# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 08 16_S207 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ren namhafteſten Theologen der reformirten Kirche folgen. 3Zwingli ſchreibt: „Siebentens, glaube ich und weiß, daß alle Sacramente ſogar die Gnade nicht ertheilen, daß ſie ſie nicht einmal reichen joder vorhalten. Denn die Gnade wird vom heiligen Geiſte gewirkt und gegeben, und daher kommt dieſe Gabe allein dem Geiſte zu. Der Geiſt aber braucht kein Geleit oder Wagen, denn er iſt ſelbſt diejKraft und Fuhre, dadurch alles geführt wird, braucht nicht, daß er geſührt wer— de. Wir leſen auch dergleichen nie in heili— ger Schrift, daß äußerliche Dinge, dergleichen die Sacramente ſind, den Geiſt gewiß mit ſich bringen. Daraus man den Schluß macht (delches ich in dem Sacramenthandel gerne ge⸗ ſiehe und zulaſſe), daß die Sacramente zum öf⸗ fentlichen Zeugniß derjenigen Gnade, welche bei jeder einzelnen Perſon ſchon vorher da iſt, gege⸗ ben werde. Alſo nimmt die Kirche durch die Taufe denjenigen auf, der erſt durch die Gnade aufgenommen iſt. Bringt alſo die Taufe keine Gnade, ſondern bezeugt nur der Kirche, daß ſie der, welchem ſie gegeben wird, ſchon empfangen habe... Wenn man canoniſch oder recht richtig reden will, ſo ſehen wir, daß die äußerliche Pre⸗ digt der Apoſtel und Evangeliſten oder Biſchofe bei allen Völkern vor dem Glauben hergegangen, welchen wir doch dem heiligen Geiſte allein zu⸗ ſchreiben. Denn wir ſehen leider gar viele, welche zwar die äußerliche Predigt des Evange⸗ li hören, aber doch nicht gläuben, weil es am Geiſt fehlt. Wo demnach Propheten d. i. Prediger des Worts hingeſchickt werden, da iſt es ein Zeichen der Gnade Gottes, weil er ſeinen Auserwählten die Erkenntniß ſeiner ſelbſt offenbaren will.“ (Bekenntniß des Glaubens vom Jahre 1530.) Ferner ſagt Zwingli: „Es iſt eine Frechheit, daß man gelehret hat, daß der Menſch durch die Schlüſſel (des Himmelreichs, welche ſind das Evangelium) „gewiß werde, wel⸗ cher nur durch den Glauben inwendig gewiß iſt. Vergeblich wirſt du ſprechen: Du biſt frei“ (von der Verdammniß der Sünde) „denn du kannſt ihn durch vein Wort nicht mehr gewiß machen, als du aus einer Fliege einen Elephanten machſt, wenn du ſagſt: Du biſt ein Elephant.“ (Buch von der wahren u. f. Religion.) Calvin ſchreibt: „Obgleich wir nicht leug— nen, daß Gott ſelbſt mit der durchaus gegen⸗ wärtigen Kraft ſeines Geiſtes bei ſeiner Ein— ſetzung ſei, damit die Verwaltung der Sacra— mente, die er geordnet, nicht unfruchtbar und leer ſei, ſo behanplen wir doch, daß die innere Enade des Geiſtes, wie ſie von dem äußerlichen Amte verſchieden iſt, ſo auch geſondert anzuſehen und zu denken iſt.“ (Inſtitut. B. 4, Cap. 14, 17. Beza ſchreibt: „Der irrt ſich gar ſehr und thut Gott Unrecht, welcher meint, daß Gott ent— weder den Menſchen, durch deren Mund er re⸗ det, oder dem äußerlichen Worte Gottes ſelbſt oder den ſacramentlichen Zeichen auch nur das allergeringſte von jener ſeiner göttlichen Kraft, die Menſchen zu erneuern und zum ewigen Le— ben in Chriſto zu erhalten, zuſchreibe.“ (Resp. — 205̃ (— ad Acta Coll. II, 218.) Derſelbe Beza ſchreibt ſerner: „Es ſei ein handgreiflicher, aus den ſtinkenden Pfützen der Scholaſtiker (päbſtiſchen Theologen) geſchöpfter Irrthum, wenn zwar, wie man ſpricht, die urſprüngliche verurſachende Kraft der Gnadenmittheilung Gott, die ver— mittelnde aber (instrumentalis) den Sa⸗ cramenten zugeſchrieben wird.“ (b.) Grynäus: „Die Frommen mögen beden⸗ ken, daß dem äußerlichen Amte die Wirkung des innerlichen Amtes durch dieſen Ausſpruch Pauli 2 Cor. 3, 6. und andere ähnliche in ſacramen⸗ tierlicher Redeweiſe*), um dasſelbe zu ehren, zu⸗ geſchrieben werde.“ Disput. de euchar. th. 179 Die Reformirten ſtehen 1., wie man hieraus ſieht, auf einem Grunde mit den Schwärmern, indem ſie nicht nur die äußere Ordnung des Predigtamtes herabſetzen, ſondern überhaupt die göttliche wirkende und mittheilende Kraft des Wortes verleugnen und eigentlich an eine un⸗ mittelbare Erleuchtung glauben. Dieſe Lehre aber verdammen wir als eine ſchändliche und gottloſe Lehre. Wie kann nun Herr Paſtor Graban es wagen, dieſelbe uns auf⸗ zubürden? Er hat die Kraft des Wortes Got⸗ tes von dem Amte der Prediger abhängig gemacht, und das haben wir geleugnet, weil eben da⸗ durch die rechte lutheriſche Lehre von der Kraft des Predigtametes oder des Wortes verleugnet wird. Wir aber haben nicht, wie Herr Paſt. Grabau unbegreiflicherweiſe vorgibt, „das Wort Gottes vom Predigtamte getrennt,“ ſondern vielmehr eben gegen ihn ſelbſt zu vertheidigen und zu ret— ten geſucht, daß ohne das Wort Gottes das Predigtamt ein ſchlecht Amt ſei, unkräftig, nich⸗ tig, wie das Waſſer ohne Gottes Wort ſchlecht Waſſer und keine Taufe iſt, daß aber allein durch das Wort Gottes, und nicht, ich weiß nicht was für einen, den Laien nicht inwohnenden Charac⸗ ter (delebilis oder indelebilis), das heilige Pre⸗ digtamt ſeine Kraft habe; welche Kraft aber das heilige Predigtamt auch bei einem nicht recht— mäßig dazu Berufenen erweiſe, weil Gottes Wort und Sacrament Gottes Wort und Sa⸗ crament iſt und bleibt u. ſeine göttliche himmliſche Kraft hat und behält, mag nun, daß wir mit Herrn Paſtor Grabau reden, das Dienſtmittel ſein, welches es wolle; das aber hat Herr Paſt. Grabau geleugnet. Gott gebe, daß derſelbe die Sache unparthei⸗ iſch überlegen und ſeine grundloſe Anſchuldigung, die nicht allein unſere Perſon, ſondern das von uns geführte Bekenntniß der rechtgläubigen Kir— che betrifft, zurücknehmen möge. ) Die Reſormirten machen eine Petitio principii, das heißt, ſie beweiſen etwas durch das, was erſi zu beweiſen iſt. Sie ſagen nehmlich, der Leib Chriſti iſt im Abendmahl nicht wirklich gegenwärtig, weil er blos ſacramentierlich gegeuwär⸗ wärtig ſei. Aber vas iſt eben zu beweiſen, daß eine ſacra⸗ mentierliche Gegenwart nicht eine wahre, wirlliche, weſent⸗ liche ſei. Grynäus geht nun ſo weit, zu behaupten, auch das ganze äußerliche Amt habe göttliche Kraft, wenn man nach ſarramentierlicher Weiſe reden wolle, das heißt nach ſeinem Sinne, wenn man etwas zwar ſagt, wenn es aber nicht ſp iſt, wenn man dem Zeichen einer Sache die Sache ſelbſt zuſchreibt. (Ein geſandi.) Beurtheilung des Kampfes zwiſchen Paſt. Grabau und der Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St. *) Herr Paſt. Grabau betrachtet den ganzen Streit mit der Synode von Miſſouri als einen Streit mit den hervorragenden Häuptern derſelben. Die Synode ſelbſt ſieht er nur als ein Werkzeug dieſer Männer an und traut ihr nicht ſo viel Selbſtſtändigkeit zu, die Wahrheit zu vertreten und zu vertheidigen, wenn ſie ſchon ſehen ſollte, daß ſie von dieſen ihren Stimmführern mehr oder weniger verletzt würde. Daß ſolches für unſere Synode ein ſehr beſchwerender Vorwurf iſt, ſieht ein Jeder. Stünde es wirklich ſo, ſo wäre es fürwahr traurig; denn dann beſtände in der That unter uns ein Papismus, eine Herrſchaft über die Gewiſſen im Widerſpruch mit der Lehre, welche von unſrer Synode ſeit ihrem Beſtehen vielfältig vertheidigt worden iſt, nämlich mit der Lehre vom geiſtlichen Prieſterthum aller Chriſten. Dann hätte unſre Synode allerdings die herr⸗ liche Freiheit, die ſie in Chriſto hat, verkauft und ſich zur Schmach des einigen Kirchenhaup⸗ tes Jeſu Chriſti in Menſchenknechtſchaft begeben, welches erſchrecklich iſt nur zu denkin, geſchweige zu behaupten. Da nun dieſer Vorwurf von Paſt. Grabau erhoben worden iſt, ſo müſſen ſich allerdings die Glieder unſrer Synode regen, wenn ſie nicht durch Stillſchweigen das Urtheil Grabaus recht⸗ ſprechen wollen. Und das iſt die Urſache, welche die Unterzeich⸗ neten, als Glieder der Synode, dringt, gegen einen ſolchen Vorwurf zu proteſtiren, und die Unſchuld der Synode zu vertheidigen. Und ob⸗ gleich die Hoffnung ſehr gering iſt, daß Herr Paſt. Grabau von der Ungerechtigkeit ſeines Vorwurfs dadurch überzeugt und ihn öffentlich wiederrufen wird; ſo bleibt immerhin die Selbſtvertheidigung Pflicht, wenn der uns gemachte Vorwurf Got⸗ tes Ehre und Wahrheit ſelbſt beeinträchtigt, und viele unſchuldige Seelen ärgern kann; ſie mögen nun von der Gegenpartei anerkannt werden oder nicht. Der ganze Vorwurf des Paſt. Grabau ſcheint ſich darauf zu gründen, daß Etliche unter uns ſind, die allerdings meiſt das öffentliche Wort führen. Aber daraus zu beweiſen, daß die An⸗ dern alle wie die unmündigen Kinder nur Ja und Nein ſagen und durch Menſchenfurcht oder Menſchengefälligkeit in ihrem Gewiſſen gebun— den ſind, iſt eine ſtarke Präfumtion, die jedes gerechten Grundes entbehrt. Denn iſt es nicht immer und allenthalben ſo, daß die am meiſten das öffentliche Wort führen, welche beſonders mit Licht, Kraft und Geiſt dazu ausgerü⸗ ſtet ſind? Wär' es nicht ſchändlich, das große Werkzeug der Reformation Dr. Luthern darum einen Papſt zu nennen, weil er in allen Streit⸗ fragen das vornehmſte Wort führte? Hat Gott die Glieder des Leibes nicht verſchieden gemacht? *) Auch dieſer Aufſatz iſt von den unterzeichneten Brü⸗ dern eingeſendet werden, ehe Paſt. Grabau's Erklärung, ſich auf keine mündlichen Verhandlungen einlaſſen zu wol⸗ len, eingegangen war. D. N.