# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 05_S68 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tes vom dritten Gebot entbindet, da einem Pa⸗ piſten das Meſſehören für den höchſten, herlich⸗ ſten und nothwen digſten Gottesdienſt gilt. Toletus: „Wenn ein Menſch, vor Zorn, und Leidenſchaft auf die Worte nicht Acht habend die er vorbringt, eine Läſter ung ausgeſtoßen hat, ſo iſt das keine Todſünde, es ſei denn daß der Menſch gewohnt wäre zu läſtern.“ (Lib. 4. instruoc. Sacerd. c. 13.) Toletus': „Ein Sohn kann ſich mit einem Weibe, wenn daſſelbe ſeiner würdig iſt, verhei⸗ rathen, wider ſeiner Eltern Willen, ohne töd⸗ lich zu ſündigen.“ (Laäb. V. Inst. sac. o. 1.) E Bellarmin: „Der römiſche Papſt kann vermöge ſeines Nechtes die weltlichen Fürſten in den Bann thun, und zuweilen, wenn es ihm ſo gut dünkt, ihrer Herrſchaft berauben.“ (Lib. 5. de Rom. Pont. o. 6.) 3 mmanuel a Saa, ein portugieſiſcher Jeſuit, geſt. 1596, ſchreibt: „Die Rebellion ei⸗ ner geiſtlichen Perſon (Clericus) iſt kein Maje⸗ ſtätsverbrechen, weil er kein Unterthan des Rei⸗ ches iſt.“ (Aphorismi confessar. unter dem Wort: Olericus.) „Ein König kann durch den Staat der n errſchaft beraubt werden wegen Tyrannei und wenn er ſeine Pflicht nicht thut, und wenn eine gerechte Urſache vorhanden i ſt, und es kann ein anderer von der Majorität des Volkes gewählt werden. Manche jedoch halten Tyrannei al⸗ lein für eine Urſache dazu.“ (L. c. unter dem Wort: Princeps.) Hieraus ſieht man, wie leich es dem Papſtihum werden wird, wenn die Re⸗ bellen immermehr in der Welt. zur Herrſchaft kommen ſollten, mit ihnen zu fraterniſiren, ſo den Verfolgungen der letzten Zeit zu entgehen ja ſich mit jenen zur letzten Chriſtenverfolgung, zu vereinigen. Bellarmin,: Der geiſlicheStaat kann dem ihm unterworfenen zeit'. Staat befehlen und den⸗ ſelben zur Aenderung ſeiner Verwaltung zwin⸗ gen, die Fürſten abſetzen und andere einſetzen, :wenn er ſein geiſtliches Wohl auf andere Weiſe nicht behaupten kann.“ (Lib. 5. de R. I. 6 I.) ö F. Suarez, geb. zu Granada, geſt. zu Liſſabon 1617, ſchreibt: „Es iſt ein Glaubens⸗ artikel daß der Papſt das Recht hat rebelliſche oder ketzeriſche Könige abzuſetzen. Da nun ein auf dieſe Weiſe abgeſetzter König kein geſetzmä⸗ ßiger Regent mehr ſein kann, wenn er ſich wei⸗ gert, ſih dem päpſtlichen Spruch zu unterwer⸗ fen, folglich ein Tyrann wird, ſo kann er als ein ſolcher durch den erſten beſten getödtet werden. (Defens. fidei cath. advers. anglicanae sectae errores. Lib. 6. c. 4. n. 13. 14) Bellarmin ſchreibt: „Den Chriſten iſt nicht erlaubt, einen ungläubigen oder ketzeriſchen König zu dulden, wenn er verſucht, die Unter⸗ thanen ſu ſeiner Ketzerei oder zu ſeinem Unglau— ben zu ziehen. Gleiche Gefahr und Nachtheil hat es, wenn man einen nicht chriſtlichen König erwählt und einen uicht chriſtlichen nich t ab⸗ ſetzt. Daher ſind die Chriſten verbunden, ei⸗ nen nicht chriſtlichen König nicht über ſich zu lei⸗ den, wenn jener rag⸗ Voll vom GlaubetR. wenden ſtecht und wenn die Uneerthanen mit hinreichenden Kräften, in Obrigkeit abzuſetzen, verſehen ſind.“ (Lib. 5. de pont. Roms c. 7. rati. 3.) Schade, daß die erſten Chriſten dieſe Moral noch nicht kannten, denn da hätten ſie des blutigen Märtyrerthums leicht überhoben ſein können. Aus ſolchen Ausſprüchenläßt ſich auch wohl erklären, warum die amerikaniſchen Jeſu iten bereits ſachte davon zu reden anfangen, daß, wenn ſie hier zur Gewalt gekommen ſein würden, es dann auch mit unſerer republikani⸗ ſchen und vor allem mit unſerer Religivusfrei- heit zu Ende ſein werde. (Siehe Seite 47 des gegenwärtigen Jahig. unſeres Blattes.) Joh. Maria na, geſt. 1623 zu Toledo, ſchreibt: „Wenn einer einen König, der nicht der päpſtlichen Religion zugethan iſt, ermordet, und leben kleibt, ſo wird er ſein Lebtage als ein großer Held geehrt in der römiſchen Kirche; wenn er aber wegen des Mordes getödtet wird, ſo fällt er als ein Märtyrer und als ein ſolches Opfer, das Gott und Menſchen angenehm iſt.“ (De Rege et Regis Institutione L. I. c. 7.) Dieſe Schrift iſt freilich in Frankreich öffentlch durch den Schinder verbrannt worden, aber micht auf Anordnuug des Jefuitenordens ſon⸗ dern der weltlichen Obrigkeit. Mariana gube auch in dieſem Buche Anleitung, wie allerlei Gift zu bereiten und in die Kleider, Handſchu⸗ he, an die Degen, Sättel ꝛc. der auserſehenen Opfer zu bringen und ſo der Mord heimlich und unbemerkt zu bewerkſtelligen ſei. So ſchreibt der Pater L' Ami: „Es iſt einem Geiſtlichen oder Ordensmann erlaubt, einen Calumniator (Verläumder) zu tödten, welcher große, von ihm oder ſeinem Orden begangene Verdrechen zu entdecken droht, wenn es kein an— deres Mittel gibt ihn daran zu hindern; wie es denn kein anderes zu geben ſcheint, wenn dieſer Calumniator bereit iſt, dieſen Orden oder deſſen Ordensgenoſſen öffentlich und vor angeſehenen Perſonen anzuklagen.“ (De just. et jure disp. 36. sect. 5.) Der „große“ Caramuel, dieſer Polyhiſtor, auf den ſich die Papiſten nicht wenig zu Gute thun, der trotz ſeines moraliſchen Indifferentis⸗ mus 30,000 Ketzer bekehrt haben ſoll, hat, ob⸗ wohl kein Jeſuit, jene Lehre L'Amis beſtätigt. Daß es übrigens den Jeſuiten wirklich voller Ernſt mit dem Grundſatz iſt, daß man Wider⸗ ſacher des Ordens auch meuchlings tödten kön⸗ ne, das haben dieſelben u. A. dadurch, wir meinen, klar genug bewieſen, daß ſie ſelbſt die Perſon eines Papſtes nicht verſchonten, als rerſelbe ihr gefährlichſter Geaner wurde. Als nehmlich Papſt Clemens XIV. den Jeſuiten⸗ orden durch eine Bulle vom 21. Juli 1773 auf— hob, ſoll er es ſich nicht nur ſelbſt nicht verhehlt haben, daß er hiermit ſein Todesurtheil unter⸗ ſchreibe, ſondern nach wenigen Monaten wurde es auch vor aller Welt offenbar, daß ihn wirk⸗ lich ſenes Aufhebungsdeeret das Leben gekoſtet hatte. Er ſtarb ſchon am 22. September des folgenden Jahres unter Umſtänden, die keinen Awe übrig laſſen, daß er von einem Erjeſui⸗ ten veygiftet worden war. In „de Potters Leben des Scipio:v. Nicci, Paris 1826“ findet ſich der Brricht des ſpaniſchen Geſandten am päpftlichen Hofe über die Umſtände des Todes Clemens des Vierzehnten, der unter den Papieren Bi⸗ ſchof Ricci's aufgefunden worden iſt.“ Darin heißt es, ſchon eines Tages in der Charwoche 1774 hatte Clemens nach dem Mittageſſen eine Art Er ſchütterung in der Bruſt und im Magen wie die Wirkung einer innerlichen Kälte, und ſeitdem ſpürte man eine Abnahme ſeiner Kräfte bei einem Katarrh von ganz beſondererArt. Hier— auf klagte der Papſt über Entzündung u. Bren⸗ nen in Mund nnd Gurgel bei außerordentlicher Bangigkeit, und behielt faſt immer den Mund offen. Gleich nach endlich erfolgtem Tode wur⸗ de das Geſicht bleifarbig und Lippen und Nägel ſchwarz; faſt der ganze Körper hatte blaue Fle⸗. cken unter der Haut. Die Eingeweide, ſchon krebsartig angefreſſen, that man in ein Gefäß, welches ſprang und einen entſetzlichen Geruch verbreiteete. Die Hände wurden ganz ſchwarz und erhielten Blaſen. Beim Ausziehen der päpſtlichen Kleidung blieb die Haut daran hän⸗— gen, und bei dieſer Berübhrung löſten ſich alle Nägel. Auch blirben die Haare am Kopfkiſſen hängen. Niemand zweifelte daher ſchon damals daran, daß der Papſt durch ein ihm beigebrach— tes Gift umgebracht worden ſei, das zwar lang⸗ ſam, aber furchtbar wirft. Man glaubte, durch Acquetta. (Siehe Guerickes Kirchengeſch. III, 300.) Man darf nehml. nicht meinen, daß die Je⸗ uiten ſchlechterdings Freunre des Papſtes ſeien, ö dem ſie ſich doch zu ſo blindem Gehorſam ſelbſt in zu begehenden Sünden verbinden; nicht die Päpſte ſind es, denen ſie dienen wollen, ſon⸗ dern das Papſtthum, und wiederum iſt es nicht das Papſtthum in jeder Geſtalt, das ſie auf⸗ recht zu erhalten bemüht ſind, ſondern das Papſtihum, wie ſie es für den höchſten Zweck ihres Ordens brauchen können. Der höchſte Zweck ihres Ordens aber iſt: Einfluß, Macht, Reichthum Ehre. Hilft dem Jeſuiten der Papſt und das; Papſtthum dazu nicht mehr, dann iſt ihnen beides werthlos und der ſcheinbar warme Freund wird zum giftigſten Feinde. Oft haben ſich die Päpſte mehr vor den Jeſuiten gefürchtet, als die Hülfe derſelben begehrt. Nur der Banqueroute des Papſtthums ſeit Napoleon hat die Päpſte zu dem verzweifelten Schritte gebracht, ſich den Je⸗ ſuiten in die Arme zu werfen, und nun um je⸗ den Preis, auch nur um den Preis aller Ach⸗ tung in den Augen der geſitteten Welt, neue Eroberungen zu ſuchen. J. Maldonatus, ein Spanier, geſt. zu Rom 1583, ſchreibt: „Ketzer müſſen als Verrä⸗ ther und Deſerteure verbrannt werden.“ (Com. ad Luc. 9. p. 96.) Daher finden wir in dem Inſtitutum die Verordnung für die Schüler: „Sie ſollen auch nicht den Hinrichtungen der Miſſethäter, außeretwa der Ketzer, bei⸗ wohnen.“ (Inst. II, 221.) Und an einer an⸗ deren Stelle heißt es: „Die Congregation er⸗ mahnt alle die Unſrigen, die ſich in ſolchen“ (den Inquiſitien unterworfenen) „Reichen be⸗