich un⸗
ter die Chriſten miſchen, die für Chriſten gehalten
werden, und die es doch nicht ſind; Gott offen⸗
baret den Scheinchriſten noch nicht; er läßt ihm
dieſelbe Ehre wie dem wahren, er läßt ihm dieſelbe
Taufe ertheilen, dasſelbe Wort der Gnade predi⸗
gen, dieſelbe Abſolution ſprechen und denſelben
Leib und dasſelbe Blut ſeines Sohnes im heili⸗
gen Abendmahle reichen. Er macht keinen Unter⸗
ſchied, ſondern läßt Chriſten und Scheinchriſten
dahingehen, wie Waizen und Unkraut mit einan⸗
der auf Einem Felde wachſen, von Einer Sonne
beſchienen, von Einem Regen und Thau gefeuch—
tet und von Einem Zaun geſchützt. Es ſcheint
daher, als wiſſe es Gott ſelbſt nicht, oder als achte
er es doch nicht, daß manche darunter ſind, die
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wohl andere Werke haben, als die offenbar Un⸗
gläubigen, aber kein anderes Herz; es ſcheint
daher, als würden einſt alle, die ſich chriſtlich ver⸗
halten und hier zuſammen leben, auch einſt dort
zuſammen zu Tiſche ſitzen an der Hochzeitstafel
des ewigen Lebens. Aber ſo ſcheints nur. Es
kommt ein Tag, da wird der König des Himmels
alle, die ſich bei ihm als „Gäſte“ eingefunden
haben, „beſehen“. Wie? ſollte ihm, der Augen
hat, wie Feuerflammen, dann etwas entgehen?
Laßt uns weiter hören. Chriſtus ſpricht nem⸗
lich ferner: „Und ſahe allda einen Men⸗
ſchen, der hatte kein hochzeitlich Kleid
an.“ Hier hören wir's. Dem Auge Gottes
wird dann nichts entgehen. Was kein Menſch
auf Erden ſehen konnte, das wird Gott augen⸗
blicklich entdecken. Das chriſtliche Leben, was ein
Scheinchriſt geführt hat, wird dann wie ein
ſchmutziges, zerriſſenes Kleid erſcheinen, das ſeine
nackte ſündhafte Seele nicht bedecken kann. Was
dann auch die Scheinchriſten vornehmen mögen, in
der ganzen jenſeitigen Welt wird es keinen Winkel
geben, in welchem ſie ſich vor Gottes Auge ver⸗
ſtecken, keinen Berg und keinen Hügel, mit wel⸗
chem ſie ſich bedecken könnten. Vor Gott und
allen Engeln und Auserwählten werden ſie dann
daſtehen in der ganzen Schande ihrer Blöße.
Was wird nun der Himmelskönig thun?
Chriſtus antwortet uns hierauf: „Und (er)
ſprach zu ihm: Freund, wie biſt du her⸗
eingekommen, und haſt doch kein hoch⸗
zeitlich Kleid an?“ Ihr ſehet, Gott wird
einſt die Scheinchriſten auffordern, ſich zu verant⸗
worten, warum ſie trotz ſo vieler Predigten, die ſie
gehört, trotz ſo vieler Ermahnungen, Warnungen
und Beſtrafungen, die ſie erhalten, trotz ſo vieler
Züge und Erweckungen des Heiligen Geiſtes, die
ſie erfahren, und trotz der chriſtlichen Gemeinſchaft,
in welcher ſie gelebt haben, ſich doch nie rechtſchaf⸗
fen und von Herzen bekehrt haben, doch zu keinem
lebendigen Glauben und doch zu keinem neuen
Herzen gekommen ſind. Was werden aber dann
die Scheinchriſten antworten? — Chriſtus ſagt
es uns — er ſpricht: — „Er aber verſtum⸗
mete.“ — Sie werden alſo keine Entſchuldigung
wiſſen. Ihr eignes Herz wird ſie überzeugen, ihr
eignes Gewiſſen ſie verdammen, und ſie werden
fürchten, daß alle ihre rechtſchaffenen Mitchriſten,
die dieſelben Mittel, ja vielleicht weniger als ſie,
gehabt haben, wenn ſie ſich entſchuldigen wollten,
als Zeugen wider ſie auftreten würden. Sie
werden daher bald vor Scham erröthen, bald vor
Schrecken erbleichen — zittern — beben und —
„verſtummen“.
Wird es aber Gott etwa mit dieſer verdienten
Beſchämung ſein Bewenden haben laſſen? Ach
nein! Chriſtus fährt vielmehr alſo fort: „Da
ſprach der König zu ſeinen Dienern:
Bindet ihm Hände und Füße, und wer⸗
fet ihn in die äußerſte Finſterniß hin⸗
aus, da wird ſein Heulen und Zähn⸗
klappen; denn viele ſind berufen, aber
wenige ſind auserwählt.“ O furchtbares
Urtheil! dann werden den Scheinchriſten Hände
und Füße gebunden; die Gnadenzeit, wo er noch
Gutes thun und den Weg zum Himmel noch gehen
kann, wird ihm alſo abgeſchnitten. Er muß
hinaus aus dem Himmel, wo Gott und das
Lamm als die Sonne leuchtet; er muß hinaus in
die ewige „Finſterniß“, wo kein Licht des
Troſtes ihm wieder aufgeht, wo kein Lob Gottes
mehr von ſeinen heuchleriſchen Lippen gehört wird,
ſondern „Heulen und Zähnklappen“, das
heißt, unerträgliche glühende Hitze und zugleich
unerträgliche ſchaurige Kälte wird ihn peinigen.
Kein wahrer Chriſt, der ihn hier ſeinen Bruder
nannte, wird dann um ihn ſein; ſeine Gemein⸗
ſchaft ſind die Verdammten und die Geiſter der
Hölle; — und das alles ohne Ende; kein Stern
der Hoffnung einer einſtigen Erlöſung erleuchtet
der Scheinchriſten dunkle Nacht; ſie wiſſen es, ſie
müſſen ihre Qual tragen — nicht hundert, nicht
tauſend Jahre — nein! — von Ewigkeit zu
Ewigkeit.— —
Was ſoll ich nun, nachdem ich mit euch jetzt
vor Gottes Thron geſtanden bin, ſeinem ſtrengen
Urtheilsſpruch mit euch zugehört und der Voll⸗
ſtreckung desſelben mit euch zugeſchaut habe, was
ſoll ich nun zum Schluſſe ſagen? — Ich rufe euch
allen zu: Ach, meine lieben theuren Brüder und
Schweſtern, laſſet uns hierbei um Gottes willen
nicht an unſeren Nachbar, nicht an den und jenen
denken, den unſer arges Herz vielleicht für einen
Scheinchriſten hält, ſondern laſſet uns alle an uns
ſelbſt denken. Laſſet uns bedenken: mit Gott und
unſerer Seligkeit iſt nicht zu ſcherzen! Laſſet uns
dieſe Warnung ſeines Wortes nicht in den Wind
ſchlagen. Laſſet uns ſelbſt uns prüfen, ehe der
HErr kommt, uns zu beſehen. Laſſet uns nicht
zufrieden ſein mit einem bloßen Scheinchriſten⸗
thum, ſondern uns dem HErrn darſtellen, wie wir
ſind; laſſet uns hier täglich als arme Sünder
ihm zu den Füßen fallen, mit Ernſt nach der Se⸗
ligkeit trachten, von Herzen an Chriſtum glauben,
von Herzen Chriſto folgen, von Herzen ihm die⸗
nen; ſo wird er uns auch einſt für die Seinigen
erkennen, ja, wenn wir einſt in die Ewigkeit ein⸗
gehen, ſo wird man fragen: „Wer ſind dieſe mit
weißen Kleidern angethan? Und woher ſind ſie
gekommen?“ Und der HErr ſelbſt wird antwor⸗
ten: „Dieſe ſind es, die gekommen ſind aus großer Trübſal, und haben ihre Kleider gewaſchen,
und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute
des Lammes.“ Amen. Amen.
Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt
mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu
verſtehen?
(Fortſetzung.)
Wir haben es zwar in der letzten Nummer ge⸗
leugnet und, wir meinen, auch begründet, daß
man nicht ſo willkürlich verfahren und das Wört⸗
chen „iſt“ für „bedeutet“ nehmen könne; wir ha⸗
ben jedoch zugleich zugeſtanden, daß auch in der
heiligen Schrift die Redefigur nicht ſelten ange⸗
wendet werde, welche man gemeiniglich Tropus
nennt, daß nemlich auch in der heiligen Schrift
ein Wort nicht ſelten nicht in ſeiner eigentlichen
und urſprünglichen, ſondern in einer uneigent⸗
English translation AI translation
church, that is, he does not belong to the church, he is no living stone of this spiritual building, no living member of this spiritual body.
Such a false-seeming Christian was Judas. He did everything that the other disciples did, but in his heart there was no faith; there greed reigned. Such a false-seeming Christian was also Simon, the former sorcerer; he confessed faith in Christ indeed with his mouth, and had himself baptized; but in his heart pride and arrogance reigned. Such a false-seeming Christian was, finally, also the bishop of Sardis; he showed himself alive in many Christian works; but he had, as Christ says, together with many members of his congregation, "defiled his garments," that is, he had, through sins against conscience, lost the living faith out of his heart, and had thereby forfeited the white garment of the righteousness and innocence of Christ; therefore Christ has it said to him: "Thou hast a name that thou livest, and art dead."
How many false-seeming Christians there may also be among us, who indeed have the outward form of Christians, but are without the living faith, without the Spirit, without the inward life of Christians — that is known to God alone; for the manifestly godless we men can indeed distinguish from the pious, but not the false-seeming Christians from the true Christians. They are the tares in the field of the church, which we are not to root out, but to let grow until the day of harvest. They are the wedding guests who here sit at table together with the Christians, until at last the King who has prepared the wedding shall himself come. What will then happen, let me now show you secondly; let me, that is, now set before your eyes, for your warning, also the fate of the false-seeming Christian in that world.
2.
We follow herein the words of Christ in our Gospel. It goes on to say: "Then the king came in to see the guests." According to this, then, there is a day on which God, who has instituted the wedding feast of his grace on earth, will hold an inspection of all the guests. So it will not always remain as it now is. Now God still holds no muster; he lets it happen that in his church thousands mingle among the Christians who are taken for Christians and yet are not; God does not yet reveal the false-seeming Christian; he lets him have the same honor as the true one, lets the same baptism be administered to him, the same word of grace be preached to him, the same absolution be spoken over him, and the same body and the same blood of his Son be given him in the holy Lord's Supper. He makes no distinction, but lets Christians and false-seeming Christians go their way together, as wheat and tares grow together in one field, shone upon by one sun, moistened by one rain and dew, and protected by one hedge. It seems, therefore, as though God himself did not know it, or as though he did not heed it, that there are some among them who indeed have works different from the manifestly unbelieving, but no different heart; it seems, therefore, as though all who conduct themselves as Christians and here live together would also one day sit together there at the wedding table of eternal life. But it only seems so. A day is coming when the King of heaven will "see" all who have presented themselves before him as "guests." How? Should anything escape him whose eyes are as flames of fire?
Let us hear further. Christ says, namely, further: "And he saw there a man which had not on a wedding garment." Here we hear it. Nothing will then escape the eye of God. What no man on earth could see, God will discover in a single instant. The Christian life which a false-seeming Christian has led will then appear like a dirty, torn garment that cannot cover his naked, sinful soul. Whatever the false-seeming Christians may then undertake, in the whole world beyond there will be no corner in which they can hide themselves from God's eye, no mountain and no hill with which they could cover themselves. Before God and all the angels and the elect they will then stand in the full shame of their nakedness.
What, then, will the King of heaven do? Christ answers us on this: "And (he) said unto him, Friend, how camest thou in hither not having a wedding garment?" You see, God will one day call the false-seeming Christians to account, to answer for why, despite so many sermons which they heard, despite so many admonitions, warnings and chastisements which they received, despite so many drawings and stirrings of the Holy Spirit which they experienced, and despite the Christian fellowship in which they lived, they nevertheless never truly and from the heart converted, never came to a living faith and never to a new heart. But what will the false-seeming Christians then answer? — Christ tells us — he says: — "And he was speechless." — They will, then, know no excuse. Their own heart will convict them, their own conscience condemn them, and they will fear that all their upright fellow Christians, who had the same means, or perhaps even fewer than they, would, should they try to excuse themselves, appear as witnesses against them. They will therefore soon blush for shame, soon turn pale with terror — tremble — quake — and "be speechless."
But will God let it rest at this well-deserved shaming? Ah, no! Christ rather goes on to say: "Then said the king to the servants, Bind him hand and foot, and take him away, and cast him into outer darkness; there shall be weeping and gnashing of teeth: for many are called, but few are chosen." O fearful sentence! Then the false-seeming Christian's hands and feet are bound; the time of grace, in which he could still do good and still walk the way to heaven, is thus cut off from him. He must go out of heaven, where God and the Lamb shine as the sun; he must go out into the everlasting "darkness," where no light of comfort ever again dawns for him, where no praise of God is heard any more from his hypocritical lips, but rather "weeping and gnashing of teeth," that is, unbearable glowing heat and, at the same time, unbearable dreadful cold will torment him. No true Christian who here called him brother will then be with him; his fellowship will be the damned and the spirits of hell; — and all this without end; no star of hope of a future redemption lights the false-seeming Christian's dark night; they know it, they must bear their torment — not a hundred, not a thousand years — no! — from eternity to eternity. — —
What, then, shall I now say, after having stood with you before God's throne, having listened with you to his strict sentence and having watched with you its execution — what shall I now say in closing? — I call out to you all: Ah, my dear, precious brothers and sisters, let us, for God's sake, in this matter think not of our neighbor, not of this one or that one, whom our own wicked heart perhaps holds to be a false-seeming Christian, but let us all think of ourselves. Let us consider: with God and our salvation there is no trifling! Let us not cast this warning of his word to the wind. Let us examine ourselves before the Lord comes to inspect us. Let us not be content with a mere semblance of Christianity, but present ourselves to the Lord as we are; let us here daily fall at his feet as poor sinners, earnestly strive after salvation, believe in Christ from the heart, follow Christ from the heart, serve him from the heart; then he will one day acknowledge us also as his own; indeed, when we one day enter into eternity, it will be asked: "Who are these which are arrayed in white robes? And whence came they?" And the Lord himself will answer: "These are they which came out of great tribulation, and have washed their robes, and made them white in the blood of the Lamb." Amen. Amen.
Why are the words of institution, "This is my body; this is my blood," properly to be understood?
(Continuation.)
We have indeed denied in the last number, and, we think, also established, that one may not proceed so arbitrarily and take the little word "is" for "signifies"; we have, however, at the same time conceded that in Holy Scripture too the figure of speech is not seldom employed which is commonly called a trope, namely, that in Holy Scripture too a word is not seldom used, not in its proper and original, but in a figurative, pictorial, and generally in a meaning which it has acquired only through a certain transference.