Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 207
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-16, Seite 207
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ren namhafteſten Theologen der reformirten
Kirche folgen.
3Zwingli ſchreibt: „Siebentens, glaube ich
und weiß, daß alle Sacramente ſogar die Gnade
nicht ertheilen, daß ſie ſie nicht einmal reichen
joder vorhalten. Denn die Gnade wird vom
heiligen Geiſte gewirkt und gegeben, und daher
kommt dieſe Gabe allein dem Geiſte zu. Der
Geiſt aber braucht kein Geleit oder Wagen, denn
er iſt ſelbſt diejKraft und Fuhre, dadurch alles
geführt wird, braucht nicht, daß er geſührt wer—
de. Wir leſen auch dergleichen nie in heili—
ger Schrift, daß äußerliche Dinge, dergleichen
die Sacramente ſind, den Geiſt gewiß mit ſich
bringen. Daraus man den Schluß macht
(delches ich in dem Sacramenthandel gerne ge⸗
ſiehe und zulaſſe), daß die Sacramente zum öf⸗
fentlichen Zeugniß derjenigen Gnade, welche bei
jeder einzelnen Perſon ſchon vorher da iſt, gege⸗
ben werde. Alſo nimmt die Kirche durch die
Taufe denjenigen auf, der erſt durch die Gnade
aufgenommen iſt. Bringt alſo die Taufe keine
Gnade, ſondern bezeugt nur der Kirche, daß ſie
der, welchem ſie gegeben wird, ſchon empfangen
habe... Wenn man canoniſch oder recht richtig
reden will, ſo ſehen wir, daß die äußerliche Pre⸗
digt der Apoſtel und Evangeliſten oder Biſchofe
bei allen Völkern vor dem Glauben hergegangen,
welchen wir doch dem heiligen Geiſte allein zu⸗
ſchreiben. Denn wir ſehen leider gar viele,
welche zwar die äußerliche Predigt des Evange⸗
li hören, aber doch nicht gläuben, weil es
am Geiſt fehlt. Wo demnach Propheten
d. i. Prediger des Worts hingeſchickt werden, da
iſt es ein Zeichen der Gnade Gottes, weil er
ſeinen Auserwählten die Erkenntniß ſeiner ſelbſt
offenbaren will.“ (Bekenntniß des Glaubens
vom Jahre 1530.) Ferner ſagt Zwingli: „Es
iſt eine Frechheit, daß man gelehret hat, daß der
Menſch durch die Schlüſſel (des Himmelreichs,
welche ſind das Evangelium) „gewiß werde, wel⸗
cher nur durch den Glauben inwendig gewiß iſt.
Vergeblich wirſt du ſprechen: Du biſt frei“ (von
der Verdammniß der Sünde) „denn du kannſt
ihn durch vein Wort nicht mehr gewiß machen,
als du aus einer Fliege einen Elephanten machſt,
wenn du ſagſt: Du biſt ein Elephant.“ (Buch
von der wahren u. f. Religion.)
Calvin ſchreibt: „Obgleich wir nicht leug—
nen, daß Gott ſelbſt mit der durchaus gegen⸗
wärtigen Kraft ſeines Geiſtes bei ſeiner Ein—
ſetzung ſei, damit die Verwaltung der Sacra—
mente, die er geordnet, nicht unfruchtbar und
leer ſei, ſo behanplen wir doch, daß die innere
Enade des Geiſtes, wie ſie von dem äußerlichen
Amte verſchieden iſt, ſo auch geſondert anzuſehen
und zu denken iſt.“ (Inſtitut. B. 4, Cap. 14,
17.
Beza ſchreibt: „Der irrt ſich gar ſehr und
thut Gott Unrecht, welcher meint, daß Gott ent—
weder den Menſchen, durch deren Mund er re⸗
det, oder dem äußerlichen Worte Gottes ſelbſt
oder den ſacramentlichen Zeichen auch nur das
allergeringſte von jener ſeiner göttlichen Kraft,
die Menſchen zu erneuern und zum ewigen Le—
ben in Chriſto zu erhalten, zuſchreibe.“ (Resp.
— 205̃ (—
ad Acta Coll. II, 218.) Derſelbe Beza ſchreibt
ſerner: „Es ſei ein handgreiflicher, aus den
ſtinkenden Pfützen der Scholaſtiker (päbſtiſchen
Theologen) geſchöpfter Irrthum, wenn zwar,
wie man ſpricht, die urſprüngliche verurſachende
Kraft der Gnadenmittheilung Gott, die ver—
mittelnde aber (instrumentalis) den Sa⸗
cramenten zugeſchrieben wird.“ (b.)
Grynäus: „Die Frommen mögen beden⸗
ken, daß dem äußerlichen Amte die Wirkung des
innerlichen Amtes durch dieſen Ausſpruch Pauli
2 Cor. 3, 6. und andere ähnliche in ſacramen⸗
tierlicher Redeweiſe*), um dasſelbe zu ehren, zu⸗
geſchrieben werde.“ Disput. de euchar. th. 179
Die Reformirten ſtehen 1., wie man hieraus
ſieht, auf einem Grunde mit den Schwärmern,
indem ſie nicht nur die äußere Ordnung des
Predigtamtes herabſetzen, ſondern überhaupt die
göttliche wirkende und mittheilende Kraft des
Wortes verleugnen und eigentlich an eine un⸗
mittelbare Erleuchtung glauben.
Dieſe Lehre aber verdammen wir als eine
ſchändliche und gottloſe Lehre. Wie kann nun
Herr Paſtor Graban es wagen, dieſelbe uns auf⸗
zubürden? Er hat die Kraft des Wortes Got⸗
tes von dem Amte der Prediger abhängig gemacht,
und das haben wir geleugnet, weil eben da⸗
durch die rechte lutheriſche Lehre
von der Kraft des Predigtametes
oder des Wortes verleugnet wird.
Wir aber haben nicht, wie Herr Paſt. Grabau
unbegreiflicherweiſe vorgibt, „das Wort Gottes
vom Predigtamte getrennt,“ ſondern vielmehr
eben gegen ihn ſelbſt zu vertheidigen und zu ret—
ten geſucht, daß ohne das Wort Gottes das
Predigtamt ein ſchlecht Amt ſei, unkräftig, nich⸗
tig, wie das Waſſer ohne Gottes Wort ſchlecht
Waſſer und keine Taufe iſt, daß aber allein durch
das Wort Gottes, und nicht, ich weiß nicht was
für einen, den Laien nicht inwohnenden Charac⸗
ter (delebilis oder indelebilis), das heilige Pre⸗
digtamt ſeine Kraft habe; welche Kraft aber das
heilige Predigtamt auch bei einem nicht recht—
mäßig dazu Berufenen erweiſe, weil Gottes
Wort und Sacrament Gottes Wort und Sa⸗
crament iſt und bleibt u. ſeine göttliche himmliſche
Kraft hat und behält, mag nun, daß wir mit
Herrn Paſtor Grabau reden, das Dienſtmittel
ſein, welches es wolle; das aber hat Herr Paſt.
Grabau geleugnet.
Gott gebe, daß derſelbe die Sache unparthei⸗
iſch überlegen und ſeine grundloſe Anſchuldigung,
die nicht allein unſere Perſon, ſondern das von
uns geführte Bekenntniß der rechtgläubigen Kir—
che betrifft, zurücknehmen möge.
) Die Reſormirten machen eine Petitio principii, das
heißt, ſie beweiſen etwas durch das, was erſi zu beweiſen iſt.
Sie ſagen nehmlich, der Leib Chriſti iſt im Abendmahl nicht
wirklich gegenwärtig, weil er blos ſacramentierlich gegeuwär⸗
wärtig ſei. Aber vas iſt eben zu beweiſen, daß eine ſacra⸗
mentierliche Gegenwart nicht eine wahre, wirlliche, weſent⸗
liche ſei. Grynäus geht nun ſo weit, zu behaupten, auch
das ganze äußerliche Amt habe göttliche Kraft, wenn man
nach ſarramentierlicher Weiſe reden wolle, das heißt nach
ſeinem Sinne, wenn man etwas zwar ſagt, wenn es aber
nicht ſp iſt, wenn man dem Zeichen einer Sache die Sache
ſelbſt zuſchreibt.
(Ein geſandi.)
Beurtheilung des Kampfes zwiſchen Paſt.
Grabau und der Synode von Miſſouri,
Ohio u. a. St. *)
Herr Paſt. Grabau betrachtet den ganzen Streit
mit der Synode von Miſſouri als einen Streit
mit den hervorragenden Häuptern derſelben.
Die Synode ſelbſt ſieht er nur als ein Werkzeug
dieſer Männer an und traut ihr nicht ſo viel
Selbſtſtändigkeit zu, die Wahrheit zu vertreten
und zu vertheidigen, wenn ſie ſchon ſehen ſollte,
daß ſie von dieſen ihren Stimmführern mehr oder
weniger verletzt würde. Daß ſolches für unſere
Synode ein ſehr beſchwerender Vorwurf iſt, ſieht
ein Jeder. Stünde es wirklich ſo, ſo wäre es
fürwahr traurig; denn dann beſtände in der
That unter uns ein Papismus, eine Herrſchaft
über die Gewiſſen im Widerſpruch mit der Lehre,
welche von unſrer Synode ſeit ihrem Beſtehen
vielfältig vertheidigt worden iſt, nämlich mit der
Lehre vom geiſtlichen Prieſterthum aller Chriſten.
Dann hätte unſre Synode allerdings die herr⸗
liche Freiheit, die ſie in Chriſto hat, verkauft
und ſich zur Schmach des einigen Kirchenhaup⸗
tes Jeſu Chriſti in Menſchenknechtſchaft begeben,
welches erſchrecklich iſt nur zu denkin, geſchweige
zu behaupten.
Da nun dieſer Vorwurf von Paſt. Grabau
erhoben worden iſt, ſo müſſen ſich allerdings die
Glieder unſrer Synode regen, wenn ſie nicht
durch Stillſchweigen das Urtheil Grabaus recht⸗
ſprechen wollen.
Und das iſt die Urſache, welche die Unterzeich⸗
neten, als Glieder der Synode, dringt, gegen
einen ſolchen Vorwurf zu proteſtiren, und die
Unſchuld der Synode zu vertheidigen. Und ob⸗
gleich die Hoffnung ſehr gering iſt, daß Herr Paſt.
Grabau von der Ungerechtigkeit ſeines Vorwurfs
dadurch überzeugt und ihn öffentlich wiederrufen
wird; ſo bleibt immerhin die Selbſtvertheidigung
Pflicht, wenn der uns gemachte Vorwurf Got⸗
tes Ehre und Wahrheit ſelbſt beeinträchtigt, und
viele unſchuldige Seelen ärgern kann; ſie mögen
nun von der Gegenpartei anerkannt werden oder
nicht.
Der ganze Vorwurf des Paſt. Grabau ſcheint
ſich darauf zu gründen, daß Etliche unter uns
ſind, die allerdings meiſt das öffentliche Wort
führen. Aber daraus zu beweiſen, daß die An⸗
dern alle wie die unmündigen Kinder nur Ja
und Nein ſagen und durch Menſchenfurcht oder
Menſchengefälligkeit in ihrem Gewiſſen gebun—
den ſind, iſt eine ſtarke Präfumtion, die jedes
gerechten Grundes entbehrt. Denn iſt es nicht
immer und allenthalben ſo, daß die am meiſten
das öffentliche Wort führen, welche beſonders
mit Licht, Kraft und Geiſt dazu ausgerü⸗
ſtet ſind? Wär' es nicht ſchändlich, das große
Werkzeug der Reformation Dr. Luthern darum
einen Papſt zu nennen, weil er in allen Streit⸗
fragen das vornehmſte Wort führte? Hat Gott
die Glieder des Leibes nicht verſchieden gemacht?
*) Auch dieſer Aufſatz iſt von den unterzeichneten Brü⸗
dern eingeſendet werden, ehe Paſt. Grabau's Erklärung,
ſich auf keine mündlichen Verhandlungen einlaſſen zu wol⸗
len, eingegangen war. D. N.
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