Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 12 › Seite 96

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-31, Seite 96

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Sup. Münchmeyer wurde nun noch vorge⸗
bracht, daß mehrere Hannoveraner, die Bedenken
getragen, ſich dem Guſtav-Adolph-Vereine an⸗
zuſchließen, aber die Gewiſſenspflicht gefühlt
hätten, etwas für die bedrängten lutheriſchen
Brüder in der Diaſpora zu thun, auf den Ge⸗
danken gekommen wären, gleichſam einen Got⸗
teskaſten für dieſelben zu errichten. Man fand
dieſen Plan für recht beachtenswerth und Prof.
D. Kahnis übernahm es auch, hierüber den
Mitgliedern des Konferenz-Ausſchuſſes Mitthei—
lung zu machen. Mittlerweile wurde aber un—
erwarteter Weiſe von dem D. Marbach und
Paſtor Engel noch ein ſchriftlicher Proteſt ge—
gen die vorhergehenden Beſchlüſſe der Konferenz
rückſichtlich der drei von den amerikaniſchen Pre—
digern vorgelegten und beantworteten Fragen
eingereicht, weil man über eine Streitſache ent—
ſchieden habe ohne Anhörung des andern Thei—
les. Man nahm dieſen Proteſt wohl zu Proto⸗
koll, konnte ſich aber nicht von der Statthaftig—
keit deſſelben überzeugen, indem ja ausdrücklich
erklärt worden war, man beantworte die vorge⸗
legten Fragen bloß in abstracto, ohne auf die
zwiſchen den beiden Synoden obwaltenden Strei⸗
tigkeiten ſelbſt einzugehen und dieſelben irgend⸗
wie entſcheiden zu wollen.

So endigte denn die Koͤnferenz gegen 1 Uhr.
Es wurde noch der Vers angeſtimmt: „Mit
unſrer Macht iſt nichts gethan, ꝛc. ꝛc., worauf
der Profeſſor P. Kahnis mit einem ungemein
kräftigen Gebete ſchloß.

Die Kirche in Bayern.

Vom 2. Oktbr. vorigen Jahres an war
wieder die bayerſche General-Synode verſam⸗
melt, und zwar im Sitzungsſaale des königl.
Schloſſes zu Bayreuth. Als Dirigent der
Synode war dabei der Oberconſiſtorialpräſident
Dr. Harleß gegenwärtig und thätig. Die
Abgeordneten der Reformirten diesſeit des
Rheins, welche vormals daran Theil nahmen,
waͤren diesmal davon ausgeſchloſſen. Der Herr
Präſident ſprach es daher mit Freuden aus, daß
die heurige Synode die erſte ungetheilt evange—
liſch lutheriſchen Bekenntniſſes, und ſetzte hinzu:
„Gott der Herr gebe ſeinen Segen, daß wir uns
erweiſen als ächte Söhne der Neformation, nicht
in todter, äußerer Nachahmung, ſondern im
Geiſt und in der Wahrheit!“

Aus dem Bericht, welchen das Nördlinger
„Sonntagsblatt“, redigirt von Hrn. Pfarrer
Müller in Immeldorf bei Ansbach, von den
Verhandlungen gibt, heben wir nun folgendes
aus:

Dann hat er, der Präſident, angefangen von
der Gottesdienſtordnung, mit deren
nothwendiger Verbeſſerung man ſchon ſeit 30
Jahren umgehe; wie es aber wohl vor Gott
weislich alſo gefügt ſei, daß mit allen bisherigen
Verſuchen und Entwürfen kein Ernſt geworden
ſei, weil alle, die hier Hand anlegen ſollten,
erſt ſelbſt hätten mit jedem Jahr mehr lernen
müſſen und lernen können, wenn ſie wollten;
ſo ſollte denn auch die Generalſynode hinter den

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Fortſchritten, die man in der Erkenntniß dieſer
Sache gemacht habe, nicht zurückbleiben, und
ſollte doch ja Jeder bedenken, daß er dabei auf
nichts andres Rückſicht zu nehmen habe, als
auf das Wohl der Kirche, und darum bitte er
um Zweierlei ernſtlich: einmal, daß ſie in keiner
Weiſe allzu ſchnell bereit zeigen möchten, etwas
gut zu heißen, was ſpäter als unhaltbar er—
kaunt werden könnte, und dann, daß ſie auch
nicht in unbedingter Ablehnung und Mißbilli⸗
gung einen Beſchluß faſſen möchten, der abermals
das erſehnte Ziel in unabſehbare Ferne rücke
und: „Der Herr der Kirche ſelbſt wolle die
Herzen lenken!“ ſo ſchloß er.

Nach dieſer Anrede ſind die Abgeordneten,
einer nach dem andern zu dem Herrn Präſidenten
hingegangen und haben ihm in die Hand ge—
lobt, „daß ſie das Wohl der evan⸗
geliſch-lutheriſchen Kirche auf
Grund des vbeſtehenden Bekennt⸗

niſſes gewiſſenhaft befördern
wollten.“ Darauf iſt man in die Kirche
gezogen. Die Altarliturgie wurde nach der

neuen Gottesdienſtordnung gehalten und Prä⸗
ſident D. Harleß ſelbſt hielt die Predigt über
Matth. 6, 35 — 38, weil grade Aerntefeſt war.
Da ging er von der leiblichen Aernte auf die
geiſtliche, von den irdiſchen Aeckern und S äe—
leuten auf die himmliſchen über und kam ſo auf
die Frage: Wann Chriſti Diener ihr
Werkals wahre Nachfolger Chriſti
treiben? Die beantwortete er alſo:
„Dann, wenn ſie erkennen l)worin
ihre weſentliche Aufgabe beſtehe
(nehmlich im Heilen von allerlei Seuchen und
Krankheiten mittelſt des Wortes) 2 an wem
dieſelbe zu üben ſei lnehmlich an dem
bejammernswerthen Bolke, an den zer ſtreuten
und verſchmachteten Schafen, an den eignen
und fremden Seelen! 3) Welche Verhei⸗
sung ſie habe, dieſe Aufgabe Udie Ver⸗—
heißung nehmlich: DieAernte iſt groß, weswegen
man ſich durch den traurigen Anſchein nicht
entmuthigen laſſen dürfe!; und 4) wie dieſe
Verheißungergriffen werden müſſe
Unehmlich durch Treue im Beruf, als Arbeiter
in der Aernte, und dann durch das Gebet des
Glaubens J. Und da hat er zuletzt geſagt:
Wir können uns nicht tüchtig machen, der Herr
muß uns rüſten. Kein Menſch, keine Macht der
Erde, keine Gemeinde, keine Kirche kann die
rechten Arbeiter in Chriſti Reich machen: Gott
der Herr allein muß ſie geben. Was er aber
von uns erwartet, um ſeine Arbeiter zu geben
und zu ſenden, nur das bezeugt Chriſtus in dem
Worte: bittet den Herrn der Aernte! O ſo
betet, daß der HErr vor allem über uns, über
die Träger des Amts, über die ganze Gemeinde
und Kirche den Geiſt des Gebets ausgieße.
„Ja, laſſet im Namen Jeſu Chriſti uns jetzt
ſchon Herzen und Hände erheben und aus Grund
der Seele alſo beten;“ — darauf kam ein Gebet,
das vom Dank für das Brot zu leiblicher Speiſe
zur Bitte um rechtes Verlangen nach himmliſcher
Speiſe ſich erhob: von dem Herrn, der das
Brot des ewigen Lebens iſt, ſeine Gaben aus

der Höhe für die erflehte, denen Er befohlen,
das Lebensbrot zu reichen, und um Segen bat
für die Verſammlung, daß durch ihren Dienſt
der Acker des Herrn beſtellt und ſein Reich ge⸗
feſtigt und gemehrt werde. — Und wer ſein Bolk
und ſeine Kirche lieb hat, der ſpreche dazu:
Amen! Amen! Amen!

Gleich zu Anfang der zweiten Sitzung hatte
der Herr Präſident den Wunſch ausgeſprochen,
daß das Gebet zu Anfang jeder Sitzung doch
nicht wie kei voriger Synode von den einzelnen
Mitgliedern nach dem A. B. C. gehalten werde,
ſondern daß ſie ſich unter einander verſtändigen
möchten, daß ihrer 12 — 14 Mitglieder die
Gebete zu Anfang und Schluß der Sitzungen
hielten. Dieſer Wunſch brachte aber nun eine
weit ſchönere Frucht, als man erwarten mochte;
dann nach gehaltener Beſprechung wurde die
Synode eins, zu Anfang jeder Sitzung das
Lied: „Erhalt uns Herr bei deinem
Wort“, oder 3 Verſe von: „Ach bleib
mit deiner Gnade“ zu ſingen; ſodann
verließt Prof. Thomaſins immer einen
kurzen Bibelabſchnitt, der Form und Inhalt
eines Gebets an ſich trägt, worauf die Ver⸗
ſammlung das Vater Unſer zuſammen laut
betet. Am Schluß aber jeder Sitzung wird
geſungen: „Laß mich dein ſein und
bleiben“ und der Segen von dem Herrn
Präſidenten geſprochen.

Am 13. Oetbr. wurde die Geſangsbuchs⸗
ſache verhandelt. Folgendes ſind die Be—
ſchlüſſe: der Geſangbuchsentwurf, der ſeit der
vor igen Generalſynode herausgegeben worden,
ſoll angenommen werden, jedoch alſo, daß der
Eifenacher Geſangbuchsentwurf demſelben in
der Weiſe einver leibt werde, daß diejenigen
Lieder aus demſelben, die im bayriſchen Entwurf
noch fehlen, dieſem beigefügt, der Text durchweg
vom K. Oberconſiſtorium nochmals durchgeſehen
und verbeſſert und dabei zugleich etliche 40 Lie⸗
der mit beſſern vertauſcht, auch das Choralbuch
in Uebereinſtimmung mit dem ſo verbeſſerten
Geſangbuch gebracht werde. Dieſe Arb eiten
ſollen dergeſtalt beſchleunigt werden, daß das
neue Geſangbuch ſchon den Confirmaͤnden von
184 gegeben werden kann. Es ſollen zweierlei
Ausgaben, mit und ohne Noten veranſtaltet, ein
Anhang von Gebeten und von der vollſtändigen
Liturgie ſammt den 21 Artikeln der Augsburg⸗
iſchen Confeſſion und den 7 lctzten Artikeln
derſelben im Auszug beigegeben werden. Es
ſoll ſo wohlfeil als möglich gemacht und läng—
ſtens binnen 3 Jahren allgemein eingeführt
werden. Das Alles ward ohne Disputat
angenommen und die Sitz ung mit dem Geſang
„Nun danketalle Gott“ beſchloſſen.

Freitags den 14. October wurde in der nenn⸗
ten Sitzung die Ordnung und Form
des Hauptgottesdienſtes zur Bere⸗
thung gebracht. Ueber ihre Nothwensigkeit, ih⸗
ren Inhalt, Zuſammenhang u. hat Prof. Tho⸗
maſius der Generalſynode in einem klaren
und eingehenden Vortrage Nachweis geliefert,
und Pf. Kraußold von Fürth hat dann die
Ein⸗ und Ausführbarkeit derſelben in liturgi⸗

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