# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 31_S94 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) zu nennen, man erkläre dadurch Luther ſelbſt für einen Gottesläſterer; wogegen der Vortra⸗ gende das Wort: „faktiſche“ Gottesläſterung urgirte. Man entgegnete: obwohl die Getauf⸗ ten, welche ſich katholiſche Kirche nennen, chriſtliche Elemente unter ſich hätten, ſo wären ſie doch als Verſammelte nur um des Wider⸗ ſpruchs willen gegen das Wort der Wahrheit nicht als chriſtliche Kirche anzuerkennen; denn es ſtehe geſchrieben Pſ. 26, 5: „Ich haſſe die Verſammlung der Boshaftigen.“ Sup. Münch⸗ meyer ergänzte hierauf ſeinen Vortrag noch durch mehrere Zeugniſſe rechtgläubiger Theolo— gen, die für ſeine erſte Theſis ſprächen, als Chemnitz, Gerhard, Hollaz, Löhe. Die Diskuſſion wendete ſich hierauf hauptſächlich auf den Begriff der Kirche und ging nach zwei Seiten hin auseinander. Ein Theil, darunter Paſt. Beſſer, Grabau u. glaubten, der Begriff der Kirche könne auf die kathol. Kirche eigentlich gar nicht angewendet werden; ein anderer, D. Kahnis, D. Philippi, D. Lindner u. A., verneinten dieſes mit dem Vortra genden. Von letzterer Seite bemerkte man: daß Elemente der Wahrheit in der kathol. Kirche ſeien, könne Riemand leugnen. Luther ſelbſt habe erklärt, daß die Taufe in der kathol. Kirche rein erhalten worden ſei. Des— halb, weil eine Kirche Elemente der Unwahrheit in ſich aufgenommen, höre ſie nicht auf eine Kirche zu ſein. Man müſſe Kirche in doppeltem Sinne des Wortes unterſcheiden, zuerſt im allgemeinen, wie im N. Teſt., als die Geſammt⸗ heit derer, die an Chriſtuun glauben, — die luther. Kirche ſei aber nicht die Geſammtheit derer, die an Chriſtum glauben, man könne ſie nicht die Kirche nennen, ebenſo wenig als man ſie den Leib Chriſti nennen könne — dann aber auch im Sinne einer organiſirten Gemeinſchaft, Sonderkirche, da könne man der kathol. Kirche vieſen Namen nicht ſtreitig machen. Zweitens durch das Zugeben, es könnten in der römiſchen Kirche wahre Chriſten ſein, werde auch zugege⸗ ben, daß ſie eine Kirche ſei. In Beziehung auf Luthers Aeußerungen über die röm. Kirche wurde bemerkt, daß dieſelben ſchon deshalb nicht nachzuahmen ſeien, weil jetzt die Zeit und die Verhältniſſe anders ſeien, als damals. Man ſchlug vor, zur erſten Theſis des Sup. Münchmeyer zurückzukehren und darüber abzuſtimien, ob dieſelbe angenommen werden ſolle oder nicht. Da ſich aber auf dieſe Ari vorausſichilich die Konferenz in zwei Theile geſpalten haben würde, ſo enthielt man ſich auf Antrag des Paſtor Beſſer der Abſtimmung uud beſchloß, die Debatte Tags darauf weiter fortzuſetzen und mitlerweile über dieſen Gegen⸗ ſtaud mit ſich ſelbſt vor dem Herrn zu Rathe zu gehen. Dies fand um ſo mehr Beifall, da die Zeit verfloſſen und es anfing dunkel zu werden. Vor dem Schluſſe der Konferenz wurde aber noch des nen hinzugekommenen, ſchon oben er⸗ wähnten Gegenſtandes der Beſprechung gedacht. Gleich bei dem Eintreten in die Aula waren nämlich den Konferenzmitgliedern auch gedruckte Theſen oder Fraͤgen mitgetheilt worden, unter⸗ der Verſammlung noch zwei Fetiſche, mitgebracht, Stücke leichten Holzes mit einigen —92— ſchrieben von den beiden hier anweſenden amerikaniſchen Pfarrern Grabau und v. Rohr als Abgeordneten der deutſchen lutheriſchen Synode von Buffalo. Man beſchloß, dieſe Fragen Tags darauf zu beantworten, Abends aber noch eine Art Vorkonferenz zu halten, an welcher jedoch nur ſolche Glieder Antheil nehmen ſollten, welche in diefer Sache ſchon einigerma— ßen orientirt ſeien. Mit einem Gebet, welches Paſtor Beſſer hielt, wurde nun geſchloſſen. Abeuds gegen 8 Uhr war wieder eine ſehr zahlreiche Zuſammenkunft im Hotel de Pruſſe. Während hier in einem beſond ern Lokale die gedachte Vorkonferenz über die amerikaniſchen Verhältniſſe gehalten wurde, leitete Paſtor Ahlfeld wiederum die geſtern abgebrochene Beſprechung über die Miſſion. Nach dem Geſange des Liedes: „O Jeſu Chriſte wahres Licht .“ betete derſelbe und forderte dann den zweiten Miſſionar Meiſchel auf, Mitthei⸗ lungen über ſeine Erfahrungen auf dem Miſſionsfelde zu machen. Dies that derſelbe auf eine entſprechende Weiſe. Er erzählte, daß er in Baſel gebildet worden ſei und von dort aus an die Goldküſte unter die Aſchantis abge— ordnet worden ſei. Er beſchrieb nun ſeine Ankunft daſelbſt und wie er mit großer Zuvor— kommenheit und Ehrerbietung von einem Stamme und dem Könige deſſelben aufgenom— men worden ſei, ja wie ſie nicht nur erklärt hätten, daß ſie ihn gern unter ſich wohnen laſſen wollten, ſondern auch geſagt: ſie wollten ſeine Diener, ſeine Sklaven ſein, er ſollte ihr Herr ſein; wie er ferner unter ihuen ſich ein Haus erbaut habe und den Gottesdienſt begonnen, der zwar ſehr zahlreich beſucht worden ſei, für deſſen Beiwohnung ſie aber auch am Schluſſe eine Vergütung oder Bezahlung verlangt hätten. 8 Als dieſes natürlich nicht geſchah, überhaupt ihre Erwartungen auf Geſchenke ꝛc. ꝛc. nicht in Crfüllung gingen, verminderte ſich die Theilnaͤh— me am Gottesdienſte und auch die frühere Zuvorkommenheit und Freundlichkeit, und als er ihren heidniſchen Greueln, ihrer Grauſamkeit gegen ihre Mitmenſchen entgegentreten wollte, entſtand ein förmlicher Aufruhr gegen ihn, und er konnte ſich aus dieſer Gefahr nur durch ganz entſchiedenes, energiſches Entgegentreten retten, welches auch die Folge hatte, daß man wieder Reſpekt vor ihm bekam und daß er dann ſpäter auch noch einige Früchte ſeiner Wirkſamkeit unter ihnen erblickte. Zum Schluſſe zeigte er die er Zierrathen. Das eine unter ihnen war mit einem Schweif von Haaren verſehen und ſtellte bei ihnen eine Art Kupido vor, indem diejenigen Jungfrauen unter den Negern, welche einen Mann begehren, daſſelbe hinten auf dem Rücken befeſtigen, damit hieraus Jedermann ſogleich ihr Verlangen erkennen könne. Als ſo die Zeit wiederum höchſt angenehm verfloſſen war, hielt Paſtor Ahlfeld noch eine erweckliche Anſprache an die Verſammlung und ſchloß wie gewöhnlich mit Geſang und Gebet. Am 1. Septbr. begann die Verſammlung wiederum in der Aula nach 8 Uhr mit Gebet des Paſtor Grabau. Der Präſes, D. Philippi, eröffnete die Diskuſſion damit, daß er den Vorſchlag machte, Münchmeher möchte ſeine Theſen zurückziehen, die Verſamm⸗ lung aber zu Protokoll erklären, daß ſie in dem Vortrage des Sup. M. einen dankenswerthen Beitrag zur Beantwortung der die Zeit tief bewegenden römiſchen Frage erblicke, zugleich mit dem Hinzufügen, daß ſie die Stellung der Bekenntnißſchriften unſerer Kirche gegenüber dem Papſtthume für wohlbegründet erachte und daß dieſelbe in dem Maße, als die römiſche Kirche aggreſſiv vorſchreite, wiederum würdt geltend zu machen ſein. gegen den Inhalt dieſer Propoſition ſprechend, proponirte folgende Theſe: „Indem wir mit dem Bekenniniſſe unſerer Kirche lehren, daß das Papſtthum antichriſtlich ſei, machen wir uns doch ebenſo wenig als unſere Väter einen Zweifel darüber, daß durch die heil. Gnaden⸗ mittel, deren kräftiges Licht auch die papiſtiſcht Finſterniß nicht hat auslöſchen können, dort Kinder Gottes geboren werden zur Seligkeit.“ In der Diskuſſion zeigte ſich wieder die ſchon galern offenbar gewordene verſchiedene Auffaſ⸗ ſung der kathol. Kirche. D. Lindner jun. machte bei aller Anerkennung antichriſtiſcher Irrthümer in der römiſchen Kirche doch geltend, daß eine Kirche, welche auf dem Bekenntniſſe der alt- katholiſchen Kirche ſteht, das Wort Gottes noch hege und die Tanfe unverletzt, Anſpruch habe auf den Ramen Kirche. Dage⸗ gen behauptete Paſtor Weicker und Beſſer, Kirche ſei nur die lutheriſche Kirche. erklärte jedoch, daß unſere Kirche nicht ſelig mache, ſondern Chriſtus, daß auch außerhalb der lutheriſchen Gemeinſchaft wahre Glieder vom Leibe Chriſti ſich ſinden. D. Kahnis ſchlägt vor, die Frage über den Begriff der Kirche im künftigen Jahre zu erörtern, jetzt aber in der vom D. Philippi bezeichneten Weiſe zum Vortrage des Super. Münchmev⸗ er ſich zu bekennen. Damit ſich aber Niemand präjudicire, hielt man es für angemeſſen, über Paſter Beſſers Propoſition zuerſt abzuſtim⸗ men und dieſelbe dann, wenn ſie angenommen würde, der Theſe des D. Philippi als ein novum hinzuzufügen. Dies fand Beifall und ſo ſchritt man nun zuerſt zur Abſtimmung über die Theſis des Paſt. Beſſer. mit entſchiedener Majorität angenommen. Nun kam es zur Abſtimmung über die Propo⸗ ſition des D. Philippi. Man ſchlug hier nur geringe Modifikationen in der Faſſung vor; ſtatt „in dem Maße u.“ die Worte: „wel⸗ che Stellung fort und fort wird aufrecht zu halten ſein, ſo lange die röm. Kirche bei ihrem bisherigen Weſen beharrt.“ So gefaßt nahm man dieſe Theſis zugleich mit der Theſis des Paſtor Beſſer als der zweiten Theſis an und gab dieſes nochmals durch allgemeine Erhebung zu erkennen. Es herrſchte in der Verſammlung eine allgemeine Befriedigung und Frende über die nach manchem Widerſpruch doch noch erzielie und erreichte Uebereinſtimmung, und der Prof. Der letztere Dieſelbe wurde Paſtor Beſſer, nicht