Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 67, Nummer 13 › Seite 206
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1911-06-27, Seite 206
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zahlt, und ich hatte zeitenweise ein reichliches Einkommen, namentlich von Kostschülern, deren ich sogar eine Anzahl aus der Stadt selbst bekam. Doch es war damit nicht immer gleich, weil die Verhältnisse dort in New Orleans so sehr schwankend sind; oft habe ich das wieder zusetzen müssen, was ich in günstiger Zeit erübrigt hatte.
Eine Anzahl der ersten Familien in der Stadt wollte ihre Knaben nicht in die öffentlichen Schulen schicken und hatten um deswillen einen Lehrer angestellt; es waren meistens Episkopale und Presbyterianer, die in der Schule zwar keinen Religionsunterricht, aber doch einen christlichen Lehrer haben wollten. Ihr Lehrer war 1878 in der Epidemie gestorben; deshalb kamen sie zu mir und baten mich, für ihre Kinder eine Select School zu errichten, und verpflichteten sich zur Zahlung von 5 Dollars monatlich für jedes Kind. Daraufhin mietete ich von den Episkopalen ihre Kapelle, Ecke der Camp- und der Race-Straße, und nahm meine bisherigen Schüler mit hinüber. Sogar der Superintendent der öffentlichen Schulen, der City Attorney H. W. Rogers, wies mir Schüler zu. Ich führte diese rein englische Schule (in der freilich auch deutscher Unterricht erteilt wurde) fort bis zum Jahre 1881, wo ich von der Golfstaaten-Konferenz unserer Synode ermuntert wurde, in New Orleans ein Progymnasium zu errichten, zu dessen Direktor und Professor ich berufen wurde. Ich nahm diesen Beruf an. Am 17. April 1883 wurde dies Progymnasium von der Synode des Südlichen Distrikts als Synodalanstalt angenommen, auf der Versammlung zu Houston, Tex. Außer denen, die sich dem geistlichen Amte oder Lehrerberufe widmen wollten, waren nun auch eine ganze Anzahl Kinder von Gemeindegliedern und andere in dieser Schule. Die Schüler von auswärts haben in meinem Hause Wohnung, Kost ꝛc. erhalten, wofür ihnen ein monatliches Kostgeld von $12.00 berechnet wurde. Etliche Auswärtige fanden dies übertrieben hoch, und doch kann ich mit Wahrheit versichern, daß ich von dem von mir Erworbenen in den Jahren 1881 bis 1886 am Progymnasium mehr als 800 Dollars zugesetzt habe. Auswärtige wissen eben nicht, was für Preise in New Orleans herrschen. Als Beispiel führe ich hier nur eine Rechnung an, die ich von einem Gemeindegliede für das Anstreichen meines Hauses erhalten habe; sie beträgt $280.00.
Im Juli 1885 forderte Professor Stöckhardt, dem es nicht unbekannt war, daß ich mich jahrelang eingehend, wie überhaupt mit Luthers Werken, so insonderheit mit dessen Tischreden beschäftigt hatte, mich auf, den Band der Tischreden für den Druck in unserer Lutherausgabe herzurichten. Dies tat ich und wurde mit meiner Arbeit im September 1886 fertig; im Oktober wurde sie nach St. Louis abgesandt. Fast gleichzeitig wurde ich von dem Direktorium des Concordia Publishing House in die Redaktion der Lutherausgabe berufen mit der dringenden Bitte, mich sofort auf mein neues Arbeitsfeld zu begeben. Schon am 3. November reiste ich mit meiner Familie und den Progymnasiasten, die studieren wollten (diese wurden verschiedenen unserer Lehranstalten zugewiesen), nach St. Louis und wurde dort von meinem langjährigen Freunde Louis Lange aufs freundlichste beherbergt, bis ich eine passende Wohnung in der Nähe unserer Druckerei gefunden hatte. Gegen Mitte November konnte ich an die Arbeit gehen, die ich bis auf den heutigen Tag (August 1903) bei guter Gesundheit (nur die Grippe hinderte mich einen Monat lang) ununterbrochen fortgeführt und durch Gottes gnädigen Beistand im Mai 1903 im Manuskript vollendet habe. Der letzte Teil wird wohl gegen Ostern 1904 im Druck beendigt werden. Gegenwärtig arbeite ich an der Herstellung des Registers für das ganze Werk.
Schon im Jahre 1862 lieferte ich in einem längeren Aufsatz für „Lehre und Wehre" einen „Beitrag zur Verbesserung der Ausgaben von Luthers Werken"; daher bin ich mehrfach gefragt worden, namentlich von dem seligen Professor Lange, wie ich dazu gekommen sei, mich mit Luthers Schriften literarisch zu beschäftigen. Die Antwort auf diese Frage will ich hierhersetzen aus der Festrede, welche ich, dazu aufgefordert, bei der Feier des Geburtstages D. Martin Luthers am 10. November 1890 in der Aula des Concordia-Seminars vor der versammelten Studentenschaft und vielen eingeladenen Gästen gehalten habe: „Im Jahre 1857 hielt der damalige hochwürdige Allgemeine Präses unserer Synode, der selige Wyneken, zum ersten Male Visitation in meiner Gemeinde. Bei solcher Gelegenheit pflegte er auch die Bibliothek des betreffenden Pastors in Augenschein zu nehmen. Mit der Durchmusterung der meinigen war er bald fertig, denn sie bestand wegen der Dürftigkeit meiner Verhältnisse außer Luthers Werken nur aus wenigen Bänden. Dann wandte er sich mit ernstem Gesichte zu mir und fragte mich in barschem Tone: ‚Haben Sie denn gar keine Predigtbücher?' Durch die Art und Weise, wie diese Frage an mich gerichtet wurde, fast erschreckt, antwortete ich kleinlaut: ‚Ich habe weiter keine Predigten, als die in Luthers Werken enthalten sind.' Plötzlich heiterte sich sein Gesicht auf, wohlwollend klopfte er mir auf die Schulter und sagte: ‚Lieber Hoppe, das freut mich ganz ungemein. Die studieren und predigen Sie mir recht fleißig; das ist das Beste, was Sie tun können für sich und Ihre Gemeinde.' Dieses Wort habe ich mir gemerkt und auch befolgt. Die schlichten Worte des seligen Wyneken sind für mich ein Anlaß geworden zu eingehendem Studium in Luthers Schriften."
Schließlich möchte ich an junge Leute die Ermahnung richten, daß sie keine Gelegenheit vorübergehen lassen sollen, die sich ihnen darbietet, etwas Nützliches zu lernen, auch wenn sie meinen, daß sie keine Verwendung dafür haben. Man kann nicht wissen, wann der Gebrauch irgendeiner erworbenen Kenntnis oder Fertigkeit eintreten mag und dann hocherwünscht sein möchte. Zu Rostock war auf dem Gymnasium die Erlernung der englischen Sprache obligatorisch, und unter keinen Umständen wurde davon dispensiert. Die Kaufmannschaft brachte einen Teil der Lehrergehalte auf und hatte daran die Bedingung geknüpft, daß das Englische gelehrt und gelernt werden müsse. Das war uns Schülern sehr zuwider, weil auf andern Gymnasien diese Beschwerung nicht stattfand, wir aber auch im Abiturientenexamen die Prüfung in dieser Sprache bestehen mußten, für die wir keinen Gebrauch zu haben meinten. Aus dem Vorhergehenden aber läßt sich erkennen, daß ich ohne die Kenntnis der englischen Sprache vielleicht hätte Hunger leiden oder verderben müssen; jetzt aber war ich nicht allein imstande, in der Gemeindeschule von Anfang an den englischen Unterricht zu erteilen, sondern sogar das Amt eines Corresponding Secretary in der New Orleans Academy of Sciences zu verwalten, welches ich zehn Jahre hindurch, von 1858 bis 1868, innehatte, und in Abwesenheit des Recording Secretary dessen Stelle einzunehmen. Die französische Sprache war für mich nutzbar im
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I was paid, and at times I had a plentiful income, particularly from boarding students, of whom I even received a number from the city itself. But it was not always the same, because conditions there in New Orleans are so unstable; often I had to spend again what I had managed to save in a favorable time.
A number of the leading families in the city did not want to send their boys to the public schools and had therefore hired a teacher for that purpose; they were mostly Episcopalians and Presbyterians who wanted no religious instruction in the school, but still wanted a Christian teacher. Their teacher had died in the epidemic of 1878; so they came to me and asked me to establish a select school for their children, and committed themselves to paying 5 dollars a month for each child. Thereupon I rented the Episcopalians' chapel, at the corner of Camp and Race Streets, and took my previous students over with me. Even the superintendent of the public schools, City Attorney H. W. Rogers, assigned students to me. I continued this purely English school (in which, of course, German instruction was also given) until the year 1881, when I was encouraged by the Gulf States Conference of our Synod to establish a pro-gymnasium in New Orleans, to whose directorship and professorship I was called. I accepted this call. On April 17, 1883, this pro-gymnasium was adopted by the Synod of the Southern District as a synodical institution, at the convention in Houston, Tex. Besides those who wanted to devote themselves to the ministry or the teaching profession, there were now also a good number of children of congregation members and others in this school. Students from out of town received lodging and board, etc., in my house, for which a monthly board fee of $12.00 was charged them. Some outsiders found this excessively high, and yet I can truthfully affirm that from what I earned in the years 1881 to 1886 I added more than 800 dollars to the pro-gymnasium. Outsiders simply do not know what prices prevail in New Orleans. As an example I will cite here just one bill I received from a member of the congregation for painting my house; it amounts to $280.00.
In July 1885 Professor Stöckhardt, to whom it was no secret that I had for years occupied myself extensively with Luther's works in general, and especially with his Table Talk, urged me to prepare the volume of the Table Talk for printing in our edition of Luther. This I did, and finished my work in September 1886; in October it was sent off to St. Louis. Almost at the same time I was called by the board of directors of Concordia Publishing House to the editorship of the Luther edition, with the urgent request that I proceed at once to my new field of work. As early as November 3 I traveled with my family and the pro-gymnasium students who wanted to study (these were assigned to various of our educational institutions) to St. Louis, and was most kindly hosted there by my longtime friend Louis Lange until I found a suitable dwelling near our printing house. Toward the middle of November I was able to begin the work, which up to the present day (August 1903) I have carried on without interruption, in good health (only the flu hindered me for a month), and which by God's gracious help I completed in manuscript in May 1903. The last part will probably be finished in print around Easter 1904. At present I am working on preparing the index for the whole work.
As early as 1862 I contributed, in a longer article for "Lehre und Wehre," a "Contribution toward the Improvement of the Editions of Luther's Works"; hence I have repeatedly been asked, particularly by the late Professor Lange, how I came to occupy myself, in a literary way, with Luther's writings. I wish to set down here the answer to this question from the commemorative address which, at the request made of me, I gave at the celebration of the birthday of Dr. Martin Luther on November 10, 1890, in the auditorium of Concordia Seminary, before the assembled student body and many invited guests: "In the year 1857 the then reverend President of our Synod, the late Wyneken, held visitation in my congregation for the first time. On such an occasion he was accustomed also to inspect the library of the pastor concerned. He was soon finished examining mine, for on account of the meagerness of my circumstances it consisted, apart from Luther's works, of only a few volumes. Then he turned to me with a serious face and asked me in a gruff tone: 'Do you have no sermon books at all?' Startled almost by the manner in which this question was put to me, I answered timidly: 'I have no sermons beyond those contained in Luther's works.' Suddenly his face brightened, he tapped me benevolently on the shoulder and said: 'Dear Hoppe, that pleases me exceedingly. Study and preach from that quite diligently; that is the best thing you can do for yourself and your congregation.' I took this word to heart and have also followed it. The simple words of the late Wyneken became for me an occasion for thorough study of Luther's writings."
Finally, I would like to address an exhortation to young people, that they should let no opportunity that offers itself pass by for learning something useful, even if they think they have no use for it. One cannot know when the use of some acquired knowledge or skill may arise and then prove most welcome. At Rostock, the learning of the English language was compulsory at the gymnasium, and under no circumstances was one exempted from it. The merchant community contributed part of the teachers' salaries and had attached to this the condition that English be taught and learned. This was very distasteful to us students, because at other gymnasiums this burden did not apply, while we also had to pass the examination in this language in the graduation exam, for which we thought we had no use. But from what has gone before it can be seen that without knowledge of the English language I might perhaps have had to suffer hunger or come to ruin; whereas now I was able not only to give English instruction in the parish school from the beginning, but even to administer the office of Corresponding Secretary in the New Orleans Academy of Sciences, which I held for ten years, from 1858 to 1868, and to take the place of the Recording Secretary in his absence. The French language was useful to me in