Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 69
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-05, Seite 69
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge 4 · Loge 6
finden, ernſtlich und ſtreng, daß dieſelben alles,
was von uns Schwachen zur Förderung
jenes heiligen Offieiums“ (der
Inquiſition) „und ihrer Diener geſchehen
aeann, immer demüthig und behend geleiſtet wer⸗
de.“ (L. e. I. 548.)
Math. Mayrhofer, geſt. 1641 zu Mün⸗
Tode zu beſtrafen ſind.“ (Speculum Praedicant.
p. 54.)
Toletus: „Wenn jem and von einer plötz⸗
lichen Gemüthsaufregung hingeriſſen, ſo daß
ee ſeines Verſtandes nicht mächtig iſt, einen
Anderen tödtete, ſo iſt er von einer Todſünde
frei.“ (Lib. 5. instruct. sacerd. o. 6.)
Marimilian von Sanden, geſtorben
zu Cöln 1656, ſcoreibt: „Das Einkommen von
den Hurenhäuſern (quaestus meretricius) kann
zugelaſſen werden. Denn wenn die öffentlichen
Huren aus den Gemeinſchaften der Menſchen ir—
gendwo entfernt würden, ſo würden zu derſelben
Zeit jene Städte mit Schändungen, Blutſchan⸗
de, Ehebrüchen und andern unzähligen Schand⸗
thaten überfluthet werden.“ (Castig. lib. de
prodig. Jesuit. liberal. p. 277.) Daher
erzählt denn der berühmte Canoniſt Appilcueta,
mit dem Zunamen Navarrus: „Auch in dieſer
Stadt Nom werden Häuſer mit Wiſſemu.
Zulaſſung des Papſtes an die Huren
verpachtet und pflegten immer an dieſelben ver⸗
pachtet zu werden, und die Beichtväter abſolvi—
ren dieyenigen und haben diejenigen immer ab—
ſolvirt, welche ſo verpachten, ohne den Vorſatz
von ſolcher Verpachtung abzuſtehen.“ (Manua-
le confessariorum et poenitentium c. 17.)
Joh. Sanchez ſchreibt: „Dem iſt die Ab-
ſolution nicht zu verweigern, welcher ſeiner Con
cubine, die er im Hauſe hat, hundert Ducaten
gelehnt hat, deren Widererlangung er nicht hof—
ſen könnte, wenn er dieſelbe aus dem Hauſe ver—
triebe. . . Denn es iſt oben geſagt worden, daß
Niemand verpflichtet iſt, die nächſte Gelegenheit
zu ſündigen mit ſeinem großen Nachthell zu mei⸗
den; auch kann man dann von ihm nicht ſagen,
daß er die Gelegenheit wolle, ſondern daß er ſie
zulaſſe. Daher er auch nicht verpflichtet ſein wird,
die Concubine aus dem Hauſe zu treiben, wenn
dieſelbe ihn, der im Concubinat lebt, allzu nütz—
lich iſt zur Gewinnung zeitlicher Güter bei ſei—
nem Gewerbe.— Ja, wenn auch die Coneubi—
ne von zu großem Nutzen wäre zur Ergötzung
res Buhlers, indem derſelbe, wenn jene ihm
fehlie, eir zu verdrießliches Leben führte und
and ere Speiſen den Buhler aneckelten und eine
andere Aufwärterin dazu ſchwer gefunden wer—
den möchte, ſo iſt der Buhler nicht dazu zu verpflich⸗
tet, ſie aus dem Hauſe zu treiben.“ Disp. 10
n. 29.) Es iſt allerdings wahr, der ganze Or⸗
den hat es nie gern geſehen, wenn ſeine Glieder
ſolche unflätige Moral zur Schau trugen,
aber verdammt, als Gottes heiligem Gebote zu—
wider, hat er es nie. So heißt es vielmehr z. B.
ſelbſt in dem Inſtitutum: Es iſt die Forderung
chen, ſchreibt: „Die Kaiholiken halten dies für
einen Glaubensartikel, daß die Ketzer mit dem ſind, daß ſie ja d orſichtig lehren und nicht.
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mehrerer Provinzen geweſen, da die Societät
jetzt (1661) hie und da in dem üblen Rufe ſteht
und angeklagt wird, als ob ſie zu lare Meinun⸗
gen in der Moral lehre und in der Praxis be⸗
folge, daß gegen ein ſo großes Uebel ein wirkſa⸗
mes Mittel angewendet werde. So ſetzte den
die Congregat on feſt: erſtlich, daß die Profeſ⸗
ſoren per Moraltheologie ernſtlich zu ermaͤhnen
was ſie für etwas probables halten, ſogleich
ſchriftlich oder mündlich in die Oeffentlichkeit
bringen zu können meinen.“ (Vol. I. fol 642).
Nur das alſo tadelt der Orden, daß ſeine Glie⸗
der ibre lare Moral ſo unvorſichtig aus⸗
plaudern.
Maldonatus, geſt. 1583, ſchreibt: „Ar⸗
me begehen keinen Diebſtahl, wenn ſie von der
äußerſten Noth gedrungen fremdes Gut nehmen,
weil das Gut dann eigentlich nicht fremdes,
ſondern allgemeines iſt für das gefährdetedeben;
und äußerſte Noth iſt auch nicht, welche ſchenf
faſt kein Mittel mehr zuläßt, als wenn der Ar—
me die Seele anshaucht, ſondern wenn man!
ktaum auf eine andere Weiſe ſich Hülfe ſchaf—
fen kann. (Summ. q. 8. artic. 3.) Hieraus
ſieht nan, der Kampf unſerer hieſigen Jeſuiten⸗
blätter gegen Communiſten und Sorialiſten iſt
nur Spiegelfechterei, um die Leute zu täuſchen.
Jeſuiten und Communiſten ſind Glaubensbrü—
der. ö
So ſchreibt Ferdinand de Caſtro Pa⸗
lao, geſt, 1633, aus Leon in Spanien: Kauf⸗
leute, welche von den Käufern nicht den an ge—
meſſenen Preis erhalten können, es ſei denn,
daß ſie ſchwören, es komme ſie ſelbſt ſo und ſo
hoch, während es in der That nicht ſo der
Fall iſt, Kaufleute, ſage ich, können ſchwö—
ren, die Waare käme ſie ſo hoch, das heißt, hin⸗
zuverſtanden: mit Einrechnung aller andern
Auslagen, oder auch mit Hinzurech—
nung einer andern Waare, die ſie
zu Hauſe haben oder anderswo gekauft hatten.“
(T. III. tract. 14. p. 7.) ö
Suarez geſt. zu Liſſabon 1617, ſchreibt
folgendermaßen: „Wer ihm geliehenes Geld
treulich bezahlt hat, der kann nachher vor Ge—
richt, wenn ihm andere Beweis- und Auskunfts—
mittel hiefür fehlen, eidlich befragt ſagen, er
habe gar nie dieſen Darlehensvertrag abgeſchloſ⸗
ſen; hinzuverſtanden: unter der Verbindlichkeit,
daß er zweimal bezahlen follte.“ (Lib. 3o. 9.
n. 6.)
Toletus ſchreibt: „Wer ſeinen Wein nicht
um den geſetzmäßigen Preis verkaufen kann,
entweder wegen der Unbilligkeit des Richters,
oder wegen der Bosheit der Käufer, welche un⸗
ter ſich übereinkommen, daß wenige kaufen ſol—
len, um den Preis herabzudrücken, der könnte
das Maaß kleiner machen oder ein wenig Waſ—
ſer beimiſchen und es für reinen Wein oder vol⸗
les Maaß verkaufen und den geſetzmäßigen Preis
dafür fordern, wenn er nur dabei keine Lüge
ſagt; und ſollte er ja eine ſagen, ſo wird das
keine Todſünde ſein.“ (Instruct. sacerd. tract.
de 7 peccat. e. 49.) Wunder iſt es, daß nicht
alle Schenkwirtbe erkennen, welche vortreffliche
Advokaten ſie an den Jeſu iten haben.
Leonhard Leß ſchreibt: „Welche um die
regelmäßigen Staatsabgaben beirügen, ſündi⸗
gen nicht töclich und ſind zur Erſtattung nicht
verbunden. Weil nach einer probablen Meinung
die puren menſchlichen Strafgeſetze nicht im Ge⸗
wiſſen verpflichten; Steuer⸗und Abgabenver⸗
ordnungen nd aber ſolche menſchliche, Strafe
auflegenve Geſetze; alſo verpflichten ſie im Ge⸗
wiſſen nicht. Und wollte man einwenden, daß
ſolche Defraudation dem Zollpächter oder Steu⸗
ereinnehmer Schaden bringe, ſo iſt meine Ant⸗
wort daß dieſe ja unter ſolcher Bedingung und
Laſt das Amt pachten; auch können ſie ja nicht
zu meinem Nachtheil auf ihren Vortbeil bedacht
ſein.“ (Lib. 2. o. 33. dub. 8. n. 55.)
Der Jeſuit Theophilus Raynaudus,
geſt. 1663, bat eine Vertheidigung Leßens in
lateiniſcher Sprache herausgegeben unter dem
Titel: „Appendix für Leß von dem erlaubten
Gebrauch zweideutiger Reden und der restrietio
mentalis d. h. einer ſolchen Redeweiſe, bei wel⸗
cher man etwas Anderes und zwar die Rede ein⸗
ſchränkendes denkt wider J. Barnes.“ Es iſt
dieſe Schrift der Ausgabe der Libb. 4 de jus-
titia et jure Leß'ens vom Jahre 1630 (Lugd)
angehängt. 7
Fillincius ſchreibt: „Daß ein menſchli⸗
ches bürgerliches Geſetz verpflichtet, dazu wird
die Annahme des Volks erferrert. Weil die Geſe⸗
tze untet der ſtillſchweigenden Bedingung publieint
werden, wenn ſie vem Volk angenommen
werden: denn das ſcheint dem guten Willen der
Fürſten und Geſetzgeber gemäß zu ſein, daß ſie
ihren Untergebenen nicht allzu beſchwerend er⸗
ſcheinen.“ (T. II. t:. 21 c. nlt. n. 429.)
Escobar: „Geiſtliche und andere kirchliche
perſonen ſind durch bürgerliche Geſetze mit ei⸗
ner zwingenden Gewalt nicht gebunden, ſofern
dieſelben aber ihnen eine Regel geben, ſo ſind
ſie an diejenigen Geſetze gebunden, welche der
allgemeinen Wohlfahrt dienen und welche
der Freiheit der Kirche, den heili⸗
gen Kirchengeſetzen und dem geiſt⸗
lichen Amte nicht widerſtreiten.
Ich wende ein, daß die Geiſtlichen, ſo ſie keine
Aergerniß anrichten, nicht tödlich ſündigen, wenn
ſie die Geſetze der weltlichen Fürſten verletzen,
weil dieſe Geſetze für ſie keine directe Verbind⸗
lichkeit baben.“ (Lib. V. sect. 1. c. 5. seet.
2. probl. 19.)
Paul Laymann von Zweibrücken, geſt.
1635, ſchreibt: „Auch der Papſt ſoll die Verträ⸗
ge und Zuſagen halten, wenn dieſelben natur⸗
und völkerrechtlich ſind. Dieß muſß jeroch ſo
verſtanden werden, daß der Papſt die Concor—
date ordenticherweiſe nicht aufheben kön⸗
ne, obgleich es eine andere Sache iſt, wenn es
das öffentiche Wohl der Kirche außerordentlicher⸗
weiſe nöthig macht.“ (Inst. defend. pontif.
p. 168.) Die Geſchichte lehrt, daß es aber nie
ein, inſonderheit den „Ketzern“ gegebenes Ver⸗
ſprechen gegeben har, das die Jeſuiten nach die⸗
ſem Erundſaß, daß der gute 3w eck der Wohl⸗
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