Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 20 › Seite 148
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-05-25, Seite 148
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
Herzen liegt, muß ſich nicht entſetzen, wenn er
jene Frage und Antwort mit Aufmerkſamleit
lieſt und den Folgerungen nachdenkt, die ſich mit
Nothwendigkeit daraus ergeben?
Sind die 10 Gebote wirklich nur ein Verbot
einiger der härteſten Ungerechtigkeiten, dann ſind
ſie ein höchſt unvollkommenes Machwerk, und
es iſt nicht zu begreifen, wie etwas, deſſen Ur⸗
ſprung ſo theuer als göttlich bezeugt wird, ſo
unvollkommen ſollte gerathen ſein, oder wie das,
was ſo unvollkommen wäre, wirklich eines gött⸗
lichen Urſprungs ſein ſollte.
Sind die 10 Gebote nur ein Verbot einiger
der härteſten Ungerechtigkeiten, ſo iſt Luthers
Auslegung und die Äuslegung der anerkannt
frömmſten und erleuchtetſten Männer durchaus
falſch, denn dieſe alle haben darin bei Weitem
mehr gefunden, als das Verbot einiger der här⸗
teſten Ungerechtigkeiten.
Dann iſt auch —ich ſage, was die Folgerung
mit ſich bringt —nicht den kbar, was Chriſtus
ſagt, daß darin hangen ſolle das ganze Geſetz
und die Propheten.
Dann iſt auch Chriſtus ſelbſt nicht allen
Menſchen unumgänglich nothwendig zur
Seligkeit, und die ganze Lehre vom Geſetz und
Glauben wird von Grund aus verkehrt.
Das iſt—meine ich—genug, um zu zeigen,
wohin es führt, wenn Sätze aufgeſtellt wer⸗
den, wie der in Rede ſtehende
„In den 10 Geboten werden einige ꝛc.“
Aber wir müſſen Rückſicht nehmen auf die et⸗
wanigen Eiin wendungen.
1.) Der Vf. beruft ſich—ſo mag man
vielleicht entgegnen —auf die heil.
Schrift ſelbſt.
2.) Er beruft ſich auf den Katechis⸗
mus.
3.) Er ſagt in ſeinem Satze nicht blos
verboten, ſondern genannt und
verboten.
4.) Er ſpricht nur von den öletzten
Geboten.
Wir antworten ö
ad 1.) Die Bibelſtelle ſollte beweiſen, daß per
Vf. Recht habe, wenn er ſagt:
In den 10 Geboten werden einige der härteſten ꝛc.
Aber die Bibelſtelle 2. Moſ. 20, 13-17. bewfiſt
nichts anderes und nichts mehr, als in wel⸗
cheem Buchund Kapitel der heil. Schrift
die heil. 10 Gebote zu finden ſind und wie ſi e
lauten.
ad 2.) Die Berufung auf den Katech smus
ſollte beweiſen, daß der Vf. in einhelligem
Glauben mit un ſerer Kirche ſtehe.
Dann aber mußte der Vf. Luthers Erklärung ci⸗
tiren.
zu Luthers Katechismus alſo, daß ſie Luthers
Auslegung als richtig und ſchriftmäßig aner⸗
kennt und nicht will vom Terte getrennt wiſſen,
denn der bloße Text (d. i. die 10 Gebote, der
Glaube, das Vaterunſer) war vor Luther auch
ſchon da.
Wie hat nun ber Vf. gethan? 2
1. Er hat Luther's Auslegung vom dazu ge⸗
hörigen Terte auf's allerweiteſte getrennt, denn
Denn die lutheriſche Kirche bekennt ſich
die Zahl deſeibenn wondeſen.
—116—
der Tert ſteht S. 827, Luthers Auslegünz aber
erſt S. 181 u. ſ. f. Dutth dieſe Stellung wird
ſie nicht einmal als Anhatſz zum Lehrbuche, ſn⸗
dern nur als Anhang zur Religionsgeſchichte
bezeichnet. Dazu iſt erſterer mit großer Schrift
gedruckt und mit vollſtändigen Ueberſchriften
verſehen, letztere aber mit kleiner Schrift gedruckt
und mit unvollſtändigen Ueberſchriften verſe⸗
hen.*) Das wäre von keiner beſonderen Be⸗
deutung, wenn die Citate ſo eingerichtet wären,
daß weder das, was vorne, noch das, was hinten
ſteht, dadurch übergangen und zurückgeſtellt
würde. Aber
2.) er will gar nicht, daß man Luther's Er⸗
klärung aufſchlagen ſolle. Wollte er Luthern
citiren, ſo hätte er ſchreiben müſſen:
S. Dr. Luthers Erklärung des 5. Hauptſt. ꝛc.
Geb 5-—10.
Er hat aberlgeſchrieben: S. Hauptſt. 1, Geb.
5—10.
So will denn der Vf. gar nicht, daß man
hinten aufſchlagen ſoll, ſondern da, wo die
Bezeichnung zutrifft und das iſt vorn, wo die
Auslegung Luthers völlig weggelaſſen iſt.
Was iſt nun das für ein Beweis für die Ue⸗
bereinſtimmung des Vf. mit der luth. Kirche?
Beweiſt aber das Citat die Uebereinſtimmung
nicht, was hilft es ihm, daß er damit einen
vergeblichen Schein macht? Er wird ja nicht
offenbar als Luthers Schüler oder Glaubens⸗
genoſſe, ſondern, als der Luihers Meiſter ſein
will.
ad 3.) Sollte das Wörtlein „genann t
eine rechtfertigende oder mildernde Bedeutung
haben, ſo müßte der Satz eine Andeutung ent⸗
halten, daß es etwa ſo zu verſtehen wäre
Genannt ſind in den 10 Geb. zwar
nur einige der härteſten Ungerechtigkeiten,
aber zu verſtehen ſind eben darunter
auch die allerfeinſten.
Eine ſolche Andeutung würde es ſein, wenn
er geſagt hätte: das harte Wort z. E. Tödten,
Ehebrechen gibt nur die Klaſſe an, unter welche
auch die ſubtilen und allerſubtilſten Sünden
wider das 5. und 6. Gebot gehören u. ſ. w.
Eine ſolche Andeutung aber findet ſich nir⸗
gends, ſondern der Verfaſſer fährt fort:
genannt und verboten.
Was iſt nun verboten?
Eben das, was genannt iſt.
Was iſt genannt?
Einige der härteſten Ungerechtig⸗
keiten.
Alſo kann der Ausdruck
genannt und verboten
nur ſo viel heißen als
dern auch verboten;
immer aber bleibt nicht mehr und nicht weniger
als: ö
„) Vorn heiht es „die flünf Hauptſtücke ꝛc. und dann
ö beſonvers: das erſte Hauptſt. ; die 10 Gebote.
Desgl.: Das andere Hauptſt.; das drilte Haupiſt.
Hinten heißt es, ohne daß das Hptſl. der Zahl nach ange⸗
geben iſt, ſchlechtweg: Erklärung der 10 Gebote. Ebenſo iſt
beim Glauben, Vaterunſer u. ſ. w. das Wort „Hauptſtück
7 ½%0 7*.•
ſie ſind nicht allein genannt, ſo n⸗ ö
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Eeun ige derh ä rteſten Ungerechtigkeiten.
Aber, wo gehören denn die böſen Begier⸗
den hin? Die ſind doch nicht blos verboten,
ſondern auch genannt, und zwar im 9. und
10. Geb. Wie kann nun der Vf. ſagen, es
ſeien nur einige der härteſten Ungerechtigkeiten,
die in den 10 Geboten genannt ſind?
ad 4.) Der Vf. antwortet Fr. 215: In den
10 Geboten; — aber in den Beweisſtellen eitirt
er ſowohl aus der Bibel, als aus dem Katechis⸗
mus nur vom sten Gebotan.
Soll das eine Einwendung ſein, ſo müßte ſ ie
etwa dieſen Sinn haben:
Es iſt nicht zu leugnen, daß der Vf. von der
Zten Hälfte der 10 Gebote ſagt, es ſeien darin
nur einige der härteſten Ungerechtigkeiten genannt
und verboten; aber ſagt es nicht von den 10
Geboten überhaupt.
Antwort: Wer Ein Gebot ſchwächt, hat das
ganze Geſetz geſchwächt. Ueberdies ſtehen dit
10 Gebote in keinem ſolchen Verhältniß zu ein⸗
ander, daß geſagt werden könnte, die erſten vier
beziehen ſich auf die feineren Sünden, die
letzten ſechs aber auf die gröberen.
Doch dieſen Sinn geben wir dem Vf. gar
nicht ſchuld; wir erklären uns ſein Citat viel⸗
mehr alſo:
Der Vf. redet in dem Abſchnitte, zu welchem
Fr. 215 gehört, von der Gerechtigkeit ge⸗
gen den Nächſten. Da er nun einen Ueber⸗
gang haben will zu dem nächſten Paragraph,
wo er von dem groben und feinen Todtſchlag
handelt, das 4. Gebot aber dahin gar nicht paßt,
ſo eitirt er die letzten 6 Gebote, als in welchen
wie der Vf. meint, nur die härteſten Ungerechtig⸗
keiten verboten werden, vom ö5ten an.
Der Vf. nun lehrt nicht etwa, daß der feinere
Todtſchlag erlaubt ſei, ſondern dahin geht ſein
Sinn, daß die zehn Gebote nicht ſo viel enthal⸗
ten, um daraus auch die feineren Ungerechtig⸗
keiten ſtrafen zu können.
Was ſagt aber—fragen wir—was ſagt der
Vf., wenn allein ſchon das 10. Gebot ſpricht:
„Du ſollſt nicht begehren Alles, das ſein
(des Nächſten) iſt?'“ Iſt das Leben nicht auch
ſein? und iſt nicht der offenbare Sinn der
Schrift, daß wer eine ſubtile Sünde wider das
5te Gebot begeht, geſtraft werden ſolle nicht vom
10ten Gebot allein, ſondern auch vom 5ten.“““)
Aber des Vf. Anſicht von den 10 Geboten iſt
weit verſchieden von der kirchlichen und ſchrift⸗
mäßigen. Darum iſt auch die ganze Pflichten⸗
lehre nicht nach dem Plane der 10 Gebote abge⸗
**) Man höre, was Luther ſagt:
Meineſt du, daß er allein von der Fauſt rede, wenn
er ſagt: Du ſollſt nicht tödten!? Was heißt Dul
nicht allein deine Hand noch Fuß, Zunge, noch ein an
der einzeln Glied, ſondern Alles, was du biſt an Leil
und Seele. Darum iſt's ſo geſagt, du ſollf
nicht tödten, als wenn er ſagte: manch Glied di
haſt, ſo mancherlei Weiſe du finden magſt, zu tödten
es ſei mit der Hand, Zunge, Herzen oder Zeichen unn
Gebehrden, ſauer ausſehen und das Leben nicht gön
nen, mit den Augen oder auch den Ohren, wenn du
nicht gerne höreſt von deinem Nächſten reden—dal
heißt alles getödtet. Denn da iſt Herz und Alles
was an dir iſt, alſo geſinnet, daß es wollte, er wär
ſchon todt. (Starke Synopſ. N. T. 1. Th. S. 134.
Ran α &
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