Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 5 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-10-27, Seite 38

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ther's Schriften zu finden ſei:
Wer nicht liebt Wein, Weiber und Geſang,
Der bleibt ein Narr ſein Leben lang.

Der vielbeleſene Ukert ſagt in ſeiner Lebens—
beſchreibung Luther's: „Dieſen Reim habe ich
in Luther's Schriften nicht gefunden; allgemein
laber dann doch fälſchlich) wird er ihm beige—
legt.“

Mag nun dieſes Räthſel löſen, wer da wolle,
daß dieſer Luthern zugeſchriebene Reim 300

auch unter ihnen gar manche finden, deren Pra—
ris namentlich in Bezug auf die beiden erſten
Liebhabereien ganz mit dieſem Reim überein—
ſtimit, weil ſie wahrſcheinlich nicht für Narren,
ſondern für Weiſe angeſehen ſein wollen.
Ihr Freund
+

*4

— (Eingeſandt.)
Wertheſter Herr B.!
Sie baben mir vor längerer Zeit einige
Naummern des St. Louiſer Sonntagsblattes
für katholiſches Leben zugeſchickt. Darin fiel
mir eine Ueberſchrift in die Augen, mit einem
gewaltigen Merkzeichen verſehen, nämlich mit
einer Einfaſſung von tüchtigen Rothſteinſtrichen,
zwei Säulen und oben drüber ein langer Quer—
balken, ohngefähr in der Geſtalt eines römi—
ſchen Joches oder eines Galgens. Die lleber—
ſchrift mit dicken fetten Buchſtaben lautete ſo:
„Die unſeligen Folgen der Reformation,“ und
darunter ſtand mit ganz dünner ſchmächtiger
Schrift: „aus Luther's eigenem Geſtändniſſe.“
Ich dachte, ich würde nach dieſer Ankündi—
gung nur ein Geſtändniß Luther's finden,
aber wie wunderte ich mich, als ich deren meh—
rere fand. Ei, dachte ich, wie muß doch der
Mann, der das geſchrieben hat, ſo fleißig alle
Bücher Luther's durchſtudiert haben, denn das
iſt gewiß etwas Seltnes bei Katholiken und be—
ſchämt viele Lutheraner.
Mühe brauchen ſich die lieben Leute gar nicht
zu geben, weil einer von ihnen, wie ich ein—
mal gehört, ſchon für alle vorgearbeitet und ei—
nen Auszug aus Luther's Schrifteu gemacht
hat, worin alle die Stellen hübſch beiſammen
ſiehen, die ſie gewoͤhnlich gegen uns anführen
und die ohngefähr ſo lauten wie Orgelklang,
wenn ein Hund über's Pedal läuft.
Jene Geſtänduiſſe nun enthalten meiſtens
allerlei Klagen Luther's, daß die Lutheraner
von dem reinen gepredigten Wort Gottes ſo we—
nig Frucht gebracht hätten, daß ſie nicht beſſer,
ſondern eher ſchlimmer geworden wären, als ſie
unter dem Papſtthum waren. Doch was brau⸗

wohl ſelbſt geleſen. Aber was ich dabei dachte,
tas werden Sie wiſſen wollen. Nun, ich dach⸗
te: Ach, du armer Luther und ihr armen Lu⸗
Ihtraner, wäre das, was der Mann da aus
Luther's eigenen Geſtändniſſen offenbart, frü⸗
her bekannt geworden, wäre mit euch gar

ſern Gegnern ſo oft angeführte Reira in Lu⸗ausgteweſen und würde es noch jetzt under den

Jahre früher bekannt geworden iſt, ehe man ihn
aufgefunden hat, ſo können doch ſelbſt unſere
katboliſchen Gegner nicht ableugnen, daß ſich

wie das Sprüchwort ſagt. Vielleicht, denn mit

Aber nein, ſo viele

ſche ich das Ihnen zu ſchreiben, Sie haben's ja
ben wurde.

— 37—

Lutheranern ſo bekannt werden, als es unter
den Katholiken iſt, und dabei auch für ſo pure
helle Wahrheit gehalten, als es dieſe dafür hal—
ten, ſo würde es Blitz Platz mit den Luthera—
nern ausſein. Dabei dachte ich, im Vertrauen
geredt, noch weiter ſo: wenn die Katholiken

recht geſcheute Leute wären, ſo ließen ſie alle
die Schriften Luther's, worin jene Geſtändniſſe!
zu finden ſin;, auf's Neue drucken und heim⸗
lich und unentgeldlich unter den Lutheranern
verbreiten, weil ſich ſo Etwas noch weit beſſer
im Zuſammeuhange lieſt und ein ganzes Kleid
doch beſſer iſt als einige abgeriſſene Fetzen; und
wenn nun ſchon ſolche einzelne Schriften Lu—
ther's einen ungemeinen Erfolg haben und den
veuten die Augen öffnen würden, was müßten
nicht erſt die ſämmtlichen Schriften Luther's
für eine Wirkung haben; denn Viel hilft Viel,

Gewißheit kann man's freilich nicht behaupten,
würden dann Tauſende und aber Tauſende von
Lutheranern gekaufen kommen zu dem Papſt
und deſſen Helfershelfern, um zu ſchauen die
engelreine, hellglänzende, ſüßduftende, weitbe—
rühmte Heiligkeit, Unſchuld und Tugend; da
würden ſie eingeweihet werden in die Geheim—
niſſe des frommen Lebens, wie es viele von ih
nen innerhalb und außerhalb der Klöſter füh—
ren; da würden ſie eingeführt werden in die
Häuſer und Familien der Gläubigen (denn ſie
kennen nun einmal keine Ungläubigen weiter,
als die von ihnen verdammten Ketzer und die
Gebannten); da würden ſie keine Spur finden
von gottloſem, abgöttiſchen Weſen, von Fluchen
und Schwören, von Verachtung Gottes Wor—
tes, keine Spur von böſen Eltern und böſen
Kindern, von Haß und Zorn, von Schelten und
Schlagen, keine Spur von Ehebruch und Hu—
rerei, von Freſſen und Saufen, von Betrug und
Ungerechtigkeit, von Lügen und Verleumdun—
gen und dergleichen Werken des Fleiſches. Da—
rob höchlich verwundert würden die Lutheraner
den Katholiken zurufen: Was martert ihr euch
noch früh und ſpat mit ſelbſterwählten Gottes⸗—
dienſten und unfrein iligem Faſten (denn Hund
und Eſel faſten auch, wenn ſie müſſen), was
gebt ihr noch einen Cent für Ablaß, deſſen ihr
ja gar nicht bedürft, da ihr längſt von Sünden
abgelaſſen habt und aller Heiligkeit voll ſeid?
Ihr ſolltet in Proceſſion durch alle Gaſſen zie—
hen, alle Glocken läuten und vor euch her ru—
fen laſſen: Da kommen die heiligen Leute, die
beiliger ſind, als die heiligſten Leute beide des
Alten und des Neuen Teſtaments, denn dieſe
klagten noch immer über ihre Sünde und riefen
zu Gott um Vergebung ihrer Sünde.

Run komme ich wieder zu jenem Aufſatz: es
wunderte mich, daß er ſo ſchnell abgebrochen
und auch keine Hoffnung zur Fortſetzung gege⸗
Ich dachte nämlich, der Verfaſſer
würde nun auheben, die unſeligen Folgen der
Reformation für das Pabſtthum und zwar eben⸗
falls aus Luther's Schriften zu zeigen, z. B.
die zunehmende Verſtockung der Katholiken, die

doch das ſchwerſte Straftzericht Gottes iſt ſür

die Verwerfung und Verfolgung des Evangeli⸗
ums, dann der Fall des Papſtthums durch dieſe
Predigt, der Verluſt ſo vieler ſeiner Glieder
und dgl. „Wiederum ſollte der Verfaſſer auch
die ſeligen Folgen der Reformation erwähnt ha⸗
ben, z. B. die Erlöſung aus ſo langer und
ſchwerer Knechtſchaft der Gewiſſen und Verſet⸗
zung in die ſelige Freiheit der Kinder Gottes,
wie dafür einſt die Chriſten in Leipzig, wäh⸗
rend ſie die erſte evangeliſche Predigt hörten,
Gott mit Thränen auf ihren Knieen dankten.
Doch ich beſinne mich eben, daß ſo Etwas gar
nicht in ein katholiſches Sonntagsblatt gepaßt
hätte.

Nun könnte mancher denken, es wäre nöthig
und nützlich, ſolche grobe Entſtellungen der
Wahrheit aus Luther's Schriften zu widerle⸗
gen. Aber dazu ſage ich Nein! Denn die Ka⸗
tholiken machen's mit Luther's Büchern, wie
böſe Buben mit einem ſchönen großen Spiegel,
nach dem ſie mit Steinen und Koth werfen und
ſich daran erluſtigen. Wer wollte da ſagen:
Ihr lieben Frömmchen, ich will mir die Mühe
geben, den Spiegel wieder zuſammenzuſetzen
und ſchön blank zu putzen, damit ihr euch
darin beſchauen könnet, wie ihr geſtaltet ſeid,
und kaum wäre das geſchehen, ſo ginge das
Werfen mit Steinen und Koth ärger los, denn
vorhin?

Ihr Freund
+

Nachſchrift. — So eben ſehe ich, daß je⸗
nem Aufſatze doch noch eine kleine Fortſetzung
gefolgt iſt. Allein ſogleich in dem nächſten Ar⸗
tikel haben ſich die Katholiken über ihr Verfah—
ren gegen die Lutheraner ihr Urtheil ſelbſt ge—
ſprochen; denn dieſer Artikel führt die Ueber—
ſchrift: Ueber die gewöhnlichen Waffen gegen
die katholiſche Kirche (Aus dem proteſtanti⸗
ſchen Mercersburg. Review). Darin heißt es
unter anderem: „Ihre Stärke beſteht in Wie—
derhotung von gräßlichen Beſchuldigungen, oh—
ne Rückſicht auf irgend eine Widerlegung der⸗
ſelben. in Variationen über ſchon abgenützte
Gemeinplätze, die durch Tradition von der
Leichtgläubigkeit der vergangenen Zeit geerbt
wurden, ferner in ungeheurer Uebertreibung,
Verdrebungen und kühnen, höhnenden Ver⸗
dächtigungen, welche nach allen Seiten hinge—
worfen werden.“

Sind hiermit nicht auf's deutlichſte die ge—
wöhnlichen Waffen beſchrieben worden, deren
ſich die Katholiken gegen Luther und die Lu⸗
theraner von jeher bedient haben?

ꝗ
Quittun“ und Dauk.

Für die ev. kuth. Immanuelskirche in Lan⸗

kaſter, O., iſt-eingegangen:

von J. H. Evers (in Pittsburg) 51,00.
„L. Dönner in Cold Water
durch Paſt. Trautmann 1,00.

„ Hrin. Adolf Herrmann in St. Lonis 100.
Dafür wird den freundlichen Gebern herzli
Dank geſagt.
J. P. Kalb, Paſtor.

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