Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 20 › Seite 153
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-05-25, Seite 153
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Vater Unſer 2
ſich zieht, den Stachel aus dem Gewiſſen zu
nehmen.“ . ö ö
„Werden nicht diejenigen, welchen der Fort⸗
beſtand einer geſchloſſenen und ihrer ſelbſt ge⸗
wiſſen lutheriſchen Kirche ein Aergerniß und
Anſtoß iſt, auf den Veſchluß des Kirchentags
hinweiſen und ſagen, hier ſei zu ſehen, daß Lu⸗
theraner und Reformirte ungeachtet ihrer Lehr⸗
verſchiedenheiten unter die Einheit der augsb.
Conf. allerdings zuſammengefaßt werden kön⸗
nen? 4) Bisher iſt die Confeſſionsloſigkeit der
Union ein nicht zu beſeitigender Vorwurf gegen
dieſelbe geweſen. Wird man nicht von jetzt an
den Beſchluß des Kirchentags dazu verwenden,
die Möglichkeit einer nicht confeſſionsloſen Union
ja das Daſein eines reformatoriſchen Unions⸗
bekenntniſſes zu erweiſen, und den Widerſtand,
welcher lutheriſcher Seits der Union entgegen—
geſetzt wird, um ſo zuverſichtlicher als blos
fleiſchlichen Eigenſinn oder hartnäckigen Unver—
ſtand darſtellen? Und doch müßte einer im
Namen eines ſolchen Scheinbekenntniſſes ſich
gufdrängenden Union nicht weniger widerſprochen
werden, als der offenkundig bekenntnißloſen.“ .
* * X * „. *
Es wird gewiß jedem die göttliche Wahrheit
liebenden Leſer zu nicht geringer Freude gerei⸗
chen, ein ſolches unumwundenes Bekenntniß zu
der in den Symbolen unſerer Kirche niederge⸗
legten Lehre und gegen die Religionsmengerei
und das im Bekenntniß der Wahrheit ſo unlau⸗
tere, unehrliche Weſen unſerer Zeit aus Deutſch⸗
land zu vernehmen, und zwar aus dem Munde
ebenſo hochgelehrter wie hochſtehender Männer.
Aus der „Zeitſchrift für Proteſtantismus und
Kirche,' wo jener Proteſt abgedruckt iſt, erſehen
wirt, daß eine immer größer werdende Anzahl
von Predigern ſich dieſen Proteſte anſchließen u.
denſelben unterzeichnen, u. A. zwanzig Prediger
des Dekanats Hersbruck in Bayern und neun
Prediger in NRürnberg. Wollte Gott, alle Treu⸗
lutheriſch-Geſinnten hier in den Vereinigten
Staaten vereinigten ſich auch in einem ſolchen
Puoteſte gegen die auch hier ſo ſehr im Schwange
gehendeReligionsmengerei, genannt evangeliſche
Union, und den Mißbrauch, den man hier mit
dem Namen „lutheriſch'' treibt!
) Iſt bereits hier Acen die So haben nehmlich die
hieſigen ſ. g. Evangeliſchen die Sache zu Gunſten ihrer
lieben Union ausgebeutet. Man vergleiche den „Friedens⸗
boten.“ D. R. d. L.
Wie die Jeſuiten von ihren „un⸗
terſten Handlangern“ vertheidigt
oderim Stich gelaſſen werden.
Herr Oertel, der in ſeiner Zeitung vom 7.
April vorigen Jahres erklärt hat, daß er ſich
„mit Freuden einen ganz untergeordneten Hand⸗
langer der Jeſuiten“ nennen laſſe, hat nun end⸗
lich, nachdem wir ihn an ſeine Pflicht erinnert
haben, ſeine Pflicht gethan. Der Leſer kann ſich
vorſtellen, ſo, wie es demſelben ſeiner Stellung
unter den Jeſuiten gemäß geziemt. So lautet
nämlich Herrn Oertels Vertheidigung: „Wir
halten es allerdings nicht der Mühe werth, auf
dit närriſchen Angriffe dieſes alilutheriſchen
—151—
Klopffechters jetzt weiter einzugehen, da Alles,
was der Lutheraner je vorgebracht hat und je
vorbringen kann, ſo abgedroſchen und langweilig
iſt, daß Niemand unter unſern Leſern, als
höchſtens ein altes lutheriſches Weib, das
zufällig eines katholiſchen Mannes Hausfrau
iſt, Wohlgefallen daran haben
könnte, wenn wir weitere Notiz davon neh⸗
men würden. Zweitens bedürfen die Väter Je⸗
ſuiten unſere Vertheidigung nicht, und Alles,
was der Lutheraner gegen ſie ſchreien und ſchrei⸗
ben mag, iſt von gar keinem Belange. Wer ſo
dumm iſt, daß er ſolche Sachen glaubt, weil's
gedruckt daſteht, der glaube es immerhin. Wir
Katholiken wiſſen recht gut, wie wir mit den
Jeſuiten daran ſind und brauchen die luthe—
raniſche Weisheit nicht ... Dieſer verblendete
Schüler Luthers gefällt ſich in den aberwitzigſten
und ſchmutzigſten Bemerkungen gegen die Jeſui⸗
ten und die katholiſche Kirche, die er aus veral⸗
teten und längſt widerlegten proteſtantiſchen Lü⸗
genſchriften bona (oder vielmehr mala) fide
gedankenlos abdruckt.“
Herr Oertel macht hiermit das Bild, wel⸗
ches wir, wie jeder gebildete Theologe, der
unſere Sachen geleſen, weiß, mit den eige⸗
nen Worten der Jeſuiten aus ihrer
Ordensconſtitution und ausihren
Hauptſchriften entworfen haben,
vollſtändig. Wir ſehen daraus, daß das Grund⸗
ſyſtem der Jeſuiten das Syuitem iſt, durch
Zweideutigkeiten Lügen an den Mann
zu bringen. Herr Oertel zeigt uns, daß es in
dieſem Orden auch untere Grade von Leuten
gibt, die ohne alle Zweideutigkeiten lügen
müſſen. Das werden wahrſcheinlich ſolche Leute
ſein, die ſchon keinen guten Namen mehr haben
und die daher hierbei nichts verſpielen können.
In der Jeſuitenconſtitution heißt es buchſtäblich
alſo: „Niemand von denen, welche zu häus⸗
lichen Dienſten zugelaſſen werden, darf leſen oder
ſchreiben lernen, oder, wenn er ſchon etwas weiß,
mehr Wiſſenſchaft lernen; und niemand darf
ihn ohne Vollmacht vom Propoſitus Generalis
lehren, ſondern er begnüge ſich damit, mit heili⸗
ger Einfalt und Demuth unſerm Herrn Chriſto
zu dienen.“ (Institut. Soc. Jes. II, 76.) Wahr⸗
ſcheinlich hat ſich Herr Oertel bereits zu dem
Grade eines ſolchen Hausbedienten der Jeſuiten
emporgeſchwungen. In dieſem Falle iſt er frei⸗
lich einigermaßen zu entſchuldigen, wenn ihm in
ſeiner „unheiligen Einfalt“ unſere Citate unbe⸗
kannte böhmiſche Dörfer ſind, und zu bedauern,
daß er, weil die Herren Jeſuiten ſich die Finger
nicht verbrennen wollen, ihnen die heißen Caſta⸗
nien mit Verbrennung Eines ehrlichen Namens
aus dem Feuer holen muß.
„Der Herold des Glaubens.
Nachdem wir bereits unſere Bemerkungen
über die Antwort niedergeſchrieben hatten, wel⸗
che uns Herr Oertel in ſeiner „Katholiſchen
Kirchenzeitung'“' auf unſeren Artikel von den
Jeſuiten gegeben, erhielten wir die Nummer des
„Herold des Glaubens“ vom 16. April, worin
endlich der verkappte Editor auch dieſes Zeſulten⸗
blattes mit einer Antwort herausrückt. Und
was antwortet derſelbe? — Zu witzlos, um
ſelbſt etwas ſchreiben zu können, druckt er die
mit eiſerner Lügnerſtirn geſchriebene Oertelſche
Antwort Wort für Wort ab, und überbietet
dann ſelbſt den jeſuitiſchen „unterſten Handlan⸗
ger“ zu New Rork in ſchamloſer Lügenhaftigkeit
in den wenigen Worten, die er ſelbſt hinzuſetzt.
Er leitet uehmlich das ſaubere Oertelſche Produkt
mit den Worten ein: „Der Lutheraner, ein
Sekten⸗Blatt in St. Louis, muß ſich jüngſt
wieder unartig gebehrdet haben; wir ſchließen
dies aus einer Abfertigung, die ihm die New⸗
Norker Kirchenzeitung in ihrer uns zuletzt zu⸗
gekommenen Nummer giebt; ſie ſchreibt. —
worauf Oertels Worte folgen. Der feige, un⸗
wiſſende und gewiſſenloſe Menſch ſtellt ſich, um
einer eigenen Antwort überhoben zu ſein, als
wiſſe er ſelbſ gar nichts von dem, was der
„Lutheraner“ über die Jeſuiten geſchrieben, wäh⸗
rend er doch mit uns wechſelt und zwar in einer
Weiſe, daß der „Lutheraner“ in ſeine Hände
kommen muß. Wir geſtehen, daß uns dieſes
Verhalten der hieſigen Jeſuitenknechte einen
wichtigen Beitrag zur Vervollſtändigung unſerer
Einſicht in die Verruchtheit des Jeſuitismus
geliefert hat. Wir meinten in der That, daß
dieſe Herren irgend eine künſtliche Beweisfüh⸗
rung verſuchen würden, daß trotz der von uns
angeführten, unableugbar echten, alle Sünden
und Schanden gutheißenden Ausſprüche der be⸗
rühmteſten Jeſuiten dieſer Orden dennoch ein
heilſames Inſtitut ſei. Aber nein! den Herren
war bang, wenn ſie ſo verführen, es möchte die⸗
ſer und jener, mit der Sache Unbekannte, von
Neugier geplagt, das wider die Jeſuiten Vorge⸗
brachte ſelbſt zu leſen verſucht werden. So
dachten ſie denn: die Lutheraner wiſſen es
doch ſchon, daß wir Lügner ſind; wenn wir alſo
auch denen gegenüber eine handgreifliche Lüge
herausſagen, ſo verſpielen wir bei ihnen doch
nichts; aber wie leicht könnten wir bei unſeren
lieben Katholiken etwas verſpielen, wenn wir
uns ſtellten, als wollten wir die Beſchuldigungen
widerlegen! Wohlan, der gute Zweck heiligt
ja das böſe Mittel: der eine mag daher ſagen,
es ſei alles Vorgebrachte nicht wahr; der ande⸗
re, er habe die Sache gar nicht geleſen. —Nun,
immerhin, ihr Herrn! Fahrt nur ſo fort; Men⸗
ſchen können euch zwar nur verachten, u. müſſen
euch gewähren laſſen. Aber bedenket, es gibt
einen Mann, von dem heißt es: „Du brin⸗
geſt die Lügner um; der HErr hat Gräuel an
den Blutgierigen u. Falſchen;“ und es gibt
einen Tag, wo den Lügnern das Handwerk
gelegt u. das Maul geſtopft und wo dann ihr
„Theil ſein wird in dem Pfuhl, der mit Feuer
und Schwefel brennet; welches iſt der andere
Tod.“ Fürchtet ihr euch denn vor dieſem Man⸗
ne und vor dieſem Tage nicht? Schenke es
euch Gott und gebe Er euch Buße. Werdet ihr
aber nicht Buße thun, ſo werdet ihr einſt an
jenem erſchrecklichen Tage mit Ach und Weh an
das denken, was euch jetzt ein von euch verach⸗
teter und verlachter Lutheraner geſagt hat. Dann
aber: „vergößt ihr in dem Weh auch einen
Thränenſee,“ wird es heißen: — Es iſt zu
ſpät!
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