Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 169

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 169

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kröl man auf deutſch: ein Sch — bann; ich
keiße es des Teufels Bann und nicht Got⸗
u Bann, da man die Leute bannet mit freve—
Er That, ehe ſie öffentlich überzeuget
ſind vor der Gemeine, wider Chriſti
Ordnung. Deßgleichen ſind alle die Bann,
damit die Offiziale „(päpſtliche Kirchenvorſte—
het; und geiſtliche Richthäuſer gaukeln, da
nan über 10, 20, 30 Meil Weges die Leute
ni einem Zeddel vor einer Gemeine in
Bann thut, ſo ſie doch in derſelbigen Gemeine
und vor den Pfarrherr nie geſtraft, verklagt
noch überzeugett ſind, ſondern kommt daher
eine Fledermaus aus eines Official's Winkel
ohue Zeugen und ohne Gottes Befehl. Vor
ſolchen Sch —bannen darfſt du dich
nicht fürchten. Will ein Biſchof oder Of—
ſnlal jemand in Bann thun, ſo gehe oder ſchicke
erhin in die Gemeine und vor den Pfarr⸗
bur, da derſelbige ſoll in Bann gethan wer—
ten, und thue ihm, wie recht iſt, nach dieſen
Berten Chriſti. Und das alles ſage ich da—
lum: denn die Gemeine, ſo ſolchen ſoll bän—
niſch halten, ſoll wiſſen und gewiß ſein,
wie der den Bann verdienet und drein kommen
it, wie hie der Tert Chriſti giebt; ſonſt möchte
ſe berrogen werden und einen Lügenbann an⸗
nehmen, und dem Nächſten damit unrecht thun.
das wäre denn die Schlüſſel ge—
läſtert und Gott geſchändet und
die Liebe gegen den Nächſten ver⸗
ſehrett, welches einer chriſtlichen Gemeine
nicht zu leiden iſt, denn ſie gehöret auch dazu,
venn jemand bei ihr ſoll verbannet werden,
ppricht hie Chriſtus; und iſt nicht ſchuldig, des
Offeial's Zeddel, noch des Biſchofes Briefe zu
gläuben, ja, ſie iſt ſchuldig, hie nicht
zugläuben, denn Wenſchen ſoll man
niht gläuben in Gottes Sachen.
Co iſt eine chriſtliche Gemeine nicht des Offici—
als Dienſtmagd, noch des Biſchofes Stockmei⸗
ſer, daß er möge zu ihr ſagen: Da, Gretha,
da, Hans, halt mir den oder den im Bann.
Awe ja, ſeid uns willkommen, lieber Official,
M eweltlicher Obrigkeit hätte ſolches wohl eine
Neinung; aber hie, da es die See—
len betrifft, ſoll die Gemeine auch
mit Nichter und Frau ſein. St. Pau⸗
lus war ein Apoſtel, noch wollte er den nicht
in Bann thun, der ſeine Stiefmutter genommen
hatte, er wollte die Gemeine auch dabei haben.
1Cor. 5, 1. 5,“% (XIX, 1170. 1181. 1182.)

Wir bezengen daher ſchließlich, die Lehre:
„Ein ungerechter Bann gibt kein Recht zur
Tlennung,“ iſt eine durchaus unlutheriſche,
ſcädliche, gottloſe, antichriſtiſcher) Lehre, von

4) Bekanntlich war es gerade ein ungerechter Bann,
um der römiſche Biſchof Viktor über den rechtſchaffe⸗
un Biſchof zu Epheſus, Polykrates, und mehrere klein⸗
aſiatiſche Gemeinden ausſprach, weil dieſe das Oſterſeſt nicht
en dem Tage, an welchem es von der römiſchen Kirche ge⸗
haen wurde, feiern wollt en, wodurch noch vor Schluß des
2. Jahrhunderts nichl unveutlich oſſenbar wurre, vaß ver
römiſche Stuhl der Sitz des Antichriſtes wer⸗
den werde. Beranntlich fand aber damals der römiſche Bi⸗
ſcof noch einen kräftigen Widerſtand nicht nur bei jenen
ungerecht Gebannten ſelbſt, die den Bann verachteten, ſon⸗
dern auch bei dem ausgezeichneten Lugdunenſiſchen Biſchof

— 167—

dem Schreiber im Informatorium vielleicht in
Einfalt und Unüberlegtheit hingeſchrieben, aber
urſprünglich vom Teufel auf die Bahn gebracht,
um alle pfäffiſche Tyrannei zu ſtärken, die un—
ſchuldigen Kinder Gottes in eine mehr als päb—
ſtiſche Sclaverei zurückzuführen, die Gewiſſen
unleidlich zu beſchweren und zu beſtricken und
die ganze Kirche in eine abſolute Prieſtermonar-
chie zu verwandeln. Wir erinnern hierbei an
jenes ernſte Wort der Wittenbergiſchen theolo—
giſchen Fakultät, welches ſich in einem Bedenken
derſelben vom Jahre 1656 findet; es iſt fol—
gendes:

„Wie es eine große Sünde für Gott iſt, die
armen bedrängten Chriſten in ihrem geiſtlichen
Hunger und Durſt nicht ſpeiſen noch tränken,
daß ſie über ſolchen Durſt mit dem Propheten
Jerem. Thren. 4, 4. klagen müſſen: „Dem
Säuglinge klebet ſeine Zunge an ſeinem Gau-
men für Durſt, die jungen Kinder heiſchen Brod,
und iſt niemand, der es ihnen bräche ꝛc.: alſo
iſt kein Zweifel, Gott werde dieje⸗
nigen Diotrephes⸗Brüder, welche
die bedrängten Chriſten nicht al⸗
lein nicht aufnehmen, ſondern auch
noch denen wehren, die es thun wol⸗
len, und aus der Gemeinde verſto⸗
ßen (3 Joh. V. 10.) wiederum von ſei⸗
nem Angeſichtabweiſen und verſto⸗
ßen.“ (Consil. theol. Witebergens. Ande⸗
rer Theil, fol. 61. a.) Vor ſolchem ſchweren
Gerichte bewahre beide, uns und unſeren Ge—
genpart, Gott in Gnaden um Jeéſu Chriſti
willen, der niemand hinausſtößt, der zu ihm
kommt. Amen.

Nachtrag. Nachdem Obiges geſchrieben
war, erhielten wir die 15. Nummer des „In—
formatoriums“ und ſahen daraus wieder zu
unſerem Leidweſen, wie die Schreiber dieſes
Blattes den Namen Luther's dazu gebrau⸗
chen, gewiſſe irrige Lehren, die ſie hegen, zu
rechtfertigen. Ein gewiſſer Herr Mülher
nehmlich, Paſtor zu Freyſtadt und Milwankee
in Wisconſin, ein Schüler Hrn. P. Grabau's,
erzählt dort, daß mehrere Glieder ſeiner Ge—
meinde durch die im „Lutheraner“ geſchehene
Hinweiſung auf 1. Theſſ. 2, 16. darüber in
Gewiſſensunruhe und Anfechtung gerathen ſei—
en, daß ihre Paſtoren unſere Heidenmiſſionen
verwerfen. Zugleich theilt derſelbe eine Predigt
mit, die er gehalten, um dadurch die Angefoch—
tenen zu beruhigen. In dieſer Predigt nun
führt Herr Paſtor Müller auch Luther an,
wo derſelbe von den Schleichern und Win⸗
kelpredigern redet, welche ohne Beruf in
den chriſtlichen Gemeinden umherſchleichen,
die ſchon Prediger haben, welche Winlelprediger
Luther „des Teufels gewiſſe Boten“
nennt. Und das wendet Paſtor Müller auf
unſere Miſſionare an, die aus Liebe zu Chriſte
und zu den armen verlorenen Heidenſcelen zauf
Bitte und mit UnterſtützungUchriſtlicher Gemein⸗
den hinausgehen und unter Gebet und Thrä⸗

Irenäus, der den Biſchof Vittor wegen dirſer Beſchrän⸗
kung der chriſtlichen Freiheit und dieſes Miſbrauchs der
Schlüſſel des Himmelreichs ern ſtlich zur Rede ſetzte.

nen und oft unter den drückendſten Entbehrun⸗
gen dieſen in Finſterniß und Schatten des Todes
Sitzenden etwas von ihrem Heilande ſagen, daß
ſie ſelig werden!! Was würde wohl Luther
zu ſolcher Verkehrung ſeiner Ausſprüche ſagen,
wenn er noch reden könnte? Es mag ſein, daß
Herr Paſtor Müller nur wenig von Luther's
Schriften geleſen; aber ſollte er darum nicht
um ſo furchtſamer ſein, als Schriftſteller und
Polemiker auftreten und Luthern als ſeinen
Gewährsmann reden laſſen zu wollen? Es mag
ferner ſein, daß die Glieder ſeiner Gemeinde
durch die Anführungen aus Luther's Schriften,
die er gemacht, leicht zu ſtillen waren, weil ſie
eben dieſe Schriften, wie es ſcheint, am wenig⸗
ſten leſen; aber bei Chriſten, die darin bewan⸗
dert ſind, wird er nichts ausrichten, denn Lu⸗
ther hat bekanntlich ſehr häufig, wo er von der
Nothwendigkeit des ordentlichen Berufes zum
Predigen unter den getauften Chriſten und in
geordneten Gemeinden redet, ausdrücklich den
Fall ausgenommen, wenn ein Chriſt unter
Heiden kommt. So heißt es z. B. in der
Schrift: „Grund und Urſache aus der Schrift,
daß eine chriſtliche Berſammlung oder Gemeinde
Recht und Macht habe, alle Lehre zu urtheilen,
und Lehrer zu berufen, ein- und aszuſetzen.
Anno 1523:“

„So ſprichſt du: Ja wie? wenn er nicht
dazu berufen iſt, ſo darf er ja nicht predigen,
wie du ſelbſt oft gelehret haſt? Antwort: Hie
ſollt du den Chriſten in zweierlei
Ort ſtellen: Auf's erſte, wenn er
iſt an dem Ort, da keine Chriſten
ſind, da darf er keines andern Berufs, denn
daß er ein Chriſte iſt, inwendig von Gott beru—
fen und geſalbet, da iſt er ſchuldig ben irren—
den Heiden oder Unchriſten zu prerigen und
zu lehren das Evangelium aus Pflith brüder⸗
licher Liebe, ob ihn ſchon kein Menſch dazu
beruft. Alſo thäte St. Stephan Apg. 6. 7.,
dem doch kein Amt von den Apoſteln zu predi⸗
gen befohlen war, und predigte doch und thät
große Zeichen im Volk. Item, eben thät auch
Philippus, der Diacon, Stephan's Geſelle Apg.
8, 5., dem auch das Predigtamt nicht beſohlen
war. Item, ſo thät Apollo Apg. 18, 25. 26.
Denn in ſolchem Fall ſiehet ein Chriſte aus brü⸗
derlicher Liebe die Noth der armen vervorbenen
Seelen an und wartet nicht, ob ihm Befehl
oder Brief von Fürſten oder Biſchöfen gegeben
werde: denn Noth bricht alle Geſetze und hat
kein Geſetz; ſo iſt die Liebe ſchuldig zu helfen,
wo ſonſt niemand iſt, der hilft oder helfen ſollte.
Auf'sandere, wenn er aber iſt, da Chriſten an
dem Ort ſind, die mit ihm gleiche Macht und
Recht haben, da ſoll er ſich ſelbſt nicht hervor
thun, ſondern ſich berufen und hervorzichen laſ⸗
ſen, daß er anſtatt und Beſehl der andern
predige und lehre.“

Ferner ſchreibt Luther in ſeinen Predigten
über das 2. B. Moſe, in den Jahren 1524-
26. gehalten:

„Das iſt der Beruf eines öffentlichen Amts
unter den Chriſten. Wenn man aber unter

den Haufen käme, da nicht Chriſten wä⸗
4

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