Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 165
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wartete, der Herr Ephorus werde dieſes mein
Mſinnen jedenfalls als im höchſten Grade un—
ſatthaft zurückweiſen. Aber zu meinem nicht
engen Erſtaunen ging derſelbe endlich ſelbſt
fangen und legte nun auch vor der Gemeinde zu
kahde am zweiten Adventsſonntage mein lu⸗
tbriſches Zeugniß ab. Der liebe Leſer kann
liraus, meine ich, wohl deutlich genug abnehmen,
pie Viele es in der unirten Kirche geben mag⸗
rie in ihrem Gewiſſen von der alleinigen Wahr—
hit der lutheriſchen Lehre und Kirche überzeugt
ſud, aber entweder nicht wiſſen, wie ſie ſich aus
nn Labyrinth der Union herausfinden ſollen,
der den Muth nicht haben, dieſes Babylon zu
kerlaſen und dann es Gott zu überlaſſen, wel⸗
1J ſedelgen ein ſolcher Schritt für ſie und ihre
Jneinden haben werde.
etjenige Gott zu danken, der ruhig in dem Erbe
kiner lutheriſchen Väter ſitzt —
Von hier reiſten wir nun am Montag den 8.
Decbr. nach Hannover, um hier Herrn Dr.
petri zu ſprechen. Derſelbe nahm uns mit
usgezeichnetem Wohlwollen auf. Am Abend
JHne derſelbe einen größeren Kreis jüngerer The⸗
ubgen zu ſich eingeladen, in welchem wir von
unſeren hieſigen kirchlichen Verhältniſſen Bericht
uſatten mußten und wo wir nun auch manche
ier herrſchende ungünſtige Vorſtellung den jun—
Igen Männern zu benehmen hatten, die ſich die⸗
len davon auf erhaltene ſchriftliche, wenn auch
der Wahrheit noch ſo getreue, Berichte in ihrer
peiten Ferne gebildet hatten. So ganz übri⸗
gens unſere Kirche hier in den nordamerikani⸗
ſhen Freiſtaaten das Herz Hrn. Dr. Y etri's
hut, ſo groß ſind die Bedenken deſſelben, ob un⸗
ſere Kirche hier bei ihrem dermaligen Verhält⸗
niſe zunn Staate, nehmlich bei ihrer völligen
auf dieſe Bedingung ein —So war ich denn ge⸗
O wie hat daher
— 163—
res Wynekens), der jetzt hier als erwählter Ver⸗
treter des Standes der Rechtsgelehrten in der
erſten Kammer, die eben verſammelt war, fun⸗
girte; und ſodann hatten wir die große Freude,
den Vater unſeres lieben Freundes und Bruders,
Paſtor Ficks, Herrn Landescommiſſär Fick, der
auf unſere Einladung von Hildesheim hierher
geeilt war, wenigſtens auf einige Stunden zu
ſprechen. Von demſelben erhielten wir zugleich
die uns ſehr erfreuliche Verſicherung, daß in ei—
nigen Monaten auch der zweite ſeiner Söhne
dem erſten nach Amerika folgen werde, um da
unſerer Kirche mit ſeinen reichen Gaben zu die—
nen. Es war uns dies um ſo erfreulicher, da
Herr Dr. Petri entſchieden erklärt hatte, daß
Hannover ſeine guten gläubigen Candidaten auf
keinen Fall entbehren könne und es ſchon
ſchmerzlich genug empfinden müſſe, daß ſo viele
derſelben in das benachbarte Großherzogthum
Meklenburg gezogen worden ſeien.
Am Mittwoch den 10. Decbr. reiſten wir end⸗
lich wieder von hier ab. Da wir nicht nur vielt
thätige und einflußreiche Freunde und Gönner
der amerikaniſchen Kirchenſache im Meklen—
burgiſchen wußten, ſondern von daher durch
Herrn Landrath Baron von Maltzan in
Roſtock auch eine dringende ſchriftliche Einladung
erhalten hatten, nebſt dem freundlichen Anerbie—
ten, daß der Herr Landrath die Koſten dieſer
Reiſe ſelbſt tragen wolle, ſo reiſten wir nun zu—
nächſt nach Schwerin, wo wir noch an dem
genannten Tage, jedoch ſpät am Abend, anka⸗
men. Unſeren erſten Beſuch ſtatteten wir am
anderen Morgen bei dem Herrn Oberkirchenrath
Dr. Kliefoth ab, an den uns Herr Paſtor
Löhe eine ſchriftliche Empfehlung mitgegeben
hatte. Eine Kirchenviſitationspredigt des Herrn
Oberkirchenraths, die er vor Kurzem gehalten und
Getrenntheit von demſelben, eine Zukunft habe.“)
Der Leſer kann ſich wohl denken, daß wir nicht
mhin konnten, es in geziemender Beſchei denheit
auszuſprechen, daß wir in die jenem Bedenken
iu Grunde liegende Anſchauung von Kirche und
Imt nicht eingehen könnten, ſo groß auch ſonſt
miere Ehrfucht vor der tiefen Einſicht und unſer
Mſpect vor der ſeltenen Gelehrſamkeit und dem
usgezeichnen Geiſtesreichthum dieſes einflußrei⸗
gen deutſchen Theologen iſt. T)
Die Annehmlichkeit unſeres Aufenthaltes in
hannover wurde noch durch zwei Umſtände er—
kht. Erſtlich trafen wir hier den Herrn Doctor
jiis E. Wyneken aus Stade (Bruder unſe⸗
*) Anderwärts haben wir übrigens dte Nothwendigkeit
ener Verbindung der Kirche mit dem Staate noch auf ganz
andere Weiſe ausſprechen hören müſſen. So fragte uns in
Ainer Univerſtätsſtadt ein chriſtlichgeſinnter Profeſſor der
Richtswiſſenſchaft im vollem Ernſte in einer großen Geſell⸗
haft: mit welchem deutſchen Fürſten wir amerikaniſchen Lu⸗
tteraner uns in Verbindung geſetzt hätten, um jenſeit des
Merrts die „nach lutheriſcher Lehre bekanntlich (2) den Lan⸗
zeherren zuſtehenden biſchöflichen Rechte“ oder die Kirchen⸗
tewalt ausüben zu können?
9 Herr Dr. Petri war auf der letzten allgemeinen
karſchen lutheriſchen Conferenz zu Leipzig der erwäblte Prä⸗
ſdent; unter Anderen ein Beweis, welche hohe Stellung
beſelbe gegenwͤͤrtig unter den Theologen Deutſchlands ein⸗
nimmt.
worin er die Schäden der, unter ſeiner Oberlei⸗
tung ſtehenden, Landeskirche ebenſo unverhüllt
vorgeſtellt, als auf deren Heilung und Abthuung
heilig ernſt gedrungen hatte, die wir auf unſerer
Reiſe geleſen, hatte uns ſchon mit innigem Zu—
trauen gegen den Genannten erfüllt; wir fanden
jedoch bei demſelben eine ſo geneigte Aufnahme,
wie wir ſie ſelbſt zu hoffen nicht gewagt hatten.
Das, uns an den hochgeſtellten Mann mitgege⸗
bene, Empfehlungsſchreiben gathielt zugleich eine
Bitte um die Gewährung einer Kirchencollekte
im Großherzogthum zum Zweck einer Erweite—
rung unſeres St. Louiſer Concordia-Collegiums
und Seminars. Der Herr Oberkirchenrath er—
kundigte ſich mit großer Theilnahme nach unſe—
rem kirchlichen Standpunkte, unſeren Bedürf—
niſſen, Ausſichten ꝛc., und ſicherte uns hierauf
ſogleich die Gewährung der in jenem Schreiben
ausgeſprochenen Bitte zu, ohne daß es von un⸗
ſerer Seite auch nur Eines, die Fürſprache be—
ſtätigenden Wortes bedurft hätte. Erhaltener
Einladung zu Folge beſuchten wir den Herrn
Oberkirchenrath am folgenden Tage noch einmal,
wo wir uns mit demſelben hauptſächlich über,
Kirchenregiment und Kirchenordnung betreffen—
de, Gegenſtände beſprachen und über viele
Punkte aus dieſem Gebiete, worin Herr Dr.
Kliefoth bekanntlich Ausgezeichnetes geliefert
hat,*) wichtige Aufſchlüſſe erhielten. Hier tra⸗
Neukirchen im Meklenburgiſchen, einen Studi⸗
engenoſſen einiger Prediger unſerer Synode, mit
welchem wir uns nach gegenſeitiger Ausſprache
zu unſerer großen Freude in Einigkeit des Glau⸗
bens und Geiſtes fanden, und aus deſſen eige⸗
nen Aeußerungen ſowohl wie über ihn ander⸗
wärts erhaltenen Nachrichten wir erſahen, daß
er in ſeiner gegenwärtigen bedeutenden Gemein⸗
de ebenſo eifrig als geſegnet wirkt. Schon am
Tage vorher hatten wir auch den hieſigen Su⸗
perintendenten, Herrn Dr. Karſten, aufge⸗
ſucht. An ihm lernten wir einen Mann kennen,
denuns alsbald das ganze Herz abgewann. Das
liebliche Vaterverhältniß, in welchem wir den
Herrn Superintendenten zu ſeiner liebenswürdi⸗
bar, wie wir aus allen Aeußerungen des theuren
ſes, in welchem derſelbe auch zu den ihm anver⸗
trauten Seelen ſteht. Er offenbarte ſich uns als
gen, ſo war es uns wohl auf beiden Seiten ge—
wiß, daß wir durch das Band Eines Glaubens
verbunden ſeien. Die in Gemeinſchaft Herrn
Dr. Karſten's verlebten Stunden werden uns
Am Freitag den 12. Decbr. ſetzten wir nun
unſere Reiſe weiter fort, und zwar zunächſt nach
Roſtock, wo wir am Abend deſſelben Tages
ankamen. Wollte ich jedoch alles das Intereſ⸗
ſante und alle die Beweiſe chriſtlicher Liebe und
von Theilnahme an dem Gedeihen unſerer Kir—
che in Nordamerika, die wir auch hier erfahren
Nummer meinen Reiſebericht noch nicht enden
können. Ich theile daher hiervon nur das Fol⸗
gende mit. Vor allen wurden wir hier durch
den wegen ſeines ausnehmenden Eifers für
Chriſtenthum und Kirche weithin bekannten
Herrn Landrath' Baron von Maltzan))
und deſſen ganze von demſelben Sinne beſeelte
Familie mit Beweiſen jener Liebe und Theilnah⸗
me überſchüttet, die ſchon ſo viele Prediger und
Gemeinden unſerer Synode von dieſer Seite in
dem reichſten Maaße genoſſen haben. Auch die
Herren Profeſſoren der Theologie, Dr. Krabbe
und Dr. Baumgarten, und die Herren Pro⸗
feſſoren von der philoſophiſchen Fakultät, Pro⸗
feſſor Becker und Profeſſor Röper, Herr Pa—
ſtor M. Serrius und Lehrer Hahn (ein aus
Preußen vertriebener lutheriſcher Theolog,) und
noch mehrere andere theure, unſeren guten alten
lutheriſchen Glauben bekennende Herren, deren
werthe Namen mir bei der Flüchtigkeit des Zu⸗
») Vergl. u. A. die vortreffliche Schrift: „Die urſprüng.
liche Gottesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchet
Bekenniniſſes. Roſtock. 1817.“
1) Derſelbe hat unter Anderem als Landſiand vor kurzen
den Antrag in der Kammer geſtellt, man möge doch alle nog
im Lande fungirenden rationaliſtiſchen Previger ihrer Aemter
entheben; da dieſelben aber in der Zeit der Unwi ſſenheit ein
geſetzt worden ſeien, einen Fond aufbringen, aus welcher
noch die Koſten für ihren Unterhalt bis zu ihrem endlichen Aus
ſterben beſtritten werven könnten.
fen wir auch heute Herrn Paſtor Düring aus
gen Familie mit Augen ſchauten, das war offen⸗
Mannes abnahmen, das Abbild des Verhältniſ⸗
ein Mann, der ein Herz für das Volk hat.
Es bedurfte daher auch nur kurzer Andeutun⸗
in ſtetem und geſegnetem Andenken verbleiben. ö
haben, ſchildern, ſo würde ich auch mit dieſer
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