Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 26 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-08-16, Seite 203
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Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
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(Offend. Job. Ca v. 14, v. 6. 7.)
Redigirt von C. F. W. Walther.
Jahrg. 8.
St. Louis, Mo., den 17. Auguſt 1852.
No. 26.
Bedingungen:
Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
Sabſcriptienspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszube⸗
inhleu und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft.
aber.
Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalteIRMad an den Redakteur, alle anderen
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Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W.
Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
Bon der Kraft des heiligen Predigt⸗
amtes.
(Gegen die Beſchuldigung im „Informatori⸗
um,“ Jahrg. 1., No. 17., daß wir die rechte
Lehre vom heiligen Predigtamt beſtreiten, wie
ſie ſchon von den Neformirten beſtritten wor⸗
den ſei.) )
In angezeigter Nummer ſeines „Informato⸗
rium“ theilt Hr. P. Grabau aus einer Schrift
des alten Helmſtädter Theologen Pfafrad ein
Ercerpt mit, in welchem die falſche Lehre der
Reformirten vom h. Predigtamt dargeſtellt und
widerlegt wird. Zum Schluſſe macht erſterer
die Bemerkung: „Aus allem dieſem iſt zu ſehen,
daß die rechte Lehre vom h. Predigtamt ſchon
von den Reformirten längſt beſtritten worden
iſt, wie ſie jetzt von denen beſtritten wird, die
einer ſeparatiſtiſchen Lehre vom geiſtlichen Prie⸗
ſterthum huldigen, und das Wort Gottes vom
Predigtamt trennen.“ Zwar ſind wir hier wi⸗
der Gewohnheit nicht mit Namen genannt, aber
doch nach der Art und Weiſe, wie Hr. P. Gra⸗
bau ſonſt von uns redet, ſo deutlich bezeichnet,
*) Dieſen Aufſatz hatten wir geſchrieben, noch ehe wir
wußten, daß Paſtor Grabau unſer Anerbieten, mit ihm
mündlich zu verhandeln, ausgeſchlagen habe. In Sorge,
ſelbſt dieſe in chriſtlicher Freundlichkeit gemachte Auseinan⸗
derſetzung möchte der Genannte dazu gebrauchen, uns ei⸗
nes neuen Friedensbruches zu zeihen, behielten wir den
Aufſatz zurück. Wir geben ihn nun, wie wir ihn urſprüng⸗
lich verfaßt haben.
D. R.
1
daß wohl jeder Leſer auf die Gedanken' kom⸗
men muß, daß wir hiermit gemeint ſeien.
Da wir aber, was der alte treue Pfafrad
über das liebe heilige Predigtamt lehrt, nie ge⸗
leugnet, ſondern immer von ganzem Herzen ge⸗
glaubt haben und noch glauben, geſchweige,
daß wir dagegen auch nur mit einem Wörtlein
geſtritten haben ſollten, ſo bleibt uns nichts
übrig, als anzunehmen, daß Hr. P. Grabau
entweder nicht begriffen hat, welches in dieſer
Lehre der eigentliche „Status controversiae“
(Streitpunkt) bei dem Kampfe zwiſchen den
Reformirten und Lutheranern geweſen ſei, oder
daß er, mit Widerwilligkeit gegen uns angefüllt,
wie er iſt, Dinge von uns zu leſen und zu hö⸗
ren wähnt, welche uns weder je in die Feder,
noch in den Mund, noch in das Herz gekommen
ſind.
Zwiſchen uns und Herrn P. Grabau be⸗
ſteht allerdings ſeit Jahren ein Streit auch über
die Kraft des hl. Predigtamtes, aber nicht ſo,
daß letzterer die Lehre der lutheriſchen Kirche,
wir hingegen die der reformirten über dieſen
Gegenſtand vertreten hätten! Die Sache ver⸗
hält ſich vielmehr folgendermaßen.
Herr Paſtor Grabau hatte u. A. in ſeinem
ſogenannten Hirtenbrief vom Jahre 1840 Fol⸗
gendes geſchrieben:
„Daher hat auch die Kirche ſeit den älteſten“
„Zeiten geglaubt, daß zur rechten Verwaltung“
„der heiligen Sacramente, zur Ertheilung der“
„Abſolutidn, nicht allein das Wort der“
„Einſetzung an ſich gehöre, ſondern auch“
„der rechte göttliche Beruf und Be⸗
„fehlz und geſetzt auch, die Amtsperſon wäre“
„böſe, ſo ſin d die Worte der Ein⸗“
„ſetzung doch kräftig wegen des“
„Amtes, zu welchem der Herr ſich noch be⸗“
„kennt; denn in dem Amte liegt das Zeugniß“
„Chriſti, feine einmal gemachte Einſetzung“
„(Abſolution und Sakramente) auf Erden fort“
„und fort durch das dabei gebrauchte Wort“
„verwirklichen u. darreichen zu wollen. Nicht“
„daß Chriſtus des Amtes bedürfe, um ſei⸗
„nen Ein ſetzungsworten die Kraft erſt zu ver⸗
„leihen, ſondern weil Chriſtus zu mehrerer“
„Verſicherung für uns, ſich des von ihm ein⸗“
„geſetzten Amtes bedienen will, um auf Er⸗“
„den kraft ſeines Worts mit dem Menſchen zu“
„handeln. Vergl. die 518. Frage im Cate⸗“
„chismus: „Wer reichet das hl. Abendmahl?“
„Die berufenen Lehrer und Prediger der wah⸗“
„ren Kirche. Spruch: 1. Cor., 4, 1. Die“
„519. 520. Frage: Die Verrichtung der Kir⸗“
„chendiener beſteht im Conſekriren, im Aus⸗“
„theilen des heil. Abendmahls. Spruch: 1.“
„Cor., 10, 16. Der geſegnete Kelch, welchen“
„wir ſegnen ꝛc. Mithin ſind wir überzeugt,“
„daß ein von der Gemeine will⸗“
„L ührlich aufgeworfener Mann we⸗
„der die Abſolution geben, noch den“
„Leib und das Blut Chriſti aus⸗“
„theilen könne, ſondern daß er ei⸗“
„tel Brod und Wein gibtz denn Chri⸗“
—
„Gottes Wort und Luthers Cehr' vergehet nun und nimmermehr.““
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