Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 9 › Seite 71
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-05, Seite 71
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chen ſollen; dann hätte ich aber nach Guericke's
Kirchengeſchichte, dieſen Tertullian doch „ei—
nen Polemiker und einſeitigen Gegner der Kin⸗
dertaufe“ nennen müſſen.
Uebrigens muß ich doch bekennen, daß das
ſchwache Unternehmen nicht ohne Erfolg war.
Die Feinde wurden ſo geſchlagen, daß ſie von
dort an ſich nicht mehr getrauten, Angriffe, wie
zuvor, zu machen; ſo wurden auch die Freunde
in dieſer Sache nicht wenig beſtärkt, und gleich
darauf wurden aus zwei Familien meiner
Gemeinde 4großgewachſene Kinder getauft,
die bei mir zur Schule gingen, und mit Einwil-⸗
ligung ihrer früher amiſch geſinnten Eltern die
hl. Taufe verlangten.
Damit aber, ſo jene Langbärte nach meinem
Abſchiede ihr Haupt frech empor heben würden,
ibnen die gefühlten Waffen vorgehalten werden
könnten, hat Vater Arnold und Einige mit ihm
mich gar dringend gebeten, iynen das Manu—
ſtript abzugeben, damit ſie es drucken laſſen
könnten, weil Keiner von den Penſyl⸗
daniern deutſches Geſchriebenes
leſen kann. Ich berieth mich mit meinem
Amtsnachfolger, welcher es nicht nur billigte,
ſondern ſogar rieth, recht viel drucken zu laſſen.
Leid ſollte es mir daher thun, wenn ob derVer—
öffentlichung des Rotabene die geſchlagenen
Feinde noch dreiſter, die andern mißtrauiſch wer—
deu ſollten. Ich erinere noch dies: Den Rath
des einen lieben Amtsbruders in Predigten
rie rechte Lehre von der Rechtmäßigkeit der Kin—
dertaufe darzulegen, konnte ich freilich nur eh—
ren, aber leider nicht befolgen; denn die liſtigen
Amiſchen nieden meine Gottesdienſte, in denen
ich ſo oft über die Kin dertaufe predigte, dage—
zen waren ſie außer den Gottesdienſten, deſto
fleißiger hinter meinen Gemeindegliedern her.
Und da mich unverhofft der am. Prediger zu ei—
ner Disputation herausforderte was ſollte ich
thun? Feig den Rückzug nehmen? Nein, hier
galls fämpfen, was mir, der ich ſo ganz allein
unter einem ſo argen Geſchlecht daſtand, hart
und ſauer genug ankam.
Sollte mich aber Jemand in Bezug auſſden
Inhalt des Pamphlets aus dem Worte Gottes
tines Beſſern belehren, ſo will ich es recht ger—
ne hören und annehmen.
Fr. Beſel.
Herr Dr. Benj. Kurtz
krtifert ſich in den letzten Nummern ſeines
„Luth. Observer“ wieder ſehr über die gottloſen
„Altlutheraner“. Unter Anderem iſt es ihm er—
ſchrecklich, daß jüngſt wieder ein ſolcher altluthe—
riſcher Prediger aus dem Weſten in den Oſten
gegangen iſt, und zwar in eine Stadt, wo es
ſchon einen treuen lutheriſchen Prediger gebe, der
nur nicht an die Gegenwart des Leibes und Blu—
tes JEſu Chriſti im hl. Abendmahl, „und an⸗
dere verwandte Irrthümer“ nicht
glaube. Herr Kurtz beſchließt mit der bekannten
Gencralſonoden⸗WLitanei: „HErr Gott, erlöſe
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uns von ſolchem Lutherthum!“ — Wir verdenken
es dem armen Manne nicht, daß er bei dieſer
Gelegenheit wieder ſo erhitzt wird. Doch ſollte er
auch bedenken, daß wir Leute ſeines Glaubens
ſo wenig für Lutheraner anſehen können, trotz⸗
dem daß ſie ſich ſo nennen, ſo wenig wir einen
Welf für ein Schaf halten können, wenn derſel⸗
be einen Schafspelz umnimmt. Ihr, die ihr auf
den Namen Lutheraner beſteht und Anerken⸗
nung als ſolche fordert, und doch die Lehre
Luthers und der ganzen lutheriſchen Kirche öffent—
lich verſpoͤttet und verläſtert, ſeid nichts, als die
Jeſuiten unter den Proteſtanten, denen von jenem
Orden zwar nicht die Perfidie, aber die Klugheit
fehlt.
(Für den Lutheraner.)
Aus dem Leben des Pfarrer Flattich.
(Sämtlich aus den Süddeutſchen Originalien.)
In der Geſellſchaft einiger Herren redete man
von dem Zuſtande nach dem Tode; weil man
nichts Gewiſſes davon wiſſe, ſo ſei es beſſer,
wenn man ganz davon ſchweige. Ich ſtand nun
juſt am Feuſter und ſah die Kühe zum Brun—
nen treiben, ich ſagte daher zu ihnen: Ihr
Herren, ſehen ſie zum Fenſter hinaus und be—
trachten ſie dieſe Kühe. Da ſie nun wiſſen woll—
ten, was ich damit wollte, ſo ſagte ich zu ihnen:
dieſe Kühe ſind zufrieden, wenn ſie nur ihr täg—
lich Saufen und Freſſen haben, was wollen ſie
von dem Zuſtande nach dem Tode? Wer alſo
nichts von dem Zuſtand nach dem Tod wiſſen will
n. nicht auch darüber nachdenkt, der iſt eine Kuh.
Man wünſcht einem den Segen, aber das iſt
ver Segen, nicht daß man viel hat, ſondern daß
man mit Wenigem weit langt; ſo ſegnete
Chriſtus die fünf Brode und ſpeiſte damit fünf⸗
tauſend Mann.
Von geheimen Geſellſchaften.
Was ihre Geheimniſſe anbelangt, wovon die—
jenigen nichts wiſſen, welche in den untern
Claſſen ſiud, ſondern nur diejenigen, welche in
den höheren Claſſen ſind, ſo hat mir ſolches ein
Nachdenken gemacht, denn im Neuen Teſtament
ſind mir zwei entgegengeſetzte Geheimniſſe be—
kannt, nämlich: „Kündlich groß iſt das gottſeli—
ge Geheimniß“ 1 Timoth. 3, 16, u.: „auf ih—
rer Stirn einen Namen geſchrieben: Geheimniß,
Babylon die Große.“ Offenb. 17, 5. Weil
ich nun nicht glaube, daß der Freimaurer Ge—
heimniß auf das Geheimniß Chriſti gehe, ſo
vermuthe ich, daß es auf das Geheimniß Ba—
bylons gehe.
Aus des Pfr. Flattichs Sammlung zu
einer bibl. Erziehungslehre.
Jak. 5, 7. Gleichwie ein Ackersmann nicht
nur fleißig ſeyn, ſondern auch mit Gedult er⸗
arten muß den göttl. Segen, nämlich den Früh—
regen zum Aufgehen des Saamens, und den
Spatregen zur Zeitigung der Frucht, alſo muß
auch ein Lehrmeiſter und Lernender nicht nur
Fleiß anwenden, ſondern auch mit Geduld den
göttlichen Segen erwarten. Es zeigt ſich aber
der göttliche Segen ſowohl im Anfang als im
Fortgang des Lernens, als auch darin, daß man
das, was man gelernt hat, für ſich und andere
gebrauchen kann. Es ſtehen die Fortſchritte im
Lernen nicht in des Lehrmeiſters und der Ler⸗
nenden Gewalt, wenn ſie ſich auch noch ſo viel
Mühe geben und die beſte Methode gebraucht
wird. Es iſt etwas beſonderes um die Gedult,
indem man durch ſelbige Vieles ausrichten kann;
denn ein Gedultiger iſt beſſer als ein Starker.
(Sprüchw. Sal. 16, 32.)
(Fortſetzung falgt.)
Vergeſſe ich dein Jeruſalem, ſo werde
meiner Nechten vergeſſen.
Pf. 137/5.
Wie? ſollt ich mich der Kirche ſchämen,
Die man nach Luthers Namen nennt?
Sollt ich dran emen Anſtoß nehmen,
Daß mau ſie läſtert und verkennt?
Zwar mußen wir auch weinend klagen,
Wie Juda einſt im fremden Land,
Und trauernd an die Bruſt uns ſchlagen
Ob unſrer Kirche Jammerſtand.
Wie ſind ſo viele abgefallen
Von unſres Gottes heilgem Wort,
Die mit der Welt nun ſicher wallen
Den breiten Weg zur Hölle fort!
Wie ließen ſich ſo viele bleuden
Von falſcher Serten Heuchelei,
Die nun die Kirche tückiſch ſchänden
In aufgeblaſ'ner Gleißnerei!
Wie wird ſie doch im deutſchen Lande
Von Fürſten grauſam unterdrückt,
Die ihr mit gleiſendem Vorwande
Den Unionszwang aufgerückt,
Die unſres Luthers reine Lehren
Mit Calvins Schwärmerei vermiſcht,
Und dieß dem Volk, es zu verkehren,
As „evangeliſch“ aufgetiſcht.
Ach! wie viel Brüder ſind betrogen
Mit dieſes Wortes ſußem Ton;
Wie Mancher wird noch jetzt gezogen
Ins Netz der falſchen Union!
Es ſprechen von der Bruderliebe
Die „evangel'ſchen“ Prediger hold,
Und ranben uns doch, wie die Diebe,
Der vollen Wahrheit reines Gold.
Baptiſten und die Methodiſten,
Sie haben manches Herz geraubt,
Daß es, verfuhrt von ihren Liſten,
Nicht mehr der reinen Lehre glaubt.
Wie iſt die Kirche nun ſo öde,
Die einſt ſo voller Volkes war,
Vertrieben und verlaſſen ſchnöde
Von ihrer eignen Kinderſchaar!
Und wenn nur alle, die ſich nännten
Noch Lutheraner mit dem Mund,
Zu Luthers Lehre ſich bekännten
Aufrichtig und von Herzensgrund!
Doch ach! die wenigſten verblieben
Dem Glauben unſrer Väter treu,
Und von den meiſten wird getrieben
Viel falſche Lehre ohne Scheu.
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