Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-05, Seite 68
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jeſuiten 2
tes vom dritten Gebot entbindet, da einem Pa⸗
piſten das Meſſehören für den höchſten, herlich⸗
ſten und nothwen digſten Gottesdienſt gilt.
Toletus: „Wenn ein Menſch, vor Zorn,
und Leidenſchaft auf die Worte nicht Acht habend
die er vorbringt, eine Läſter ung ausgeſtoßen
hat, ſo iſt das keine Todſünde, es ſei denn daß
der Menſch gewohnt wäre zu läſtern.“ (Lib. 4.
instruoc. Sacerd. c. 13.)
Toletus': „Ein Sohn kann ſich mit einem
Weibe, wenn daſſelbe ſeiner würdig iſt, verhei⸗
rathen, wider ſeiner Eltern Willen, ohne töd⸗
lich zu ſündigen.“ (Laäb. V. Inst. sac. o. 1.)
E Bellarmin: „Der römiſche Papſt kann
vermöge ſeines Nechtes die weltlichen Fürſten
in den Bann thun, und zuweilen, wenn es ihm
ſo gut dünkt, ihrer Herrſchaft berauben.“ (Lib.
5. de Rom. Pont. o. 6.)
3 mmanuel a Saa, ein portugieſiſcher
Jeſuit, geſt. 1596, ſchreibt: „Die Rebellion ei⸗
ner geiſtlichen Perſon (Clericus) iſt kein Maje⸗
ſtätsverbrechen, weil er kein Unterthan des Rei⸗
ches iſt.“ (Aphorismi confessar. unter dem
Wort: Olericus.) „Ein König kann durch den
Staat der n errſchaft beraubt werden wegen
Tyrannei und wenn er ſeine Pflicht
nicht thut, und wenn eine gerechte
Urſache vorhanden i ſt, und es kann ein
anderer von der Majorität des Volkes gewählt
werden. Manche jedoch halten Tyrannei al⸗
lein für eine Urſache dazu.“ (L. c. unter dem
Wort: Princeps.) Hieraus ſieht man, wie leich
es dem Papſtihum werden wird, wenn die Re⸗
bellen immermehr in der Welt. zur Herrſchaft
kommen ſollten, mit ihnen zu fraterniſiren, ſo
den Verfolgungen der letzten Zeit zu entgehen
ja ſich mit jenen zur letzten Chriſtenverfolgung,
zu vereinigen.
Bellarmin,: Der geiſlicheStaat kann dem
ihm unterworfenen zeit'. Staat befehlen und den⸗
ſelben zur Aenderung ſeiner Verwaltung zwin⸗
gen, die Fürſten abſetzen und andere einſetzen,
:wenn er ſein geiſtliches Wohl auf andere Weiſe
nicht behaupten kann.“ (Lib. 5. de R. I. 6
I.) ö
F. Suarez, geb. zu Granada, geſt. zu
Liſſabon 1617, ſchreibt: „Es iſt ein Glaubens⸗
artikel daß der Papſt das Recht hat rebelliſche
oder ketzeriſche Könige abzuſetzen. Da nun ein
auf dieſe Weiſe abgeſetzter König kein geſetzmä⸗
ßiger Regent mehr ſein kann, wenn er ſich wei⸗
gert, ſih dem päpſtlichen Spruch zu unterwer⸗
fen, folglich ein Tyrann wird, ſo kann er als
ein ſolcher durch den erſten beſten getödtet werden.
(Defens. fidei cath. advers. anglicanae sectae
errores. Lib. 6. c. 4. n. 13. 14)
Bellarmin ſchreibt: „Den Chriſten iſt
nicht erlaubt, einen ungläubigen oder ketzeriſchen
König zu dulden, wenn er verſucht, die Unter⸗
thanen ſu ſeiner Ketzerei oder zu ſeinem Unglau—
ben zu ziehen. Gleiche Gefahr und Nachtheil
hat es, wenn man einen nicht chriſtlichen König
erwählt und einen uicht chriſtlichen nich t ab⸗
ſetzt. Daher ſind die Chriſten verbunden, ei⸗
nen nicht chriſtlichen König nicht über ſich zu lei⸗
den, wenn jener rag⸗ Voll vom GlaubetR.
wenden ſtecht und wenn die Uneerthanen mit
hinreichenden Kräften, in Obrigkeit abzuſetzen,
verſehen ſind.“ (Lib. 5. de pont. Roms c. 7.
rati. 3.) Schade, daß die erſten Chriſten dieſe
Moral noch nicht kannten, denn da hätten ſie
des blutigen Märtyrerthums leicht überhoben
ſein können. Aus ſolchen Ausſprüchenläßt ſich
auch wohl erklären, warum die amerikaniſchen
Jeſu iten bereits ſachte davon zu reden anfangen,
daß, wenn ſie hier zur Gewalt gekommen ſein
würden, es dann auch mit unſerer republikani⸗
ſchen und vor allem mit unſerer Religivusfrei-
heit zu Ende ſein werde. (Siehe Seite 47 des
gegenwärtigen Jahig. unſeres Blattes.)
Joh. Maria na, geſt. 1623 zu Toledo,
ſchreibt: „Wenn einer einen König, der nicht
der päpſtlichen Religion zugethan iſt, ermordet,
und leben kleibt, ſo wird er ſein Lebtage als ein
großer Held geehrt in der römiſchen Kirche;
wenn er aber wegen des Mordes getödtet wird,
ſo fällt er als ein Märtyrer und als ein ſolches
Opfer, das Gott und Menſchen angenehm iſt.“
(De Rege et Regis Institutione L. I. c. 7.)
Dieſe Schrift iſt freilich in Frankreich öffentlch
durch den Schinder verbrannt worden, aber micht
auf Anordnuug des Jefuitenordens ſon⸗
dern der weltlichen Obrigkeit. Mariana gube
auch in dieſem Buche Anleitung, wie allerlei
Gift zu bereiten und in die Kleider, Handſchu⸗
he, an die Degen, Sättel ꝛc. der auserſehenen
Opfer zu bringen und ſo der Mord heimlich und
unbemerkt zu bewerkſtelligen ſei.
So ſchreibt der Pater L' Ami: „Es iſt einem
Geiſtlichen oder Ordensmann erlaubt, einen
Calumniator (Verläumder) zu tödten, welcher
große, von ihm oder ſeinem Orden begangene
Verdrechen zu entdecken droht, wenn es kein an—
deres Mittel gibt ihn daran zu hindern; wie es
denn kein anderes zu geben ſcheint, wenn dieſer
Calumniator bereit iſt, dieſen Orden oder deſſen
Ordensgenoſſen öffentlich und vor angeſehenen
Perſonen anzuklagen.“ (De just. et jure disp.
36. sect. 5.)
Der „große“ Caramuel, dieſer Polyhiſtor,
auf den ſich die Papiſten nicht wenig zu Gute
thun, der trotz ſeines moraliſchen Indifferentis⸗
mus 30,000 Ketzer bekehrt haben ſoll, hat, ob⸗
wohl kein Jeſuit, jene Lehre L'Amis beſtätigt.
Daß es übrigens den Jeſuiten wirklich voller
Ernſt mit dem Grundſatz iſt, daß man Wider⸗
ſacher des Ordens auch meuchlings tödten kön⸗
ne, das haben dieſelben u. A. dadurch, wir
meinen, klar genug bewieſen, daß ſie ſelbſt die
Perſon eines Papſtes nicht verſchonten, als
rerſelbe ihr gefährlichſter Geaner wurde. Als
nehmlich Papſt Clemens XIV. den Jeſuiten⸗
orden durch eine Bulle vom 21. Juli 1773 auf—
hob, ſoll er es ſich nicht nur ſelbſt nicht verhehlt
haben, daß er hiermit ſein Todesurtheil unter⸗
ſchreibe, ſondern nach wenigen Monaten wurde
es auch vor aller Welt offenbar, daß ihn wirk⸗
lich ſenes Aufhebungsdeeret das Leben gekoſtet
hatte. Er ſtarb ſchon am 22. September des
folgenden Jahres unter Umſtänden, die keinen
Awe übrig laſſen, daß er von einem Erjeſui⸗
ten veygiftet worden war. In „de Potters Leben
des Scipio:v. Nicci, Paris 1826“ findet ſich der
Brricht des ſpaniſchen Geſandten am päpftlichen
Hofe über die Umſtände des Todes Clemens
des Vierzehnten, der unter den Papieren Bi⸗
ſchof Ricci's aufgefunden worden iſt.“ Darin
heißt es, ſchon eines Tages in der Charwoche
1774 hatte Clemens nach dem Mittageſſen eine
Art Er ſchütterung in der Bruſt und im Magen
wie die Wirkung einer innerlichen Kälte, und
ſeitdem ſpürte man eine Abnahme ſeiner Kräfte
bei einem Katarrh von ganz beſondererArt. Hier—
auf klagte der Papſt über Entzündung u. Bren⸗
nen in Mund nnd Gurgel bei außerordentlicher
Bangigkeit, und behielt faſt immer den Mund
offen. Gleich nach endlich erfolgtem Tode wur⸗
de das Geſicht bleifarbig und Lippen und Nägel
ſchwarz; faſt der ganze Körper hatte blaue Fle⸗.
cken unter der Haut. Die Eingeweide, ſchon
krebsartig angefreſſen, that man in ein Gefäß,
welches ſprang und einen entſetzlichen Geruch
verbreiteete. Die Hände wurden ganz ſchwarz
und erhielten Blaſen. Beim Ausziehen der
päpſtlichen Kleidung blieb die Haut daran hän⸗—
gen, und bei dieſer Berübhrung löſten ſich alle
Nägel. Auch blirben die Haare am Kopfkiſſen
hängen. Niemand zweifelte daher ſchon damals
daran, daß der Papſt durch ein ihm beigebrach—
tes Gift umgebracht worden ſei, das zwar lang⸗
ſam, aber furchtbar wirft. Man glaubte, durch
Acquetta. (Siehe Guerickes Kirchengeſch. III,
300.) Man darf nehml. nicht meinen, daß die Je⸗
uiten ſchlechterdings Freunre des Papſtes ſeien, ö
dem ſie ſich doch zu ſo blindem Gehorſam ſelbſt
in zu begehenden Sünden verbinden; nicht die
Päpſte ſind es, denen ſie dienen wollen, ſon⸗
dern das Papſtthum, und wiederum iſt es nicht
das Papſtthum in jeder Geſtalt, das ſie auf⸗
recht zu erhalten bemüht ſind, ſondern das
Papſtihum, wie ſie es für den höchſten Zweck
ihres Ordens brauchen können. Der höchſte Zweck
ihres Ordens aber iſt: Einfluß, Macht, Reichthum
Ehre. Hilft dem Jeſuiten der Papſt und das;
Papſtthum dazu nicht mehr, dann iſt ihnen beides
werthlos und der ſcheinbar warme Freund wird
zum giftigſten Feinde. Oft haben ſich die Päpſte
mehr vor den Jeſuiten gefürchtet, als die Hülfe
derſelben begehrt. Nur der Banqueroute des
Papſtthums ſeit Napoleon hat die Päpſte zu
dem verzweifelten Schritte gebracht, ſich den Je⸗
ſuiten in die Arme zu werfen, und nun um je⸗
den Preis, auch nur um den Preis aller Ach⸗
tung in den Augen der geſitteten Welt, neue
Eroberungen zu ſuchen.
J. Maldonatus, ein Spanier, geſt. zu
Rom 1583, ſchreibt: „Ketzer müſſen als Verrä⸗
ther und Deſerteure verbrannt werden.“ (Com.
ad Luc. 9. p. 96.) Daher finden wir in dem
Inſtitutum die Verordnung für die Schüler:
„Sie ſollen auch nicht den Hinrichtungen der
Miſſethäter, außeretwa der Ketzer, bei⸗
wohnen.“ (Inst. II, 221.) Und an einer an⸗
deren Stelle heißt es: „Die Congregation er⸗
mahnt alle die Unſrigen, die ſich in ſolchen“ (den
Inquiſitien unterworfenen) „Reichen be⸗
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