Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 12 › Seite 94

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-31, Seite 94

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Chriſtenverfolgung 2

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zu nennen, man erkläre dadurch Luther ſelbſt
für einen Gottesläſterer; wogegen der Vortra⸗
gende das Wort: „faktiſche“ Gottesläſterung
urgirte. Man entgegnete: obwohl die Getauf⸗
ten, welche ſich katholiſche Kirche nennen,
chriſtliche Elemente unter ſich hätten, ſo wären
ſie doch als Verſammelte nur um des Wider⸗
ſpruchs willen gegen das Wort der Wahrheit
nicht als chriſtliche Kirche anzuerkennen; denn
es ſtehe geſchrieben Pſ. 26, 5: „Ich haſſe die
Verſammlung der Boshaftigen.“ Sup. Münch⸗
meyer ergänzte hierauf ſeinen Vortrag noch
durch mehrere Zeugniſſe rechtgläubiger Theolo—
gen, die für ſeine erſte Theſis ſprächen, als
Chemnitz, Gerhard, Hollaz, Löhe. Die
Diskuſſion wendete ſich hierauf hauptſächlich
auf den Begriff der Kirche und ging nach zwei
Seiten hin auseinander. Ein Theil, darunter
Paſt. Beſſer, Grabau u. glaubten, der
Begriff der Kirche könne auf die kathol. Kirche
eigentlich gar nicht angewendet werden; ein
anderer, D. Kahnis, D. Philippi, D.
Lindner u. A., verneinten dieſes mit dem
Vortra genden. Von letzterer Seite bemerkte
man: daß Elemente der Wahrheit in der
kathol. Kirche ſeien, könne Riemand leugnen.
Luther ſelbſt habe erklärt, daß die Taufe in der
kathol. Kirche rein erhalten worden ſei. Des—
halb, weil eine Kirche Elemente der Unwahrheit
in ſich aufgenommen, höre ſie nicht auf eine
Kirche zu ſein. Man müſſe Kirche in doppeltem
Sinne des Wortes unterſcheiden, zuerſt im
allgemeinen, wie im N. Teſt., als die Geſammt⸗
heit derer, die an Chriſtuun glauben, — die
luther. Kirche ſei aber nicht die Geſammtheit
derer, die an Chriſtum glauben, man könne
ſie nicht die Kirche nennen, ebenſo wenig als man
ſie den Leib Chriſti nennen könne — dann aber
auch im Sinne einer organiſirten Gemeinſchaft,
Sonderkirche, da könne man der kathol. Kirche
vieſen Namen nicht ſtreitig machen. Zweitens
durch das Zugeben, es könnten in der römiſchen
Kirche wahre Chriſten ſein, werde auch zugege⸗
ben, daß ſie eine Kirche ſei. In Beziehung
auf Luthers Aeußerungen über die röm. Kirche
wurde bemerkt, daß dieſelben ſchon deshalb
nicht nachzuahmen ſeien, weil jetzt die Zeit und
die Verhältniſſe anders ſeien, als damals.
Man ſchlug vor, zur erſten Theſis des Sup.
Münchmeyer zurückzukehren und darüber
abzuſtimien, ob dieſelbe angenommen werden
ſolle oder nicht. Da ſich aber auf dieſe Ari
vorausſichilich die Konferenz in zwei Theile
geſpalten haben würde, ſo enthielt man ſich auf
Antrag des Paſtor Beſſer der Abſtimmung
uud beſchloß, die Debatte Tags darauf weiter
fortzuſetzen und mitlerweile über dieſen Gegen⸗
ſtaud mit ſich ſelbſt vor dem Herrn zu Rathe zu
gehen. Dies fand um ſo mehr Beifall, da die
Zeit verfloſſen und es anfing dunkel zu werden.
Vor dem Schluſſe der Konferenz wurde aber
noch des nen hinzugekommenen, ſchon oben er⸗
wähnten Gegenſtandes der Beſprechung gedacht.
Gleich bei dem Eintreten in die Aula waren
nämlich den Konferenzmitgliedern auch gedruckte
Theſen oder Fraͤgen mitgetheilt worden, unter⸗

der Verſammlung noch zwei Fetiſche,
mitgebracht, Stücke leichten Holzes mit einigen

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ſchrieben von den beiden hier anweſenden
amerikaniſchen Pfarrern Grabau und v. Rohr
als Abgeordneten der deutſchen lutheriſchen
Synode von Buffalo. Man beſchloß, dieſe
Fragen Tags darauf zu beantworten, Abends
aber noch eine Art Vorkonferenz zu halten, an
welcher jedoch nur ſolche Glieder Antheil nehmen
ſollten, welche in diefer Sache ſchon einigerma—
ßen orientirt ſeien. Mit einem Gebet, welches
Paſtor Beſſer hielt, wurde nun geſchloſſen.

Abeuds gegen 8 Uhr war wieder eine ſehr
zahlreiche Zuſammenkunft im Hotel de Pruſſe.
Während hier in einem beſond ern Lokale die
gedachte Vorkonferenz über die amerikaniſchen
Verhältniſſe gehalten wurde, leitete Paſtor
Ahlfeld wiederum die geſtern abgebrochene
Beſprechung über die Miſſion. Nach dem
Geſange des Liedes: „O Jeſu Chriſte wahres
Licht .“ betete derſelbe und forderte dann den

zweiten Miſſionar Meiſchel auf, Mitthei⸗

lungen über ſeine Erfahrungen auf dem
Miſſionsfelde zu machen. Dies that derſelbe
auf eine entſprechende Weiſe. Er erzählte, daß
er in Baſel gebildet worden ſei und von dort
aus an die Goldküſte unter die Aſchantis abge—
ordnet worden ſei. Er beſchrieb nun ſeine

Ankunft daſelbſt und wie er mit großer Zuvor—
kommenheit

und Ehrerbietung von einem
Stamme und dem Könige deſſelben aufgenom—

men worden ſei, ja wie ſie nicht nur erklärt

hätten, daß ſie ihn gern unter ſich wohnen laſſen

wollten, ſondern auch geſagt: ſie wollten ſeine

Diener, ſeine Sklaven ſein, er ſollte ihr Herr
ſein; wie er ferner unter ihuen ſich ein Haus
erbaut habe und den Gottesdienſt begonnen, der

zwar ſehr zahlreich beſucht worden ſei, für deſſen

Beiwohnung ſie aber auch am Schluſſe eine

Vergütung oder Bezahlung verlangt hätten.
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Als dieſes natürlich nicht geſchah, überhaupt
ihre Erwartungen auf Geſchenke ꝛc. ꝛc. nicht in
Crfüllung gingen, verminderte ſich die Theilnaͤh—

me am Gottesdienſte und auch die frühere

Zuvorkommenheit und Freundlichkeit, und als

er ihren heidniſchen Greueln, ihrer Grauſamkeit
gegen ihre Mitmenſchen entgegentreten wollte,

entſtand ein förmlicher Aufruhr gegen ihn, und

er konnte ſich aus dieſer Gefahr nur durch ganz

entſchiedenes, energiſches Entgegentreten retten,

welches auch die Folge hatte, daß man wieder
Reſpekt vor ihm bekam und daß er dann ſpäter
auch noch einige Früchte ſeiner Wirkſamkeit

unter ihnen erblickte. Zum Schluſſe zeigte er

die er

Zierrathen. Das eine unter ihnen war mit
einem Schweif von Haaren verſehen und ſtellte
bei ihnen eine Art Kupido vor, indem diejenigen
Jungfrauen unter den Negern, welche einen
Mann begehren, daſſelbe hinten auf dem Rücken
befeſtigen, damit hieraus Jedermann ſogleich
ihr Verlangen erkennen könne. Als ſo die Zeit
wiederum höchſt angenehm verfloſſen war, hielt
Paſtor Ahlfeld noch eine erweckliche Anſprache
an die Verſammlung und ſchloß wie gewöhnlich
mit Geſang und Gebet.

Am 1. Septbr. begann die Verſammlung

wiederum in der Aula nach 8 Uhr mit Gebet
des Paſtor Grabau. Der Präſes, D.
Philippi, eröffnete die Diskuſſion damit,
daß er den Vorſchlag machte, Münchmeher
möchte ſeine Theſen zurückziehen, die Verſamm⸗
lung aber zu Protokoll erklären, daß ſie in dem
Vortrage des Sup. M. einen dankenswerthen
Beitrag zur Beantwortung der die Zeit tief
bewegenden römiſchen Frage erblicke, zugleich
mit dem Hinzufügen, daß ſie die Stellung der
Bekenntnißſchriften unſerer Kirche gegenüber
dem Papſtthume für wohlbegründet erachte und
daß dieſelbe in dem Maße, als die römiſche
Kirche aggreſſiv vorſchreite, wiederum würdt
geltend zu machen ſein.
gegen den Inhalt dieſer Propoſition ſprechend,

proponirte folgende Theſe: „Indem wir mit

dem Bekenniniſſe unſerer Kirche lehren, daß das
Papſtthum antichriſtlich ſei, machen wir uns
doch ebenſo wenig als unſere Väter einen
Zweifel darüber, daß durch die heil. Gnaden⸗
mittel, deren kräftiges Licht auch die papiſtiſcht
Finſterniß nicht hat auslöſchen können, dort
Kinder Gottes geboren werden zur Seligkeit.“
In der Diskuſſion zeigte ſich wieder die ſchon
galern offenbar gewordene verſchiedene Auffaſ⸗
ſung der kathol. Kirche. D. Lindner jun.
machte bei aller Anerkennung antichriſtiſcher
Irrthümer in der römiſchen Kirche doch geltend,
daß eine Kirche, welche auf dem Bekenntniſſe
der alt- katholiſchen Kirche ſteht, das Wort
Gottes noch hege und die Tanfe unverletzt,
Anſpruch habe auf den Ramen Kirche. Dage⸗
gen behauptete Paſtor Weicker und Beſſer,
Kirche ſei nur die lutheriſche Kirche.
erklärte jedoch, daß unſere Kirche nicht ſelig
mache, ſondern Chriſtus, daß auch außerhalb
der lutheriſchen Gemeinſchaft wahre Glieder
vom Leibe Chriſti ſich ſinden. D. Kahnis
ſchlägt vor, die Frage über den Begriff der
Kirche im künftigen Jahre zu erörtern, jetzt
aber in der vom D. Philippi bezeichneten
Weiſe zum Vortrage des Super. Münchmev⸗
er ſich zu bekennen. Damit ſich aber Niemand
präjudicire, hielt man es für angemeſſen, über
Paſter Beſſers Propoſition zuerſt abzuſtim⸗
men und dieſelbe dann, wenn ſie angenommen
würde, der Theſe des D. Philippi als ein
novum hinzuzufügen. Dies fand Beifall und
ſo ſchritt man nun zuerſt zur Abſtimmung über
die Theſis des Paſt. Beſſer.
mit entſchiedener Majorität angenommen.
Nun kam es zur Abſtimmung über die Propo⸗
ſition des D. Philippi. Man ſchlug hier
nur geringe Modifikationen in der Faſſung
vor; ſtatt „in dem Maße u.“ die Worte: „wel⸗
che Stellung fort und fort wird aufrecht zu
halten ſein, ſo lange die röm. Kirche bei ihrem
bisherigen Weſen beharrt.“ So gefaßt nahm
man dieſe Theſis zugleich mit der Theſis des
Paſtor Beſſer als der zweiten Theſis an und
gab dieſes nochmals durch allgemeine Erhebung
zu erkennen. Es herrſchte in der Verſammlung
eine allgemeine Befriedigung und Frende über
die nach manchem Widerſpruch doch noch erzielie
und erreichte Uebereinſtimmung, und der Prof.

Der letztere

Dieſelbe wurde

Paſtor Beſſer, nicht

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