Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 36
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-10-27, Seite 36
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on, ſondern Conföderation. Man hat
das Wirerwärtige, das von Gott Getrennte
nicht vereinen, uniren könven, trotz aller wiſ—
ſenſchaftlichen und polizeilichen Anſtrengungen
iſ der babyloniſche Thurmbau natüllich wieder
keinmal nicht gelungen. Nun ſoll das Wider—
rärtige, Lüge und Wahrheit, wenigſtens an⸗
ſändig neben einander hergehen, die
Feindſchaft, die Gott ſelbſt zwiſchen den Wei⸗
bes⸗ und Schlangen-Samen geſetzt hat, will
man nicht, man prätendirt zwar, gegen den
Zeufel allen Ernſtes ankämpfen zu wollen, aber
ine gefährlichſte Burg, die falſche Lehre, läßt
nan ihm; wer z. B. gegen die falſche Lebre der
Reformirten, Herrnhuter ꝛc. kämpfen will, kann
gein Glied der Conföderation ſein. Wir ver—
kennen nicht, daß die Conföderation ein Werk
der Liebe und des Eifers für's Reich Gottes
ſein will, aber der Eifer iſt ohne Verſtand
und die Liebe ohne Glauben. Die hölliſchen
Mächte des Unglaubens unſerer Zeit haben
„die Gläubigen“ in Angſt und Furcht verſetzt,
dieſe nun, um dem Antichriſt zu begegnen und
den HErrn Chriſtus zu vertheidigen, ſammeln
ein großes Heer aller „HErr, HErr“ Sager;
durch die Menge wollen ſie ſiegen, durch die
Menge der Zerſplitterung vorbeugen, durch die
Menge eine große, ſchöne, inponirende Kirche
darſtellen. Das iſt nun freilich ganz der Ver⸗
nunft gemäß, es iſt menſchlich klug, aber durch⸗
aus gegen den Glauben der Glaube ſieht mie
auf die Menge, nie auf Fleiſch; ſondern nur
auf die Wahrheit, ſcheint die nur unverhüllt,
rein, klar, voll, ſo fürchtet er nichts, gar nichts,
die Lügennebel ſollen ſchon weichen und wenn
ſie auch wie Meere über die Lande wogten.
In der Union war verhältnißmäßig eine ge⸗
ſündere Erkenntniß und ein entſchiedenerer Wil—
le, als in der Conföderation, in der erſtern er—
kannte man doch noch die Wahrheit, daß das
Wort Gottes nur einen Glauben kennt und
baben will „Ein HErr, Ein Glaube, Eine
Taufe u. ſ. w.,“ und daß die Kirche, die Ge—
meinſchaft der Gläubigen, auch nur auf ei⸗
nem Glauben erbaut werden könne, darum
ſuchte man aus zwei verſchiedenen ſich wider—
ſprechenden Glauben Einen zu machen, ſo irrig
und verkehrt dieſes nun auch war, ſo ruhete
dieſer irrende Wille doch auf einer beſſeren Er—
kenntniß. In der Conföderation iſt alles kraft⸗
loſer, kränker, trauriger, mit der Erkenutniß der
Nothwendigkeit Eines Glaubens, als der Ei⸗
nen Seele des Leibes Chriſti, iſt auch der Wille,
dieſen Einen Glauben zu erſtreben, hingeſtor⸗
ben. Man will weder Eine Kirche, noch Ei—
nen Glauben, ſondern ein ganz neues Ding,
einen Bund von vielen Kirchen und vielen
Glauben, und das ſoll es in unſerer Zeit thun,
damit will man den Unglauben bezwingen. Ein
Bund von vielen Glauben iſt aber an ſich ſchon
ein Unſinn, ein Glaube kann ſich mit einem
andern nicht verbinden, entweder er iſt ſchon
eins mim ihm, dann iſt der Bund unnütz, oder
er iſt verſchieden von ihm, dann iſt der Bund
wieder unnütz, denn was hilft er, macht er die
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denn dann hörte der Bund auf Bund zu ſein.
Und darin beſtand eben das unauflöslicheKunſt⸗
ſtück der Union. Man wird einwenden: wir
Conföderirten wollen auch keine Union, keinen
innern Bund von verſchiedenen Glauben, ſon⸗
dern nur ein äußeres Bündniß der verſchiede—
nen Gläubigen. Aber hier tritt nun eben die
ganze Schwäche der Conföderation zu Tage.
Denn obwohl es eine reine Spiegelfechterei, ei⸗
ne leere Redensart iſt, daß man die Gläubigen,
aber nicht die Glanben mit einander verbinden
will, da die Gläubigen ohne Glauben eben kei⸗
ne Gläubigen mehr ſind; ſo will man doch eben
dieſe leere Redensart, dieſes Nichts zur Wirk—
lichkeit machen, indem man an jeden Konföde—
rirten die Forderung ſtellt, daß er „ein Gläubi—
ger“ ſei, der wohl einen Glauben hat, aber
nicht gewiß iſt, ob ſein Glaube auch ein Glau—
be, das iſt der rechte iſt, ein Gläubiger, der an⸗
dern Glauben neben ſich als gleichberechtigt gel—
ten läßt, der mithin das Unerhörte glaubt, daß
die Wahrheit wahr ſei, und zugleich, daß die
Lüge auch wahr ſei. Nun iſt aber der „eine“
Glaube, den die heilige Schrift kennt, ein ſol—
ches albernes Ding nicht, dieſer Glaube iſt eine
feſte, unerſchütterliche Ueberzeugung, daß die
Wahrheit Wahrheit und die Lüge Lüge ſei, die—
ſer Glaube kommt von Gott und iſt darum auch
eifrig, wie Gott ein eifriger Gott iſt, und will,
darf und kann keine andern Glauben, wie
Gott keinen andern Gott, neben ſich haben.
Die Conföderation verlangt daher auch von ih—
ren Gliedern, wenn ſie nur aufrichtig und wahr
ſein wollte, keinen Glauben, ſondern nur from⸗
me Meinungen, und da hat denn auch die
Forderung des „neben einander gelten Laſſens“
ſeine Berechtigung, denn es iſt allerdings die
Sache eines anſtändigen gentleman, andere,
fremde Meinungen nehen ſeiner eigenen
Meinuing dulden zu können. Daß man
aber der Anſicht iſt, durch Meinungen den jetzi⸗
gen Unglauben überwinden zu können, iſt ein
Zeichen, wie ſehr ſich die Unionskrankheit in
dem Stadium der Couföveration geſteigert hat,
und nun wohl gar bald in ihr letztes Stadium,
in das der Conſumption oder Auszehrung, ein⸗
treten wird, wo dann die Union, nachdem ſich
die geſunden Glieder, die wieder von der Mei⸗
nung zum Glauben gekommen ſind, ausgeſon⸗
dert haben, endlich des Todes verſtirbt.
Zu dieſem endlichen Ziel wird auch das Um—
ſichgreifen des Katholicismus das Seinige bei—
tragen, denn dem läßt ſich nicht wehren mit all⸗
gemeinen menſchlichen Liebeswerken, wie der
Guſtav⸗Adolphs⸗Verein, oder die innere Miſ⸗
ſion, ſondern allein mit dem Worte Gottes, der
Lehre, dem Glauben. Und wird auf den „Kir-
chentagen“ erſt einmal die Frage über die Stel—
lung der Conföderation zum Katholicismus er—
örtert, die ſich wohl ſchwerlich lange wird ab⸗
weiſen laſſen; dann wird es ſich zeigen, ob der
Bund hält, ob alle Glieder Luſt haben, mit
Nom, der babyloniſchen Hure, herumzubuhlen
wie Hengſtenberg. —
Die Haltungsloſigkeit der Unionsmänner dem
verſchiedenen Glauben zu Einem? Mit nichten,
Katholicismus gegenüber iſt ſchon jetzt ſehr auf⸗
fallend und merkwürdig. Ein Theil derſelben
hat zu viel menſchliche Neigung für, der andere
zu viel menſchlichen Haß gegen denſelben, der
eine überfieht das Teufliſche im Katholicismus,
der andere die noch übrig bleibenden chriſtlichen
Stücke in ihm, der eine geht fanatiſch in ſeiner
Unionsverblendung zu weit vor, der andere fa⸗
natiſch zu weit zurück. Hengſtenberg und ſeine
Meinungsgenoſſen liebäugeln arg mit Rom,
und die Unionshelden von der Generalſynode
mit ſammt den Colporteuren der amerikaniſchen
Traktatgeſellſchaft von der andern Seite gehen
ſo weit, daß ſie ſelbſt Geſangbücher, in denen
Lieder auf den Tag der Heimſuchung Mariä
ſtehen, nur mit heimlichen Schauder anſehen
können, und Koſſuth zujauchzen, weil ſie hof⸗
fen, daß der noch einmal der katholiſchen Kir—
che mit Pulver und Blei zu Leibe gehen wird.
Bei ſo bewandten Umſtänden wird der hochge⸗
prieſene Unionsfriede wohl bald ſein Ende er⸗
reicht haben.
B.
(Eingeſandt.)
Wertheſter Herr Ba
Sie haben mir abermals etwas Neues, aber
eben nicht viel Gutes zukommen laſſen, nämlich
ein Blättlein der katholiſchen Kirchenzeitung mit
einem dreimal angeſtrichenen Aufſatz über die
Pietiſten, worin abermals gegen den armen Lu⸗
ther und die armen Lutheraner gewaltig losge⸗
zogen wird. Wenn ich Sie nun nicht beſſer
kennte, ſo müßte ich vermuthen, daß Sie mich
noch ganz katholiſch machen wollten, da Sie mir
von Zeit zu Zeit ſolche Sächelchen zuſchicken; al⸗
lein Sie kennen mich auch, daß ich ſchon ziem—
lich katholiſch bin, freilich nicht römiſch-, ſon⸗
dern chriſt-katholiſch, d. h. nach der einigen hl.
chriſtlichen Kirchenlehre, die unſere lutheriſche
Lehre iſt, und in dieſem Sinne trachte ich alle
Tage immer katholiſcher zu werden. Doch frug
mich wirklich vor kurzem Jemand, der gehört
hatte, ich wäre früher Jeſuit geweſen, ob dem
alſo ſeiz ich wies ihn zu den Jeſuiten, die wür⸗
den ihm darüber am beſten Auskunft geben.
Doch zur Sache! Sie wünſchen zu wiſſen,
was es doch eigentlich mit den Stellen aus Lu⸗
ther's Schriften für eine Bewandtniß habe, die
in dem erwähnten Aufſatz angeführt werden.
So will ich denn Ihren Wunſch erfüllen und
zwar zunächſt in Bezug auf drei Stellen.
Die erſte iſt eine Stelle aus der Hauspoſtille
(2. Predigt am 1. Advent), die alſo lauten
ſoll: „Es wird die Welt aus dieſer Lehre nur
je länger, je ärger. Jetzt ſind die Leute mit
ſieben Teufflen beſeſſen, da ſie zuvor mit einem
Teuffel beſeſſen waren. Der Teuffel fährt jetzt
mit Hauffen in die Leuth, daß ſie nun unter
dem hellen Licht des Evangelii ſiud geitziger,
liſtiger, vortheilhafftiger, unbarmherziger, un⸗
züchtiger, frecher und ärger denn zuvor unter
dem Pabſtthum.“ Da wird nun jeder denken:
Der Mann, der ſich ſo genau an die alte
Schreibweiſe der Worte gehalten hat, der wird
noch weit genauer mit den Worten ſelbſt verfah⸗
ren ſein. Aber dem iſt nicht alſo.
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