# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 05 25_S149 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) handelt und ſind die einzelnen Gebote wunder⸗ ſeltſam zerſtreut. ) So iſt nun nicht allein der Wortlaut der 10 Gebote als ungenügend dargeſtellt, ſondern auch die Ordnung taugt dem Verfaſſer nicht. Luther erklärt ihn nicht alſo, daß er ſich zu ihm beken⸗ nen möchte, und der liebe Gott hat ihm die 10 Gebote auch nicht recht abgefaßt.11) Was ſoll man aber dazu ſagen? Chriſtus ſpricht Matth. 5, 19: Wer nun Eines von ditſen kleinſten Geboten) auflöſet und lehret die Leute alſo, der wird der Kleinſte heißen im Eimmelreich, wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. 1) Unter den Pflichten gegen den Nächſten iſt in der Lten Taſel das Ate Gebot, wie bekannt, das erſte. Im Han⸗ növ. Katech. iſt es erſt zu finden S. 145, nachdem von der Ordnung der 10 Gebote gänzlich abgewichen iſt. Desgl. nach dem 5ten Gebot folgt unmittelbar das Ste u. ſ. w. Wollte Jemand den Vf. entſchuldigen und ſagen: O, ſo böſe hat er's nicht gemeint, daß er's hätte beſſer machen dwollen, als der liebe Gott; er hat's nur heſſer als Moſes macen wollen—ſo antworten wir: Mit ſolcher Entſchul⸗ digung ) würde dem Vf. übel geholfen ſtin. Geſetzt auch u hätie das nicht gemeint, ſo ſind doch die 10 Gebote nicht Noſis Werk geweſen, ſondern Gottes, und alſo bleibt der Angriff an Gottes Werk haften. Das allein geben wir zu: Böſes thun mit der Ueberzeugung, daß es bö ſe iſt, iſt größere Sünde. Aber Böſes thun in der Ue⸗ berzeugung, daß es gut ſei, oder nur zuläſſig, iſt e benſo⸗ wohl Sünde. Wenn aber Jemand für gut oderlzul äſſig halten kann, mit den heil. 10 Geboten ſo umzugehen, wit der Vf. umgegangen , wofür muß er Moſen halten und wofür die heil. Schrift ? *) Könnte zu einer ſolchen Einwendung wohl die merkwürdig nalve Etelle Anlaß gegeben haben, wo der Vf. ſagt: „Ehe Moſes ſtarb ſchrieb er ſeine Geſetze nieder. Rel. Geſch. S. 107.0 trt) Die Schriftgelehrten im A. T. haben auch nicht ge⸗ miint, daz in den klein ſten Geboten —welche ſind aber ſo klein anzuſehen, als die zehn Gebote 2—alles Nöthige doch ſchon mhalten ſei. Darum haben ſie ihre Aufſätze gemacht, durch welche die Gebote, ihrer Meinung nach, ſollten vollſtändiger gtmacht werden, in Wahrhtit aber nur geſchwächt und auf⸗ gelöſ't wurden. Darum ſetzt ihnen der Herr Chriſtus eine audere Auslegung entgegen, wenn er in der Bergpredigt zu wiederholten Malen ſagt: „Ihr wißt, daß zu den Alten ge⸗ fagt iſt—ich aber ſage euch!'' Damit verwirft er nicht etwa ie durch Moſen gegebenen 10 Gebote, als wären ſie nicht zhackmäßig ausgedrückt, ſondern die ſchon von Alters her ein⸗ zeſchlichene oberflächliche Erklärung: und zeigt an einigen Beiſpielen, wie ganz anders die 10 Gebote ausgelegt verden ſollten. AIn welche Fußtapfen nun tritt der Vf. des Hannöv. Ka⸗ ftechismus? (Für den Lutheraner.) Die Auswanderung der wangeliſch lutheriſchen Salzburger in den Jahren 1731, 32 und '33. — — (Fortſetzung.) Der Winter ſchwand dahin, die Brünnlein muollen wieder luſtig in die grünenden Gründe. die Lerchen flatterten gegen den blauen Himmel und ſangen ſo fröhlich, wie ſonſt, als die da nichts wußten von dem Jammer, der unter ihnen lag. Jetzt durften auch die Angeſeſſeinen an den Aufbruch denken. Dieſe, früher die Wohlhabenden, waren nun auch meiſtentheils Arme geworden. Die Sol⸗ daten, welche in ihren Häuſern lagen, hatten ſie immer mehr ausgeſaugt. — —9—— — ——— — —. —.—. —— 3. 2 de hatten die Pfleger bei Zeiten abgeſchätt, aber es dabei bloß auf große Sporteln abgeſehen. Und was half die Abſchätzung? Da kein Lu⸗ theriſcher über ſein Pfleggericht hinaus durfte, um ſich nach einem Käufer umzuſehen, da auch die Katholiſchen dachten, wenn Alles fort ſei, könnten ſie die leeren Güter wohl umſonſt be⸗ kommen, mußten die Auswanderer das Ihre um einen Spottpreis hergeben oder gänzlich her⸗ renlos zurücklaſſen. Und zuletzt wurden noch unter allen möglichen Namen Abgaben von ih⸗ nen erpreßt. Das war überhaupt die Zeit, wo der Miniſter Röll und ſeine Leute Aernte hiel⸗ [ten, — ärnteten wo ſie nicht geſäet hatten, es müßten denn ihre böſen Anſchläge und ſchänd⸗ lichen Maaßregeln die Saat genannt werden. Der erſte Mai erſchien und in acht Tagen, ſo ward ihnen angekündigt, ſollten die Angeſeſſenen abziehen. Da vereinigten ſich Viele noch ein⸗ mal, wie in den ſchönern Jahren, das Maienfeſt auf der Alme zu feiern. Sie trieben auf, un⸗ term Klange der Schalmeien, die Rinder ſchön geſchmückt mit grünen Kränzen und angethan mit helltönenden Glocken von Jung und Alt im muntern Kreis umringt. Oben auf der Alme ſangen ſie noch einmal ihre lieblichen Grüße an den Frühling, erquickten ſich an den reinen friſchen Berglüften, ſchauten hinab in die tiefen, mannichfaltigen, immer traulichen Thäler, ſchau⸗ ten hinauf zu den unvergänglichen Silberkronen in der Höhe. Die Erinnerung der ſchönen Ver⸗ gangenheit wurde ſo lebendig, daß ſie die traurige Gegenwart vergaßen. In fröhlichen Geſprächen, in heiteren Spielen, in der alten ſüßgewohnten Alpenweiſe verlebten ſie dieſen erſten Maientag. Als aber die Schneeberge röthlich zu ſchimmern begannen und an die Rückkehr mahnten, da faßte unausſprechlicher Schmerz ihre Herzen. Laut jammernd fielen ſie ſich um den Hals und ver⸗ goßen heiße Thränen. das letzte Alpengebet. Ihren treuen Thieren, zu welchen ſie keine Käufer mehr gefunden hatten, gaben fie die Freiheit, und hörten lange noch das wohlbekannte Geläute, als ſie in die Thäler herabzogen, die ſchon von den Schatten der Nacht bedeckt waren. Die acht Tage eilten ſchnell vorüber. Einige hatten ſich Wägen gebaut, und beluden ſie nun mit den übrig gebliebenen Habſeligkeiten, Andere trugen all das Ihre mit ſich. Zügevon Fünfhundert, Tauſend und Zweitauſend bewegten nach Salzburg hin. Die rohen Sol⸗ daten waren wiederum ſehr geſchäftig dabei; ſie trieben Tag und Nacht ohne Raſt fort, und riſ⸗ ſen auch oft die Familien aus einander, daß ſich manche Angehörigen erſt in fern en Landen wieder zuſammenfanden. Die Alten, Kränklichen und Schwangern konnten nicht ſo ſchnell mit fort⸗ ſchreiten; ſo mußten Manche ihr Gepäck noch von den Wägen werfen, um für dieſe varauf Platz zu machen. Noch eine einzelne Geſchichte will ich hier von Rupert Ae⸗ der Auswanderung erzählen. Ihre liegenden Grün⸗ ſteck, ein wenigſtens äußerlich noch katholiſcher — 0½½ Mann in der Werfner Pflege, ſtand mit ſeinem Mann oorüber war, ward es ihm auf einmal ſo üſen! Brüder und Schweſtern ſo großes Wehe verur⸗ Dann fielen ſie auf ihre ſacht hat. Kniee nieder und beteten aus weinender Seele ſich geheuer große Ausgaben erfordert; ſo wurde verlaſſenen Häuſer und Güter in Beſitz zu neh⸗ ſchwangern Weibe und ſeinen drei Kindern unter der Hausthüre, als eben eine Schaar Lutheriſcher vorüberwallte. Da empfand er einen innerlichen Drang, ſich ihnen anzuſchließen. Aber ſeine Frau hielt ihn mit Thränen zurück, weil ſie und die Kleinen ſo eine Reiſe nicht aushalten wür⸗ den. Er gab ſich zufrieden; doch als der letzte weh im Herzen, da ſuchte er ſeine lieben Kinder, ſich unter ihnen wieder zu erheitern. Aber ſiehe, die Kleinen hatten einige Kleidungsſtücke und Vrotkrummen zuſammengerafft und waren dem Zuge nachgegangen. Das brach dem Vater das Herz und er ſprach: „Liebes Weib, wir wollen mit.“ „„Ja,““ ſchluchzte ſie, „„wohin du willſt, in Gottes Na⸗ men.““ So ließen ſie Haus und Hof dahin⸗ ten und eilten den Kleinen nach. Ach: wie oft iſt ſchon der Kinder unbewußtes Thun ein aus⸗ geſtreckter Finger Gottes für die Eltern gewe⸗ Die Schaaren wurden ſtärker, je mehr ſie ſich der Reſidenz näherten; dieſe wurve von Wan⸗ derern durchſtrömt. Jetzt hörte man ſchon we⸗ niger Schimpf und Spott, aber man ſah deſto mehr wundernde und ſtaunende Geſichter. Ja, die Flamme der Begeiſterung ergriff auch den Sitz des Erzbiſchofs. Hunderte der Stadtbewohner, darunter ſelbſt mehrere biſchöfliche Beamte und ganze Glie⸗ der der Leibwachen traten in die Reihen ver Lutheriſchen. Und ſogar acht Prieſter ſielen von der römiſchen Kirche ab und entflohen. Dies Letztere hat der himmliſche Herzenslenker wohl auch darum ſo gefügt, damit das bittere Gefühl unſerer Herzen ein wenig gemildert wür⸗ de über einen Stand, der Tauſenden unſerer Noch ſehen wir aber mit heiliger Freude hier im Kleinern, was wir in den erſten Zeiten des Chriſtenthums im Größeren ſahen, die wunder⸗ bare Kraft, welche von dem verklärten Antlitz der Märtyrer des Evangeliums wehet. Eine ſo große Entvölkerung ſeines Landes hatte der Erzbiſchof doch nicht vermuthet, immer dachte er, wenn es drauf und dran käme, würden die Mehreſten ſich eines andern beſinnen, und im Schooße ihres Beſitzthums und der alten Kirche zurückbleiben. Jetzt ſah er ſich völlig getäuſcht, und er fühlte gar bald die übeln Fol⸗ gen, die ſeine Thorheit ihm ſelber brachte. Dit Steuern fielen natürlich geringer aus, und die Unterhaltung der kaiſerlichen Truppen batte un⸗ ſeine Schatzkammer täglich magerer. Da hat der Mismuth ſeine finſtere Stirne uoch finſterer gemacht. Er wollte zwar den Schaden ſogleich wieder heilen, und erließ an die benachbarten Länder Einladungen an Alle, welche Luſt hatten, die men. Sie waren auch bald wieder beſetzt; aber es war liederliches Geſindel, das ſich im Salz⸗ burgiſchen ein herrliches Freudenleben verſprocht