Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 20 › Seite 149
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-05-25, Seite 149
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Luthers Schriften. —
handelt und ſind die einzelnen Gebote wunder⸗
ſeltſam zerſtreut. )
So iſt nun nicht allein der Wortlaut der 10
Gebote als ungenügend dargeſtellt, ſondern auch
die Ordnung taugt dem Verfaſſer nicht. Luther
erklärt ihn nicht alſo, daß er ſich zu ihm beken⸗
nen möchte, und der liebe Gott hat ihm die 10
Gebote auch nicht recht abgefaßt.11)
Was ſoll man aber dazu ſagen? Chriſtus
ſpricht Matth. 5, 19: Wer nun Eines von
ditſen kleinſten Geboten) auflöſet und lehret
die Leute alſo, der wird der Kleinſte heißen im
Eimmelreich, wer es aber thut und lehret, der
wird groß heißen im Himmelreich.
1) Unter den Pflichten gegen den Nächſten iſt in der Lten
Taſel das Ate Gebot, wie bekannt, das erſte. Im Han⸗
növ. Katech. iſt es erſt zu finden S. 145, nachdem von der
Ordnung der 10 Gebote gänzlich abgewichen iſt. Desgl.
nach dem 5ten Gebot folgt unmittelbar das Ste u. ſ. w.
Wollte Jemand den Vf. entſchuldigen und ſagen: O,
ſo böſe hat er's nicht gemeint, daß er's hätte beſſer machen
dwollen, als der liebe Gott; er hat's nur heſſer als Moſes
macen wollen—ſo antworten wir: Mit ſolcher Entſchul⸗
digung ) würde dem Vf. übel geholfen ſtin. Geſetzt auch
u hätie das nicht gemeint, ſo ſind doch die 10 Gebote nicht
Noſis Werk geweſen, ſondern Gottes, und alſo bleibt der
Angriff an Gottes Werk haften. Das allein geben wir
zu: Böſes thun mit der Ueberzeugung, daß es
bö ſe iſt, iſt größere Sünde. Aber Böſes thun in der Ue⸗
berzeugung, daß es gut ſei, oder nur zuläſſig, iſt e benſo⸗
wohl Sünde.
Wenn aber Jemand für gut oderlzul äſſig halten kann, mit
den heil. 10 Geboten ſo umzugehen, wit der Vf. umgegangen
, wofür muß er Moſen halten und wofür die heil. Schrift ?
*) Könnte zu einer ſolchen Einwendung wohl die merkwürdig nalve
Etelle Anlaß gegeben haben, wo der Vf. ſagt: „Ehe Moſes ſtarb
ſchrieb er ſeine Geſetze nieder. Rel. Geſch. S. 107.0
trt) Die Schriftgelehrten im A. T. haben auch nicht ge⸗
miint, daz in den klein ſten Geboten —welche ſind aber ſo klein
anzuſehen, als die zehn Gebote 2—alles Nöthige doch ſchon
mhalten ſei. Darum haben ſie ihre Aufſätze gemacht, durch
welche die Gebote, ihrer Meinung nach, ſollten vollſtändiger
gtmacht werden, in Wahrhtit aber nur geſchwächt und auf⸗
gelöſ't wurden. Darum ſetzt ihnen der Herr Chriſtus eine
audere Auslegung entgegen, wenn er in der Bergpredigt zu
wiederholten Malen ſagt: „Ihr wißt, daß zu den Alten ge⸗
fagt iſt—ich aber ſage euch!'' Damit verwirft er nicht etwa
ie durch Moſen gegebenen 10 Gebote, als wären ſie nicht
zhackmäßig ausgedrückt, ſondern die ſchon von Alters her ein⸗
zeſchlichene oberflächliche Erklärung: und zeigt an einigen
Beiſpielen, wie ganz anders die 10 Gebote ausgelegt
verden ſollten.
AIn welche Fußtapfen nun tritt der Vf. des Hannöv. Ka⸗
ftechismus?
(Für den Lutheraner.)
Die Auswanderung
der
wangeliſch lutheriſchen Salzburger
in den Jahren 1731, 32 und '33.
— —
(Fortſetzung.)
Der Winter ſchwand dahin, die Brünnlein
muollen wieder luſtig in die grünenden Gründe.
die Lerchen flatterten gegen den blauen Himmel
und ſangen ſo fröhlich, wie ſonſt, als die da
nichts wußten von dem Jammer, der unter ihnen
lag. Jetzt durften auch die Angeſeſſeinen
an den Aufbruch denken.
Dieſe, früher die Wohlhabenden, waren nun
auch meiſtentheils Arme geworden. Die Sol⸗
daten, welche in ihren Häuſern lagen, hatten ſie
immer mehr ausgeſaugt.
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de hatten die Pfleger bei Zeiten abgeſchätt, aber
es dabei bloß auf große Sporteln abgeſehen.
Und was half die Abſchätzung? Da kein Lu⸗
theriſcher über ſein Pfleggericht hinaus durfte,
um ſich nach einem Käufer umzuſehen, da auch
die Katholiſchen dachten, wenn Alles fort ſei,
könnten ſie die leeren Güter wohl umſonſt be⸗
kommen, mußten die Auswanderer das Ihre
um einen Spottpreis hergeben oder gänzlich her⸗
renlos zurücklaſſen. Und zuletzt wurden noch
unter allen möglichen Namen Abgaben von ih⸗
nen erpreßt. Das war überhaupt die Zeit, wo
der Miniſter Röll und ſeine Leute Aernte hiel⸗
[ten, — ärnteten wo ſie nicht geſäet hatten, es
müßten denn ihre böſen Anſchläge und ſchänd⸗
lichen Maaßregeln die Saat genannt werden.
Der erſte Mai erſchien und in acht Tagen, ſo
ward ihnen angekündigt, ſollten die Angeſeſſenen
abziehen. Da vereinigten ſich Viele noch ein⸗
mal, wie in den ſchönern Jahren, das Maienfeſt
auf der Alme zu feiern. Sie trieben auf, un⸗
term Klange der Schalmeien, die Rinder ſchön
geſchmückt mit grünen Kränzen und angethan
mit helltönenden Glocken von Jung und Alt im
muntern Kreis umringt. Oben auf der Alme
ſangen ſie noch einmal ihre lieblichen Grüße an
den Frühling, erquickten ſich an den reinen
friſchen Berglüften, ſchauten hinab in die tiefen,
mannichfaltigen, immer traulichen Thäler, ſchau⸗
ten hinauf zu den unvergänglichen Silberkronen
in der Höhe. Die Erinnerung der ſchönen Ver⸗
gangenheit wurde ſo lebendig, daß ſie die traurige
Gegenwart vergaßen. In fröhlichen Geſprächen,
in heiteren Spielen, in der alten ſüßgewohnten
Alpenweiſe verlebten ſie dieſen erſten Maientag.
Als aber die Schneeberge röthlich zu ſchimmern
begannen und an die Rückkehr mahnten, da faßte
unausſprechlicher Schmerz ihre Herzen. Laut
jammernd fielen ſie ſich um den Hals und ver⸗
goßen heiße Thränen.
das letzte Alpengebet. Ihren treuen Thieren, zu
welchen ſie keine Käufer mehr gefunden hatten,
gaben fie die Freiheit, und hörten lange noch
das wohlbekannte Geläute, als ſie in die Thäler
herabzogen, die ſchon von den Schatten der Nacht
bedeckt waren.
Die acht Tage eilten ſchnell vorüber. Einige
hatten ſich Wägen gebaut, und beluden ſie nun
mit den übrig gebliebenen Habſeligkeiten, Andere
trugen all das Ihre mit ſich. Zügevon
Fünfhundert, Tauſend und
Zweitauſend bewegten
nach Salzburg hin. Die rohen Sol⸗
daten waren wiederum ſehr geſchäftig dabei; ſie
trieben Tag und Nacht ohne Raſt fort, und riſ⸗
ſen auch oft die Familien aus einander, daß ſich
manche Angehörigen erſt in fern en Landen wieder
zuſammenfanden. Die Alten, Kränklichen und
Schwangern konnten nicht ſo ſchnell mit fort⸗
ſchreiten; ſo mußten Manche ihr Gepäck noch
von den Wägen werfen, um für dieſe varauf
Platz zu machen.
Noch eine einzelne Geſchichte will ich hier von
Rupert Ae⸗
der Auswanderung erzählen.
Ihre liegenden Grün⸗
ſteck, ein wenigſtens äußerlich noch katholiſcher
— 0½½
Mann in der Werfner Pflege, ſtand mit ſeinem
Mann oorüber war, ward es ihm auf einmal ſo
üſen!
Brüder und Schweſtern ſo großes Wehe verur⸗
Dann fielen ſie auf ihre ſacht hat.
Kniee nieder und beteten aus weinender Seele
ſich
geheuer große Ausgaben erfordert; ſo wurde
verlaſſenen Häuſer und Güter in Beſitz zu neh⸗
ſchwangern Weibe und ſeinen drei Kindern unter
der Hausthüre, als eben eine Schaar Lutheriſcher
vorüberwallte. Da empfand er einen innerlichen
Drang, ſich ihnen anzuſchließen. Aber ſeine
Frau hielt ihn mit Thränen zurück, weil ſie und
die Kleinen ſo eine Reiſe nicht aushalten wür⸗
den. Er gab ſich zufrieden; doch als der letzte
weh im Herzen, da ſuchte er ſeine lieben Kinder,
ſich unter ihnen wieder zu erheitern. Aber ſiehe,
die Kleinen hatten einige Kleidungsſtücke und
Vrotkrummen zuſammengerafft und waren dem
Zuge nachgegangen. Das brach dem Vater
das Herz und er ſprach: „Liebes Weib, wir
wollen mit.“ „„Ja,““ ſchluchzte ſie,
„„wohin du willſt, in Gottes Na⸗
men.““ So ließen ſie Haus und Hof dahin⸗
ten und eilten den Kleinen nach. Ach: wie oft
iſt ſchon der Kinder unbewußtes Thun ein aus⸗
geſtreckter Finger Gottes für die Eltern gewe⸗
Die Schaaren wurden ſtärker, je mehr ſie ſich
der Reſidenz näherten; dieſe wurve von Wan⸗
derern durchſtrömt. Jetzt hörte man ſchon we⸗
niger Schimpf und Spott, aber man ſah deſto
mehr wundernde und ſtaunende Geſichter. Ja,
die Flamme der Begeiſterung ergriff auch den
Sitz des Erzbiſchofs. Hunderte der
Stadtbewohner, darunter ſelbſt mehrere
biſchöfliche Beamte und ganze Glie⸗
der der Leibwachen traten in die Reihen
ver Lutheriſchen. Und ſogar acht Prieſter
ſielen von der römiſchen Kirche ab und entflohen.
Dies Letztere hat der himmliſche Herzenslenker
wohl auch darum ſo gefügt, damit das bittere
Gefühl unſerer Herzen ein wenig gemildert wür⸗
de über einen Stand, der Tauſenden unſerer
Noch ſehen wir aber mit heiliger Freude hier
im Kleinern, was wir in den erſten Zeiten des
Chriſtenthums im Größeren ſahen, die wunder⸗
bare Kraft, welche von dem verklärten Antlitz der
Märtyrer des Evangeliums wehet.
Eine ſo große Entvölkerung ſeines Landes
hatte der Erzbiſchof doch nicht vermuthet, immer
dachte er, wenn es drauf und dran käme, würden
die Mehreſten ſich eines andern beſinnen, und
im Schooße ihres Beſitzthums und der alten
Kirche zurückbleiben. Jetzt ſah er ſich völlig
getäuſcht, und er fühlte gar bald die übeln Fol⸗
gen, die ſeine Thorheit ihm ſelber brachte. Dit
Steuern fielen natürlich geringer aus, und die
Unterhaltung der kaiſerlichen Truppen batte un⸗
ſeine Schatzkammer täglich magerer. Da hat
der Mismuth ſeine finſtere Stirne uoch finſterer
gemacht.
Er wollte zwar den Schaden ſogleich wieder
heilen, und erließ an die benachbarten Länder
Einladungen an Alle, welche Luſt hatten, die
men. Sie waren auch bald wieder beſetzt; aber
es war liederliches Geſindel, das ſich im Salz⸗
burgiſchen ein herrliches Freudenleben verſprocht
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