Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 39
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-10-27, Seite 39
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(Ein geſandt.)
Bethanien, 15 Septbr. 1852.
An die Verehrliche Miſſions-Commiſſion
der ev. luth. Synode von Miſſouri.
Geehrte und in dem HErrn geliebte
Brüder,
Mit Freuden mache ich Ihnen die Anzeige,
daß es nun endlich dazu gekommen iſt, unſer
indianiſches Schulbuch gedruckt zu erhalten.
Da die Cholera mehrere Perſonen der Drucke—
rei befiel und andere nicht zu haben waren, ſo
wurde ich zu unſer aller Verdruß 5 Wochen
lang dort aufgehalten. Und da ſie der Typen
ſo wenig hatten, und ihre ganze Einrichtung
für den Bücherdruck ſehr mangelhaft iſt, ſo iſt
das Büchlein nicht ſo korrekt ausgefallen, als
ich wünſchte. Dem iſt aber, da es ja unter
unſern Händen bleibt, wohl abzuhelfen; und ich
mache dieſe Bemerkung eigentlich auch nur
des künftig zu druckenden Katechismus wegen.
Dieſer wird jedenfalls beſſer in New Nork be—
ſorgt werden. In Detroit giebt es nicht eine
Druckerei, die im Bücherfache etwas leiſten könn⸗
te; alle ſind nur auf Zeitungen gerichtet.
Hier nun iſt die Freude über das Büchlein
groß. Es lernen nicht nur die Kinder mit
Luſt, ſondern es kommen auch ältere, verheira⸗
thete Perſonen, um das Büchlein mit den bi—
bliſchen Geſchichten und den Liedern leſen zu
lernen. Gott ſchenke ihrem guten Willen die
rechte Ausdauer, und ſtärke ihr geringes Faſ—
ſungsvermögen, damit ihre und unſere Abſicht
erreicht, und der HErr immer mehr erkannt
und geprieſen werde!
Unſere Erbfeinde, die Methodiſten, haben zur
Zeit meiner Abweſenheit wieder alle Segel auf—
geſpannt, ihre Leute von fern hergebracht und
hier Meeting gehalten. Aber der HERN hat
ihnen auch ein Ziel geſetzt, das ſie uicht über—
ſchreiten können. Unſre Indianer-Chriſten
ſammelten ſich alsbald noch am Sonnabend
Abends um unſern lieben Bruder Mießler, und
legten ſomit ein gutes Bekenntniß ab, gegen der
Feinde wildes Toben. Eben ſo treu verſam—
melten ſie ſich am Sonntag zwei Mal zum Got—
tesdienſt, und Abends noch zur Singeſtunde.
Die Heiden auch widerſtanden dem Anſinnen
der Methodiſten, ſich von ihnen taufen zu laſ⸗
ſen, und erklärten unverholen, daß ſie von uns
getauft ſein wollen. Zwei junge Eheleute kom—
men ſeitdem zum Katechumenen-Unterricht. —
So hat der liebe Gott wieder treulich geholfen
und thatſächlich bezeugt, daß Er noch Gedan-—
ken des Friedens über Bethanien hat, und auch
durch unſers Bruders Mießler Dienſt das Ge—
ſammelte erhalten und das noch in der Irre
Gehende ſammeln will.
Wie erwünſcht iſt mir, und muß auch Ihnen,
theure Brüder! ein ſolcher Fingerzeig Gottes
gerade zu der Zeit ſein, in welcher es Gott ge—
fällt, das arme gebrechliche Werkzeug, durch
welches Er den Heiden hier ſo viel Gnade er—
wieſen, abzurufen! Fürwahr, Seine Gedan⸗
ken und Wege ſind nicht die unſern, ſind aber
unendlich höher als die unſern, und immerdar
heilig, weiſe und gut. In dieſem Glauben
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—
habe ich denn auch den von mir ganz ungeahn—
ten, und folglich freilich auch ungeſuchten Ruf
nach Oſtindien, dem Lande meiner eigentlichen
Beſtimmung, wohin ich feierlich abgeordnet
wurde, angenommen. Und zugleich mit dem
Hochwürdigen Miſſions-Collegio in Leipzig
bitte ich Sie um meine Entlaſſung; ſo jedoch,
daß Sie mich nur aus Ihrem Terrain, nicht
aus Ihrem Herzen entlaſſen. Dem Herzen
nach gedenke ich noch ferner mit Ihnen verbun⸗
den zu bleiben, und ſoll dieſe Verbindung auch
durch brüderliche Zuſchrift lebendig erhalten
werden. Nicht aus dem Herzen wollen Sie
mich entlaſſen; denn auch ich der Schule, die
mir America in mancher Hinſicht geworden iſt,
und der Brüder, mit welchen mich Gott hier
zuſammengeführt hat, nimmer vergeſſen, noch
je aufhören werde, das Wohl unſrer lutheri—
ſchen Synode und ihrer Miſſion unter den In⸗
dianern auf dem Herzen zu tragen. — Und ſo
ſcheiden wir denn, theure Brüder, wie auf Er⸗
den ja oft geſchieden wird, nur dem Angeſichte,
nicht dem Herzen nach. Und auch dieſes Schei—
den nur für kurze Zeit! Für dieſes Leben frei⸗
lich wohl; aber wie bald iſt die Spanne von
Zeit vorüber, wie bald der Lauf zu Ende, wie
vald der Kampf ausgekämpfet! Helfe Gott
uns nurerecht zu kämpfen, ſo iſt die Krone
des Lebens, ſo iſt auch ewiges Wiederſehen,
ohne Trennungsſchmerz, uns gewiß.
Mit meinem lieben Bruder Mießler habe
ich natürlich vorher die Sache beſprochen. Auch
hat das Collegium in Leipzig ſein nicht ver—
geſſen, ſondern ihm eine „ſchriftliche zuſtim⸗
mende Erklärung“ abgefordert. Bruder Mieß⸗
ler hat dieſe zuſtimmende Erklärung gegeben;
ſie iſt in meinen Händen, und wird dem Colle⸗
gio überſandt ſein, ehe Sie dieſes leſen. Zu
meiner eignen Beruhigung aber, wie auch nach
dem Willen des Collegii, muß ich Sie bitten
dafür zu ſorgen, daß der Miſſionszögling, von
welchem der vorjährige Synodalbericht, längſt
nach Röder's Abgange, Meldung that, Bru—
der Mießler'n recht bald zur Hilfe geſchickt wer—
de. Für den Fall indeß, daß dieſer nicht mehr
vorhanden, oder noch nicht fähig ſein ſollte,
bitte ich Herrn Strieter, oder ſonſt einen ge—
eigneten und willigen Bruder zur Aushilfe zu
verordnen. Ein endlicher Weg zum Ziele wäre
am Ende der, Herrn Roeder nach Bethanien,
und Eisfeldt nach Shiboyang zu verſetzen.
So genöße Bruder Mießler zugleich den Se—
gen einer geordneten Haushaltung, und Eis—
feldt's Kräfte würden auf einem neuen Gebiete
gewiß auch beſſer geübt werden.
Vielleicht werden Sie ſich bewogen fühlen,
das Schreiben des Collegii mit dieſen Zeilen
dem Präſidio unſrer Synode zu überſenden.
Für dieſen Fall bitte ich nur, mich nicht zu lan⸗
ge auf Antwort warten zu laſſen. Denn wie
ich den Ruf nach Indien nicht veranlaßt habe,
ſo möchte ich der Ausführung deſſelben auch
kein Hinderniß in den Weg legen, ſondern im⸗
merdar bereit ſein zu gehen, wie Gott mich
führt.
Und nun, theure Brüder! befehle ich Sie
Gott und dem Worte Seiner Gnade! Er führe
uns immerdar und überall an Seiner Hand,
bis wir, ſelig hind urchgebracht, Ihn ſchauen
von Angeſicht zu Angeſicht und auch einander
wiederſehen in ſeliger Wonne und ewigem
Licht. —
In herzlicher Liebe und Achtung
und mit dem Gruße des Friedens —
geringſter Mitknecht
Baierlein.
Bemerkung. — Das Schulbüchlein koſtet:
1. Das Setzen von 144,000
Typen
2. Drucken von 500 Erempl.
3. Papier
4. Der Einband, Ein Dutzend
beſſer gebunden, für kirchlichen Ge—
brauch der Lieder wegen und zu
Geſchenken für beſtimmte dafür ſich
intereſſirende Perſonen
549,35. K
15,75.
2²,50.
20,25.
5107,85.
—
Eingeſandt.)
Die Indianer⸗Miſſion betreffend.)
An das Hochw. Miſſions⸗Committee der
Ev. Luth. Synode in Ohio, Mi⸗
chigan u. a. St.
Verehrte Herrn,
Theure Brüder in Chriſto Jeſu,
Unſer Oſtindiſches Miſſionsgebiet beginnt
ſich ſeit etwa einem halben Jahre namen lich
im Weſten von Trankebar ſo bedentend zu
erweitern, daß unſere dortigen Miſſionare Mo⸗
nat für Monat ſtärker über Ueberlaſtung mit
Arbeit klagen, und die erfreulichſten Hoffnun⸗
gen unerfüllt bleiben müßten, wenn wir nichl
neue Mithelfer hinzuſenden im Stande ſein ſoll⸗
ten. Nun iſt zwar Ausſicht vorhanden, daß
unſer Miſſionszögling Speer, der nur wenige
Tage nach ſeiner bei der letzten Jahresfeier et—
folgten Abordnung anf's ſchwerſte erkrankte, X
voch noch im Lauf dieſes Sommers nach In-
dien abgehen kann; dieſen hatten wir aber ſchon
früher auf das dringende Bitten unſers Krem⸗
mer für Madras beſtimmt, wo ſich unſre Ge⸗
meinde mehr als irgend eine andre vermehit.
Da uns nun vor der Hand keine weitern Kräfte
zu Gebote ſtehn, ſo ſehn wir uns zu der Bitte
gedrungen, uns zu geſtatten, unſern Baierlein
nach Oſtindien ſenden zu dürfen. Wir brau⸗
chen nicht erſt zu ſagen, wie ſchwer uns ditſe
Bitte fällt. Die Verbindung, in die wir durch
ihn mit Ihnen getreten ſind, iſt uns heilig und
theuer, das haben wir auch dadurch bezeugt,
daß wir Ihnen unſern Mießler zugeſandi ha⸗
ben. Auch iſt ja wahrlich die Miſſion unker
den Indianern nicht ungeſegnet geblieben,
Aber das dringende Bedürfniß in Indien, woö⸗
hin unſre Kirche doch geſchichtlich zunächſt mit
*) Die hier folgende Correſpondenz bedarf keiner Aus⸗
legung. So viel wir gehört haben, iſt die in den Bit⸗
ſen erbetene Entlaſſung von den betreßenden Vorſtande⸗
perſonen gewährt worden.
D. R.
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