Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 13 › Seite 203

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-27, Seite 203

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Aus alter Zeit.

Bewilligungen der Synode im Jahre 1874.

Mit Anmerkungen von D. Walther.

„Die erste Delegatenversammlung der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio und andern Staaten hielt ihre Sitzungen vom 14. bis zum 23. Oktober in Fort Wayne, Ind. Und, dem HErrn sei Dank, es war eine reichgesegnete Versammlung. Unsere Delegaten konnten zu denen, die sie abgesandt, mit einer Freudenbotschaft heimkehren. Es möchte zwar manchem scheinen, als sei die Botschaft, daß über $81,0001) aufzubringen sind, nicht eine Freudenbotschaft, und doch ist sie nichts anderes. Ist ja doch die Bewilligung eines Teiles dieser Summe nötig gewesen, um, wie es in der Zusammenberufung der Synode lautete, ‚den über uns ausgeschütteten Segensreichtum einheimsen und bergen zu können'. Ist doch ein Landbauer nicht betrübt, wenn er an seine Scheuer anbauen muß, sondern fröhlich; wie sollten wir nicht viel mehr fröhlich sein und loben und danken für die wunderbare Gnade des HErrn, unsers Gottes! ‚Der HErr ist noch unter uns, der HErr will unserer Synode noch ferner gnädig sein', das war der Eindruck, den wohl alle von dieser Versammlung mit nach Hause nahmen. Und der treue Gott, der bisher geholfen, wird auch ferner helfen und die Herzen fröhlich und willig machen, zu geben und ihm zu leihen." So berichtete der selige Prof. Günther im „Lutheraner" (Jahrg. 30, S. 165).

Den betreffenden Synodalbericht zeigte zwei Monate später D. Walther an und benutzte diese Gelegenheit dazu, eine herzliche Ermunterung an alle Gemeinden in betreff der erwähnten Bewilligungen beizufügen. Mögen seine beredten, vom Geiste Gottes regierten Worte jetzt zu neuer Beherzigung und Aufmunterung durch alle Kreise unserer heutigen Synodalgemeinden widerklingen! Sie lauten:

„Gott hat nach seiner freien Gnade unsere liebe Synode eines doppelten großen Segens gewürdigt: erstlich, daß immer mehr Gemeinden ein Zutrauen zu derselben gewonnen haben und daher gerade von ihr Prediger und Schullehrer dringend begehren; zum andern, daß zu gleicher Zeit immer mehr Eltern von Gott erweckt worden sind, ihre Söhne für das heilige Predigtamt und für das kirchliche Schulamt zu opfern und daher dieselben unsern Anstalten, in welchen Prediger und Schullehrer ausgerüstet werden, zu übergeben.2) Die Folge hiervon ist wieder eine zweifache gewesen: erstlich, daß alle unsere Anstalten überfüllt worden, und zum andern, daß wir daher in die Notwendigkeit versetzt worden sind, nicht nur immer mehr Lehrer anzustellen, sondern auch unsere Anstaltsgebäude zu vergrößern und zu vermehren. Was soll nun geschehen, ihr lieben Gemeinden unserer Synode? Die Vermehrung der Lehrer an unsern Anstalten erfordert natürlich auch reichlichere regelmäßige Unterstützung unserer Synodalkasse, da wir außer unserm Synodal-Buchgeschäft keine Einnahmequellen haben als eure Liebe. Die jetzt nötig gewordenen Neubauten aber in Addison, in Fort Wayne und in Springfield fordern eine besondere Anstrengung und außergewöhnliche Liebesopfer von eurer Seite. Wollt ihr nun, ihr teuren Gemeinden, etwa, um dieser Anstrengungen und Liebesopfer überhoben zu sein, zu Gott sagen: ‚Es ist genug, HErr, höre auf, uns zu segnen! Dein Segen wird uns zu einer Last, die wir nicht tragen können und wollen'? Schreiber dieser Zeilen ist überzeugt: so werdet, nein, so könnt ihr nicht sagen. Seid ihr dem lieben Gott nicht großen Dank dafür schuldig, daß er euch nicht nur das seligmachende reine Evangelium gegeben, sondern euch auch zu einer seligmachenden Erkenntnis desselben gebracht hat, während Tausenden neben euch Steine anstatt Brot gereicht werden? Und sagt selbst, warum hat euch wohl Gott bisher selbst in diesen harten Zeiten zumeist ‚mit aller Notdurft und Nahrung des Leibes und Lebens' nicht nur kärglich, sondern ‚reichlich und täglich versorget'? Nicht wahr, damit ihr nun auch mit euren irdischen Gaben und Gütern Gott den schuldigen Dank dafür darbringet? Wofür solltet ihr aber lieber eure irdischen Opfergaben darbringen als dafür, daß Prediger und Lehrer in Kirche und Schule erzogen werden, die den hungrigen Seelen, welche nach Brot des Lebens ängstlich schreien, dasselbe brechen, und die auch dann noch in unsern Kirchen und Schulen das reine, seligmachende Evangelium unsere Kinder und Kindeskinder lehren, wenn unser armer sterblicher Leib längst im Grabe verwest, und unsere erlöste Seele vor Gottes Thron triumphiert?

„Wohlan, ihr teuren Gemeinden, ihr Prediger, Schullehrer und Gemeindevorsteher an der Spitze, geht denn fröhlich und eilends an das Werk und stellt Sammlungen von Liebesgaben an, damit die Beschlüsse, welche eure Vertreter in eurem Namen auf der letzten Delegatensynode im Vertrauen auf des HErrn herzlenkende Kraft gefaßt haben, nicht bloße tote Beschlüsse und gute Vorsätze bleiben, sondern zu Tat und Wahrheit, und Gott durch euren Reichtum an guten Werken reichlich gepreiset werde. Laßt euch vom Reichlichgeben nicht den Druck dieser schweren Zeit abhalten! Die lieben Christen haben immer gerade in den schwersten Zeiten das Größte geleistet, wie auch aus der Kirchengeschichte nachgewiesen werden könnte. Denn wenn Gott dem wahren Christen das Irdische besonders häufig und ohne Mühe zufallen läßt, da gibt das leider auch in ihm dem alten Menschen gewöhnlich nur zu viel Nahrung und dämpft so seine Lust, reichlich auszuteilen, wenn er es am leichtesten könnte; wenn aber Gott die Christen etwas kurz hält, da wächst in ihnen gewöhnlich durch Gottes Gnade um so mehr der neue Mensch, der sie nun um so williger macht, Gott zu zeigen, daß ihr Herz nicht am Mammon hänge. Bitte, liebe Leser, lest das achte und neunte Kapitel des zweiten Briefes an die Korinther, wo der heilige Apostel die lieben Christen um reichliche Liebessteuern bittet und neben vielen andern mächtigen Beweggründen auch diesen ihnen vorhält: ‚Ihr wisset die Gnade unsers HErrn JEsu Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf daß ihr durch seine Armut reich würdet.' Laßt denn auch ihr euch durch eures Heilandes Vorbild das Herz bewegen! Ist er arm geworden, ja, der Ärmste auf Erden, um uns reich zu machen, so laßt uns nun gern wenigstens von unserm Überfluß etwas opfern, damit in unserm lieben, irdisch so gesegneten, im Geistlichen aber so gefahrvollen neuen Vaterlande des Heilandes Reich erhalten und immer weiter ausgebreitet werde. Weltleute lassen sich wohl auch aus natürlicher Gutmütigkeit die leibliche Not ihrer Neben-

1) „In dieser Summe sind die Schulden, die zu bezahlen sind, eingeschlossen." Damals hatte die Synode etwa den achten Teil ihrer jetzigen Größe, und es waren schwere, gedrückte, teure Zeiten.

2) O möchten wir doch gerade dieses mit voller Freudigkeit auch in diesem Jahre wieder einmal sagen können! Wären doch alle unsere Anstalten wieder „überfüllt"!

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From Olden Times.

Grants of the Synod in the Year 1874.

With notes by D. Walther.

"The first delegate assembly of the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States held its sessions from the 14th to the 23rd of October in Fort Wayne, Ind. And, thanks be to the Lord, it was a richly blessed assembly. Our delegates were able to return home to those who had sent them with a message of joy. It might seem to some that the message that more than $81,000 (1) must be raised is not a message of joy, and yet it is nothing else. For the granting of part of this sum was indeed necessary in order, as the call to the Synod put it, 'to gather in and secure the wealth of blessing poured out upon us.' A farmer is surely not saddened but glad when he must add on to his barn; how much more should we not be glad and praise and thank God for the wonderful grace of the Lord our God! 'The Lord is still among us, the Lord will continue to be gracious to our Synod' — that was the impression that surely all took home from this assembly. And the faithful God, who has helped until now, will help further and make hearts glad and willing to give and to lend to him." So reported the late Prof. Günther in the "Lutheraner" (vol. 30, p. 165).

Two months later D. Walther brought the relevant Synodical report to notice and used the occasion to add a heartfelt encouragement to all congregations regarding the grants mentioned. May his eloquent words, governed by the Spirit of God, now echo anew through all circles of our present-day Synodical congregations, for renewed consideration and encouragement! They read:

"By his free grace God has deemed our dear Synod worthy of a twofold great blessing: first, that ever more congregations have gained confidence in it and therefore urgently request pastors and schoolteachers from it in particular; and second, that at the same time ever more parents have been moved by God to dedicate their sons to the holy preaching office and to the office of teaching in the church, and therefore to hand them over to our institutions, in which pastors and schoolteachers are trained. (2) The result of this has again been twofold: first, that all our institutions have become overcrowded, and second, that we have therefore been placed under the necessity not only of continually appointing more teachers, but also of enlarging and increasing our institutional buildings. What then shall be done, you beloved congregations of our Synod? The increase of teachers at our institutions naturally requires more abundant, regular support of our Synodical treasury, since apart from our Synodical publishing house we have no source of income but your love. But the new buildings now needed in Addison, in Fort Wayne, and in Springfield call for special effort and extraordinary offerings of love on your part. Would you now, you dear congregations, in order to be spared these efforts and offerings of love, perhaps say to God: 'It is enough, Lord, stop blessing us! Your blessing is becoming a burden to us that we cannot and will not bear'? The writer of these lines is convinced: no, you cannot say that. Are you not greatly indebted to God for having given you not only the saving, pure Gospel, but also having brought you to a saving knowledge of it, while thousands beside you are handed stones instead of bread? And tell yourselves, why has God until now, even in these hard times, provided you for the most part with 'all that is needed for the sustenance of body and life' not merely sparingly, but 'abundantly and daily'? Is it not so that you might in turn render God the debt of thanks with your earthly gifts and goods? For what could you rather bring your earthly offerings than for this, that pastors and teachers be raised up in church and school who break the bread of life for the hungry souls who anxiously cry out for it, and who, even after our poor mortal body has long since decayed in the grave and our redeemed soul triumphs before God's throne, still teach our children and children's children in our churches and schools the pure, saving Gospel?

"Well then, you dear congregations, with your pastors, schoolteachers, and congregational officers at the head, go joyfully and promptly to the work and take up collections of gifts of love, so that the resolutions which your representatives passed in your name at the last delegate synod, trusting in the Lord's power to move hearts, may not remain mere dead resolutions and good intentions, but become deed and truth, and God be richly praised through your abundance of good works. Do not let the pressure of these hard times keep you from giving generously! Dear Christians have always accomplished the greatest things precisely in the hardest times, as could also be shown from church history. For when God lets earthly goods fall to the true Christian especially abundantly and without effort, this unfortunately usually gives the old nature in him too much nourishment and so dampens his desire to give generously when he could most easily do so; but when God keeps Christians somewhat short, the new man usually grows all the more in them through God's grace, making them all the more willing to show God that their heart does not cling to mammon. Please, dear readers, read the eighth and ninth chapters of the second letter to the Corinthians, where the holy apostle asks the dear Christians for generous offerings of love and, alongside many other powerful motives, holds this one before them as well: 'You know the grace of our Lord Jesus Christ, that though he was rich, yet for your sakes he became poor, so that through his poverty you might become rich.' So let your hearts too be moved by the example of your Savior! If he became poor, indeed the poorest on earth, in order to make us rich, let us now gladly sacrifice at least something from our abundance, so that in our beloved new fatherland, so blessed materially but so full of spiritual dangers, the Savior's kingdom may be preserved and ever further spread. Worldly people, too, out of natural good nature, will let the bodily need of their neighbors...

(1) "This sum includes the debts that must be paid." At that time the Synod was about an eighth of its present size, and times were hard, oppressive, and expensive.

(2) Oh, that we might say exactly this with full joy again in this year as well! Would that all our institutions were "overcrowded" again!