Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 72
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-05, Seite 72
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Geh'! häng die Harfe an die Weiden:
ö 9⁴ auch ein Schmerz wie unſer Schmerz?
Berracht iy unſrer Kirche Leiden,
91 wallet mein betrubtes Herz.
Ach! unſre Mauern liegen nieder,
Und uaſre Hallen ſind zerſtört,
Ver tummt ſi ſiw Zions Freudenlieder,
Und unſer Weinberg iſt verheert.
Denn das Bekenntniß, das gleich Mauern,
Auf Gottes ewges Wort geſtutzt,
Vor aller Feinde liſtgem Lauern
Die hrilge Burg ſo lang geſchutzt,
Unnd deſſen ruhm gekronte Zinnen
Das nie beſiegte Banner ſchinückt:
Das wird mit frevelem Beginnen
Von Ltherauern gelbſt zerſtuckt.
Doch ſiehl was drohet Zions Thürmen
Dort fur ein finſter furchtbar Heer,
Bereit die heilge Burg zu ſturmen,
Gehullt in grauſenhafte Wehr?
Was tabt dort aus der Hölle Schlünden
Fur ein verderbenſwangrer Strom?
Es ut der Papet der Menſch der Sunden,
Es iſt der Antichriſt von Rom.
Und was ſind dort für grimme Feinde,
Entflammet von der Hölle Gluth,
Die ſo den HErrn und die Gemeinde
Verlä tern voller Haß und Wuth,
Die alles Heilige verſpotten,
Sich lehnen wider Chriſtum auf?
Es ſind der Gottesleugner Rotten,
Es iſt der Spötter roher Hauf.
So ſtürmt der Satan immer weiter
Auf unſer liebes Zion ein.
Und ach! nur wenig ſind der Streiter,
Die woer dieſe Gräuel ſchrein.
Nur wenig Treue ſind zu ſchauen,
Die tapfer an dem Riſſe ſtehn,
Und eifrig Zions Mauern banen,
Und brunſtig fur ſie Gott anflehn.
Und dieſe Wen'gen höhnet die Menge:
„Jyr ſeid zu ſcharf in eurer Zucht;
Ihr ſeid in eurer Lehr zu ſtrenge,
Und leidet an Verdammungsſucht.
Ihr laßet nicht die Liebe walten,
Und ſieht zu feit auf eurem Sinn;
Ihr wollt nur euch fue Ehri ten halten,
Und werfet alles andre hin.“
Doch ſollt ich dr im die Kirche laſſen,
Weil uur ſo klein ihr Streiterheer,
Und viele ſie ohn Urſach haſſen,
Wie einſt den Heiland?— Nimmermehr!
Jeruſalem! vergeß ich deiner,
So will ich dulden alle Pein:
Der HErr vergeſſe dann auch meiner,
Wirſt du mein höchſte Freud nicht ſein.
O evangel'ſch luther'ſches Zion!
Du ſtehſt auf Gottes remem Wort:
Drum weich trotz Noth und. Tod nicht davon,
Pour frendig im Bekennen fort!
ein HErr hat mächtig üuberwunden
Welt, Teufel, Höll im heilgen Krieg:
Wirſt du im Glauben treu'erfunden.
Iſt dir gewiß der ewge Sieg.
Herr ma nn Fick⸗
— —
Welthändel.
Der ſchon lange drohende Krieg zwiſchen den
Ruſſen und Türken iſt wirklich ausgebrochen.
Sultan Abdul Meſchid, von den Geſandten
Frankreichs, Englands und namentlich Oſtreichs
zu friedlichen Maßregeln gedrängt, hatte eben
noch an den Obergeneral ſeiner Truppen, Omar
Paſcha, den Befehl erlaſſen, die Ruſſen nicht an⸗
iugreifen, wenn es nicht ſchon geſchehen ſei, aber
—70 —
es war zu ſpät; die Türken hatten bereits auf
einige ruſſiſche Schiffe, welche die Donau hinauf
zu fahren wagten, geſchoſſen. Am 4. November
gingen die Türken bei Kalafat über die Donau
und drangen in die Wallachei ein auf Oltenittza
zu, wo der Ruſſe Gortſchakoff ſie erwartete. In
zwei Schlachten. am 5. und am 11. Rovember,
geſchlagen, Ah ſich Gortſchakoff genöthigt, auf
Buchareſt, die Hauptſtadt der Wallachei zurück
zu weichen.
Omar Paſcha ſelbſt wiederum zurück, ließ nur in
Kalafat eine ſtarke Beſatzung und ſammelte ſei⸗
ne übrigen Truppen wieder auf der Türkiſchen
Seite der Donau. Es ſcheint, als ob der heran⸗
nahende Winter wohl die beiden ſtreitigen Par—
teien an der Fortſetzung des Krieges hindern
wird, da z. B. die Ruſſen den einen Haupttheil
ihrer Flotte in die Häfen zum Überwintern brin—
gen. Übrigens ſind die Ruſſen auch am Kauka⸗
ſus, wo ſie ſeit Jahren mit den Circaſſüern käm⸗
pfen, geſchlagen und ſcheinen überhaupt mit ih⸗
ren Kriegsheeren nicht im beſten Stande zu ſein.
Mit den vielen unſicheren Nachrichten über die
Pläne des Ruſſiſchen Kaiſers Nikolaus, der die
Völker, welche im Norden der engliſchen Beſitz⸗
ungen in Oſtindien wohnen, zum Kriege gegen
England reizen ſoll. will ich die Geduld unſerer
Leſer nicht ermüden, doch aber alle lieben Chriſten
und Glaubensgenoſſen auffordern, zu beten, daß
unſer Herr Gott den Krieg von unſerm deutſchen
Vaterlande fern halte. Der Ruſſiſche Kaiſer iſt
bereits höchſt erboſt auf England und beſonders
Frankreich, weil dieſe ihre Kriegsflotten in den
Eingang des Schwarzen Meeres vor Conſtanti⸗
nopel gelegt haben, um die Türkey zu erhalten,
wenn der Ruſſe ſiegreich herandringen ſollte.
Dazu kommt, daß Oſtreich mit Rußland befreun—
det iſt, daher auch ſchon von Frankreich gewarnt,
ſich nicht Ruſſiſcher Flüchtlinge auzunehmen.
Sollten, was Gott verhüten wolle. die Dro hung—
en, welche bis jetzt zwiſchen Rußland einestheils
und England und Frankreich anderntheils ge—
wechſelt werden, zum Kriege führen, ſo würden
die Schlachten, wie ſeit ſo langer Zeit gewöhn—
lich, in Detu ſchland ſtattfinden, da auch Preußen
ſchwerlich ſich neutral erhalten könnte. Denkt
aber, lieben Brüder, was würde aus der eben
wiener aufſprießenden jungen Saat chriſtlichen
Glaubens und Lebens in Deutſchland werden,
wenn der wüſteKrieg dort ausbrechen ſollte! dem
barmherzigen Gott ſei unſer liebes deutſches Va⸗
terland in Gnaden befohlen.
Aus China wird wahrſcheinlich bald die Nach—
richt eintreffen, daß die Hauptſtadt Pekin von den
Empörern erobert iſt; viel Blut fließt dort, nicht
ſowohl in den Schlachten, denn die Chineſen lau⸗
fen gewöhnlich bald vavon, aber wenn die Em.
pörer einen Platz erobert haben, ſo ermorden ſie
alle Beamteten und Vornehmen. Merkwürdige
Soldaten das: jerer chineſiſche Soldat braucht
einige Bediente, die ihm ſein Gepäck nachtragen,
namentlich einen, der ihm einen Sonnenſchirm
über den Kopf hält; ſein Gewehr legt er einem
ſolchem auf die Schulter, wendet dann ſorgfäl⸗
tig ſein Geſicht ab und brennt los, die mögen
nicht gerne Pulver riechen.
Am 12. November indeß zog ſich
Am 5. Derember iſt der. Congreß in Waſhing⸗
ton zuſammen getreten und am b. hat Präſident
Pierce ſeine Botſchaft eingereicht, worin er an⸗
zeigt, wie es mit unſerm Lande ſtehe und nach
welchen Grundſätzen er ſein Amt verwaltet und
ferner zu verwalten gedenkt. Ganz beſonders ver⸗
ſtändig ſpricht er über allerhand große Pläne,
zuderen Annahme die Speculanten den Congreß
nur gar zu gern bewegen möchten, namentlich
über die Anlage einer Eiſenbahn quer durch die
Vereinigten Staaten bis nach Californien;
wird des Prä ſidenten Rath befolgt, ſo leiſtet dit
„Regierung alle Hülfe bei jenem Unternehmen,
überläßt aher die Sache ſelbſt Privatleuten.
Die Vereinigten Staaten Regierung hat im ver
gangenen Jahre viel, viel Geld gemacht, hat jetzt P
über 32 Millionen Dollars Überſchuß daliegen,
hat beinahe 13 Millionen Dollars Schulden ab-
bezahlt und nur gegen 57 Millionen Schulden.
Das iſt nun auch recht erfreulich, und wenn der
Präſident ſchreibt, wir hätten allen Grund, Gort
zu danken für die Gnade und Wohlthat, die Er
auch im vergangenen Jahre uns habe zu Theil
werden laſſen, ſo ſchreibt er das wahrlich mit 4
Recht. Allein wenn nun die Amerikaner aus die-
ſem Überſchuß von 32 Millionen ſchließen, es.
ſtehe mit dem hieſigen Volke und Lande ſo viel
beſſer als mit den Enropäiſchen Staaten, unter
denen manche alljährlich wie die Schiliburger
handeln, als dieſe einen tiefen Brunnen gegra⸗
ben (die klugen Schiltburger, genöthigt die aus—
gegraben Erde fort zu ſchaffen, gruben einen 4
noch tieferen Brunnen daneben und ſchafften da 4
die Erde hinein); wenn die Amerikaner den Zu.
ſtand ihres Volkes nach der Maſſe von Dollars
beurtheilen, welche gemacht werden, ſo irren ſie
nicht bloß damit,
Volk und Land ſogar in Gefahr. Sie leiten nem⸗
lich auf die Weiſe die Leute an, den Mammon
für den beſten und höchſten Schatz zu halten u.
auf den Erwerb deſſelben all ihr Dichten und
Trachten zu richten: kurz geſagt, ſie verführen dit
Einwohner dieſes Landes zum Geiz, der Wurzel
alles Übels, und pflanzen einen niedrigen, gemei⸗
nen Sinn in die Gemüther. Die meiſten hieſigen
Zeitungen ſind jetzt bald ſo weit gekommen, daß
ſie ohne Hehl lehren, Gelderwerb ſei doch am En⸗
de das wichtigſte und nothwendigſte Beſtreben
des ganzen Lebens, und Präſident Pierce wird
von nur wenigen gehört werden, wenn er in ſei⸗
ner Botſchaft die Überzeugung ausſpricht, daß
wir uns auf keinen anſcheinenden Foriſchriti ver⸗
laſſen konnen, wenn nicht derſelbe durch eine na⸗
tionale Rechtſchaffenheit getragen werde, die ſich
auf die hohen Wahrheiten göttlicher Offenba⸗
rung gründe. Mit dem gewöhnlichen Raiſonne⸗
ment des ſog. geſunden Menſchenverſtandes kann
man Alles, auch das Schlechteſte beweiſen, aus
Süß Sauer und aus Sauer Süß machen; ſo 1
läßt ſich auch das wahre Widerſpiel aller Recht⸗
ſchaffenheit, Geiz und Habſucht als nütlich be⸗
weiſen ſo daß das böſe Herz mit rechter Freude
darnach greift. Gott bewahre alle Einwohner
dieſes Landes und namentlich die Deutſchen vor
der erſchrecklichen Verführung, Geld und Gut für
die höchſten und wichtigſten Schätze zu achten
ſondern bringen ihr eigenes
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