Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 151
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 151
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
ditjenigen in Ueberſetzungen aufgenommen, wel—
ce ſchon vor Sagittarius überſetzt waren und
deren Zahl verhältnißmäßig nicht groß iſt; 3.
ind tbeils aus Verſehen, theils aus falſcher
Awendung des Grundſatzes der Ausſcheidung
nicht⸗luth. Schriften, a) Luther's „Furze
Antwort auf das Schreien etlicher
papiſten über die 17. Artikel“ und
b. der Rathſchlag des Ausſchuſſes
etlicher Kardinäle, mit Luther's
Gloſſen“ vom Jahre 1538., welche in den
frübern Geſammtausgaben ſtehen, hier wegge—
llieben, dagegen iſt manche andere Schrift zwei—
nal abgedrucktz endlich 4. fehlen von Luther's
deutſchen Schriften: die Kirchenpoſtilhe,
die Hauspoſtille, die Tiſchreden und
diejenigen Schriften, welche ſpäter (1702)
Buddeus in dem Halle'ſchen Bande heraus—
gezeben hat; einer großen Menge Briefe u
er vielen, trefflichen Vorreden Luther's zu
ſtenden Büchern gar nicht zu gedenken. Die
Feren acht Bände dieſer Ausgabe ſind über—
baupt blos ein Wiederabdruck der Jenaiſchen
acht deutſchen Bände, mit den nöthigen Ergän—
zungen aus den Wittenbergiſchen und Eisleben—
ſchen Bänden. Der neunte enthält die Ausle-
gung des erſten Buches Moſis nach der Ueber—
ſttzung in der Wittenb. Sammlung, und der
abate das Hauptregiſter, welches aus eilf Ab⸗
tbeilungen beſteht, und, ſo weit der Umfang der
Ausgabe ſelbſt reicht, zweckmäßig und brauchbar
iſ.) Dieſe Ausgabe fand von Anfang an we—
nig Beifall, ſo daß, aus Mangel an Abſatz in
Deutſchland, eine ganze Ladung derſelben zur
Sce nach Rußland geſchickt worden ſein ſoll, die
aber untergegangen, und ein anderer großer
Theil in einem Thurme der Stadtmauer zu Al—
tenburg noch zu Anfang des 18. Ihdts. ver—
waͤhrt lag, um den ſich Niemand kümmerte.
Der Halle'ſche Supplementband
1702.
Da noch immer eine bedeutende Anzahl nicht
blos ungedruckter, ſondern auch einzeln ſchon
gedruckter Schriften Luther's in den bisherigen
Geſammtausgaben ſeiner Werke keine Aufnahme
gefunden hatte, ſo unternahm Joh. Gottfr.
Zeidler zu Halle deren Herausgabe. Er
ließ 1702 einen, dem königl. Erbprinzen Frie—
dr. Wilhelm dedicirten Folioband, mit ei—
ner Vorrede Dr. Johann Franz Bud⸗
deus, ausgehen, welcher größtentheils Predig—
en und Vorreden Luther's, außerdem aber auch
deſſen Auslegung der 10 Gebote von 1516
und 1517, die äußerſt ſelten gewordene erſte
Pfalterüberſetzung von 1524, die Augsburg.
Konfeſſion und einige wenige fremde Schreiben
und Vorreden enthält. Das Meiſte davon war
ſchon früher einzeln gedruckt vorhanden, Weni⸗
ges nur aus handſchriftlichen Quellen geſchöpft.
Ein zweiter Theil, welcher folgen
ſollte, erſchien micht.
4. Die Leipziger Ausgabe.
1729 — 1740.
Sie wurde redigirt von dem Prof. d. Theol.
D. Joh. Gottlieb Pfeiffer und D.
Schriften aufnahm, ſondern auch viele latei—
in Genesin und der gleichfalls nur in Nürn—
Chriſt. Friedr. Börner, unter Mitwir⸗
kung des M. Joh. Jak. Greiff, welcher
das abzudruckende Altenb. Exemplar mit den
Urdrucken verglich und darnach berichtigte, meh—
rere lat. Schriften zuerſt überſetzte und das
Regiſter verfertigte. Die Aufeinanderfolge der
Schriften iſt nicht chroͤnologiſch, ſondern nach
den Materien geordnet. Die Ausgabe iſt aller⸗
dings vollſtändiger als die Altenburger, weil
ſie nicht nur deren ganzen Umfang, ſondern
auch den Halle'ſchen Supplementband von 1702
umfaßt und mehrere zuvor theils noch nie ge—
druckte, theils blos in Einzeldrucken bekannte
Schriften Luther's, ſo wie mehrere lateiniſche
in erſtmaliger Ueberſetzung enthält. Demohn—
geachtet iſt ſie noch immer ſehr mangelhaft, in—
dem ihr 1. ſämmtliche lateiniſche Origi—
nalſchriften Luther's und 2. von 169 der⸗
ſelben auch die Ueberſetzungen abge⸗
hen, (S. Regiſterbd. p. 145). Dabei leidet
ſie 3. an einer großen Maſſe von Druckfehlern,
da, laut Klagen der Herausgeber, mit dem Druck
zu ſehr geeilt und der nöthige Koſtenauſwand
geſcheut worden iſt. Bis zum 16. Bde. hat
zwar D. Börner Vorberichte zu den darin
enthaltenen Schriften geliefert, vom 17. an
blieb er aber damit im Rückſtande, angeblich weil
er geſonnen ſei, ein eigenes Buch hierüber zu
ſchreiben. Das Regiſter iſt fleißig gearbeitet
und ſehr brauchbar.
5. Die Walchiſche Ausgabe.
1740 — 1753.
Noch war der Regiſterband der „Leipziger
Sammlung“ nicht erſchienen, als der Buch—
händler Gebauer in Halle 1739 eine neue
Ausgabe von Luther's Schriften, unter Leitung
und Aufſicht des Prof. D. Johann Ge—
org Walch zu Jena, von 1740 — 1753 in
4. drucken ließ. In den Vorreden und Einlei—
tungen zu jedem Theile hat Walch die nöthigen
hiſtoriſchen und literariſchen Notizen über die
darin enthaltenen Schriften gegeben. Unſtreitig
iſt dieſe Ausgabe unter allen bis dahin erſchie—
nenen die vollſtändigſte und bequemſte, indem
ſie nicht nur mehrere, in den frühern Geſammt⸗
ausgaben fehlende, aber bereits einzeln gedruckte
niſche in erſtmaliger Ueberſetzung lieferte, und
eine große Menge, beſonders reformations-hi⸗
ſtoriſche und polemiſche Schriften anderer
Verfaſſer zur Erläuternng der Lutheriſchen mit
einflocht. Demohngeachtet aber hat auch ſie
ihre bedeutenden Fehler und Mängel. Denn
1. gibt ſie die lateiniſchen Schriften Lu—
ther's nicht in der Originalſprache, ſondern blos
in Ueberſetzungen, von denen noch dazu die äl—
tern hin und wieder von den Originalen bedeu—
tend abweichen, ſo daß gelehrte Theologen neben
ver Walchiſchen Ausgabe immer auch noch die
Wittenberger oder Jenaiſche hateiniſche,
nebſt den in letzterer nicht enthaktenen Sonder—
drucken, (wie z. B. der in vier Quartbänden
zu Nürnberg 1554 erſchienenen Enarrationes
berg 1559 gedruckten Enarrationes in psalmos
XXV. priores) bei der Hand haben müſſen
und dann doch noch aller ſeit 100 Jahren neu
aufgefundenen Lutheriſchen Schriften enibehren.
2. legitimirt ſie ſich nicht gehörig über die
ihrem Terte zu Grunde gelegten Urdrucke
und handſchriftlichen Quellen. Sie
verſichert zwar häufig, daß die Originalausga⸗
ben ſorgfältig verglichen worden ſeien, gibt aber
die bibliographiſchen Kennzeichen der benutzten
Urdrucke nicht an und gewährt ſomit keine Ga—
raͤntie für die Aechtheit ihres Tertes. Da aber
manche Schrift Luther's in Einem Jahre zwei⸗
bis dreimal mit allerlei Abänderungen zu Wit—
tenberg erſchien oder im Laufe der Zeit verbeſ⸗
ſert und vermehrt wieder aufgelegt wurde, (der
vielen Nachdrücke mit ihren oft heilloſen Vari—
anten, worüber Luther ſo bittere Klage führt,
gar nicht zu gedenken): ſo liegt allerdings viel
daran zu wiſſen, ob auch der rechte Urdruck
benutzt worden iſt. Eben ſo erfährt man in
vielen Fällen bei Walch nicht, ob die benutz⸗
ten Handſchriften Originale oder Kopicen wa—
ren und wo ſie aufbewahrt ſind.
3. Die Sprache der Walchiſchen
Ausgabe iſt nicht die Sprache Lu⸗
ther's, ſondern die ſeines Her⸗
ausgebers, der, um ſie ſeinen Leſern mund—
gerecht zu machen, nicht nur die Originalformen
verwiſcht und eine Unzahl kleiner Wörtchen in
in den Text eingeſchoben oder daraus entfernt,
ſondern auch ſehr häufig gute und richtige Prä—
dikate mit andern, oft ſinnentſtellenden, oft ſinn⸗
verkehrenden vertauſcht, ja ſogar, aus Nachläſ⸗
ſigkeit, ganze Zeilen und Sätze ausgelaſſen hat.
4. Endlich gehen der Walchiſchen Ausgabe
alle jene Briefe, Bedenken, Borreden
und Predigten ab, welche ſeit 1753 darch
Lingke, Niederer, Schütze, Faber,
Strobel-Ranner, Bruns, Bollmann
Höck und die Erlanger Ausgabe zum er—
ſtenmale zu Tage gefördert worden ſind und
deren Umfang nicht gering iſt.
6. Die Erlanger Ausgabe.
1826 — 1849.
Sowohl der Mängel und Fehler der Walchi⸗
ſchen Ausgabe wegen, als auch um dem Bedürf—
niſſe des wiedererwachten Glaubenslebens in der
proteſtantiſchen Kirche entgegenzukommen, ver—
anſtaltete der ſel. Verlagsbuchhändler Herr Karl
Heyder zu Erlangen im J. 1826 eine neue,
möglichſt vollſtändige, wohlfeile und bequeme
Handausgabe von Luther's ſämmtlichen Werken
nachihren beiden Originalſprachen.
In der Ankündigung war verſprochen worden,
„nicht einen bloßen Abdruck einer früheren Aus—
gabe, ſondern einen mit Benutzung aller zu Ge—
bote ſtehenden Hülfsmittel neunrevidirten
Tert zu licfern.“ Namentlich aber ſollten
1. bei jeder Schrift die älteſten Ausgaben
nochmals verglichen,
2. bei wiederholten Auflagen der Tert der
neuen, von Luther ſelbſt revidirten Ausgabe
geliefert,
3. Vorreden und Zuſchriften der Sammler
und Überſetzer ausgeſchloſſen,
4. jeder Abtheilung eine kurze hiſtoriſche Ein—
leitung vorangeſchickt,
English translation
Not yet translated.