Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 204
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-16, Seite 204
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„ſtus bekennt ſich zu ſeiner göttlichen unum⸗“
„ſtößlichen Ordnung, nicht zu unſerer Will⸗“
„kühr und Unordnung.“
Der liebe Leſer ſieht hier: Herr P. Grabau
ſieht 1. den, welcher nicht ordentlich berufen
iſt, ſelbſt wenn er die Abſolution ſpricht, das
hl. Abendmahl verwaltet, nicht für einen Men⸗
ſchen an, der damit das Amt verwaltet. Herr
P. Grabau lehrt 2. nicht, daß die Amts⸗-
verwaltung kräftig ſei wegen des Wor⸗
tes, ſondern umgekehrt, daß „die Worte der
Einſetzung kräftig ſeien wegen des Amtes.“
Hr. P. Grabau lehrt ferner 3. nicht, daß ein
Abſolutionſprechen u. Sacramentverwalten oh⸗
ne ordentlichen Beruf nur unrechtmäßig
(illegitimum) geſchehe — das wäre ja freilich
ganz richtig, bibliſch, lutheriſch — ſondern daß
dies auch unkräftig, ungültig (non ratum)
ſei. Herr P. Grabau lehrt endlich 4. nicht,
daß wir gewiß ſein können, daß der HErr Ab⸗
ſolution und Sacramente durch ſein Wort ver—
wirklichen und darreichen wolle, wenn nur dieſe
heiligen Handlungen nach Chriſti Einſetzung
verwaltet werden; ſondern vielmehr erſt dann,
wenn auch noch der, der dieſe Stiftungen Got⸗
tes verwaltet, in rechter Ordnung dazu beru⸗
fen iſt.
Jeder ſieht, daß dies falſche unlutheriſche
Lehre iſt. Was den 1. Punkt betrifft, ſo ſchreibt
Luther: „Und daß ich einmal auf die Frage
antworte, die ich oben thät, nehmlich, wie man
ſich halten ſolle gegen den Pfarrherrn im Pabſt⸗
thum, weil ſie allzumal nicht anders, denn von
Winkelbiſchöfen zur Winkelmeſſe gewei⸗
het ſind; hier ſollſt du ſo thun: ſeinen Chreſem
und Winkelweihe ſollſt du nichts achten, noch
anſehen, als die gewißlich nichts iſt, der Kirchen
und dir auch nichts nützet noch dienet; ſondern
da ſchau auf, daß er das Pfarramt in⸗
ne hat, welches nicht ſein, ſondern Chriſti Amt
iſt. Laß dich auch nicht irren, ob er
ſei ordentlich berufen, oder habe ſich
hinein gekauft oder gedrungen, wie er hinein
kommen iſt, über Haupt oder über Fuß, er ſei
Judas oder St. Peter, da laß dir nichts anlie⸗
gen; ſcheide du das Amt von der Perſon, und
das Heiligthum vom Gräuel.“ (XIX, 1555.)
Was den 2. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Luther:
„Der Täufer macht keine Taufe, ſondern Chri⸗
ſtus hat ſie zuvor gemacht; der Täufer reicht
und gibt ſie allein. Denn da ſtehet Chriſtus
Ordnung, die iſt, wie St. Auguſtinus ſpricht:
Accedit verbum ad elementum, et fit sacra-
mentum (Kommt das Wort zum Element, ſo
wird es ein Sacrament): wenn man Waſſer
nimmt, und thut ſein Wort dazu, ſo iſt's eine
Taufe, wie er befiehlt Matth. am letzten V.
19.: „Gehet hin, lehret alle ꝛc. Dieſer Befehl
und Einſetzung, die thut's; die machen, daß
Waſſer und Wort eine Taufe iſt; unſer Werk
oder Thun ex opere operato thut's nicht.
Denn es heißet nicht darum eine Taufe, daß
ich täufe, oder das Werk thue, wenn ich auch
heiliger, denn St. Johannes oder ein Engel
wäre. Sondern darum heißet mein Taufen
eine Taufe, daß es Chriſti Wort, Be⸗
—202—
fehl und Einſetzung alſe geordnet
hat, daß Waſſer und ſein Wort
ſollen eine Taufe ſein.. .. Alſo
auch, daß Brod und Wein Chriſti Leib und
Blut werde, iſt nicht unſers Thun's, Sprechens
noch Werks, viel weniger des Chreſems oder
Weihe Schuld, ſondern es iſt Chriſti Ordnung,
Befehl und Einſetzung Schuld; derſelbe hat be—
fohlen (wie St. Paulus ſagt 1. Cor., 11,
23.): Wenn wir zuſammen kommen,
und ſeine Worte über Brod und
Wein ſprechen, ſo ſoll es ſein Leib
und Blut ſein; daß wir hier auch nicht
mehr thun, denn reichen, und geben Brod und
Wein mit ſeinen Worten nach ſeinem Befehl
und Einſetzung. Und ſolch ſein Befehl und
Einſetzung vermag und ſchafft, daß wir nicht
ſchlecht Brod und Wein, ſondern ſeinen Leib
und Blut darreichen und empfahen.“ (Schrift
von der Winkelmeſſe und Pfaffenweihe vom J.
1533. XIX, 1548. 49.) Was den 3. Punkt
betrifft, ſo ſchreibt Luther ebendaſelbſt: „Ich
will nicht ſagen, wie die Papiſten, daß kein En⸗
gel noch Maria könne wandeln ꝛe.“), ſondern
ſo ſage ich: Wenn gleich der Teufel ſelbſt käme
(wenn er ſo fromm wäre, daß er's thun wollte
oder könnte) — oder ich ſetze, daß ich's hernach
erführe, daß der Teufel ſo herein in das Amt
geſchlichen wäre“n), oder hätte ſich gleich
laſſen als in Mannsgeſtalt berufen zum Pfarr⸗
amt und öffentlich in der Kirche das Evange⸗
lium gepredigt, getauft, Meſſe gehalten, abſol—
virt, und ſolch Amt und Saerament als ein
Pfarrherr geübt und gereicht, nach dem Befehl
und Ordnung Chriſti: ſo müßten wir dennoch
bekennen, daß die Sacramente rechet wären,
wir rechte Taufe empfangen, recht Evangelium
gehört, rechte Abſolution krieget,
recht Sacrament des Leibs und
Bluts Chriſti genommen hätten.
Denn es muß unſer Glaube und Saerament
nicht auf der Perſon ſtehen, ſie ſei fromm oder
böſe, geweihet oder ungeweihet, berufen oder
eingeſchlichen, der Teufel oder ſeine Muiter;
ſondern auf Chriſto, auf ſeinem Wort, auf ſei⸗
nem Amt, auf ſeinem Befehl und Ordnung.
Wodieſelben gehen ), da muß es recht
gehen und ſtehen, die Perſon ſei, wer und wie
ſie wolle oder könne.“ (XXI. 1551.) — Was
*) Das heißt, durch die Conſecration Brod und Wein in
Leib und Blut Chriſti verwandeln, wie die Papiſten lehren.
D. R.
*) Luther. ſetzt alſo erſtlich den Fall, daß der Teufel auch
nicht ordentlich berufen worden wäre.
+) Der Leſer ſieht hieraus, nach Luther's Lehre „gehi
eben da das Amt,“ wo Gottes Wort recht geprediget,
oder wo die Taufe, oder das hl. Abendmahl recht verwal tet,
oder die Abſolution nach Laut des Evangeliums geſprochen
wird, wenn auch der, welcher dieſe Amtsſtücke handhabt,
keinen ordentlichen Beruf hat. Wäre das nicht der Fall,
ſo könnte auch niemand in das Predigtamt als in ein frem-
des Amt greifen. Daher wird in den ſymboliſchen Büchern
das Wort ſelbſt geradezu das Amt des Geiſtes genannt und
hiermit angezeigt, daß, wo das Wort erſchallt, wer es auch
verkündigen möge, auch das Amt gehe, und daß daher wohl
das Pfarramt an das Wort, nicht aber das Wort an das
Pfarramt gebunden ſei, was Paſtor Grabau verwechſelt.
Vergl. Concordienbuch p. 805.
ſchauung deſſelben von dem Predigtamt eigen⸗
endlich den 4. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Lulher
in eben dieſer Schrift: „Wenn ein Schalk, Hu⸗
renkind, oder Dieb in ein fremd Erbgut kommt,
ſo gilt alles Gut eben ſo viel, als wenn's der
rechte Erbe hätte. Alſo gehet's hie mit den Sa⸗
cramenten auch. Wir thun Waſſer und Won 7
zuſammen, wie er uns gebeut; aber ſolch unſer.
Thun macht's nicht zur Taufe, ſondern Chriſtl
Befehl und Ordnung. Wir thun nach ſeinem
Gebot Brod und Wein zum Worte Chriſtiz aber
ſolch unſer Thun wandelt's nicht, ſondern Chri⸗—
ſtus Wort und Ordnung. Wenn nun hie der
Teufel oder ſein Glied die Ordnung Chrifi
hielte und darnach thäte, ſo wäre es gleichwohl
die rechte Taufe und Sacrament. Denn Chri- J
ſtus wird um's Teufels oder böſer Leute willen
kein Lügner noch Betrüger ſeiner Kirchen, ſol⸗
dern täufet ſie und gibt ihr ſeinen Leib und!
Blut, es ſei die Hand, dadurch er's thut, weß
und wer ſie wolle. Bekennen doch die Papiſten
ſelbſt, daß die Taufe, im Scherz oder Spielsweiſe
gegeben, ſei eine rechte Taufe; wie in Hiſtoria
Eccleſiaſtica von St. Athanaſio geſchrieben ſte⸗
het, daß er mit ſeinen Geſellen und Kindern
am Meere ſpielete, und täufete ſie, wie er's hat⸗
te geſehen in der Kirchen vom Biſchofe, und der 4
Biſchof Alexander hielt's für eine rechte Taufe,“
und täufete dieſelben Kinder nicht wiederum.“
(XXI. 1553. 54.)
Wir thun hiernach Hrn. P. Grabau gewiß
nicht Unrecht, wenn wir behaupten, daß der An⸗
lich der römiſche Begriff eines geiſtlichen Stan⸗
des zu Grund liege. So ſchreibt Carpzov
in ſeiner Einleitung in die ſymboliſchen Bücher:
„Das Wort Ordo bedeutet bei den Papiſten,
materialiter genommen (das heißt, nicht als die
Handlung, wodurch der Ordo entſteht, ſondern
als geiſtlicher Stand ſelbſt), einen hervorragen⸗
den Grad in der Kirche, welcher zu rechtmäßi—
ger und gültiger Ausübung einer ſacramenta⸗
len Handlung die Fähigkeit gibt.“ (p. 413.)
Davon ſpricht auch Gerhard in ſeinen Lo-
cis. Daſelbſt heißt es nehmlich: „Dieſe allge⸗
meine Fähigkeit ſetzt Luther dem prieſterlichen
Charakter entgegen, von dem die Scholaſtiker
und Päbſtler disputiren, daß durch das Sacra⸗
ment der Ordination in der Seele des Em⸗
pfängers derſelben eine gewiſſe geiſtliche Macht
bewirkt und verurſacht werde, durch die der
Prieſter fähig werde, das Sacrament des Altarb
zu machen, ſo daß es ohne jene (Macht) auf;
keine Weiſe verwirklicht werden könne, und weil
ſie ſagen, daß zum Zeichen dieſer Macht der
Seele ein Charakter eingedrückt werde.“ (L. de-
sacr. §. 29.) Endlich ſchreibt Chemnitz
auf die Worte des Tridentiniſchen Concils:
„Wenn jemand ſagt, daß nicht allein die Prie⸗
ſter die Verwalter der Abſolution ſeien, ſondern
daß zu allen Gläubigen Chriſti geſagt ſei: Was
ihr auf Erden binden werdet ꝛc., kraft welcher
Worte jeder abſolviren könne, der ſei verfluch!“
u. A. Folgendes: „Es iſt kein Zweifel, daß
Gott durch die verkündigte Stimme des Evan⸗
geliums wirkſam ſei, von wem dieſelbe auch
immer verkündigt werden möge. Warum macht⸗
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