Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 25 › Seite 200
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-31, Seite 200
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 58
auch Irrthümer darinnen ſein. Er iſt aber nicht
nur dieſem Buche, ſondern auch denen feind, die
dem Buche zugethan, der jetzigen falſchen Union
aber abhold ſind; denn er will, wie er gewöhnlich
zu ſagen pflegt, Allen Alles werden, bei den Alt⸗
lutheriſchen ein ſolcher (wie er bei Herrn Pfarrer
Löhe in Baiern bewieſen), bei den Unirtgeſinnten
auch ſo, hat er doch den Namen „lutheriſch“ nur
beibehalten; bei den Reformirten, wie ſie, ja auch
bei den Katholiken ein Römling! Er ſchreitet
alſo mit der Zeit fort und iſt, wofür er ſich nem⸗
lich blos hält, ein wiſſenſchaftlicher Mann, der
des jetzigen Standpunktes kundig iſt.
2. Der Ausdruck „natürlicher Leib“ recht⸗
fertigt ſich auch laut des Nachweiſes alter Kirchen⸗
lehrer (ſiehe Concordienformel, Cap. 7 u. A. m.)
und verſchiedener neuerer, ſelbſt unirter Katechis⸗
men, von denen ich nur einige anführen will.
Albert Geißler in ſeinem Katechismus
fragt: „Was genießt man beim heiligen Abend⸗
mahl? Antw. Brod, Wein; Leib und Blut
JEſu Chriſti. Der Leib, den man genießt, iſt
derſelbe, der von der Jungfrau Maria geboren,
am Kreuz geſtorben, auferſtanden und gen Him⸗
mel gefahren iſt, und der jetzt zur Rechten des
Vaters ſitzet; dieſen Leib kann er ſichtbar und
unſichtbar machen, mit dieſem iſt der HErr IEſus
nicht blos im Himmel, ſondern überall bei den
Seinen. Das Blut JEſu Chriſti im Abendmahl
iſt dasſelbe, was er bei ſeinem Leiden und Ster⸗
ben vergoſſen hat, von welchem nicht ein Tröpf⸗
lein die Verweſung geſehen hat.“
Selbſt Rud. Stier, dieſer Vorfechter der
Union, ſchreibt: „Wir glauben feſtiglich, daß der
HErr ſelber uns wunderbarlich ſpeiſet und tränket
mit dem Leibe, der am Kreuz gebrochen, und dem
Blute, das aus demſelben Leibe vergoſſen worden,
denn alſo hat der HErr in ſeinem Teſtamente ge⸗
ſprochen: ‚das iſt“ —! und dabei bleiben wir.“
Spener fragt: „Was iſt ſolches für ein Leib
Chriſti? Antw. Der wahre, weſentliche Leib
Chriſti, welchen er von der Jungfrau Maria an
ſich genommen, darinnen gelebt, geſtorben, auf⸗
erſtanden iſt, und noch an ſich hat; denn er iſt
derjenige, welchen er für uns gegeben hat.
„Was iſts aber für ein Blut? Antw. Das
weſentliche Blut Chriſti, welches er gehabt und
für uns vergoſſen hat, daher ein heiliges Opfer⸗
blut, welches Gottes eigen iſt.“ (Ueber letzteren
Ausdruck „Gottesblut“ wagt es der Miſſionsbote
ſpottweiſe zu ſagen: „Gott hat ja kein Blut.“)
So wären noch viele Zeugniſſe anzuführen,
die mit Luther nach dem klaren Wort Chriſti be⸗
kennen: „Daß des HErrn Brod im
Abendmahl ſein rechter natürlicher
Leib ſei, welchen der Gottloſe eben
ſowohl empfängt, als alle Heiligen.“
Und ebenſo könnte man auch das Wort „ma⸗
teriell“, ohne ein ſolcher zu ſein, der auf kaper⸗
naitiſche Weiſe Chriſtum genießt, gebrauchen, wie
denn auch Hunnius § 696 thut, wenn man nur
abermals mit Luther nach Gottes Wort glaubt,
„daß des HErrn Brod im Abendmahl“ ꝛc.
3. So ich endlich über dem kirchlichen Aus⸗
druck „natürlicher Leib“ der Sectirerei be⸗
dreiſte Unwahrheiten.
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zichtigt werde, was ſoll ich denn nach dem Worte
Pauli bekennen, welcher aus dem Munde IEſu
hörte: „Das iſt mein Leib, der für euch gebrochen
wird“? 1 Cor. 11. Der Leib alſo, ſo ich rück⸗
wärts gehe, der Leib, welcher in der andern un⸗
begreiflichen geiſtlichen Weiſe, da er keinen Raum
nimmt (Concordien formel 7.), gegenwärtig iſt,
iſt kein anderer, als der, welcher zur Rechten Got⸗
tes gefahren, und dieſer iſt der, welcher aus dem
Grabe auferſtanden, und aus dem Grabe kein
anderer, als der hervorgegangen, welcher einmal
auch den Schwarmgeiſtern, welche nicht wiſſen,
was für einen Geiſt oder Chriſtum ſie ſich im
Abendmahl vormalen ſollen, ſeine Nägelmaale
zeigen wird, die er am Kreuz erlitten. Da aber,
am Kreuz, hing des Menſchen Sohn, von Maria
geboren, geſtorben, der da ſpricht: das iſt mein
Leib, der für euch gegeben wird.
Oder ſoll ich glauben, daß ein anderer Chri⸗
ſtus für mich gelitten? ein anderer geſagt: das
iſt mein Leib? ein anderer gen Himmel gefahren
ſei? ein anderer wiederkommen wird zum Ge⸗
richt? ein anderer beim Abendmahl gegenwärtig,
ſei, ſegne und austheile? Ich lehre und nehme
im Abendmahl den unter Brod und Wein gegen⸗
wärtigen Chriſtum, welcher einſt als Heiland für
uns Sünder ſtarb und welcher mit ſeinem nun
verklärten Leibe, den er einſt dahin gab (alſo
wieder der natürliche), gegenwärtig ſpricht: Neh⸗
met, das iſt mein Leib“ ꝛc.; und obgleich die
blinde Vernunft ſolches nicht reimen kann (denn
natürlicher Leib und übernatürlicher Genuß will
ſich ſo wenig reimen, als „im Leibe ohne Zu⸗
thun eines Mannes, Joh. 1., empfangen wer⸗
den“, oder „Gott ward Menſch“), ſo ſpricht
dennoch der Glaube: „So ſpricht der Sohn
Gottes, der treue und wahrhaftige Zeuge, und
Gott vom Himmel ruft mir ja, den ſollt ihr
hören.“
Das iſt es nun, was ich glaube, und laſſe
mirs gern gefallen, wenn der Miſſionsbote ſagt:
„Ein Menſch oder eine Gemeine, die dies glaubt,
kann in der That nicht bei gutem Verſtande ſein“
— denn dem Unverſtand muß man doch auch
etwas zu gute halten. Ich beſorge nur, der
Herausgeber des Miſſionsboten möchte ſich end⸗
lich zu weit verſteigen und mit Herrn Dr. Kurtz
bekennen: „Wenn Luther, ja, wenn Paulus
und Petrus wiederkämen, müßten ſie von uns
lernen.“
Hält mich übrigens der Miſſionsbote für
einen eigentlichen Sectirer, ſo laß ich mir's ge⸗
fallen, denn ich gehöre ja zur Secte, der ſeit 300
Jahren widerſprochen wird, weil ſie ſich vom
Reich der Lüge getrennt hat; aber woher kommt
denn die neue Secte, der evangeliſche Kir⸗
chenbund? was will er? wohin eilt er? die
Zeit wirds lehren, daß er aus der Bekenn tniß⸗
loſigkeit zun Wohlleben in den Unglauben führt.
denn auch dieſe Liebe duldet auf eine böſe Weiſe
Alles (nur keine Entſchiedenheit).
Dies nun als kurze Vertheidigung gegen
Ich bin übrigens weit
entfernt, der Perſon zu grollen, denn ſo man den
Miſſionsboten früge: redeſt du das von dir ſelbſt
oder haben es dir Andere geſagt?“ ſo müßte er
wohl geſtehen, daß er ſich zum Handlanger fal⸗
ſcher Brüder hergegeben habe, denen nichts mehr
am Herzen liegt. als die lutheriſche Lehre auszu⸗
rotten. Der Miſſionsbote möge nur fernerhin
bei ſeinem Miſſionsfach bleiben und nicht eher
wieder für andere Gemeinden ſorgen, bis ihn die
Kirche zum Kirchenviſitator ordinirt; ſollte es
ihn aber wieder gelüſten, zu polemiſiren, ſo muß
er gewärtig ſein, daß er an einem Ort aufgedeckt
wird, da er es weder vermuthet noch wünſcht.
Am wenigſten wage er ſich an die lutheriſche
Lehre und Kirche, der er von Kindheit zugehört.
Er bedenke: „Gottes Wort iſt Luthers Lehr' und
vergehet nimmermehr“, wenn auch die Feinde rüh⸗
men: „mit der lutheriſchen Kirche ſei es Matthäi
am Letzten“.
Fr. Beſel,
deutſch ev.⸗luth. Pfarrer zu New Bedford.
Wir Unterzeichnete bezeugen hiemit der Wahr⸗
heit gemäß, daß Herr Pfarrer Friedrich Beſel
1. der Gemeinde noch nie eine Conſtitution zur
Annahme vorgelegt hat;
2. und noch nie vom heiligen Abendmahl alſo
gelehrt hat, wie Herr Pfarrer Steiner im Miſ⸗
ſionsboten ihn beſchuldigt.
New Bedford, am 13. Juli 1850.
Der Kirchenvorſtand der deutſchen ev.⸗
luth. Zions⸗Gemeine zu Bedford:
Jakob Rinehart.
David Schlegel.
George Levengood.
„Bezeuge vor dem SErrn, daß ſie nicht um
Worte zanken, welches nichts nütze iſt, denn
zu verkehren, die da zuhören.“
(2 Tim. 2, 14.)
Ich habe ein gutes Gewiſſen, ſchreibt Luther,
wenn ich nur nichts Bö ſes gelehrt habe. Un⸗
paſſend haben auch die höchſten und frömm⸗
ſten Väter in der Kirche geredet, und zwar nicht
ſelten ſelbſt in den höchſten Artikeln des Glau⸗
bens; vergeblich iſt es, über Ausdrücke und
Worte zu ſtreiten, wenn es bekannt iſt, daß
die Lehre ſelbſtrein und lauter iſt. Die
ſtreitſüchtigen Abwäger der Worte aber, deren
ganze Gewiſſenhaftigkeit und Sorgſamkeit mehr
dahin geht, mit was für Worten ſie reden, wäh⸗
rend ſie wenig um die Sache ſelbſt bekümmert
ſind, ja nichts als Unrechtes lehren, dieſe finden
immer etwas in fremden Büchern, um darüber zu
läſtern. Sie ſeigen Mücken und verſchlucken
Kameele; den Splitter eines unpaſſenden Wört⸗
leins machen ſie in Anderer Schriften zum Ver⸗
brechen, während ſie die Balken gottloſer Mei⸗
nungen in ihren eigenen als etwas ganz Gött⸗
liches ſelbſt aubeten. Mögen dieſe allein gelten
wollen und allein an ihrem Eigenen ſich ergötzen,
ſo viel ſie wollen, das Unſrige mag ſie anekeln,
aber ſie mögen ſich nur auch nicht daran ver⸗
greifen.
(Aus einer Vorrede Luthers zu der lateiniſchen
Ausgabe ſeiner Kirchenpoſtille von 1528. Siehe:
Unſchuld. Nachr. vom Jahre 1730, S. 186.)
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