Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 13 › Seite 207
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-27, Seite 207
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Privatunterricht und in meiner amerikanischen Schule, und, was mehr ist, ich habe Franzosen auf dem Sterbebette in ihrer eigenen Sprache Trost zusprechen können und Kinder in der französischen Sprache getauft (wozu ich unser Taufformular ins Französische übertragen habe). Ohne die gründliche Erlernung der klassischen Sprachen, die uns Gymnasiasten auch nicht besonders zusagte, denn wir hatten acht Stunden wöchentlich allein im Lateinischen, was uns des Guten zu viel dünkte, wäre ich nicht imstande gewesen, Luthers Werke zu bearbeiten. Fertigkeit in der Stenographie ist mir nicht allein beim Schreiben meiner Predigten und sonst zustatten gekommen, sondern ich habe mit derselben auch bei Synoden (im Jahre 1857 war ich bei der Allgemeinen Synode in Fort Wayne, ebenso bei der freien Konferenz in Pittsburg in demselben Jahre, der einzige Stenograph), Konferenzen und anderweitig der Kirche dienen können.
So weit gehen die Aufzeichnungen des seligen Hoppe vom Jahre 1903. Es ist nur wenig hinzuzufügen. Im folgenden Jahre wurde der Druck des letzten Lutherbandes vollendet, der die zweite Abteilung der Briefe Luthers enthält. Dann fuhr er fort in der Bearbeitung des für ein so großes Werk so wichtigen und nötigen Registerbandes und las dafür noch einmal den ganzen Luther, die großen, starken 22 Bände, sorgfältig mit der Feder in der Hand durch und stellte so den wertvollen, umfangreichen Registerband her. Voriges Jahr war auch dieser Band im Druck vollendet, und Hoppe konnte in der Osterwoche 1910 die Vorrede dazu mit diesen Worten schließen: „Jetzt bleibt nur noch übrig, daß wir auch des allmächtigen Gottes nicht vergessen, sondern ihm für seine vielfache und große Barmherzigkeit Lob und Dank sagen, die er uns bei dem schweren Werke der Herausgabe der sämtlichen Werke Luthers in deutscher Sprache erwiesen hat. Und zugleich wollen wir den lieben HErrn bitten, daß er seinen Segen geben möge zum Lauf dieses Werkes, daß es nicht allein gekauft, sondern auch fleißig gebraucht werde, damit die reine lutherische Lehre erhalten und befestigt, auch weit ausgebreitet werde zur Erlangung der Seligkeit für viele, um JEsu Christi, unsers Heilandes, willen. Amen."
Hoppes Lebenswerk war nun vollendet. Er war darüber müde geworden. Die Schatten des Abends brachen herein nach einem langen, arbeitsreichen Tage. Und doch war er gleich bereit, einer Anregung folgend, eine Lebensbeschreibung Luthers, möglichst mit Luthers eigenen Worten, aus seinen Schriften zusammenzustellen. Als er am Reformationsfest des vorigen Jahres von der Fakultät unsers theologischen Seminars zu St. Louis die wohlverdiente Ehrung der Ernennung zum Doktor der Theologie erhielt, hatte er etwa 150 Seiten im Manuskript geschrieben und war bis zum Jahre 1518 gekommen. Er hat nach diesem Tage nicht weiterarbeiten und also das Werk nicht vollenden können. Seiner fleißigen, unermüdlichen Hand ist die Feder entfallen. Er ist daheim beim HErrn.
L. F.
Gott gebe, daß wir, durch den Heiligen Geist erleuchtet, uns durch Luthers Bücher in die Heilige Schrift führen lassen und in rechtem Glauben und Leben unser letztes Stündlein auch selig beschließen! Amen. (Michael Cölius.)
Zur kirchlichen Chronik.
Amerika.
Unser neugewählter Allgemeiner Präses, P. F. Pfotenhauer, ist von seiner Gemeinde in Hamburg, Minn., in Frieden unter Anwünschung göttlichen Segens für seine fernere Arbeit in der Kirche entlassen worden. Er beabsichtigt, anfangs Juli nach Chicago überzusiedeln, da ihm diese Stadt allgemein als passendster Wohnort für das Allgemeine Präsidium angeraten worden ist, wie sie ja auch für das große Gebiet unserer Synode die zentralste Lage hat. Alle Leser werden in den Wunsch einstimmen, daß Gott unsern Präses in seinem Amte reichlich segnen wolle mit seines Heiligen Geistes Gnade, Kraft und Weisheit.
L. F.
Der Brief unsers Allgemeinen Präses an alle unsere Gemeinden, den die heutige „Lutheraner"-Nummer enthält, wird in großer Auflage als Zirkular gedruckt werden. Allen Pastoren werden kostenfrei doppelt so viele Exemplare zugesandt werden, als sie stimmberechtigte Glieder in ihren Gemeinden haben, und wenn sie noch mehr begehren, brauchen sie nur bei unserm Concordia Publishing House darum nachzusuchen. Wir bitten sie im Interesse der Sache herzlich und dringend, sich die Austeilung und Verbreitung dieses Briefes recht angelegen sein zu lassen.
L. F.
Unser St. Louiser Predigerseminar hat sein Studienjahr am 15. Juni geschlossen. Am Nachmittag fand die Schlußfeier in der Anstalt statt mit Gesang, Ansprache und Gebet. Die Kandidaten, mit den wegen einiger dringenden Berufe schon früher entlassenen im ganzen 87, wurden in das heilige Amt entlassen, den beiden andern, im September zurückkehrenden Klassen, die zusammen 209 zählen, wurde ein Wort für die Ferien mit auf den Weg gegeben. Am Abend fand dann in der benachbarten Kirche zum Heiligen Kreuz ein feierlicher Gottesdienst für die Kandidatenklasse statt, in welchem P. M. S. Sommer ihnen eine Predigt hielt über das Schriftwort Joh. 10, 12: „Ich bin ein guter Hirte", und außer dem Gesang eines kleineren Studentenchors die beiden zurückkehrenden Klassen ihnen das Lied sangen: „Mit dem HErrn fang alles an." Jetzt ist die große Mehrzahl der Studenten schon in ihrer Heimat angelangt, und nach kurzer Ferienzeit werden die Kandidaten, zu denen dann noch die 24 von unserm Springfielder Predigerseminar kommen, ihr Amt antreten. Gott geleite sie alle glücklich an ihren Bestimmungsort, segne sie mit Kraft aus der Höhe und setze sie zum Segen für viele, daß sie viel Frucht schaffen, und ihre Frucht bleibe zum ewigen Leben! Er mache sie alle zu rechten evangelischen Predigern, die treu sind in ihrem Amt und ihr Amt zieren mit einem frommen, lauteren Wandel. Wir danken dem HErrn von Herzen für die edle, köstliche Gabe von 111 jungen Predigern.
L. F.
Unsere Anstalt in Fort Wayne konnte am 18. Juni das Fest ihres 50jährigen Bestehens in dieser Stadt feiern. Im Jahre 1839 in Altenburg, Perry Co., Mo., gegründet und im Jahre 1849 mit dem Predigerseminar von dort nach St. Louis verlegt, wurde in den Kriegszeiten des Jahres 1861 das Gymnasium oder College vom Seminar getrennt und siedelte nach Fort Wayne über. Seitdem hat es dort geblüht und der Kirche zu reichem Segen gedient, von den dortigen Gemeinden liebevoll und unermüdlich gepflegt. Hunderte und aber Hunderte unserer Pastoren haben dort ihre Vorbildung für das theologische Studium erhalten. Bei der Jubelfeier, die unter großer Teilnahme bei schönstem Wetter stattfand, redete P. G. Schumm in deutscher und Prof. Th. Brohm in englischer Sprache, die beide jene Übersiedlung mitgemacht hatten, und außerdem der gegenwärtige An-
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private tutoring and in my American school, and, what is more, I have been able to speak comfort to the dying in their own language to Frenchmen on their deathbeds, and to baptize children in the French language (for which I translated our baptismal rite into French). Without the thorough learning of the classical languages, which we gymnasium students also did not particularly relish, for we had eight hours a week in Latin alone, which we thought too much of a good thing, I would not have been able to work on Luther's works. Skill in stenography has been useful to me not only in writing my sermons and otherwise, but I have also been able to serve the church with it at synods (in the year 1857 I was at the General Synod in Fort Wayne, likewise at the free conference in Pittsburgh that same year, the only stenographer there), at conferences, and elsewhere.
So far go the notes of the late Hoppe from the year 1903. There is only little to add. In the following year the printing of the last Luther volume was completed, containing the second part of Luther's letters. Then he continued working on the index volume, so important and necessary for so large a work, and for it read through the entire Luther once more, the large, thick 22 volumes, carefully, pen in hand, and thus produced the valuable, extensive index volume. Last year this volume too was completed in print, and in Easter week 1910 Hoppe was able to close the preface to it with these words: "Now it only remains for us not to forget almighty God either, but to give him praise and thanks for his manifold and great mercy, which he has shown us in the difficult work of publishing the complete works of Luther in the German language. And at the same time we wish to ask the dear Lord that he give his blessing to the course of this work, that it be not only bought but also diligently used, so that the pure Lutheran doctrine may be preserved and strengthened, and also widely spread for the attainment of salvation for many, for the sake of Jesus Christ, our Savior. Amen."
Hoppe's life's work was now completed. He had grown weary from it. The shadows of evening were closing in after a long, labor-filled day. And yet he was immediately ready, following a suggestion, to compile a biography of Luther, as far as possible in Luther's own words, from his writings. When on the Reformation festival of last year he received from the faculty of our theological seminary at St. Louis the well-deserved honor of appointment as Doctor of Theology, he had written about 150 pages in manuscript and had reached the year 1518. He was unable to work further after that day and so could not complete the work. The pen has fallen from his diligent, untiring hand. He is at home with the Lord.
L. F.
God grant that we, enlightened by the Holy Spirit, let ourselves be led by Luther's books into Holy Scripture, and in right faith and life also bring our last hour to a blessed close! Amen. (Michael Cölius.)
On the Church Chronicle.
America.
Our newly elected President, Rev. F. Pfotenhauer, has been released in peace from his congregation in Hamburg, Minn., with the wish of God's blessing for his further work in the church. He intends to move to Chicago at the beginning of July, since this city has generally been recommended to him as the most suitable place of residence for the general presidency, as it also has the most central location for the large territory of our Synod. All readers will join in the wish that God richly bless our president in his office with the grace, strength, and wisdom of his Holy Spirit.
L. F.
The letter of our President to all our congregations, contained in today's issue of the "Lutheraner," will be printed in a large edition as a circular. All pastors will be sent, free of charge, twice as many copies as they have voting members in their congregations, and if they desire still more, they need only apply for them at our Concordia Publishing House. We ask them earnestly and urgently, in the interest of the matter, to take the distribution and circulation of this letter truly to heart.
L. F.
Our St. Louis seminary for pastors closed its academic year on June 15. In the afternoon the closing celebration took place at the institution with singing, an address, and prayer. The candidates - together with those released earlier on account of some urgent calls, 87 in all - were released into the holy ministry; the other two classes returning in September, numbering 209 together, were given a word to take with them for the vacation. In the evening a solemn worship service for the candidate class was then held in the neighboring Church of the Holy Cross, at which Rev. M. S. Sommer preached a sermon to them on the text John 10:12: "I am the good shepherd," and, besides the singing of a smaller student choir, the two returning classes sang them the hymn: "With the Lord all things begin." The great majority of the students have now already arrived home, and after a short vacation period the candidates, to whom will then be added the 24 from our Springfield seminary for pastors, will take up their office. May God guide them all safely to their appointed places, bless them with power from on high, and make them a blessing to many, that they bear much fruit, and their fruit remain unto eternal life! May he make them all true evangelical preachers, who are faithful in their office and adorn their office with a godly, pure conduct. We thank the Lord from our hearts for the noble, precious gift of 111 young preachers.
L. F.
Our institution in Fort Wayne was able to celebrate on June 18 the festival of its 50th anniversary in that city. Founded in 1839 in Altenburg, Perry Co., Mo., and moved in 1849 together with the seminary for pastors from there to St. Louis, the gymnasium or college was separated from the seminary during the war years of 1861 and moved to Fort Wayne. Since then it has flourished there and served the church to rich blessing, lovingly and tirelessly cared for by the congregations there. Hundreds upon hundreds of our pastors have received their preparatory training there for theological study. At the jubilee celebration, which took place amid great participation in the finest weather, Rev. G. Schumm spoke in German and Prof. Th. Brohm in English, both of whom had taken part in that earlier move, and in addition the present su-