Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 157

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 157

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ſalt zu widmen.
üdenn auch derſelben, indem ihm der an der

Herr Katechet Bauer ſteht

hleiniſchen Schule zu Nürnberg angeſtellte
Candidat, Herr Moritz Gürſching, als
weiter Vorſtand und ein ganzer Kreis in
Rürnberg lebender Candidaten und Lehrer
belfend zur Seite ſteht, mit ebenſo ausgezeich—
neter Treue, als ausgezeichneter Fähigkeit
vur. Mit freudiger Verwunderung ſahen wir,
pie vortrefflich die Anſtalt in jeder Beziehung
ausgeſtattet iſt und welch' ein herrliches Werk
Coties von unberechenbar wichtiger und ſegens⸗
zoller Bedeutung für unſere deutſchen Stamm—
dewandten hier in Amerika dort keime und em—
borſproſſe; zugleich konnten wir nur mit der tief—
ſen Beſchämung die wahrhaft rührende Liebe
nit Augen ſchauen, welche hier, was ſie wohl
yft ſelbſt nothwendig bedürfte, mit Freuden op—
Eſtt, damit nur ihren, geiſtliche Pilege entbeh—
unden und leider! vielfach das Bedürfniß ſol—
aer Pflege noch nicht fühlenden Volksgenoſſen
dieſe theure Wohlthat werde; eine Liebe, die hier
ungeſehen und ungeachtet von der Welt, große
Opfer zu bringen nicht müde wird, keinen Dank
von den ihr unbekannten Empfängern hoffend
und keinen andern Lohn begehrend, als den, et—
wa in der Ewigkeit einige Seelen zu finden, wel⸗
ſchedie gerettet haben, denen ſie, die Liebe, es

—

vurch ihre Opfer möglich machte, zu dem Amte

der Seelenrettung vorbereitet zu werden. Die
Erhaltungskoſten ſind natürlich nicht unbedeu—
tnd, aber noch muß die ganze Anſtalt auf dit
Ftage: „habt ihr je Mangel gehabt?“ mit den
Jüngern antworten: „Nie keinen.“ Unter an—
deren haben Frauenkreiſe in Nürnberg,
ßürth, Hersbruck und an anderen Orten
ſo viel mit ihren eigenen Händen Gearbeitetes
für die Ausſtattung der auszuſendenden Zög⸗
linge ein geſendet, daß in neueſter Zeit der Se⸗
gen das Bedürfniß überſtiegen hat und uns ein
anſebnlicher Theil davon für arme Studirende
in dem St. Louiſer Collegium abgegeben werden
konnte. Man ſieht hier wieder jene erſte Liebe
Blüthen und Früchte treiben, von welcher der
Apoſtel ſchreibt: „Ich thue euch kund, liebe Brü—
der, die Gnade Gottes, die in den Gemeinen in
Macedonien gegeben iſt. Wiewohl ſie ſehr arm
waren, haben ſie doch reichlich gegeben in aller
Einfältigkeit. Denn nach allem Vermögen (das
zeuge ich) und über Vermögen waren ſie ſelbſt
willig und fleheten uns mit vielem Ermahnen,
daß wir aufnähmen die Wohlthat und Gemein⸗
ſchaft der Handreichung, die da geſchiehet den
Heiligen.“ (2 Cor. 8, 1—4.

Nächſt der Anſtalt ſelbſt war es aber ferner erſt⸗
uch die nähere Bekanntſchaft mit den Vorſtehern
und Lehrern derſelben, inſonderheit mit dem Herrn
Katecheten Bau er, die uns unſeren nunmehri⸗
gen län geren Aufenthalt in Nürnberg brſonders
genußreich und fruchtbar machte. Gründlich
tbeologiſch gebildet, dabei ausgerüſtet mit um⸗
faſſenden Kenntniſſen auch in den allgemeinen
Wiſſenſchaften,) ein ſeltener Kenner der heiligen

) Einen Beweis von Herrn Katechet Bauer's ausgezeich⸗
neter, umfangreicher Kenntniß der deutſchen Sprache liefert

nie von ihm herausgegebene „ntuhochdeutſche Grammatik,“

— 155—

Muſik, der Liturgik, ꝛc., verbindet Herr Katechet
Bauer mit einer tüchtigen Lehr- und Mitthei—
lungsgabe die vollſte, ſelbſtoerkeugnendſte Hin⸗
gabe an ſeinen ſchwierigen Beruf. Möge Gott
dieſen eifrigen und begabten Arbeiter ſeiner Kir—
che lange erhalten und ſeine raſtloſe Thätigkeit
überſchwenglich ſegnen!

Nicht geringe Freude bereitete es uns außer⸗
dem noch, eine große Schaar treuer lutheriſcher
Chriſten kennen zu lernen, welche hier in Nürn⸗
berg in einer näheren Verbindung mit Herrn
Katechet Bauer ſiehen und demſelben als ihrem
väterlichen Freunde mit beſonderer Liebe anhan—
gen. Dieſe, faſt lauter alte thätige Freunde der
amerikaniſchen Kirchenſache, forderten mich ſchon
früher auf, ihnen eines Abends in einem Vor⸗
trage einmal von dem Stande unſerer hieſigen
kirchlichen Angelegenheiten, als ein Augenzeuge
ein möglichſt anſchauliches Bild zu entwerfen.
Ich that's, ſo gut ich's, unvorbereitet wie ich
war, zu thun vermochte, vor einer aufmerkſamen
theilnehmenden Verſammlung, die eben ſo groß
war, als ſie die mittelmäßigen Zimmer der An⸗
ſtalt ſammt Vorſaal faſſen konnten. —

Zwar hatten wir bereits Herrn Paſtor Löhe
Lebewohl geſagt in der Vermuthung, denſelben
entweder nie, oder vielleicht einmal in Amerika
wiederzuſehen; allein als wir uns am 18. No⸗
vember eben in dem Hauſe Herrn Volk's (wo
ein eigens für uns eingerichtetes Zimmer zu un⸗

ſerer Aufnahme bei unſerer jedesmaligen Rück⸗

tehr nach Nürnberg ſtets bereit ſtand) in der
Geſellſchaft des Herrn Dekans Bachmann
aus Windsbach und mehrerer Lehrer aus der
dortigen Anſtalt zur Erziehung verwaiſ'ter Pfar⸗
rersſöhne befanden, wurden wir plötzlich durch
die unerwartete Nachricht von der eben erfolgten
Ankunft Herrn Paſtor Löhe's in Nürnberg
freudig überraſcht. Derſelbe war (wie jetzt ge—
wöhnlich, ſo oft er nach Nürnberg kommt) in
der Anſtalt bei Herrn Katechet Bauer abge—
treten. Von Herrn Dekan Bachmann be⸗
gleitet, eilten wir denn alsbald dahin und ge⸗
noſſen nun der Gemeinſchaft Herrn Paſt. Löhes
an dieſem und dem folgenden Tage noch einmal.
Unter den mancherlei wichtigen Angelegenheiten,
welche hierbei zur Sprache kamen, waren es in⸗
ſonderheit die hier in Amerika noch immer vor⸗
handenen kirchlichen Nothſtände, auf die ſich zu⸗
letzt das Hauptgeſpräch hinlenkte. In Betreff
des dringenden Bedürfniſſes einer Erweiterung
unſeres hieſigen Collegegebäudes *) machte Herr
Paſtor Löhe unſerem lieben Bruder Wyneken

in welcher die wichtigſten betreffenden Reſultate der neueren,
ſo gründlichen hiſtoriſchen deutſchen Sprachſtudien, wie die ei⸗
nes Grimm u. A., benutzt und zu einem Gemeingute der
Schulen gemacht ſind.

) Die Anſtalt in St. Louis hat gegenwärtig drei ordent⸗
liche Lehrer, 22 Gymnaſiaſten und ſieben Studenten, von
denen aus Mangel an Raum ein Lehrer und acht Zöglinge
außerhalb der Anſialt wohnen müſſen, was nicht nur, da die
Anſtalt von der Stadt circa zwei Meilen entfernt liegt, man⸗
che ſtörende Unbequemlichfeit mit ſich führt, ſondern auch
diejenigen Eltern abhält, ihre Kinder der Anſtalt zu über⸗
laſſen, welche wünſchen, daß die ſelben nicht nur Unterr icht,
ſondern auch Erziehung und Aufſicht genießen. Vier frühere
Zöglinge ſind bereits in die Lebensberufe eingetreten, wozu
ſie in dem College ſich vorzubereiten beabſichtigt hatten.

den Vorſchlag, noch einmal einen Hülferuf an
die Glaubensbrüder in Deutſchland in Druck
ausgehen zu laſſen; er erbot ſich zugleich, den
Hülferuf nicht nur auch in ſeine „Kirchlichen
Mittheilungen aus und über Nordamerika“
aufzunehmen, ſondern unſere Bitte auch beſtens
zu befürworten. Herr Paſtor Löhe erklärte, daß
auf dieſem Wege bei den Glaubensgenoſſen in
Deutſchland die helfende Theilnahme wohl am
eheſten geweckt werden möchte, wie es denn über—
haupt in unſerem eigenen Intereſſe liege, ihn
fleißig mit beſtimmten Nachrichten von unſerem
hieſigen Beſtehen und Ergehen zur Veröffent—
lichung in Deutſchland zu verſehen. Wir gin—
gen natürlich ohne Zögern auf den Plan ein
und Paſtor Wyneken verſprach, ſogleich an die
Ausarbeitung eines ſolchen Aufrufes zu ſchrei—
ten 4). Ein anderer Gegenſtand, um den ſich
jetzt unſer Geſpräch bewegte, war der immer
fühlbarer werdende Mangel tüchtiger Schulleh—
rer, Cantoren und Organiſten in unſeren grö⸗
ßeren Gemeinden, beſonders in den großen Städ⸗
ten, und die großen Schwierigkeiten und Koſten,
mit welchen die Berufung unſeren hieſigen Ver⸗
hältniſſen gewachſener Schulamtscandidaten aus
Deutſchland verbunden ſei. Wir machten dar—
auf aufmerkſam, welchen nicht unbedeutenden
Aufſchwung ſeit Kurzem das deutſche Schulwe—
ſen in den größeren Städten der Union genom—
men, wie wichtig es daher ſei, daß unſere Ge—
meinde⸗ und Confeſſionsſchulen in jeder Be—
ziehung den immer größer werdenden Anſprüchen
genügen; wir erinnerten endlich daran, wie
wenige unter unſeren Predigern muſikaliſche
Kenntniſſe und Fertigkeiten beſitzen, wie wichtig
es daher ſowohl zur Hebung des Gemeindege—
ſanges, als der nach und nach mehr und mehr bei
den Gemeinden Eingang gewinnenden Geſangs⸗
liturgie ſei, daß wir tüchtige Geſangsleiter und
Chordirigenten bekommen, welche die alte Kir—
chenmuſik als Männer von Fach kennen und
nach Maaßgabe der vorhandenen Kräfte auszu—
führen verſtehen. Herr Paſtor Löhe ſtimmte
gänzlich mit uns in der Ueberzeugung von der
hohen Bedeutung der Sache für eine gedeihliche
Entwickelung unſerer hieſigen kirchlichen Ver—
hältniſſe überein. Als ein Mann der That kam
er uns auch ſogleich mit einem Plane zur Er—
richtung eines Schullehrerſemenars in
unſerer Mitte entgegen, indem er uns zugleich
jede mögliche Hülfsleiſtung zur baldigen Ver—
wirklichung des entworfenen Planes anbot.“

1) In dem bereits erwähnten Briefe Herrn Paſt. Löhe's
vom 9. März dieſes Jahres heißt es: „Wynekens Zuruf iſt
längſt draußen. Es iſt tieſe Stille. Allenthalben iſt Theu⸗
rung, welche die Erkältung für die amerikaniſche Sache noch
größer erſcheinen läßt, als ſie vielleicht iſt. Bei uns
geht vielleicht mehr ein, wenn unſer gegenwärtiger Winter
(Alles liegt tief unterm Schnee) ſich etwas hoffnungereicher
für eine kommende Erndte wendet. Einzelne Gaben ſind,
Goit Lob, da — und fließen wir nicht, ſo tropfen wir doch
und wollen nicht aufhören. Gutta cavat lapidem.“ (d.
i. Tropfen höhlen ja endlich auch den Stein aus.)

**) Nach dem obenerwähnten Schreiben iſt bereits ſo viel
geſchehen, daß das Werk ſchon in dieſem Jahre ins Leben
treten kann und mit Gottes Hülte ins Leben meten wirv.
Es ſoll nach Erwägung aller Umſtände das Schullehrerſemi⸗
nar nach Saginaw im Staate Michigan verlegt werden ·

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