Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 19 › Seite 149
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-05-11, Seite 149
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So verließen wir denn noch an ſelbigem Tage
MRünchen wieder, zwar mit leerer Caſſe,
aber auch init leichtem fröhlichem Gewiſſen,
und das war uns natürlich lieber, als wenn
das Gegentheil der Fall geweſen wäre. Was
hätle auch eine Uuterſtützung an irdiſchen Mit—
tln unſerer Anſtalt und unſerer Synode über-
haupt für Segen bringen können, wenn dieſelbe
durch Verſchweigung, ja offenbare Verleugnung
der Wahrheit erkauft worden wäre?
(Fort ſetzung folgt.)
ꝗ+* — —
Kurze Geſchichte und Charakteriſtik
aller Geſammtausgaben
von
Dr. M. Luther's Werken
mit beſonderer Nückſicht auf die Erlanger
Ausgabe bei Carl Heider 1826—49.
(Aus ver Zeitſchrift für Proteſtantismus und Kirche
N. F. Band XIX.)
Vorbemerkung des Redakteurs:
Eine Haupturſache, warum in der lutheriſchen
Kirche ſo bald von dem urſprünglichen Lehrty—
pus derſelben abgewichen worden und nach und
nach ſelbſt mancher papiſtiſche Sauerteig,
bit gerade unter dem Scheine und Vorgeben
beſonders ſtrenger Orthodoxie, in dieſelbe einge—
drungen iſt, iſt ohne Zweifel dies, daß durch
Betrug des Teufels den Lutheranern gerade die
Weder — Noch geantwortet; ſie hatten nehmlich erklärt, daß
ſie weder die Bedingungen, die ſie an ihr Bleiben in der
Landeskirche geknüpft, aufgeben, noch ihre Nuter ſelbſt nie⸗
derlezen könnten. In einem vor kurzem erhaltenen Schrei⸗
ben vom 9. März d. J. von der Hand Herrn Paſtor Löhe's
ſcreikt mir derſelbe, daß die Sache noch beim Alten ſtehe,
nur daß in einem neueren Conſiftorialreſeript die Drohung
der Suſpenſion ausgeſprochen ſei. Die große Schaar von
Laien, welche die Petition um das volle Recht lutheriſcher Ab⸗
ſcließ ung und Conſtit uirung mit an das Oberconſiſtorium
richteten, iſt im Auftrage der Conſiſtorien vorgerufen worden
(aus Neuendettelsau jedoch nur die Vorſieher), um ſie eines
Beſſeren zu belehren. Herr Paſt. L. ſetzt hinzu: „Mit Aus⸗
nahme eines Kirchenvorſtehercollegiums iſt alles treu geblie⸗
ben.“ Profeſſor Dr. Delitz ſch iſt eiſrig bemüht, die
Herrn Paſtor Löhe Naheſtehenden zur Förderung der Sache
resſelben im Geiſt zuſanmeuzubringen. „Prof. Delitz ſch“,
ſchreibt Paſt. Löhe ferner, hat über Abendmahlsgemeinſchaft
geſch'rieben, faſt ganz richtig.“ Letzterer meldet mir auch
Jolgendes: „Harleß ſchrieb mir kurz nach Ihrem Weg⸗
gang, daß er Ihre Schriſt in den Aushängebogen leſe, ſie
ſombol⸗ und ſchriftgetreu finde; bemerkte aber in einem
ſräteren Briefe, daß er von Nordamerika herüber Wunder⸗
lihes gehört habe über Ihre Anſichten! —!— Wir können
uns wohl denken, daß wir hier Freunde haben, die uns einen
ſechen Freundſchaftsdienſt mit Vergnügen erweiſen, manch'
„Wunderliches über nuſere Anſichten“ nach Deutſchland zu
berichten. Wir hoffen aber mit Gott, daß ſich das „Wun⸗
derliche“ bald aufklären und wohl auf den dienſtfertigen Be⸗
nichtertantern ſitzen bleiben werde. Gott hat uns einen Beruf
gegeben, der uns aufgefordert hat, ſchon ſeit einer Reihe von
»Jahren öffentlich unſeren Glauben mündlich und ſchrift⸗
Kſth auszuſprechen (und dieſes von uns öffentlich ausgeſpro⸗
cenen Glaubens ſchämen wir uns nicht, ſondern ſind viel⸗
mehr entichtoſſen, mit Gottes Hilſe und Gnade dabei zu
Uciten und daranf zu ſterben): wer daher die Wahrheit
libt, ſallte billig, wenn er von unſeren Glauben berichten
wellte, das vorlegen, wozu wir uns ſelbſtöffen tlich bekannt
haben, und mit ſeinen Anſichten über unſere möglichen „An⸗
ſchten“ zu Hauſe bleiben. — Dann würde jedoch freilich
wohl der „fromme Zweck“, den der chriſtliche Berichterſtatter
mit ſeinen Berichten verbindet, vor allem bei einem Harleß,
mehr als unerreicht bleiben.
—
Schriften Luther's allmählich faſt ganz aus
den Händen gelommen ſind. Dies iſt unſtreitig
auch eine Haupturſache, warum hier in Ame⸗
rika ſo wenig klare Erkenntniß davon, was ei—
gentlich lutheriſch ſei, zu finden iſt, und daß
viele ſelbſt redliche Männer, welche gern ihrer
lutheriſchen Kirche treu ſein wollen, ſo leicht
von falſchen Lehrern getäuſcht werden, die ihre
falſche, entweder papiſtiſche, oder reformirte,
oder ſchwarmgeiſteriſche, Lehre mit großer Zu—
verſichtlichkeit, ja wohl mit den verwegenſten
Bannflüchen gegen die, die anders wie ſie
lebren, als die alleinig echt lutheriſche ausrufen
und anpreiſen (die aber daher nicht unterlaſſen,
hie und da, freilich mit der unſchuldigſten Miene
ven der Welt, einen Stein auf den theuren Lu—
ther und die von ihm geführte Lehre zu werfen,
und ſo das Vertranen zu Luthern zu untergra⸗
ben und das Verlangen nach ſeinen Schriften
zu ſchwächen ſuchen. 4) Soll es nun wieder
beſſer werden, ſo iſt kein anderer Weg, als daß
prediger und Laien, nächſt dem Worte Gottes
ſelbſt und nächſt den öffentlichen Bekenntniß—
ſchriften, Luther's Werke ſich anſchaffen und
darin fleißig ſtudiren. Ja, das iſt das recht
eigentliche Speciſicum gegen die Krankheit un—
ſerer armen Kirche und gegen den zerſtörenden
verderblichen Einfluß ihrer trüglichen Arbeiter.
Für diejenigen, denen die gründliche Erkenntuiß
der wahren lutheriſchen Lehre am Herzen liegt
und die nicht ſchon dahin gekommen ſind, daß
ſie, gerade was ſie für gut beſinden, eo ipso
für echt lutheriſch angeſehen wiſſen wollen, thei⸗
len wir daher hier die folgende vergleichende
Ueberficht in Betreff der verſchiedenen Ausgaben
der ſämmtlichen Werke Luther's mit. Mögen
dadurch recht viele auf dieſe, wenigſtens jedem
lutheriſchen Prediger faſt unentbehrli⸗
chen, aber in dieſen verführungsvollen Zeiten
auch jedem Laien, der nicht von jedem Winde
der Lehre bewegt werden will, ſo nöthigen
Schriften aufmerkſam, und bewogen werden, es
ſich lieber an einer Bequemlichkeit und Erquick⸗
ung abgehen zu laſſen, als länger ohne dieſen
Schatz zu bleiben, der eine große Bibliothek mehr
als erſetzt. Wir hoffen um ſo mehr, daß ſich
bald recht viele finden werden, die die Koſten
der Anſchaffung dieſes Werkes nicht ſcheuen,
da wir von der Heider'ſchen Buchhandlung in
Erlangen die Zuſicherung erhalten haben, daß
ein jeder, welcher von hier aus die von derſelben
beſorgte vortreffliche neue Ausgabe unmittelbar
bezieht, das ganze, gegenwärtig aus 70 Bän⸗
den beſtehende, Werk für 31 Gulden 30 Kreu⸗
zer (alſo für 13 amerikaniſche Thaler) erhal⸗
ten ſoll.
E
*
Luther's ſämmtliche Werke ſind im Ganzen
nicht öfter als ſechs Mal gedruckt worden, näm—
lich 1. zu Wittenberg in 19 Foliobänden,
von 1539 — 1558; — 2. zu Jena in 12
Foliobänden, von 1555 — 1558; — 3. zu
+) Einen Beweis, wie inſonderheit alle Hierarchen ihre
geheime Feindſchaft wider den ehrlichen Luther und ſeine
Pabſt und Päbſilein vernichtenden Schriften nicht verbergen
künnen, liefert das Buffaloer Informatvrium.
Altenburg in 10 Foliobänden, von 1661
— 16641; — 4. zu Leipzig in 23 Folio⸗
bänden, von 1729 — 1740; — 5. zu Halle
in 24 Quartbänden, von 1740 — 1753; —
6. zu Erlangen von 1826 —1849 in 66
Octavbänden. Dieſe Ausgaben ſind aber von
ſehr ungleichem Werthe, und wir hoffen deßhalb
nichts Ueberflüſſiges zu thun, wenn wir dieſelben,
mit Rückſichtnahme auf die Geſchichte ihrer Ent⸗
ſtehung, hier kürzlich charakteriſiren.
1. Die Wittenberger Ausgabe.
1539 — 1558.
Auf Verlangen des Churfürſten Johann
Friedrich's ſollten ſchon zu Luther's Lebzei⸗
ten deſſen Schriften geſammelt und zuſammen⸗
gedruckt werden. Luther ſah dies nicht gern,
ſondern wünſchte vielmehr, daß alle ſeine Bü⸗
cher „dahinten geblieben und untergegangen“
wären. Weil er aber ihre Sammlung nicht
hindern konnte, ſo tröſtete er ſich wenigſtens mit
dem Gedanken, „daß ſeine Bücher mit der Zeit
im Staube bleiben und vergeſſen werden wür—
den, beſonders wo er durch Gottes Gnade et⸗
was Gutes geſchrieben habe.“ Die Redaktion
der Sammlung übertrug er ſelbſt dem M. Ge⸗
org Rörer, welcher unter dem Beiſtande des
bald darnach verſtorbenen Caſp. Creuz iger,
die erſten vier deutſchen Bände beſorgte, bis
er einem Rufe nach Dänemark folgte, worauf
Georg Major an ſeine Stelle trat. So lange
Luther lebte, las er jederzeit den letzten Druck
ſelbſt; aber ſogleich nach ſeinem Tode ließ man
ſich kryptokalviniſche Tertveränderungen und
Auslaſſungen zu Schulden kommen. Die ganze
Sammlung beſteht aus 12 deutſchen und 7
lateiniſchen Bänden in Folio. Von den deut⸗
ſchen erſchien der erſte 1539 mit Luther's
Vorrede bei Hans Lufft. Der zweite wurde
zwar noch bei Luther's Lebzeiten in Nic. Schir⸗
lenzens Druckerei begonnen, aber wegen der
Kriegsunruhen und insbeſondere wegen der Ge⸗
fangennehmung des Churfürſten, erſt 1548 in
einer andern Druckerei vollendet. Er hat zwar
auch eine Vorrede Luther's, mit einem Zuſatz
von Georg Rorer, dieſelbe ſcheint aber nicht
ſowohl von Luther ſelbſt geſchrieben, als viel⸗
mehr aus deſſen Schriften blos zuſammengeſtellt
zu ſein. Der 3. — 12. Band erſchien in den
Jahren 1550 — 58. Das Regiſter zu dieſen
12 Bänden hat der Korrektor der Lufft'ſchen
Druckerei, Georg Walther gefertigt und 15⁵
bei Hans Lufft in 4. herausgegeben. Die ein⸗
zelnen Bände dieſer Ausgabe find ſpäterhin in
verſchiedenen Druckereien öfters wieder gedruckt
worden, ſo daß man drei bis vier vollſtändige
Ausgaben von 1539 — 1600 annehmen kann,
deren jedoch keine planmäßig als ein Ganzes
veranſtaltet worden iſt.
Von den 7 lateiniſchen Bänden erſchien
der erſte 1545 bei H. Lufft, mit zwei Vor⸗
reden, von Luther und Melanchthon. Hierin
bekennt Luther, daß er in ſeinen erſten Büchern
aus Demuth dem Papſte noch viele und große
Artikel eingeräumt, die er ſpäter als die höchſten
Gottesläſterungen und Gräuel verdammt habe,
daher er bitte, man möge ſolche Schriften mit
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