# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 08 16_S204 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) „ſtus bekennt ſich zu ſeiner göttlichen unum⸗“ „ſtößlichen Ordnung, nicht zu unſerer Will⸗“ „kühr und Unordnung.“ Der liebe Leſer ſieht hier: Herr P. Grabau ſieht 1. den, welcher nicht ordentlich berufen iſt, ſelbſt wenn er die Abſolution ſpricht, das hl. Abendmahl verwaltet, nicht für einen Men⸗ ſchen an, der damit das Amt verwaltet. Herr P. Grabau lehrt 2. nicht, daß die Amts⸗- verwaltung kräftig ſei wegen des Wor⸗ tes, ſondern umgekehrt, daß „die Worte der Einſetzung kräftig ſeien wegen des Amtes.“ Hr. P. Grabau lehrt ferner 3. nicht, daß ein Abſolutionſprechen u. Sacramentverwalten oh⸗ ne ordentlichen Beruf nur unrechtmäßig (illegitimum) geſchehe — das wäre ja freilich ganz richtig, bibliſch, lutheriſch — ſondern daß dies auch unkräftig, ungültig (non ratum) ſei. Herr P. Grabau lehrt endlich 4. nicht, daß wir gewiß ſein können, daß der HErr Ab⸗ ſolution und Sacramente durch ſein Wort ver— wirklichen und darreichen wolle, wenn nur dieſe heiligen Handlungen nach Chriſti Einſetzung verwaltet werden; ſondern vielmehr erſt dann, wenn auch noch der, der dieſe Stiftungen Got⸗ tes verwaltet, in rechter Ordnung dazu beru⸗ fen iſt. Jeder ſieht, daß dies falſche unlutheriſche Lehre iſt. Was den 1. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Luther: „Und daß ich einmal auf die Frage antworte, die ich oben thät, nehmlich, wie man ſich halten ſolle gegen den Pfarrherrn im Pabſt⸗ thum, weil ſie allzumal nicht anders, denn von Winkelbiſchöfen zur Winkelmeſſe gewei⸗ het ſind; hier ſollſt du ſo thun: ſeinen Chreſem und Winkelweihe ſollſt du nichts achten, noch anſehen, als die gewißlich nichts iſt, der Kirchen und dir auch nichts nützet noch dienet; ſondern da ſchau auf, daß er das Pfarramt in⸗ ne hat, welches nicht ſein, ſondern Chriſti Amt iſt. Laß dich auch nicht irren, ob er ſei ordentlich berufen, oder habe ſich hinein gekauft oder gedrungen, wie er hinein kommen iſt, über Haupt oder über Fuß, er ſei Judas oder St. Peter, da laß dir nichts anlie⸗ gen; ſcheide du das Amt von der Perſon, und das Heiligthum vom Gräuel.“ (XIX, 1555.) Was den 2. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Luther: „Der Täufer macht keine Taufe, ſondern Chri⸗ ſtus hat ſie zuvor gemacht; der Täufer reicht und gibt ſie allein. Denn da ſtehet Chriſtus Ordnung, die iſt, wie St. Auguſtinus ſpricht: Accedit verbum ad elementum, et fit sacra- mentum (Kommt das Wort zum Element, ſo wird es ein Sacrament): wenn man Waſſer nimmt, und thut ſein Wort dazu, ſo iſt's eine Taufe, wie er befiehlt Matth. am letzten V. 19.: „Gehet hin, lehret alle ꝛc. Dieſer Befehl und Einſetzung, die thut's; die machen, daß Waſſer und Wort eine Taufe iſt; unſer Werk oder Thun ex opere operato thut's nicht. Denn es heißet nicht darum eine Taufe, daß ich täufe, oder das Werk thue, wenn ich auch heiliger, denn St. Johannes oder ein Engel wäre. Sondern darum heißet mein Taufen eine Taufe, daß es Chriſti Wort, Be⸗ —202— fehl und Einſetzung alſe geordnet hat, daß Waſſer und ſein Wort ſollen eine Taufe ſein.. .. Alſo auch, daß Brod und Wein Chriſti Leib und Blut werde, iſt nicht unſers Thun's, Sprechens noch Werks, viel weniger des Chreſems oder Weihe Schuld, ſondern es iſt Chriſti Ordnung, Befehl und Einſetzung Schuld; derſelbe hat be— fohlen (wie St. Paulus ſagt 1. Cor., 11, 23.): Wenn wir zuſammen kommen, und ſeine Worte über Brod und Wein ſprechen, ſo ſoll es ſein Leib und Blut ſein; daß wir hier auch nicht mehr thun, denn reichen, und geben Brod und Wein mit ſeinen Worten nach ſeinem Befehl und Einſetzung. Und ſolch ſein Befehl und Einſetzung vermag und ſchafft, daß wir nicht ſchlecht Brod und Wein, ſondern ſeinen Leib und Blut darreichen und empfahen.“ (Schrift von der Winkelmeſſe und Pfaffenweihe vom J. 1533. XIX, 1548. 49.) Was den 3. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Luther ebendaſelbſt: „Ich will nicht ſagen, wie die Papiſten, daß kein En⸗ gel noch Maria könne wandeln ꝛe.“), ſondern ſo ſage ich: Wenn gleich der Teufel ſelbſt käme (wenn er ſo fromm wäre, daß er's thun wollte oder könnte) — oder ich ſetze, daß ich's hernach erführe, daß der Teufel ſo herein in das Amt geſchlichen wäre“n), oder hätte ſich gleich laſſen als in Mannsgeſtalt berufen zum Pfarr⸗ amt und öffentlich in der Kirche das Evange⸗ lium gepredigt, getauft, Meſſe gehalten, abſol— virt, und ſolch Amt und Saerament als ein Pfarrherr geübt und gereicht, nach dem Befehl und Ordnung Chriſti: ſo müßten wir dennoch bekennen, daß die Sacramente rechet wären, wir rechte Taufe empfangen, recht Evangelium gehört, rechte Abſolution krieget, recht Sacrament des Leibs und Bluts Chriſti genommen hätten. Denn es muß unſer Glaube und Saerament nicht auf der Perſon ſtehen, ſie ſei fromm oder böſe, geweihet oder ungeweihet, berufen oder eingeſchlichen, der Teufel oder ſeine Muiter; ſondern auf Chriſto, auf ſeinem Wort, auf ſei⸗ nem Amt, auf ſeinem Befehl und Ordnung. Wodieſelben gehen ), da muß es recht gehen und ſtehen, die Perſon ſei, wer und wie ſie wolle oder könne.“ (XXI. 1551.) — Was *) Das heißt, durch die Conſecration Brod und Wein in Leib und Blut Chriſti verwandeln, wie die Papiſten lehren. D. R. *) Luther. ſetzt alſo erſtlich den Fall, daß der Teufel auch nicht ordentlich berufen worden wäre. +) Der Leſer ſieht hieraus, nach Luther's Lehre „gehi eben da das Amt,“ wo Gottes Wort recht geprediget, oder wo die Taufe, oder das hl. Abendmahl recht verwal tet, oder die Abſolution nach Laut des Evangeliums geſprochen wird, wenn auch der, welcher dieſe Amtsſtücke handhabt, keinen ordentlichen Beruf hat. Wäre das nicht der Fall, ſo könnte auch niemand in das Predigtamt als in ein frem- des Amt greifen. Daher wird in den ſymboliſchen Büchern das Wort ſelbſt geradezu das Amt des Geiſtes genannt und hiermit angezeigt, daß, wo das Wort erſchallt, wer es auch verkündigen möge, auch das Amt gehe, und daß daher wohl das Pfarramt an das Wort, nicht aber das Wort an das Pfarramt gebunden ſei, was Paſtor Grabau verwechſelt. Vergl. Concordienbuch p. 805. ſchauung deſſelben von dem Predigtamt eigen⸗ endlich den 4. Punkt betrifft, ſo ſchreibt Lulher in eben dieſer Schrift: „Wenn ein Schalk, Hu⸗ renkind, oder Dieb in ein fremd Erbgut kommt, ſo gilt alles Gut eben ſo viel, als wenn's der rechte Erbe hätte. Alſo gehet's hie mit den Sa⸗ cramenten auch. Wir thun Waſſer und Won 7 zuſammen, wie er uns gebeut; aber ſolch unſer. Thun macht's nicht zur Taufe, ſondern Chriſtl Befehl und Ordnung. Wir thun nach ſeinem Gebot Brod und Wein zum Worte Chriſtiz aber ſolch unſer Thun wandelt's nicht, ſondern Chri⸗— ſtus Wort und Ordnung. Wenn nun hie der Teufel oder ſein Glied die Ordnung Chrifi hielte und darnach thäte, ſo wäre es gleichwohl die rechte Taufe und Sacrament. Denn Chri- J ſtus wird um's Teufels oder böſer Leute willen kein Lügner noch Betrüger ſeiner Kirchen, ſol⸗ dern täufet ſie und gibt ihr ſeinen Leib und! Blut, es ſei die Hand, dadurch er's thut, weß und wer ſie wolle. Bekennen doch die Papiſten ſelbſt, daß die Taufe, im Scherz oder Spielsweiſe gegeben, ſei eine rechte Taufe; wie in Hiſtoria Eccleſiaſtica von St. Athanaſio geſchrieben ſte⸗ het, daß er mit ſeinen Geſellen und Kindern am Meere ſpielete, und täufete ſie, wie er's hat⸗ te geſehen in der Kirchen vom Biſchofe, und der 4 Biſchof Alexander hielt's für eine rechte Taufe,“ und täufete dieſelben Kinder nicht wiederum.“ (XXI. 1553. 54.) Wir thun hiernach Hrn. P. Grabau gewiß nicht Unrecht, wenn wir behaupten, daß der An⸗ lich der römiſche Begriff eines geiſtlichen Stan⸗ des zu Grund liege. So ſchreibt Carpzov in ſeiner Einleitung in die ſymboliſchen Bücher: „Das Wort Ordo bedeutet bei den Papiſten, materialiter genommen (das heißt, nicht als die Handlung, wodurch der Ordo entſteht, ſondern als geiſtlicher Stand ſelbſt), einen hervorragen⸗ den Grad in der Kirche, welcher zu rechtmäßi— ger und gültiger Ausübung einer ſacramenta⸗ len Handlung die Fähigkeit gibt.“ (p. 413.) Davon ſpricht auch Gerhard in ſeinen Lo- cis. Daſelbſt heißt es nehmlich: „Dieſe allge⸗ meine Fähigkeit ſetzt Luther dem prieſterlichen Charakter entgegen, von dem die Scholaſtiker und Päbſtler disputiren, daß durch das Sacra⸗ ment der Ordination in der Seele des Em⸗ pfängers derſelben eine gewiſſe geiſtliche Macht bewirkt und verurſacht werde, durch die der Prieſter fähig werde, das Sacrament des Altarb zu machen, ſo daß es ohne jene (Macht) auf; keine Weiſe verwirklicht werden könne, und weil ſie ſagen, daß zum Zeichen dieſer Macht der Seele ein Charakter eingedrückt werde.“ (L. de- sacr. §. 29.) Endlich ſchreibt Chemnitz auf die Worte des Tridentiniſchen Concils: „Wenn jemand ſagt, daß nicht allein die Prie⸗ ſter die Verwalter der Abſolution ſeien, ſondern daß zu allen Gläubigen Chriſti geſagt ſei: Was ihr auf Erden binden werdet ꝛc., kraft welcher Worte jeder abſolviren könne, der ſei verfluch!“ u. A. Folgendes: „Es iſt kein Zweifel, daß Gott durch die verkündigte Stimme des Evan⸗ geliums wirkſam ſei, von wem dieſelbe auch immer verkündigt werden möge. Warum macht⸗