# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 22_S99 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ——— — Kirche, das heißt, er gehört nicht zur Kirche, er iſt kein lebendiger Stein dieſes geiſtlichen Baues, kein lebendiges Glied dieſes geiſtlichen Leibes. Ein ſolcher Scheinchriſt war Judas. Er that alles, was die anderen Jünger thaten, aber in ſeinem Herzen war kein Glaube; darin herrſchte der Geiz. Ein ſolcher Scheinchriſt war auch Simon, der vormalige Zauberer; er bekannte den Glauben an Chriſtum wohl mit dem Munde, und ließ ſich taufen; aber in ſeinem Herzen herrſchte der Stolz und die Hoffart. Ein ſolcher Scheinchriſt war endlich auch der Biſchof von Sardes; er zeigte ſich lebendig in vielen chriſtli⸗ chen Werken; aber er hatte, wie Chriſtus ſagt, mit vielen Gliedern ſeiner Gemeinde „ſeine Klei⸗ der beſudelt“, d. h. er hatte durch Sünden wider das Gewiſſen den lebendigen Glauben aus dem Herzen verloren und ſomit das weiße Kleid der Gerechtigkeit und Unſchuld Chriſti eingebüßt; daher läßt ihm Chriſtus ſagen: „Du haſt den Namen, daß du lebeſt, und biſt todt.“ Wie viele auch unter uns Scheinchriſten ſind, die zwar die äußerliche Geſtalt der Chriſten haben, aber ohne den lebendigen Glauben, ohne den Geiſt, ohne das innere Leben der Chriſten ſind, das iſt Gott allein bekannt; denn die offenbar Gottloſen können wir Menſchen wohl von den Frommen unterſcheiden, aber nicht die Schein⸗ chriſten von den wahren Chriſten. Sie ſind das Unkraut auf dem Acker der Kirche, das wir nicht ausjäten, ſondern wachſen laſſen ſollen bis auf den Tag der Ernte. Sie ſind die Hochzeitsgäſte, welche mit den Chriſten hier zu Tiſche ſitzen, bis endlich der König, der die Hochzeit bereitet hat, ſelbſt kommen wird. Was dann geſchehen wird, das laßt mich euch nun zweitens zeigen, laßt mich euch nemlich nun zu eurer Warnung auch das Schickſal des Scheinchriſten in jener Welt vor Augern ſtellen. 2. Wir folgen hierbei den Worten Chriſti in un⸗ ſerem Evangelio. Darin heißt es aber weiter alſo: „Da ging der König hinein, die Gäſte zu beſehen.“ Hiernach gibt es alſo einen Tag, an welchem Gott, der das Hochzeits⸗ feſt ſeiner Gnade auf Erden geſtiftet hat, eine Beſichtigung aller Gäſte vornehmen wird. Es wird alſo nicht immer ſo bleiben, wie es jetzt iſt. Jetzt hält Gott noch keine Muſterung, er läßt es geſchehen, daß in ſeiner Kirche Tauſende ſich un⸗ ter die Chriſten miſchen, die für Chriſten gehalten werden, und die es doch nicht ſind; Gott offen⸗ baret den Scheinchriſten noch nicht; er läßt ihm dieſelbe Ehre wie dem wahren, er läßt ihm dieſelbe Taufe ertheilen, dasſelbe Wort der Gnade predi⸗ gen, dieſelbe Abſolution ſprechen und denſelben Leib und dasſelbe Blut ſeines Sohnes im heili⸗ gen Abendmahle reichen. Er macht keinen Unter⸗ ſchied, ſondern läßt Chriſten und Scheinchriſten dahingehen, wie Waizen und Unkraut mit einan⸗ der auf Einem Felde wachſen, von Einer Sonne beſchienen, von Einem Regen und Thau gefeuch— tet und von Einem Zaun geſchützt. Es ſcheint daher, als wiſſe es Gott ſelbſt nicht, oder als achte er es doch nicht, daß manche darunter ſind, die 99 wohl andere Werke haben, als die offenbar Un⸗ gläubigen, aber kein anderes Herz; es ſcheint daher, als würden einſt alle, die ſich chriſtlich ver⸗ halten und hier zuſammen leben, auch einſt dort zuſammen zu Tiſche ſitzen an der Hochzeitstafel des ewigen Lebens. Aber ſo ſcheints nur. Es kommt ein Tag, da wird der König des Himmels alle, die ſich bei ihm als „Gäſte“ eingefunden haben, „beſehen“. Wie? ſollte ihm, der Augen hat, wie Feuerflammen, dann etwas entgehen? Laßt uns weiter hören. Chriſtus ſpricht nem⸗ lich ferner: „Und ſahe allda einen Men⸗ ſchen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an.“ Hier hören wir's. Dem Auge Gottes wird dann nichts entgehen. Was kein Menſch auf Erden ſehen konnte, das wird Gott augen⸗ blicklich entdecken. Das chriſtliche Leben, was ein Scheinchriſt geführt hat, wird dann wie ein ſchmutziges, zerriſſenes Kleid erſcheinen, das ſeine nackte ſündhafte Seele nicht bedecken kann. Was dann auch die Scheinchriſten vornehmen mögen, in der ganzen jenſeitigen Welt wird es keinen Winkel geben, in welchem ſie ſich vor Gottes Auge ver⸗ ſtecken, keinen Berg und keinen Hügel, mit wel⸗ chem ſie ſich bedecken könnten. Vor Gott und allen Engeln und Auserwählten werden ſie dann daſtehen in der ganzen Schande ihrer Blöße. Was wird nun der Himmelskönig thun? Chriſtus antwortet uns hierauf: „Und (er) ſprach zu ihm: Freund, wie biſt du her⸗ eingekommen, und haſt doch kein hoch⸗ zeitlich Kleid an?“ Ihr ſehet, Gott wird einſt die Scheinchriſten auffordern, ſich zu verant⸗ worten, warum ſie trotz ſo vieler Predigten, die ſie gehört, trotz ſo vieler Ermahnungen, Warnungen und Beſtrafungen, die ſie erhalten, trotz ſo vieler Züge und Erweckungen des Heiligen Geiſtes, die ſie erfahren, und trotz der chriſtlichen Gemeinſchaft, in welcher ſie gelebt haben, ſich doch nie rechtſchaf⸗ fen und von Herzen bekehrt haben, doch zu keinem lebendigen Glauben und doch zu keinem neuen Herzen gekommen ſind. Was werden aber dann die Scheinchriſten antworten? — Chriſtus ſagt es uns — er ſpricht: — „Er aber verſtum⸗ mete.“ — Sie werden alſo keine Entſchuldigung wiſſen. Ihr eignes Herz wird ſie überzeugen, ihr eignes Gewiſſen ſie verdammen, und ſie werden fürchten, daß alle ihre rechtſchaffenen Mitchriſten, die dieſelben Mittel, ja vielleicht weniger als ſie, gehabt haben, wenn ſie ſich entſchuldigen wollten, als Zeugen wider ſie auftreten würden. Sie werden daher bald vor Scham erröthen, bald vor Schrecken erbleichen — zittern — beben und — „verſtummen“. Wird es aber Gott etwa mit dieſer verdienten Beſchämung ſein Bewenden haben laſſen? Ach nein! Chriſtus fährt vielmehr alſo fort: „Da ſprach der König zu ſeinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und wer⸗ fet ihn in die äußerſte Finſterniß hin⸗ aus, da wird ſein Heulen und Zähn⸗ klappen; denn viele ſind berufen, aber wenige ſind auserwählt.“ O furchtbares Urtheil! dann werden den Scheinchriſten Hände und Füße gebunden; die Gnadenzeit, wo er noch Gutes thun und den Weg zum Himmel noch gehen kann, wird ihm alſo abgeſchnitten. Er muß hinaus aus dem Himmel, wo Gott und das Lamm als die Sonne leuchtet; er muß hinaus in die ewige „Finſterniß“, wo kein Licht des Troſtes ihm wieder aufgeht, wo kein Lob Gottes mehr von ſeinen heuchleriſchen Lippen gehört wird, ſondern „Heulen und Zähnklappen“, das heißt, unerträgliche glühende Hitze und zugleich unerträgliche ſchaurige Kälte wird ihn peinigen. Kein wahrer Chriſt, der ihn hier ſeinen Bruder nannte, wird dann um ihn ſein; ſeine Gemein⸗ ſchaft ſind die Verdammten und die Geiſter der Hölle; — und das alles ohne Ende; kein Stern der Hoffnung einer einſtigen Erlöſung erleuchtet der Scheinchriſten dunkle Nacht; ſie wiſſen es, ſie müſſen ihre Qual tragen — nicht hundert, nicht tauſend Jahre — nein! — von Ewigkeit zu Ewigkeit.— — Was ſoll ich nun, nachdem ich mit euch jetzt vor Gottes Thron geſtanden bin, ſeinem ſtrengen Urtheilsſpruch mit euch zugehört und der Voll⸗ ſtreckung desſelben mit euch zugeſchaut habe, was ſoll ich nun zum Schluſſe ſagen? — Ich rufe euch allen zu: Ach, meine lieben theuren Brüder und Schweſtern, laſſet uns hierbei um Gottes willen nicht an unſeren Nachbar, nicht an den und jenen denken, den unſer arges Herz vielleicht für einen Scheinchriſten hält, ſondern laſſet uns alle an uns ſelbſt denken. Laſſet uns bedenken: mit Gott und unſerer Seligkeit iſt nicht zu ſcherzen! Laſſet uns dieſe Warnung ſeines Wortes nicht in den Wind ſchlagen. Laſſet uns ſelbſt uns prüfen, ehe der HErr kommt, uns zu beſehen. Laſſet uns nicht zufrieden ſein mit einem bloßen Scheinchriſten⸗ thum, ſondern uns dem HErrn darſtellen, wie wir ſind; laſſet uns hier täglich als arme Sünder ihm zu den Füßen fallen, mit Ernſt nach der Se⸗ ligkeit trachten, von Herzen an Chriſtum glauben, von Herzen Chriſto folgen, von Herzen ihm die⸗ nen; ſo wird er uns auch einſt für die Seinigen erkennen, ja, wenn wir einſt in die Ewigkeit ein⸗ gehen, ſo wird man fragen: „Wer ſind dieſe mit weißen Kleidern angethan? Und woher ſind ſie gekommen?“ Und der HErr ſelbſt wird antwor⸗ ten: „Dieſe ſind es, die gekommen ſind aus großer Trübſal, und haben ihre Kleider gewaſchen, und haben ihre Kleider helle gemacht in dem Blute des Lammes.“ Amen. Amen. Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Fortſetzung.) Wir haben es zwar in der letzten Nummer ge⸗ leugnet und, wir meinen, auch begründet, daß man nicht ſo willkürlich verfahren und das Wört⸗ chen „iſt“ für „bedeutet“ nehmen könne; wir ha⸗ ben jedoch zugleich zugeſtanden, daß auch in der heiligen Schrift die Redefigur nicht ſelten ange⸗ wendet werde, welche man gemeiniglich Tropus nennt, daß nemlich auch in der heiligen Schrift ein Wort nicht ſelten nicht in ſeiner eigentlichen und urſprünglichen, ſondern in einer uneigent⸗